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Ringelnatz‘ Ameisen haben es nicht bis nach Australien geschafft, aber der Hauptpreis schafft es

Die Ameisen

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee,
Da taten ihnen die Beine weh,
Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Teil der Reise.

So will man oft und kann doch nicht
Und leistet dann recht gern Verzicht.

Marie Craven aus Palm Beach in Australien ist die Gewinnerin des vierten von Ralph Grüneberger initiierten Gedichtfilmwettbewerbs, den die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik ausgelobt hat; er galt diesmal der Lyrik des als Hans Gustav Bötticher in Wurzen geborenen Schriftstellers Joachim Ringelnatz, der sich dieses Pseudonym vor genau 100 Jahren gab. Craven erhält den Preis für ihren Film „Die Ameisen“, den die Filmproduktionsfirma Saxonia Media gestiftet hat. Mit einer Einladung zur Leipziger Buchmesse 2020 werden Jo van Nelsen und Sylvia Nitzsche aus Frankfurt am Main für ihren Film „Kindergebetchen Nr. 3“ ausgezeichnet, die Hotel- und Reisekosten übernimmt die Leipziger Buchmesse. Der Sonderpreis für die beste Einsendung von unter 18-Jährigen geht an die Geschwister Laurie (11) und Liliy-Belle Mohaupt (14) aus North Berwick in Schottland für ihren Animationsfilm „Abzähl-Reime“. Das Preisgeld stellte das Kulturhistorischen Museums Wurzen bereit. Den Preis des Joachim-Ringelnatz-Vereins Wurzen, einen 2-tätigen Hotelaufenthalt in der Ringelnatz-Geburtstadt, erhielt Erik Lemke aus Berlin für seinen Kurzspielfilm „Das Rezept“. Ebenfalls auf einen 2-tägigen Aufenthalt kann sich für seinen Film „Zu dir“ der gleichfalls in Berlin lebende Fotograf Antonius freuen, er ist demnächst Gast des Ringelnatz-Hotels Rostock-Warnemünde. Den Sonderpreis der Waldmann KG, einen Edelfüllfederhalter in Sterlingsilber, erhält für „Die besondere Handschrift“ Claudia Edermayer aus Linz in Österreich für ihren Film „Übergewicht“.

Die hohe Beteiligung von Schülerinnen und Schülern an diesem Wettbewerb zeigt sich gerade anhand der vergebenen Geld- und Sachpreise. So erhalten die Teams zweier Grundschulen in Schwedt und Templin für ihre Filme „Die Briefmarke“ und „Heimatlose“, die unter der künstlerischen Leitung von Gabriele Zorn entstanden sind, zugleich einen Geldpreis der Ringelnatz-Gesellschaft Cuxhaven sowie Eintrittskarten für den Zoo Leipzig, die die Sparkasse Leipzig für die 46 Schülerinnen und Schüler und ihre Begleiter bereitstellt. Ebenfalls einen Gruppenpreis erhalten 28 ehemalige Schülerinnen und Schüler der 12. Klassen des Leibniz-Gymnasiums in Leipzig sowie acht Hamburger Jugendliche und ihre Begleiter. Sie alle werden den Belantis-Park besuchen. Die Vergabe dieses Zusatzpreises ermöglichte das SAEK-Förderwerk für Rundfunk und neue Medien. Insgesamt konnten dank der Unterstützung aller genannten Sponsoren Geld- und Sachpreise im Wert von über 2.800 € vergeben werden.

Am Welttag der Poesie 2020, am 21. bzw. 22. März, werden in 12 deutschen Städten in Ost und West die besten Ringelnatz-Gedichtfilme gezeigt. Geplant ist außerdem für das nächste Jahr die Herstellung einer DVD mit 20-25 der besten Einsendungen.

Leipzig, 1. Oktober 2019

Wassertropfen & Seifenblase. Filme zur Lyrik von Joachim Ringelnatz
Auswertung des Wettbewerbs im Einzelnen

Preis I / Geldpreis der Filmproduktionsgesellschaft Saxonia Media: 500 € erhält Marie Craven, Palm Beach, Australia, für den Film „Die Ameisen“

Marie Craven gelang eine kurze und pointierte Animation, die mit viel Witz und Charme auf das Gedicht antwortet. Der mit Hamburger Einschlag gesprochene Voice Over unterstreicht die Komik des Gedichts „Die Ameisen“ von Joachim Ringelnatz. Die Collagen aus Comic- und Magazinbilder sowie der Bilderfluss sind sehr gut auf den Text abgestimmt und spielen gekonnt mit ihm.

Preis II / Sachpreis der Leipziger Buchmesse: Gast der Leipziger Buchmesse 2020 (zwei Übernachtungen für 2 Personen, inkl. Reisekosten u. Eintrittskarten) geht an Jo van Nelsen und Sylvia Nitzsche, Frankfurt/M., für den Film „Kindergebetchen Nr. 3“

Das Diminutiv dieses Ringelnatz-Gedichts entmystifiziert Ringelnatz selbst durch seinen kontrastiven und provozierenden Text. Allein dieser zeigt philosophisch, wie verbrämend Sprache sein kann und dass sein "Kindergebetchen" rein gar nichts, mit der Realität zu tun hat. Ein hochaktueller Text, der künstlerisch von Jo van Nelsen und Sylvia Nitzsche visuell und narrativ umgesetzt wurde. Denn ihr gelingt es, diesem Gedicht neben der auditiven und der visuellen noch eine ganz eigene narrative Erzählebene beizugeben. Ein Kompliment an die Filmemacherin und dieser Gedichtfilm gehört in jeden Deutsch- und Ethikunterricht!

Preis III / Geldpreis der Ringelnatz-Gesellschaft Cuxhaven: 300 € (je 150 € an beide Gruppen) erhalten die Teams der Grundschule am Egelpfuhl, Templin, und der Bertolt Brecht Grundschule in Schwedt für die Filme „Heimatlose“ und „Die Briefmarke“; Künstlerische Leiterin Gabriela Zorn

Der Gedichtfilm "Heimatlose" der Klasse 4a der Grundschule „Am Egelpfuhl“ in Templin überzeugt durch Witz, Phantasie und filmisches Können. Ein Junge, der auf einer Toilette Radio hört, bildet die Rahmenhandlung, wobei das ringelnatzsche Gedicht originell und wie nebenbei in die Handlung einfließt. Neben den Spielfilmanteilen gibt es dokumentarische Passagen, in denen Kinder über ihr Verständnis von Heimat sprechen, und letztlich kommt sogar noch ein Trickfilmmeerschweinchen dazu. "Heimatlose" ist eine im besten Sinne unberechenbare, kleine Filmwundertüte.

In dem Gedichtfilm „Die Briefmarke“ wird in einem raffiniert gemachten Gespräch zwischen Briefmarken auf das eigentliche Gedicht „Die Briefmarke“ von Joachim Ringelnatz hingeführt. Mit gekonntem Witz, schönen Ideen und viel Liebe zum Detail gelingt es den Schülerinnen und Schülern sowie dem Team von Gabriela Zorn, die fantasievolle Bilderwelt des Dichters einzufangen. 

Preis IV / Sachpreis des Joachim-Ringelnatz-Vereins Wurzen: Hotelaufenthalt in der Ringelnatz-Stadt Wurzen (zwei Übernachtungen für 2 Personen); ausgezeichnet wird Erik Lemke, Berlin, für „Rezept“

Der Spielfilm „Rezept“ von Erik Lemke macht überaus deutlich, mit wie viel Phantasie sich Joachim Ringelnatz ein sehr ungewöhnliches Rezept ausgedacht hat. Schnitt, Schauspiel, Musik und Gedicht ergänzen sich hervorragend und kreieren eine sehr schöne kurze Geschichte mit einem spannenden Ausgang.

Preis V / Sachpreis des Hotels Ringelnatz Rostock-Warnemünde: Hotelaufenthalt (zwei Übernachtungen für 2 Personen) geht an Antonius, Berlin, für „Zu dir“

Dieser Film zu dem Ringelnatz-Gedicht "Zu Dir" ist eine gelungene visuelle Annäherung an das Leben und Wirken Ringelnatz'. Visuell gelungen ist nicht nur die Komposition der Ringelnatz-Bilder, sondern ebenfalls eine Interpretation des Wirkens durch eine Veränderung einer schwarz-weißen zu einer bunten Welt. Auch auditiv überzeugt der Film durch die jeweiligen Geräuschkulissen und ermöglicht dadurch eine Authentizität zwischen Ringelnatz als Gedicht-Autor und Maler. Ganz nebenbei entdecken wir mit diesem Gedichtfilm eine ganz neue Seite von Ringelnatz, die noch nicht so bekannt ist. Eine wunderbare filmische Entdeckung!

Sonderpreis I / Sachpreis der Waldmann KG: Edelfüllfederhalter in Sterlingsilber für „Die besondere Handschrift“ erhält Claudia Edermayer, Linz, Österreich, für „Übergewicht“

Sehr kompakt, sehr strukturiert, stringent und überraschend gestaltet Claudia Edermayer eine ganz eigene Kurzgeschichte des "Übergewichts", erzählt, wie ein Wal auf eine Waage "fällt". In wenigen Minuten eine solche mit einem narrativen Spannungsbogen bis zum Ende versehene Geschichte zu erzählen und gelungen zu visualisieren, ist ein Glücksfall für diesen Wettbewerb. Kompliment zu diesem Film!

Sonderpreis II / Geldpreis des Kulturhistorischen Museums Wurzen: 200 € für eine/n Filmemacher/in unter 18 Jahre (es gilt der Zeitpunkt der Einsendung) erhalten die Kinder Laurie Mohaupt (11) und Liliy-Belle Mohaupt (14), North Berwick, Scotland. Der Film der Geschwister entstand unter der Regie des Vaters Dr. Holger Mohaupt.

Der Film „Abzähl-Reime“ erzeugt Spannung und Witz, indem sich ein Nichtmuttersprachler durch die verrückten Ringelnatzschen Verse mühsam, stockend und zum Teil auch mit falschen Betonungen hindurchschlingelt. Es entsteht ein charmanter sprachlicher Verfremdungseffekt, der auch filmisch originell umgesetzt wurde.

Gruppenpreis I / Sachpreis der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig: Eintrittskarten für den Leipziger Zoo geht an beide Teams aus Templin und Schwedt (Begründung siehe Preis III)

Gruppenpreis II: Eintrittskarten in den Belantispark geht an 8 Schülerteams der 12. Klasse Leibnizschule-Gymnasium Leipzig, Projektleitung Grit Kurth, für die acht Filmbeiträge des Leibniz-Gymnasiums in Leipzig. Hervorzuheben sind dabei die Filme „Nachtwanderung“, „Zeitversprengte Freunde“ und „Zwischen meinen Wänden“, die filmisch und schauspielerisch am meisten überzeugen konnten.

Gruppenpreis III:  Eintrittskarten in den Belantispark erhalten 8 Jugendliche aus Hamburg, die unter der künstlerischen Leitung von Bertolt Hering mit viel Spielfreude und Einfallsreichtum in einem Ferienkurs mehrere Gedichte von Joachim Ringelnatz unter dem Titel „Der Schatz von Ringelnatz“ entwickelt und gedreht haben.

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Jury: Dr. Uta Corsa, Carl-Christian Elze, Thomas Zandeciagomo Del Bel

Idee, Leitung und Organisation: Ralph Grüneberger

Mitarbeit: Klaus Nührig, Dr. Stefan Kabisch, Elke Zorn

Leipzig, im September 2019

Heimat/Heimatverlust – diese Ausgabe erscheint erst 2020

Änderung bei der Frühjahrsausgabe 2020 der Zeitschrift „Poesiealbum neu“

Bis Anfang Juni 2019 erreichten uns Zusendungen aus 10 Ländern. Um die hohe Zahl der Einsendungen angemessen zu bearbeiten, macht sich eine Verschiebung des Erscheinungstermins notwendig. Es ist vorgesehen, die Gedichte zum Thema "Heimat/Heimatverlust" zur Leipziger Buchmesse 2020 vorzustellen und die Präsentation mit dem Erscheinungstermin zu verbinden. Alle Autorinnen und Autoren, von denen ein Gedicht in der Zeitschrift Aufnahme findet, erhalten November/Dezember 2019 schriftlich Bescheid. Von telefonischen oder schriftlichen Rückfragen bitten wir nach wie vor abzusehen. Um diese im Einzelnen zu bearbeiten, sind wir personell nicht in der Lage.

Wir bitten dafür um Verständnis. Es ist die erste Terminverschiebung in 13 Jahren. Die Fülle an Zusendungen hat uns überwältigt. Dank an alle, die sich an unserer Ausschreibung beteiligt haben.

Der Einsendetermin für das Thema "Poesie und Narrheit" bleibt bestehen. Das Erscheinen dieser Ausgabe verschiebt sich allerdings um ca. 6 Monate auf den Herbst 2020.

Hinweis für Abonnenten: Im Herbst d.J. erscheinen als 2. Ausgabe 2019 Gedichte zu New York, von denen einige im Zusammenhang mit unserem New-York-Abend am 27. September im Café Eigler (das im Capa-Haus ansässig ist) vorgestellt werden.

VERLÄNGERT BIS 31.10.19 (POSTSTEMPEL)!„Poesie und Narrheit“ – gesucht werden Gedichte und Notate

„Poesie und Narrheit“ – gesucht werden Gedichte und Notate

„Poesiealbum neu“ 1/2020 zu Ehren von Friedrich Hölderlin

Dass ein wirkliches Gedicht nicht altert, zeigt uns Hölderlins „Hälfte des Lebens“, das zu seinen bekanntesten gehört und vor 215 Jahren das erste Mal veröffentlicht wurde. Um ihn zu ehren, dessen Geburtstag sich im nächsten Jahr zum 250. Mal jährt, widmen wir unsere „Poesiealbum neu“-Ausgabe im II. Halbjahr 2020 Friedrich Hölderlin.

Sein Wesen und Wirken wurde – wie wohl bei keinem zweiten deutschen Dichter – als „Poesie“ in Verbindung mit „Narrheit“ definiert. Beides sollte ihm im Universitätsklinikum Tübingen ausgetrieben werden. Dass das Begriffspaar „Poesie und Narrheit“ sehr wohl zusammenpasst, wollen wir fast drei Jahrhunderte später mit Analogien bekräftigen. Gewiss ist, dass Menschen, zumal Dichtern, in Zeiten der Unfreiheit der postulierte Freiheitswille als Irr-Glaube bescheinigt wurde. Nicht von ungefähr ist Hölderlins Freiheitsbegriff ein himmlischer wie auch seine Dichtung voller mythologischer Bezüge ist. Insofern freut es uns, dass die Premiere dieser Ausgabe im Spätsommer 2020 im Verbund mit dem Arbeitskreis Vergleichende Mythologien e.V., der im nächsten Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert, stattfinden wird.

Im Zeitraum 1. Juli bis 15. Oktober 2019 laden wir ein, sich mit bis zu drei Gedichten und/oder Notaten mit Bezügen speziell zu Friedrich Hölderlin oder allgemeiner zu den Themen Freiheit und Lebenshälfte zu beteiligen. Eine Einsendung kann also praktisch allen drei Vorgaben und beiden Genres gelten.

Auf dem Postweg können bis zu drei, möglichst bislang unveröffentlichte Texte in deutscher Sprache und in 3-facher (!) Ausführung auf je einer eigenen Seite eingereicht werden. Die Gedichte bzw. Notate sollten eine Gesamtlänge von 35 Zeilen (inklusive Titel, Verfassername, Leerzeilen) nicht überschreiten und dem Layout unserer Zeitschrift entsprechen (Zeilenlänge beachten!).

Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.

Haus des Buches
Gerichtsweg 28
04103 Leipzig

Hinzuzufügen sind eine Kurzvita plus aktueller E-Mail-Adresse, die Erklärung, dass der kostenfreie Abdruck erlaubt wird, und die Zustimmung, dass die persönlichen Daten, die allein für den Zweck der Kommunikation und Registration Verwendung finden und keinesfalls an Dritte weitergegeben werden, gespeichert und für eine Veröffentlichung (Ankündigung) auf unserer Webseite verwendet werden dürfen.

Verzichten Sie bitte auf Einsendungen per Einschreiben; wir haben nicht die Kapazität, diese vom Postamt abzuholen.

Kommt ein Gedicht oder Notat für die Veröffentlichung in Betracht, setzt sich das „Poesiealbum neu“-Team mit der Autorin/dem Autor in Verbindung. Rückfragen oder Stellungnahmen zu den Einsendungen können nicht beantwortet bzw. geleistet werden. Sobald der Drucksatz abgeschlossen ist, werden auf der Webseite der GZL die Namen der Autorinnen und Autoren veröffentlicht, deren Text in die Ausgabe zum Themenkomplex „Freiheit. Lebensherbst. Hölderlin“ Aufnahme fand. Mit ihrer/seiner Beteiligung an der Ausschreibung stimmt die Einsenderin/der Einsender diesem Verfahren ausdrücklich zu.

Jeder Autorin, jeder Autor des Heftes erhält ein Freiexemplar und nimmt mit ihrem/seinem unveröffentlichten Gedicht an der Auswahl für den „Poesiealbum neu“-Preis 2021 teil, der das beste Gedicht des Jahrgangs 2020 prämiert. Die Notate können in diesem Format leider nicht berücksichtigt werden. Aber wir finden eine andere Möglichkeit, um den/die Verfasser/in des besten Notates zur Leipziger Buchmesse 2021 auszuzeichnen.

Wer Gedichte bzw. Notate mit Bezug zu Leben und Werk Hölderlins einreicht, diesen bzw. diese bitten wir, den Bezug in Form einer ausführlichen Anmerkung zu begründen und ggf. mit einem Werkauszug und einem Quellenverweis zu belegen.

Leipzig, im Juni 2019 / Änderung des Erscheinungszeitraums: Spätsommer 2020

Veranstaltungen unserer Mitglieder – Franziska Röchter

Fr, 15. November 2019: Franziska Röchter liest im Rahmen des Lesemarathons 50 Jahre VS50 literarische Miniaturen (17:00 bis 22:00 Uhr) ab ca. 20:30 Uhr in Raum 2 in der Karl-Rahner-Akademie, Jabachstr. 4-8, 50676 Köln, Nähe Neumarkt.

Veranstaltungen unserer Mitglieder – Ralph Grüneberger

Di, 13. November 2019, 19:00 Uhr: Ralph Grüneberger liest aus seinem Roman „Herbstjahr“, Rudolf-Hildebrand-Schule, Mehringsstraße 8, 04416 Markkleeberg. Moderation: Hendrik Berth. Musik: N.N. Gezeigt wird der Poesiefilm „Leipzig. Keine Gewalt“ von Milton Kam (USA) nach 2 Gedichten von Ralph Grüneberger. Eintritt: 3 €

Veranstaltungen unserer Mitglieder – Ralph Grüneberger

Di, 5. November 2019, 17:00 Uhr: Ralph Grüneberger liest aus seinem Roman „Herbstjahr“, Bibliothek der Westsächsischen Hochschule, Dr.-Friedrichs-Ring 2A, 08056 Zwickau. Moderation: Hendrik Berth. Musik: Annette Schneider. Gezeigt wird der Poesiefilm „Leipzig. Keine Gewalt“ von Milton Kam (USA) nach 2 Gedichten von Ralph Grüneberger. Eintritt: frei


Veranstaltungen

Keine Veranstaltungen

Gedicht des Monats

Gedicht des Monats November

Peter Bornhöft (*1936)
Die Lage der Dinge

Ein Augenblick der Erstarrung
eine Verhärtung der Eingeweide
eine traurige Gleichgültigkeit
als wäre das Licht
für immer erloschen

Am Morgen schon
ist das Hochbild vom Menschen
zu einer Lachnummer geworden

Ein weißer Pierrot
tut seine Arbeit
an den Gefolterten
er hat vergessen
dass es Gefolterte sind
er hört dass sie lachen
sie haben bezahlt
er muss leben
muss kaufen verkaufen
er lacht kein einziges Mal
er kann nicht lachen

Der Tod verkauft sich nicht

Aber geliftete Frauen
auch Babies per Katalog
niedliche Drogen zum Kinder
Geburtstag ein paar Pistolen
zur Konfirmation die Massaker
der Weihnachtsmänner
auf einem Computerspiel
zum Jahresende
ein paar Genozide –

und ein paar Menschen

Quelle: Poesiealbum neu „Konsum & Kommerz“, Edition kunst & dichtung Leipzig 2011,
herausgegeben von Ralph Grüneberger

Wir gratulieren herzlich zum 85. Geburtstag, den unser Mitglied
Peter Bornhöft am 5. November 2019 hoffentlich bei guter
Gesundheit feiern wird.


Empfehlung des Monats

Die Entdeckung Gershom Scholems als bedeutender Lyriker – Zu dem Band Poetica

Gershom Scholem, Poetica

Empfehlung des Monats · November 2019
von Wolfgang Braune-Steininger

„Gershom Scholem (1897-1982) begründete mit seinen Werken einen neuen Forschungszweig: die wissenschaftliche Erforschung der jüdischen Mystik, die ein neues Verständnis des Judentums und der jüdischen Geschichte eröffnet hat.“ – Mit diesen Worten, die auf der Innenseite des Rückumschlags des Buches stehen, wird die geistesgeschichtliche Bedeutung  Scholems konzise benannt. Weniger bekannt  ist seine Wirkung als Homme de Lettres im literarischen Diskurs, die nun mit dem vorliegenden Band einprägsam belegt wird. So äußert sich Scholem vielfältig und nachhaltig über das lyrische Genre des Klagelieds, bedenkt  Sprach- und Übersetzungstheoretisches, etwa Über das Hohe Lied und Wenn die Sprache ein relativistisches Werkzeug der Erkenntnis wäre, bespricht  Hauptwerke des literarischen Kanons, z.B. Mörikes Künstlerroman Maler Nolten und Rilkes Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, und erinnert an die Schicksale der literaturhistorisch eher verborgenen Dichter Alfred Margul-Sperber und Lea Goldberg.                                                         

Das unter den Aspekten von Lyrik besondere Verdienst des Bandes liegt in der Edition von 52 des insgesamt 140 Gedichte umfassenden lyrischen Werkes von Scholem. Dabei sind die Gedichte, wie das Herausgeberteam in seinen einleitenden Worten durchaus zutreffend meint, „auch als biographisch gefärbte Parerga und Paralipomena  zu seinem wissenschaftlichen Schaffen zu lesen“ (S.648). Besonders auffallend sind die personenbezogenen Gedichte.  So schreibt  Scholem  exaltierte Verse An Theodor Herzl!, äußert sich in Martin Buber kritisch-distanzierend über den bedeutenden Religionsphilosophen und setzt seinem Freund Walter Benjamin mit dem Sonett W.B. ein poetisches Denkmal.                                                                                       
Scholem und Benjamin lebten zeitweilig in Muri, einem Ort in der Nähe von Bern, wo sie, wie die Herausgeber (S. 724) vermerken, 1918 die „imaginäre ‚Haupt- und Staatsuniversität  Muri‘“ gründeten. Aus dieser Zeit stammt ein originelles Widmungsgedicht: Amtliches Lehrgedicht der Philosophischen Fakultät der Haupt- und Staats-Universität Muri. Scholem, der höchstselbst in die Rolle des lyrischen Sprechers als „Pedell des religionsphilosophischen Seminars“ schlüpft, dediziert die Zweite, umgearbeitete und den letzten approbierten Errungenschaften der Philosophie entsprechende Ausgabe seinem verehrten Freund (S.718):

Seiner
Magnifizenz
WALTER BENJAMIN
Rektor der Universität Muri                                                                          
damals wie heute gewidmet                                                                         
zum 5. Dezember 1927                                                                        
vom Verfasser

Scholem schreibt zu jedem Buchstaben des Alphabets einen originellen Vierzeiler, der voller Witz und Bildungsreichtum sprüht. Dabei sei folgendes Beispielzitat  (S. 719) gegeben:

F
Für Freud und Fichte fechten heute                                                                  
Nur allzuviele faule Leute.
Man weiß von mancher falschen Fee  
Mehr als von Michael Faradey.


Hätte das Personengedicht in der Literaturwissenschaft die ihm gebührende Wertschätzung, müsste Scholem zu den prägenden deutschsprachigen Lyrikern im 20. Jahrhundert gezählt werden.


Gershom Scholem, Poetica. Schriften zur Literatur, Übersetzungen und Gedichte. Herausgegeben und kommentiert  von Herbert Kopp-Oberstebrink, Hannah Markus, Martin Treml und Sigrid Weigel  unter Mitarbeit von Theresia Heuer, 
Berlin:  Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag 2019.
ISBN 978-3-633-54292-5. 780 Seiten. 58€

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Die Gesellschaft für
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ist seit 1995 Mitglied in der
1986 gegründeten
Arbeitsgemeinschaft
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