Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.

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Poesiealbum neu-Preis 2020 vergeben

Die Leipzigerin Dora Hauch (Ps.) wurde anlässlich der "Leipziger Dichterlese" am vergangenen Sonntag, dem 26. Juli 2020, bei einer Veranstaltung der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. im Schillerhaus mit dem Poesiealbum neu-Preis 2020 ausgezeichnet.

Der Erste Vorsitzende der Lyrikgesellschaft Ralph Grüneberger verlas die Begründung der Jury, die Dr. Therese Chromik, Dr. Wolfgang Braune-Steininger und Klaus Pankow bilden und die aus den beiden Ausgaben der Zeitschrift "Poesiealbum neu" des Jahrgang 2019 das ihrer Meinung nach beste Gedicht auswählten, und übergab den Preis an die Gewinnerin.

Dora Hauch trägt ihr Gedicht jazzimprovisation vor

Der Preis, eine Edelfeder aus Sterlingsilber, versehen mit der namentlichen Gravur der Preisträgerin, den die Waldmann KG in Birkenfeld großzügiger Weise erneut als Sachspende dem Verein zur Verfügung gestellt hat, sollte eigentlich bereits am 14. März 2020 während der Leipziger Buchmesse der Autorin übergeben werden, was coronabedingt nun erst mehr als vier Monate später stattfinden konnte.

Bisherige Preisträger sind:

2017: Erica Natale aus Bielefeld
2018: Andreas Reimann aus Leipzig
2019: Peter Frömmig aus Marbach am Neckar

Fotografien: Gustav Franz, Leipzig

Heimat & Heimatverlust – ist im März 2020 erschienen und ab sofort lieferbar

Nachdem uns mehrere hundert Zuschriften aus 10 Ländern erreichten, die vier pralle Ordner füllten, ist die Auswahl getroffen. Statt des eigentliches Heftes mit 32 Seiten erscheint wiederum ein Doppelheft, das die Gedichte von 83 Autorinnen und Autoren vereint. Im Einklang mit den drei Fundstücken von Max Hermann-Neiße (1886-1941), Mascha Kaléko (1907-1975) und Ernst Schulze (1789-1817) kommen - neben zahlreichen bereits bekannten - auch viele weniger bekannte Autorinnen und Autoren zu Wort. Die Spanne reicht vom Jahrgang 1933 bis zum Jahrgang 1998.

Die Autorinnen und Autoren der Ausgabe 1/2020 des Poesiealbum neu:

Sabine Abt

Manfred Ach

Bettina Ambühl-Honegger

Johanna Anderka

Michael Augustin

Marianne Beese

Eva-Maria Berg

Franziska Beyer-Lallauret

Barbara Biegel

Marlies Blauth

Detlev Block

Rosa Both

Hans Dietrich Bruhn

Oliver Bruskolini

Ingo Cesaro

Tetyana Dagovych

Herta Dietrich

Ulrike Diez

Lina Duppel

Rumiana Ebert

Faten El-Dabbas

Patricia Falkenburg

Barbara Finke-Heinrich

Beate Fischer

Ingrid Gorr

Joachim Gräber

Dora Hauch

Kerstin Hensel

Max Herrmann-Neiße  

Jan-Eike Hornauer

Nikola Huppertz

Regina Jarisch

Mascha Kaléko

Stefanie Kemper

Manfred Klenk

Michael Koch

Stephan Krawczyk

Anton G. Leitner

Eva Lübbe

Hans-Hermann Mahnken

Salean A. Maiwald

Wolfgang Mayer König

Renate Meier

Karola Meling

Manfred Moll

Klaus Nührig

B.S. Orthau  

Tobias Pagel

Ursula Pickener

Claudia Pistilli

Helga Rahn

Lutz Rathenow

Andreas Reimann

Helmut Richter

Marianne Rieger

Wolfgang Rischer

Andreas-W. Rohr

Jan Hendrik Rübel

Sonja Ruf

Jörn Sack

Laura Schiele

André Schinkel

Ulrich Schröder

Christiane Schulz

Marlene Schulz

Helga Schulz Blank

Ernst Schulze

Christiane Schwarze

Thomas Sobczyk

Ju Sobing

Werner Somplatzki

Werner Stangl

Christine Steindorfer

Stellmäcke

Carsten Stephan

Wolfgang Stock

Heidrun Stödtler

Bernd Storz

Rüdiger  Stüwe

Dietmar Thate

Ruth Werfel

Katja Winkler

Waltraud Zechmeister

Preis des Heftes 6,50 EUR, Umfang 76 S.

Titelbild nach einem Gemälde von Titus Schade

© VG Bild-Kunst

Am 24. März 2020 erschien in der Leipziger Internetzeitung diese Rezension: https://www.l-iz.de/bildung/buecher/2020/03/Heimat-Heimatverlust-Poesiealbum-neu-versammelt-zuweilen-sehr-ironische-Texte-zum-Thema-Lebensort-und-Sehnsuchtsraum-322977

Veranstaltungen unserer Mitglieder: Ralph Grüneberger

16.08.2020, 17:00 Uhr, Schillerhaus Leipzig: Lesung aus »Leipziger Geschichten«, Buchpremiere mit Ralph Grüneberger, mit Anna Fey (Rezitation und Gesang), Walter Thomas Heyn (Kompositionen und Gitarre), Claudia Senghaas (Moderation), Büchertisch: Buchhandlung Südvorstadt,
gefördert vom Freistaat Sachsen im Rahmen des Projekts »Revolution und Demokratie«; Eintritt 8 €, ermäßigt 6 €, Anmeldung erwünscht unter: 0341/5662170

Poesiealbum neu-Preis 2020 vergeben

Die Leipzigerin Dora Hauch (Ps.) wurde anlässlich der „Leipziger Dichterlese“ am vergangenen Sonntag, dem 26. Juli 2020, bei einer Veranstaltung der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. im Schillerhaus mit dem Poesiealbum neu-Preis 2020 ausgezeichnet.

Der Erste Vorsitzende der Lyrikgesellschaft Ralph Grüneberger verlas die Begründung der Jury, die Dr. Therese Chromik, Dr. Wolfgang Braune-Steininger und Klaus Pankow bilden und die aus den beiden Ausgaben der Zeitschrift „Poesiealbum neu“ des Jahrgang 2019 das ihrer Meinung nach beste Gedicht auswählten, und übergab den Preis an die Gewinnerin.

Dora Hauch trägt ihr Gedicht jazzimprovisation vor

Der Preis, eine Edelfeder aus Sterlingsilber, versehen mit der namentlichen Gravur der Preisträgerin, den die Waldmann KG in Birkenfeld großzügiger Weise erneut als Sachspende dem Verein zur Verfügung gestellt hat, sollte eigentlich bereits am 14. März 2020 während der Leipziger Buchmesse der Autorin übergeben werden, was coronabedingt nun erst mehr als vier Monate später stattfinden konnte.

Bisherige Preisträger sind:

2017: Erica Natale aus Bielefeld
2018: Andreas Reimann aus Leipzig
2019: Peter Frömmig aus Marbach am Neckar

Fotografien: Gustav Franz, Leipzig

Poesie & Narrheit – Auswahl der Autorinnen und Autoren abgeschlossen

  • 22.07.2020

Kaum ein Dichter wird in deutschsprachigen Gedichten der Moderne, vor allem in der Zeit nach 1945, so häufig  zitiert, adressiert und porträtiert wie Friedrich Hölderlin.

Anlässlich der 250. Wiederkehr von Hölderlins Geburtstag ist ihm diese Ausgabe gewidmet.

103 Autorinnen und Autoren vereint die Nr. 2/2020 unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ – die etwa Mitte September vorliegen wird.

Unsere Abonnenten erhalten die Ausgabe Ende September/Anfang Oktober d.J. auf dem Postweg zugesandt.

Verbindliche Bestellungen erbitten wir bereits jetzt per E-Mail kontakt@lyrikgesellschaft.de vorzunehmen. Die Ausgabe umfasst ca. 90 S. und kostet 7,50 €.

Die Autorinnen und Autoren:

Manfred Ach

Esther Ackermann

Johanna Anderka

Michael Augustin

Yvonne Balg

Marianne Beese

Jochen Berendes

Eva-Maria Berg

Franziska Beyer-Lallauret

Hans Gustav Bötticher

Sabine Brandl

Timo Brandt

Wolfgang Braune-Steininger

Hans Dietrich Bruhn

Lars-Arvid Brischke

Daniel Büttrich

Ingo Cesaro

Georg Oswald Cott

Udo Degener

Doris Distelmaier-Haas

Stéphanie Divaret

Jens-Fietje Dwars

Eckhard Erxleben

Leonhard Ehlen

Patricia Falkenburg

Wolfgang Franke

Peter Frömmig

Tuncay Gary

Carlos Gluschak

Peter Gosse

Joachim Gräber

Ralph Grüneberger

Ariane Hassan Pour-Razavi

Hans-Jürgen Heise (Ps.)

Gisela Hemau

Jörg Hirsch

Sibylle Hoffmann

Johann Christian Friedrich Hölderlin

Dieter Höss

Jan-Eike Hornauer

Roman Israel

Johanne Jastram (Ps.)

Horst Jahns

jottpeh (Ps.)

Stefan Kabisch

Christine Kappe

Karl Kirsch

Eva Kittelmann

Manfred Klenk

Kathrin Knebusch

Katharina Körting

Josef Krug

Grit Kurth

Christine Langer                                            

Anton G. Leitner

Dieter Liewerscheidt

Britta Lübbers

Gustav Lüder

Dietrich Machmer

Helmut Martens

Wolfgang Mayer König

Lisa Elina Memmeler

Eline Menke

Gerd Meyer-Anaya

Sabine Minkwitz

Manfred Moll

Sofie Morin

Andreas Müller

Christoph Müller

Jörg Neugebauer

Walter Neumann*

Klaus Nührig

Johann Peter

Jutta Pillat

August von Platen

Nada Pomper

Helga Rahn

Anne Rauen

Lutz Rathenow

Andreas Reimann

Andreas-Wolfgang Rohr

Mike Rother

Wolfgang Rischer

Franziska Röchter

Silke Rudl

Bärbel Sanchez

Jürgen Sanders

Ulrich Schacht

Tamara Schinner

André Schinkel

Maren Schönfeld

Ulrich Schröder

Ernst Schulze

Christiane Schulz

Hellmut Seiler

Michael Stahl

Ulrich Straeter

Maria Anna Stommel

Bernd Storz

Heidrun Stödtler

Rüdiger Stüwe

Michael Spyra

Magnus Tautz

Geplant sind zur Präsentation dieser Ausgabe eine Veranstaltung am 26. September 2020 in Leipzig und am 27. Oktober 2020 eine weitere in Tübingen. Nähere Informationen dazu rechtzeitig auf dieser Webseite.

Titelbild nach einem Gemälde von Andreas Weißgeber.


Veranstaltungen

17.07.2020 - 30.10.2020
0:00

Welttag der Poesie – erste Nachholtermine gesetzt

Bekanntermaßen mussten wir alle neun Veranstaltungen abgesagen und werden hoffentlich die Mehrzahl davon zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden lassen können. Geplant sind bereits die Veranstaltungen in Leipzig mit dem neuen Termin 26. Juli in Leipzig und am 17. Oktober in Döbeln.

„Wassertropfen & Seifenblase“ – Lyrik und Ringelnatz-Filme am Welttag der Poesie 

Das war der Plan für den 20. und 21. März d.J.: Die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik (GZL) lädt in 9 deutschen Städten in West und Ost zum „Welttag der Poesie 2020“ ein, der zu Ehren von Joachim Ringelnatz stattfinden sollte. Als Kooperationspartner in Berlin, Bielefeld, Braunschweig, Bremen, Döbeln, Köln, Neusäß, Leipzig und Saalfeld standen uns dabei drei Galerien, eine Buchhandlung, zwei Literaturzentren, ein Vereinshaus, eine Hochschule und ein Botanischer Garten zur Seite. Als Lesende meldeten sich vornehmlich Autorinnen und Autoren aus der jeweiligen Region.

Die Lyrik-Veranstaltungen hatten das Ziel, dem Publikum die besten Filme aus dem 4. Gedichtfilmwettbewerb der GZL „Wassertropfen & Seifenblase. Lyrik von Joachim Ringelnatz“ zu präsentieren und zum anderen, das mit einer Lesung von Gedichten von in der Region bzw. in der Stadt ansässigen Autorinnen und Autoren zu verknüpfen. Und das Ziel behalten wir aufrecht. Gefördert werden die Veranstaltungen von der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG) aus Mitteln des Bundes – und diese stehen us zum Glück weiterhin zur Verfügung. Und auch viele Mitveranstalter haben signalisiert, einen neuen Termin zu ermöglichen.

Die Leitung des Raabehauses in Braunschweig hat uns signalisiert, die für März geplante Veranstaltung 2021 nachholen zu wollen. Vielleicht kann das sogar am 21. März sein. An diesem Tage könnte auch die nachgeholte Veranstaltung in Bielefeld stattfinden.

Eigens für diesen „Welttag“ ist eine DVD mit 28 ausgewählten Filmen zur Lyrik von Ringelnatz erschienen, ein Autor, der auch 2019 wieder einen der vorderen Ränge auf der Bestenliste der meistverkauften Lyriktitel einnahm.

Die im Rahmen des „Welttages der Poesie“ veröffentlichte DVD mit 28 ausgewählten Filmen zur Lyrik von Joachim Ringelnatz aus dem 4. Gedichtfilmwettbewerb der GZL kann ab sofort schriftlich bestellt werden. Sie kostet 25 EUR, davon spenden wir 5 EUR den Opfern der Brandkatastrophe in Australien. Dem Roten Kreuz haben wir bereits 200 € für die überweisen können. Danke allen, die sich für unsere Ringelnatz-Gedichtfilme interessieren und uns bei dem Spendenprojelt unterstützen.

Verbindliche Bestellungen richten Sie bitte an: kontakt@lyrikgesellschaft.de

Hier ein Link zu einer ersten Bewertung der angebotenen DVD: https://www.l-iz.de/bildung/buecher/2020/03/Wassertropfen-Seifenblase-Die-DVD-mit-den-Gedichtfilmen-zu-den-nachdenklichsten-Ringelnatz-Gedichten-322157

 

Weiterlesen: Welttag der Poesie – erste Nachholtermine gesetzt

Gedicht des Monats

Gedicht des Monats August

  • 01.08.2020

Renate Maria Riehemann

Die Welt steht nicht still

Ein Leben auf die Schnelle

Mit Wünschen übervoll  

Das Schiff am Bug der Welle  

Die Welt umsegeln soll

Du gehst an Bord

Mal hier mal dort

Hast Zeit und Geld

Reist um die Welt

Was hält dich auf?

Du bist verwundbar  

Bauer nur im Spiel  

Und wirfst deine Münzen

Ins immer gleiche Ziel

Kopf oder Zahl

Es ist egal

Das Goldstück fiel

Nur in den Brunnen

Über den der Himmel lacht

Gesichter hinter Masken

Die Uhren stehen still

Gefangen hinter Mauern

Es gilt nicht, was man will

Wir sind versteckt

Der Mund bedeckt

Die Angst regiert

Es ist passiert

Die Welt steht still

Wir sind verwundbar  

Bauern nur im Spiel

Wir alle werfen Münzen

Ins immer gleiche Ziel

Kopf oder Zahl

Es ist egal

Ein Goldstück fiel

Nur in den Brunnen

Über den der Himmel lacht

https://www.youtube.com/watch?v=z-G00IYrJnA

  Musik und Produktion: Wolfgang Kahl

  Vocal: Heike Langner

  Chor: Heike Langner, Rainer Seidel, Harald Sindram

  Schlagzeug: Niklas Kahl


Empfehlung des Monats

Ralph Schüller: Danke. Schade – Gestaltungen als „Fortführung der Poesie im Bildnerischen“

Empfehlung des Monats · August 2020
von Franziska Röchter

Das ist auch gewagt, mitten in einer in Dauer und Ausmaß nicht absehbaren pandemischen Krise ein kompaktes Doppelalbum herauszubringen, in Zeiten, wo der Launch cineastischer Pre-Bestseller vorsorglich um mehr als ein halbes Jahr verschoben wird, damit es „sich lohnt“.  In Zeiten, wo es flächendeckend  schlecht steht um (Klein-)Künstler, deren Kunst auch Einnahmequelle sein muss. Das macht den auch in der Realität sehr sympathisch-unprätentiösen Künstler Ralph Schüller, studierter Maler und Grafiker der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (man merkt es seinen selbstgestalteten Musik- und Bucherzeugnissen an),  noch etwas sympathischer, wenn die Kunst ohne Kalkül dann heraus muss, wenn sie reif ist. Es ist – „Danke. Schade“ – die 5. musikalische Produktion dieses vielseitig Schaffenden, die erste Doppel-CD im Digi-Pack, und sie besticht – wie auch ihre Vorgänger – schon rein optisch durch ein hohes Maß an Eigenwilligkeit; ohne es verbal festzuzurren: Das Cover ist einfach klasse und spiegelt im Bildnerischen das Aufeinandertreffen unterschiedlichster Stilmixe und Einflüsse wider. Dass die enorme instrumentelle Bandbreite (Akustik-Gitarre, E-Gitarre, Dobro, Mundharmonika, Akkordeon, Metallophon, Schlagzeug, Percussion, Bass, Trompete, Akkordeon, Wörlitzer Piano, Orgel, Violine, Ukulele, Posaune, Banjo …) beim Release-Konzert am 02.07 in der Leipziger „dieNato“ unter Corona-Bedingungen (nur 25 Zuschauer waren zugelassen, nur jeweils 5 Musiker durften zeitgleich auf die Bühne) live etwas gedämpft und zurückgenommen werden musste, macht es umso notwendiger für jeden Musikliebhaber, sich nicht auf den schnellen YouTube-Mitschnitt zu verlassen, sondern für die klangliche Fülle mit kammerorchesterähnlichem Ausmaß  – und hier ist nicht von aufgepimpten, krass getunten Klangkörpern und nachbearbeiten Sounds und Volumes die Rede, ich glaube, das fände Ralph Schüller viel zu unehrlich – diese Doppel-CD als Gesamtkunstwerk zu erstehen und mit guten Kopfhörern entspannt zurückgelehnt zu genießen und das künstlerisch gestaltete Booklet anzuschauen.

Auf Schüllers Musikerhomepage ist zu lesen, woher seine vielfältigen Einflüsse kommen, da ist u.a.  die Rede „von südamerikanischer Gitarre, Heavy Metal, Udo Jürgens und Schmidtchen Schleicher … Folk und Hip Hop, Dylan, Waits, die Pogues, einfach alles …“. Und stünde es dort nicht, der geneigte Zuhörer käme an dieser oder jener Stelle wahrscheinlich selbst drauf, würde an andere Allround- (oder Welt)musiker erinnert, die mit ihrer musikalischen Vielseitigkeit das lauschende Ohr geprägt haben …

Dass eine Produktion mit dem Titel „Danke“ beginnt, sagt einiges aus über den Künstler, bei dem das Positive an vorderer Stelle zu stehen scheint. Zuviel Meckerer und Miesepeter gibt es schon im Lande, zu viele, die kritisieren, kritisieren, kritisieren, und hier sagt endlich mal jemand, dass es auch Grund genug gibt, dankbar zu sein. Anstatt zu bejammern, dass die Geliebte gehen muss, bittet der Künstler in einer Hookline darum, sich die positiven Momente im Schlaf bewahren zu können: „Danke, danke, danke, bitte weck mich nicht, bevor du gehst“.
Auch der 2. Titel, „Es ist gut“, stellt zunächst das Positive in den Vordergrund:

Es ist gut, dass du dich sorgst  
und den Mund öffnest
und dich regst und dich regst
und dich regst

Es ist gut, dass du Wut hast
und dich im Ton vergreifst
und dich bewegst und dich bewegst
und dich bewegst

Dass all diese Wut und Verbalausbrüche mangels Kreatitivät im Nichts verpuffen, wenn nichts Neues entgegengesetzt wird („Aber wo ist deine Idee?“) und wenn keine Aktivität folgt („Wo warst du, als es schien / etwas Bess’res zu schaffen / Anstatt zu meckern den lieben langen Tag“), dass letztendlich durch Sprache Gewalt entstehen kann in einem „verdammten Niemandsland“, zeigt Ralph Schüller mittels krawallfreier Benutzung sehr unschöner Wörter (im CD Booklet schwarz gefärbt, auf der CD ausgesprochen) und verdeutlicht den teilweise gesellschaftspolitischen Impetus seiner Lieder, die musikalisch so schön daherkommen. Schüllers fundiert handgemachte Lieder erschöpfen sich eben nicht nur in romantischer, selbstreferentieller Beziehungstümelei so mancher gemainstreamter und von der Musikindustrie „gemachter“ Liedermacher, sondern bieten einfach mehr Tiefe, mehr Inhalt, mehr Poesie, mehr Anregung zum Nachdenken. Manche Stücke – wie z. B „Wunschballon“ oder „Trödeln“ – sind einfach nur schön, manchmal schön melancholisch, und laden zum Träumen ein, lassen die Welt vergessen. Stücke wie „Fruchtbar und furchtbar“, blueslastig, schunkelfest, mundharmonikadurchtränkt, laden augenblicklich zum Tanzen ein (Walzer!), bis man einen Drehwurm hat (letztes Wort der Lyrics: „schön“!). Songs wie „Bleib mir auf den Fersen“ lassen durchaus etwas von Hannes Wader anklingen.

„Wohin das führt“ (CD 2) besticht durch Reggae-Klänge und lässt mich an Hubert von Goiserns „Katholisch“ denken, ein Song, der mit rotzfrechem österreichischem Sprachduktus und lautstarker Vehemenz Goiserns Weltlichkeit zu rechtfertigen sucht und viel Witz beinhaltet – eine etwas andere Art von Witz ist auch bei Schüller in seinem etwas ruhigeren Song zu finden … Und in „Gleich“, nur 3 Lieder weiter, nehmen uns Piano-Klänge wieder mit auf eine melancholische Zeitreise, die uns ahnen lässt, dass Musiker manchmal einfach die poetischeren Dichter sind, wenn nicht vielleicht manchmal sogar die besseren.

Die Nacht ist warm und über uns die Sterne
Das wäre Grund genug, den Hut zu ziehn
Wo ich nie war, da sitze ich jetzt gerne
ganz stumm und neu
von Kopf bis zu den Knien

Schade, denkt man da, wenngleich das allerletzte Lied „Schade“ ein bisschen zeitgeistkritisch etwas von „Früher war alles besser“ anklingen lässt, schade, dass die Scheibe schon zu Ende ist … Aber man wird sie noch öfter hören … Und sich vielleicht die Vorgänger besorgen … Denn vielleicht gibt es ja irgendwann diese handwerklichen, musikalischen Allroundtalente nicht mehr, Musiker, die sich selbst ihre eigenen deutschen Texte schreiben, die sich selbst begleiten oder ein ganzes Kammerorchester um sich drapieren können, ohne darin unterzugehen, die an eine Zeit erinnern, als Digitalität noch nicht alles beherrschte und es noch auf handwerkliches Können ohne Konservendose ankam … (jetzt bin ich auch beim „früher war …“ gelandet …). Vielleicht aber gibt Ralph Schüller auch Anlass zur Hoffnung, dass diese immer rarer werdende Spezies am Musikerhimmel wieder neu im Kommen ist … Es wäre zu wünschen.


„Danke. Schade.“ (Doppel-CD)
Doppel-CD „SCHÜLLER – Danke. Schade.“ [2020]
DERMENSCHISTGUTMUSIK 2020
VÖ: 02.07.2020
Digipak, 44-seitiges booklet
Spielzeit: 95 min
20,00 € (inkl. 16 % MwSt.)
Zu beziehen hier:
https://www.ralph-schueller.de/produkt/dankeschade
oder hier (Shop):
https://www.ralph-schueller.de/shop




Förderer und Partner

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der Stadt Leipzig

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1986 gegründeten
Arbeitsgemeinschaft
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