Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.

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Gesellschaft für zeitgenoessische Lyrik

Lyrikgesellschaft Aktuell

Heimat/Heimatverlust – diese Ausgabe erscheint erst 2020

Änderung bei der Frühjahrsausgabe 2020 der Zeitschrift „Poesiealbum neu“

Bis Anfang Juni 2019 erreichten uns Zusendungen aus 10 Ländern. Um die hohe Zahl der Einsendungen angemessen zu bearbeiten, macht sich eine Verschiebung des Erscheinungstermins notwendig. Es ist vorgesehen, die Gedichte zum Thema "Heimat/Heimatverlust" zur Leipziger Buchmesse 2020 vorzustellen und die Präsentation mit dem Erscheinungstermin zu verbinden. Alle Autorinnen und Autoren, von denen ein Gedicht in der Zeitschrift Aufnahme findet, erhalten November/Dezember 2019 schriftlich Bescheid. Von telefonischen oder schriftlichen Rückfragen bitten wir nach wie vor abzusehen. Um diese im Einzelnen zu bearbeiten, sind wir personell nicht in der Lage.

Wir bitten dafür um Verständnis. Es ist die erste Terminverschiebung in 13 Jahren. Die Fülle an Zusendungen hat uns überwältigt. Dank an alle, die sich an unserer Ausschreibung beteiligt haben.

Der Einsendetermin für das Thema "Poesie und Narrheit" bleibt bestehen. Das Erscheinen dieser Ausgabe verschiebt sich allerdings um ca. 6 Monate auf den Herbst 2020.

Hinweis für Abonnenten: Im Herbst d.J. erscheinen als 2. Ausgabe 2019 Gedichte zu New York, von denen einige im Zusammenhang mit unserem New-York-Abend am 27. September im Café Eigler (das im Capa-Haus ansässig ist) vorgestellt werden.

Zwischenruf des Vorsitzenden bzw. Wir können nicht keinem Geld noch welches nachwerfen!

Wir sind der einzige (und zudem mitgliederstärkste) Literaturverein in Leipzig, der seit 1997 alljährlich Lyrikveranstaltungen anbietet.
 
Im Februar 2019 wurde unser im September 2018 eingereichter Projektantrag, der 12 Veranstalungen - mit ganz unterschiedlichen Beteiligten und ebenso unterschiedlichen Formaten an verschiedenen Orten enthielt - als nicht förderungswürdig erachtet. Zu den 12 Veranstaltungen zählten die Lesung mit dem Leipziger Buchpreis- und Erich-Loest-Preisträger Guntram Vesper, die Vernissage der Ausstellung "Worthaft - Bildhaft. Kunst politischer Gefangener", die Präsentation der aktuellen Poesiealbum neu- Ausgabe "Größe spüren. Musikgedichte" im Schillerhaus Leipzig und der New-York-Abend mit Film, Fotografie, Lyrik, Prosa und Musik im Capa-Haus.
Gegen den Ablehnungsbescheid haben wir fristgemäß Widerspruch eingelegt; das Widerspruchsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Im Juli hat uns das Kulturamt eine Anhörung eingeräumt.
 
Der im Februar 2019 gestartete Spendenaufruf hat uns in die Lage versetzt, einen Teil der geplanten Veranstaltungen dennoch zu realisieren.
 
Fast allen Spender/innen habe ich ab einer Spende von 12 € ein signiertes Exemplar meiner Gedichtausgabe "Ich habe die Schönheit gesehen. Liebesgedichte in vier Sprachen" zusenden können. Weitere Versendungen folgen.
 
 
Übersetzer der Gedichte sind Ron Horwege (engl.), Rüdiger Fischer (franz.) und Alexander Schmidt (russ.). Gestaltet hat die limitierte Ausgabe Torsten Hanke.
 
In der Hoffnung auf weitere Spenden verbleibt die Bankverbindung auf der Webseite:
 
Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.

Vereins- und Spendenkonto

IBAN: DE63 8605 5592 11 00 8010 53
SWIFT-BIC: WELADE8LXXX
Sparkasse Leipzig

Senden Sie bitte nach der Überweisung eine Mail an kontakt@lyrikgesellschaft.de mit der Angabe Ihrer Adresse und Sie erhalten das signierte Exemplar zugesandt.

Nun gibt es Neuigkeiten und wir bewerten es als ersten ERFOLG!

Ein erneuter Antrag, der im März 2019 beim Kulturamt für das 2. Halbjahr 2019 gestellt werden konnte, wurde dieser Tage hingegen positiv beschieden und die beantragte Förderung in geminderter Form bewilligt. Das versetzt uns in die Lage, die Veranstaltung zu Ehren unseres Schirmherrn Karl Krolow am 27. August im Literaturhaus Leipzig und gut 3 Wochen davor, am 3. August, den Lieder- und Lyrikabend im Schillerhaus "Die Spinnerin Hanne Luhs und andere Frauenlieder und -gedichte" anbieten zu können. Dafür danken wir. (25. Juni 2019) 

Anmerkung vom 22.7.19: Leider ist der Erfolg nur ein halber. Das Kulturamt fördert den Lieder- und Lyrikabend um "Die Spinnerin Hanne Luhs" leider nicht; für das Programm besteht keine Wertschätzung. Somit erlangt lediglich eines von unseren 14 Veranstaltungsangeboten 2019 die erforderliche Förderpriorität der Kulturbehörde; man will partout nichs fördern, was dem "Leipziger Liederbuch 1987/2017" nahekommt.

ERGÄNZUNG

Wir können nicht keinem Geld noch welches nachwerfen!

Mit Datum 29.7.19 hat der Vorstand der GZL nach der Anhörung am 12. Juli den Widerspruch zurückgezogen, um finanziellen Schaden von der Lyrikgesellschaft abzuwenden. Der Beschluss des Vorstandes wurde mit einfacher Mehrheit gefasst, zwei Vorstandsmitglieder enthielten sich der Stimme.

Bei der Anhörung wurden uns folgende "Fördereckpunkte" verdeutlich: Neues bieten, neue Kooperationen bilden, neue Akteure einbeziehen, neue Formate schaffen, neue Zielgruppen finden.

Schaut man sich daraufhin nochmals unseren Antrag vom September 2018 an, wird deutlich, dass wir bei der Antragstellung auf Vielfalt geachtet haben, verschiedene Zielgruppen angesprochen haben, ohne jedoch das, was sich bewährt hat (Lesung im Gohliser Schlösschen seit 2007 bzw. erfolgreiche Kooperation mit dem Botanischen Garten seit 2017) in diesem Jahr vernachlässigen zu wollen.

Im Plan für 2019 gibt es ganz neue Veranstaltungsorte: Café Eigler im Capa-Haus, Galerie Süd, Bührnheims Literatursalon und Schillerhaus.

Darüber hinaus wurden für 2019 neue Mitwirkende avisiert: Die Sax'n, Carsten Pfeiffer, Frederic Böhle, Blanche Kommerell, Jutta Rosenkranz.

Ebenso wurden ganz neue Formate angeboten: Foto, Film, Lyrik und Musik an einem Abend, ebenso einer Vernissage mit Kunst von politischen Gefangenen und einen Abend zu Mascha Kaleko.

Dass all das nicht als förderungswürdig erachtet wird, ist im Grunde unvorstellbar und eine Schande für diese Stadt. Desgleichen gilt für ein Widerspruchs“verfahren“, das den, der der Entscheidung widerspricht, praktisch handlungsunfähig macht, indem ihm erklärt wird, es gäbe – selbst wenn es ihm gelänge, einen Fehler im bürokratischen Ablauf zu finden – ohnehin keine Korrektur, denn einer inhaltliche Fehlbewertung kann nicht widersprochen werden.

Wortmeldung: Für Vielfalt

U.a. von der Leipziger Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke aufgefordert, uns der Kampagne "Die Vielen" anzuschließen, melden wir uns zu Wort und stellen es gleichzeitig all unseren Mitgliedern anheim, sich dieser Aktion anzuschließen: Berliner Erklärung. Die 1992 gegründete Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, der derzeit Mitglieder aus acht Ländern angehören, verpflichtet sich in ihrer Satzung „im Geist von Toleranz und Völkerverständigung“ zu agieren. Das haben wir mit unserer Arbeit immer wieder unter Beweis gestellt, sei es durch Veranstaltungsreihen von „Heimat und Fremde“ (1993-95) bis ZWIE SPRACHE (seit 2013), unsere Ausstellung „gegen den strom“, die bisher mehr als 36.000 Besucher zählt, und Veröffentlichungen der Poesiealbum neu-Themenhefte „Texte gegen Intoleranz“ (2008), „Deutschland. Gedichte“ (2009), „Deutsche Inventuren“ (2012), „Gedichte von Welt“ (2014) oder jüngst in Form der Sonderausgabe „Worthaft. Texte politischer Gefangener“ (2018) sowie bei unseren Gedichtfilmwettbewerben „Worte sind Boote“ (2012) und „Poetry Clips gegen den Krieg“ (2014) – bei denen jeweils Gedicht- bzw. Filmautor(inn)en aus verschiedenen Ländern involviert waren. Wir setzen uns auch ganz aktuell dafür ein, dass die Freiheit der Kunst bewahrt wird. Es ist deshalb nicht nur der „Spaßmacher Ringelnatz“, zu dessen Lyrikverfilmung wir gegenwärtig in Form unseres 4. Gedichtfilmwettbewerbs anregen, sondern sein Beispiel zeigt exemplarisch, dass die Freiheit der Kunst binnen weniger Tage verloren gehen kann, sobald Ermächtigungsgesetze und Machtstrukturen dies ermöglichen. Mit unserer gegenwärtigen „Worthaft“-Lesetour, bei der Autorinnen und Autoren an Schulen von ihren Haftgründen und -bedingungen unter der SED-Diktatur berichten werden, verdeutlichen wir, was es bedeutet, die Meinungsfreiheit zu verlieren. Darüber hinaus haben wir 2018/19 deutschsprachige Lyrikerinnen und Lyriker eingeladen, sich an unserer Ausschreibung des Poesiealbum neu-Themenheftes „Heimat / Heimatverlust“ mit neuer Lyrik zu beteiligen. Gern bringen wir uns mit einer Auswahl der bisherigen und künftigen Veröffentlichungen in das Wirken „der Vielen“ ein, ohne jedoch als Organisatoren von Veranstaltungen und Aktivitäten federführend handeln zu können, dazu entbehrt es seit 2012 einer personellen Struktur. Hier ein aktueller Artikel von Christina Sticht zum Thema "Kultur lebt von unterschiedlichen Einflüssen" aus der nmz vom 14.01.2019. Ralph Grüneberger im Namen des Vorstandes Leipzig, im Juli 2019

Veranstaltungen unserer Mitglieder – Ralph Grüneberger

30. 09. 2019, 17:00 Uhr: Lesung mit Ralph Grüneberger in Dresden aus dem Roman „Herbstjahr“, Kreuzkirche Dresden, An der Kreuzkirche 6, 01067 Dresden, Deutschland

Veranstaltungen unserer Mitglieder – Jörn Sack

Jörn Sack, ‚Über den idealen Staat‘ – Vortrag bei der Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg, Ort: Kulturwerkstatt Auf AEG, Fürther Straße 244d (Kleiner Saal), 90429 Nürnberg Datum und Uhrzeit: 25. September 2019, 19. 30 h

Veranstaltungen unserer Mitglieder – Ralph Grüneberger

25. 09. 2019, 19:00 Uhr: Lesung mit Ralph Grüneberger aus dem Roman „Herbstjahr“ in Leipzig, Stadtbibliothek Leipzig, W.-Leuschner-Platz 10/11, 04107 Leipzig, Deutschland


Veranstaltungen

15.03.2019 - 15.11.2019
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Worthaft-Lesetour für Schüler/innen in Sachsen

Im zu Ende gegangenen Schuljahr und in den ersten drei Monaten des neuen Schuljahres bot bzw. bietet die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik Bibliotheken und Schulen in Sachsen die Möglichkeit, Autorinnen und Autoren als Zeitzeugen zu Gesprächen und Lesungen einzuladen. Grundlage dafür ist die 2018 mit Unterstützung des Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erschienene Poesiealbum neu-Sonderausgabe „Worthaft. Texte politischer Gefangener“ mit Lyrik und Prosa von 50 Autorinnen und Autoren, von denen die Mehrheit aus politischen Gründen in der DDR inhaftiert war.

Ermöglicht wird die „Worthaft-Lesetour“ durch die großzügige Unterstützung des Landtages des Freistaates Sachsen. Insgesamt sind nunmehr zehn Veranstaltungen vorgesehen. Begonnen wurde die „Worthaft-Lesetour“ an der Rudolf Hildebrand Schule in Markkleeberg mit dem Künstler Jörg Beier und der Schriftstellerin und bildenden Künstlerin Gabriele Stötzer. Fortgeführt haben die Lesetour in der Stadtbibliothek Bautzen vor Schülerinnen und Schülern des Schiller-Gymnasiums Róža Domašcyna und Gerhard Pötzsch. In Leipzig an der Anton Reclam Schule und in der Chemnitzer Zentralbibliothek werden es im Mai Hubertus Schmidt, Siegmar Faust und Stephan Krawczyk sein. Im Juni stellten sich im vogtländischen Reichenbach Heinz-Martin Benecke und Jörg Beier den Fragen der Jugendlichen in der von der Jürgen-Fuchs-Bibliothek organisierten Veranstaltung für das Goethe-Gymnasium.

Weitere Schulveranstaltungen sind für den Zeitraum September bis November 2019 geplant. Den Auftakt für den zweiten Teil übernimmt ein Trio aus Dresden mit den Schauspielern Oda Pretzschner und Holger Hübner und dem Musiker Max Loeb Garcia an der Rudolf Hildebrand Schule in Markkleeberg. Ihm folgt eine Veranstaltung am Leibniz-Gymnasium in Leipzig mit Stephan Krawczyk und Gerhard Pötzsch. Lutz Rathenow und Gabriele Stötzer sind in Plauen zu Gast, zum einen am Beruflichen Schulzentrum Anne Frank und zum anderen in der dortigen Jugendherberge. Die 11. Veranstaltung in Grimma wird den Abschluss der diesjährigen „Worthaft“-Lesetour bilden, hier sind Siegmar Faust und Hubertus Schmidt dabei und kommen mit Schülerinnen und Schülern des Evangelischen Schulzentrums Muldental ins Gespräch.

Weiterlesen: Worthaft-Lesetour für Schüler/innen in Sachsen
27.09.2019
18:00 - 20:00

New York, New York. Ein Abend mit Gedichtfilm, Fotografien, Musik, einem Romanauszug und Poesie

Café Eigler im Capa-Haus,
Leipzig, Jahnallee 61

Ein amerikanischer Abend im Capa-Haus während der Interkulturellen Wochen 2019 in Leipzig

Die USA sind das Mutterland der Migration und Integration. Das gilt für keinen anderen Staat der Welt im selben Maße. Seit etwa zwei Jahrhunderten ist die Anziehungskraft, die von Nordamerika ausgeht, ungebrochen. Daran haben auch die Terroranschläge auf das World Trade Center (WTC) nichts geändert. Umso stärker ist die Wirkung einzuschätzen, die seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in der weltweiten negativen Bewertung des Islam mündeten. Nichts hat die Weltlage zu Beginn des 21. Jahrhunderts so verändert wie die Anschläge auf das WTC. Dieses Klima führte zum Krieg gegen den Irak und damit zum Entstehen der Terrororganisation „Islamischer Staat“. Aktuell beobachten wir mit Sorge eine erneute militärische Drohkulisse der US-Regierung gegen den Iran. Immer geht es dabei um den Kampf um Rohstoff-Ressourcen bzw. um die ökonomische und politische Vorherrschaft.

Vor diesem Hintergrund wirken die sozialkritischen Fotografien des Fotokünstlers Antonius, der heute in Berlin lebt, aber seiner familiären Wurzeln in den USA hat, wie aus einer „anderen Welt“. Antonius hat einen Blick für die Randgruppen und für die Armen im reichen Nordamerika. Ihnen gilt seine ganze Empathie. Ähnlich sind die Amerika-Gedichte einzuschätzen, die viele Mitglieder der in Leipzig ansässigen internationalen Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik für eben diesen Abend ausgewählt und bereitgestellt haben.

Programm:

„12. September” –  Gedichtfilm

„New York” – Foto-Musik-Performance

„New York-Gedichte“ von Mitgliedern der GZL (deutsch und z.T. in amerikanischer Übersetzung)

„Amerika” – Auszug aus dem Roman von Franz Kafka (Ankunft in New York)

Musikalische Zwischenspiele

Es wirken mit: Antonius, Mayjia Gille, Ralph Grüneberger, Axel Thielmann und Jörg Schneider.

Hier ein Vorgeschmack auf den musikalischen Part des Abends: (youtube-channel Schneider-Schwarznau)

Die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik veröffentlicht als Nr. 2/2019 ihrer Zeitschrift Poesiealbum neu im Herbst eine Ausgabe mit New-York-Gedichten.

Eintritt 8 €

Beginn 18 Uhr, Einlass ab 17 Uhr.
Kartenvorbestellungen ab 15. August 2019
Platzreservierungen über Tel. 0341-877 27 33 empfohlen

Foto NYC und Trailer: Antonius

Das Referat Migration und Integration der Stadt Leipzig fördert dankenswerterweise diese Veranstaltung im Rahmen der diesjährigen Interkulturellen Wochen in Leipzig. 

Weiterlesen: New York, New York. Ein Abend mit Gedichtfilm, Fotografien, Musik, einem Romanauszug und Poesie

Gedicht des Monats

Gedicht des Monats September

Marianne Rieger(*1939)
Ahnenbilder

manchmal

stelle ich einfach
ein paar Fragen

an die in meinen Zellen
als Ahnenbilder
eingerahmten Vorfahren

an alle die die einmal waren

auf diesem Tummelplatz
das kleine

Schneeglöckchen Zeit

Quelle: Poesiealbum neu „In Familie. Gedichte“, edition kunst&dichtung, Leipzig 2013 Ausgabe 2/2013

Wir gratulieren Marianne Rieger herzlich zu ihrem 80. Geburtstag.


Empfehlung des Monats

Jörg Neugebauer: Jimi Hendrix traf Kafka und fragte ihn nach der Uhrzeit

Jörg Neugebauer: Jimi Hendrix traf Kafka und fragte ihn nach der Uhrzeit

Empfehlung des Monats · September 2019
von Franziska Röchter

Wie kam es zu diesem außergewöhnlichen Buchtitel, was steckt dahinter? Diese Frage hat sich sicher schon der eine oder andere Gedichtleser gestellt, der Jörg Neugebauers Buch in die Hand bekam. Der Autor, Lyriker, Performer und Radiomoderator (www.freefm.de/sendung/klassisch-modern) sagt, dass der Buchtitel gleichzeitig auch der Titel eines enthaltenen Gedichtes ist und dass Udo Degener, (Anm. des Verf.: Verleger dieses feinen, mit hellgrünem Schutzumschlag und dunkelgrünem Lesebändchen versehenen Hardcoverbandes) die Idee dazu hatte (nachzulesen auf dasgedichtblog). Aus dem Buchtitel ergab sich dann der Titel für ein Performanceprogramm des Autors Jörg Neugebauer zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Gitarristen Uli Dumschat. Ein schönes Video zu diesem Gedicht findet man unter gleichnamigem Titel auf dem Videoportal YouTube.
Jimi Hendrix traf Kafka und fragte ihn nach der Uhrzeit
https://www.youtube.com/watch?v=9w5ykTPIWZk

Ein weiteres Performanceprogramm des Autors heißt Mein langsamer Ferrari und beinhaltet zum Beispiel lyrische Gute-Laune-Mantras wie „Ich bin heut gut drauf“, was man Jörg Neugebauer beim Anblick seines lakonisch-gelassenen bis heiter-zufriedenen Gesichtsausdruckes absolut abnimmt. https://www.youtube.com/watch?v=YiYce0n5fWs

Die Gedichte im vorliegenden Lyrikband mit dem interessanten, zunächst geheimnisvollen Titel sind in 3 Kapitel aufgeteilt: beim überqueren der straße, spät springen die schatten, so groß sind heut die katzen.
Suchen wir das Kafkaeske in den Texten, das Musikalische? Eine Symbiose von beidem? Nicht selten ist von Dunkelheit die Rede, von Stille und Schweigen, von Todesahnungen, vom Fortgehen, vom Weitblick, von Existentiellem. Dann wieder gehen klanglich und rhythmisch die Pferde durch, „ins blaue hinein“, und wir haben es mit Spoken Word-Lyrics vom Feinsten zu tun, hören schon Jörg Neugebauers markante Radiostimme Texte wie „ich sag nix“ oder „do my ding“ rezitieren.
Etwas vollkommen Abgeklärtes, Souveränes  liegt in seinen Texten, in seinem Vortrag, etwas nicht selten ins Schelmisch-Parodistische bis Persiflierende Hineinreichende (z.B. in Feinheiten, in zur KONTROLLE war ich nicht erschienen).
Jörg Neugebauer selbst legt – betrachtet man seine lyrisch-musikalischen Performances – den Verdacht nahe, dass er gern für den mündlichen Vortrag schreibt und seine schauspielerischen und rezitatorischen Fähigkeiten gar nicht unter den Teppich kehren kann und will. Ebenso wenig seinen Hang zu Hintergründigkeiten, Anspielungen, Konnotationen (ref. Friedrich Hölderlin, Schmidt-Rottluff, Rainer Maria Rilke, Gertrude Stein, Jimi Hendrix, Bertolt Brecht, Pablo Picasso usw.), seine humordurchtränkten kleinen Dramen, seine Polarität von Einfachheit und hermeneutischer Ratlosigkeit, Experimentellem und Theatralischem.

Feinheiten

Das Nachthemd hab ich an dir noch niemals gesehen
ich hab dich noch niemals im Nachthemd gesehen
aber es steht dir gut
fast möchte ich gar nicht dass du es ausziehst
es betont so schön deine Schultern
und auch deine Arme betont es
außerdem hat es den Vorteil dass es
mir die Empfindung gibt dir unters Kleid zu fassen
so wie es dir ermöglicht dir unters Kleid fassen zu lassen
obgleich es gar kein Kleid ist
sondern ein Hemd
doch wer wird jetzt auf solche Feinheiten achten

Dieser Band lädt zum Erkunden ein, zum Eintauchen in die zumindest lyrische Welt Jörg Neugebauers, und in jedem Fall auch – trotz manch vordergründiger Lakonie – zum Erfassen klandestiner Feinheiten.


Jörg Neugebauer, Jimi Hendrix traf Kafka und fragte ihn nach der Uhrzeit: Gedichte
Gebundenes Buch
Verlag Udo Degener, März 2015
ISBN 978-3-95497-700-0
84 Seiten, 14,90

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Kulturamt
der Stadt Leipzig

Kuratorium Haus des Buches e.V.

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Bührnheims
Literatursalon
Die Gesellschaft für
zeitgenössische Lyrik e.V.
ist seit 1995 Mitglied in der
1986 gegründeten
Arbeitsgemeinschaft
literarischer
Gesellschaften und
Gedenkstätten e.V.