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„Steinbrech. Gedichte zu Pflanzen“ – die Autorinnen und Autoren aus 6 Ländern

Poesiealbum neu: „Steinbrech. Gedichte zu Pflanzen“ Pflanzen, sie ernähren uns, sie schmücken uns, sie schützen und behausen uns, sie kleiden und heilen uns – und sie töten uns. Es ist also unabdingbar, den Pflanzen in Gedichtform zu huldigen. Das formulieren auf ihre Weise diese 154 Autorinnen und Autoren der „Poesiealbum neu“-Ausgabe 2/2017 (Rezension siehe hier Pflanzen-Heft_Rezension_L-IZ_061117):
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Gedichte zum Thema „Meine Generation“

  • 08.11.2017

Herbstausgabe 2018 des „Poesiealbum neu“

Zeitraum: 1. November 2017 bis 31. Mai 2018.

2018 jährt sich zum 50. Mal das für Deutschland so wichtige Jahr 1968, in dem Teile der nachgewachsenen Generation sowohl im Westen bzw. Westberlin als auch im Osten (hier  mit dem empathischen Blick gen Prag) die nach 1945 schnell einsetzende Geschichtsklitterung oder -verkrustung aufbrechen wollten.

Eine Zeitschrift, die es auszeichnet, dass in ihr mitunter 60, 70 Jahre zwischen den Geburtsjahren ihrer Autorinnen und Autoren liegen, ist nachgerade prädestiniert dafür, sich dem Thema der Generationen zu widmen und lädt dazu ein, in Gedichtform die jeweiligen Merkmale und Wegzeichen der eigenen Generation zu formulieren.

Willkommen sind Einsendungen von bis zu drei, möglichst bislang unveröffentlichten Gedichten in deutscher Sprache (mit einer maximalen Länge von 40 Zeilen) 2-fach ausschließlich auf dem Postweg, zuzüglich Kurzvita (mit E-Mail-Adresse und Jahrgangsangabe) und kostenfreier Abdruckgenehmigung.

Für die Veröffentlichung erhält jede/r Autor/in ein Freiexemplar und die Möglichkeit, weitere Exemplare mit 25 % Rabatt zu erwerben.

Es können keine Eingangsbestätigungen verschickt werden. Desgleichen werden auch keine telefonischen Auskünfte gegeben. Sobald die Vorauswahl getroffen ist, werden die jeweiligen Autor/innen per E-Mail kontaktiert.

Mit Drucklegung werden die Namen aller Autorinnen und Autoren, deren Einsendung Berücksichtigung gefunden hat, auf der Webseite lyrikgesellschaft.de veröffentlicht.

Zwischenruf des Vorsitzenden vom 30.10.17

„Bildhauer, Maler, Musiker, Dichter lebten, wenn sie keinem anderen Beruf nachgingen, von der Bewunderung ihrer Freunde und Mitbürger, die ihre Werke kauften, ihre Konzerte und Lesungen besuchten. Man empfand es als Pflicht, Künstler und Dichter zu unterstützen und zu fördern. Man schätzte nicht nur, was durch Verlage bekannt gemacht, durch hohe Auflagen berühmt geworden war: Es war der ernste Respekt vor dem Schaffenden und seinen Werken, noch ehe sie veröffentlich wurden.“ So schildert die 1901 als Rosalie Scherzer in Czernowitz geborene Rose Ausländer ihre Erinnerungen an die Vielvölkerstadt in der Bukowina.

Gegenwärtig gibt es Bestrebungen, das bestehende Lohn“niveau“ für freiberufliche Autorinnen und Autoren zu verbessern. Wir als Lyrikgesellschaft haben die Misere bereits 2011 in Form der Veranstaltung „Der arme Poet – mit dem Laptop unterm wärmegedämmten Dach“ thematisiert und dazu Fragebögen zu den Einkommensverhältnissen von Dichterinnen und Dichtern erarbeitet, versendet und ausgewertet. Als langjähriges Mitglied des Dachverbandes Arbeitgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten haben wir auch diesen einbezogen. Im Podium unserer Veranstaltung saßen eine Vertreterin des Präsidiums des Deutschen Kulturrates und ein führender Angestellter der Künstlersozialkasse. Als Mitveranstalter konnten wir den Verband deutscher Schriftsteller in Leipzig gewinnen.

Leider sprang uns in der Folge niemand bei und unternahm den Versuch, sowohl unser Anliegen, als auch die bisherigen Ergebnisse in einen größeren Rahmen zu setzen. Hinzu kam, dass – aufgrund fehlender Landesförderung – des Format „Poetisches Podium“ nach vier Jahren eingestellt werden musste und uns als Verein ab April 2012 keine vom Arbeitsamt geförderte Personalstelle mehr zur Verfügung stand.

Sechs Jahre nach unserem „Poetischen Podium“, d.h. im Mai dieses Jahres, hat sich eine Berliner Institution (so kann man das „Haus für Poesie“ mit zahlreichen Festangestellten und einem Finanzhaushalt von mehr als einer halben Million Euro zurecht nennen) gleichfalls dem Thema angenommen und mit finanzieller Unterstützung des Bundes eine Tagung und Befragung zum sozialen Status von Lyriker/innen in Deutschland ausgerichtet. Zu unserem Bedauern wurden wir, als größte in Deutschland ansässige Vereinigung von Lyrikerinnen und Lyrikern, weder im Vorfeld davon in Kenntnis gesetzt, noch Vertreter unseres Vereins in die Konferenz einbezogen. Selbstverständlich hätten wir unsere Ergebnisse zur Verfügung gestellt und insbesondere auch jenen unserer Mitgliedern den Fragebogen übermittelt, die eine freiberufliche Autorenexistenz leben und deren Antworten zu einer stärkeren Gewichtung und Gültigkeit hätten führen können.

Inzwischen wurde das Ergebnis der Befragung vom „Haus für Poesie“ veröffentlicht, doch kann es mit einer beschränkten Anzahl an „Probanden“ nicht als repräsentativ gelten. Der Bund der Steuerzahler sollte fragen, warum Dr. Thomas Wohlfahrt, Leiter des „Haus[es] für Poesie“ und Verantwortlicher für diese Aktion, so kurz denkt und beschränkt handelt.

Ende November nun findet erneut ein Zusammentreffen der Beteiligten vom Mai 2017 statt. Im Interesse unserer Mitglieder haben wir nicht nur Herrn Dr. Wohlfahrt im August kontaktiert und freundlich zu unserer Jahresversammlung am 4. November eingeladen, um seinen Standpunkt darzulegen, sondern dem „Haus für Poesie“ im September auch unsere Mitwirkung ungefragt angeboten, um einen größeren Querschnitt bei diesem Thema zu erlangen. Zu unseren kooperativen Mitgliedern zählt mit Anton G. Leitner, dem langjährigen Herausgeber von „DAS GEDICHT“, ein Kenner der Lyrik-Szene im deutschsprachigen Raum wie kaum ein zweiter. Ihn könnte des „Haus für Poesie“ desgleichen als Multiplikator gewinnen, um die wichtige Fragestellung zu den Einkommensverhältnissen von Lyriker/innen in Deutschland so umfassend wie möglich für die Entscheidungsträger/innen in Bund, den Ländern, Landkreisen bzw. Kulturräumen und Kommunen aufzubereiten. Leider müssen wir resümieren: Es gab auch nach 8 Wochen keine Antwort vom festangestellten Leiter dieser Einrichtung und selbstredend bislang auch keine Einladung der Lyrikgesellschaft zur Mitarbeit. Die Ausgrenzung hat also System.

Wie wichtig jedoch eine konzertierte Bewusstmachung der prekären Lebenslage bei den politischen Entscheidern ist, lässt sich exemplarisch darstellen: Da gibt es auf der einen Seite die Förderrichtlinie der Kulturstiftung des Bundes, die besagt, dass ein Verein erst dann einen Antrag auf Projektförderung stellen kann, wenn der Haushalt des Vorhabens mindestens 50.000 € beträgt (bei 15% Eigenmitteln, die wohl eine Institution, aber kein ehrenamtlich geführter Verein aufbringen kann). Und da gibt es auf der anderen Seite die Praxis einer Hochschule für Technik, Wissenschaft und Kultur (!) in Sachsen, die für eine Lesung vor Studierenden eine Bezahlung in „Höhe“ von 17 €/h (brutto) anbietet. Nimmt man nur die beiden Pole, kann die Schere nicht größer sein.

Besserung kann wohl zunächst nur das „Czernowitzer Modell“ bringen. Längerfristig bleibt die Hoffnung, dass die Nutzung von Kompetenzressourcen und Erfahrungswerten außerhalb eines engen Zirkels doch noch Realität wird.


Veranstaltungen

23.11.2017
18:00 - 21:00

Tugenden & Sünden / Poetry Clips + AUKTION

Literaturhaus Leipzig, Haus des Buches,
Leipzig, Gerichtsweg 28

ABEND DER GROSSEN NAMEN: Autographen von 5 Literatur-Nobelpreisträgern!

Hermann Hesse, Günter Grass, Herta Müller, Tomas Tranströmer und Bob Dylan

Besichtigung und Ausgabe von Bieterkarten ab 18 Uhr

Vorführung von ausgewählten Gedichtfilmen ab 19 Uhr

Versteigerung ab 19.30 Uhr

25 Jahre Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.

Zugunsten unserer Gedichtfilm-Projekte bieten wir Kunstobjekte und Autographen zur Versteigerung sowie auf einem Büchertisch signierte Bücher bzw. Kunstbände von hochkarätigen Autorinnen und Autoren bzw. bekannten Künstlerinnen und Künstlern an. Zu ihnen zählen Volker Braun, Peter Härtling, Wolfgang Hilbig, Hennig Mankel, Sarah Kirsch, Karl Krolow, Rosa Loy, Marcel Reich-Ranicki, Wolfdietrich Schnurre, Klaus Staeck, Eva Strittmatter, Roy Stuart, Norbert Wagenbrett und Martin Walser.

Aufgerufen werden zum einen hochwertige gerahmte Drucke von Marc Chagall, George Grosz, A.R. Penck, Pablo Picasso, Holzschnitte von Conrad Felixmüller, Erich Heckel, Kurt Mühlenhaupt und Emil Nolde sowie zum anderen Autographen von Durs Grünbein, Ulla Hahn, Günter Kunert, Reiner Kunze, Bernd-Lutz Lange/Tom Pauls, Neo Rauch, Helmut Richter und Jan Wagner, desgleichen originalgrafische handsignierte Kunstwerke von Manfred Degenhardt, Sighard Gille, Robert Hartmann, Rainer Herold, Karl Oppermann, Jörg Villmov sowie das Gemälde „Blaue Nacht“ von Angelika Rochhausen. Spezielle Konvolute, die wir zusammengestellt haben, bieten zudem einige Überraschungen.

Die Angebote stellen wir 7 Tage vor der Auktion als PDF zum Download bereit. Ferngebote richten Sie bitte mit Angabe Ihres Namens, Ihrer Anschrift, E-Mail-Adresse und Ihrer Telefonnummer bis spätestens 23.11.17 (11 Uhr) an lyrikgesellschaft@web.de

Herzlich gedankt sei allen Künstlerinnen und Künstlern, Autorinnen und Autoren, welche uns sowohl bei der 1. Auktion im Februar, bei dieser 2. Auktion am 23. November 2017 und bei der für den Sommer 2018 geplanten 3. Auktion mit ihren Kunstspenden, Katalogen und Autographen unterstützt haben bzw. das noch tun wollen.

Bücher zum Kauf: Angebot_Bücher 23.11.17

Kunst zum Ersteigern: Auktionsobjekte23111_Liste1

Handgeschriebene Gedichte und signierte Bücher gegen Gebot: Autographen und Lyrik gegen Gebot_Liste2

 

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27.11.2017
17:00

Verfilmte Gedichte zu des Menschen Tugenden & Sünden

DOMFORUM,
Köln, Domkloster 3

Nur wenige Tage nach der Auszeichnungsveranstaltung in Leipzig werden im
DOMFORUM Köln am 27. November 2017, 17.00 Uhr, preisgekrönte Gedichtfilme aus dem
Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik (GZL) gezeigt.
Zu den Einsender(inne)n des Wettbewerbs gehört die Künstlerin Beate Gördes aus Köln,
sie hat ein Gedicht der Kölner Autorin Christine Graf zum Ausgangspunkt
ihres Poetry Clips gewählt. Die gleichfalls in Köln ansässige Künstlerin Ria Gerth beteiligte
sich an dem Filmwettbewerb mit der Umsetzung des Themas „Schlangenbiß“ des Autors Peter Reik.

Insgesamt meldeten sich Videokünstler aus 6 Ländern für den den 3. Gedichtfilm-Wettbewerb
der Internationalen Lyrikgesellschaft an. Am 24.November 2017 werden die Preisträgerfilme
öffentlich bekannt gegeben und kurz darauf in der Medienstadt Köln vom
Initiator des Wettbewerbs, dem Vorsitzenden der GZL Ralph Grüneberger, präsentiert.

Eintritt frei / Einlass ab 16.45 Uhr

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08.12.2017
17:30 - 19:00

„FÜNFZIG/FÜNFUNDZWANZIG“ - Ausstellungseröffnung

Stadtbibliothek Leipzig,
Leipzig, Wilhelm-Leuschner-Platz 10-11

„FÜNFZIG/FÜNFUNDZWANZIG“- 8. Dezember 2017 bis 3. März 2018

Grußwort: Dr. Skadi Jennicke, Kulturbürgermeisterin

Einführung: Ralph Grüneberger

Gesprächsrunde mit Siegmar Faust, Lutz Rathenow u. Andreas Reimann

Moderation: Stefan Kabisch

 

Die Stauseelesung 1968

 Im Sommer 1968 initiierte der Bootsfahrergehilfe Siegmar Faust eine Lesung auf dem Leipziger Elsterstausee. Die Lesung in den Abendstunden des 26. Juni war nicht angemeldet und verstieß damit bereits gegen die Rechtsauffassung der DDR. Zu den etwa 30 Teilnehmern bzw. Gästen der Lesung gehörten Gert Neumann, Andreas Reimann, Heidemarie Härtl, Bernd-Lutz Lange, Dietrich Gnüchtel. Faust eröffnete die Lesung mit Auszügen aus dem Parteiprogramm der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei. Gelesen wurden danach poetische Texte der Teilnehmer Kristian Pech, Siegmar Faust und Friederike Techel. Erstmals trug auch Wolfgang Hilbig, außerhalb des Zirkels schreibender Arbeiter „Heinz Rusch“, Gedichte von sich vor.

Über die Lesung an Bord der MS „Immer bereit“ berichtete der Informant der Staatssicherheit (IM „Kretschmar“), der allerdings nicht anwesend war und die Veranstaltung im Nachhinein protokollierte. Mit der unterschiedlichen Einschätzung der Folgen diese Lyrik-Lesung  befasst sich der Dokumentarfilm „In jenem beharrlichen Sommer …“ von Ralph Grüneberger und Gerhard Pötzsch, der am 1. März 2018 um 19 Uhr in der Stadtbibliothek gezeigt wird.

Die Lesenden von 1968, das „Poesiealbum“ aus dem Verlag Neues Leben, das „Poesiealbum neu“ der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik

Die FÜNFZIG bezieht sich zum einen auf die Lesung an Bord des Motorschiffes „Immer bereit“. Die FÜNFZIG bezieht sich aber auch gleichermaßen auf das ab 1967 monatliche  Erscheinen von nationaler wie internationaler „Lyrik im Westentaschenformat“ namens „Poesiealbum“, deren erste Nummer Bertolt Brecht galt. 1990 musste der Verlag Neues Leben die Veröffentlichung der Reihe aus wirtschaftlichen Gründen einstellen. 17 Jahre später bewirkte Bernd Jentzsch, ermuntert von dem Bestreben der Lyrikgesellschaft, die Fortsetzung der Reihe im Märkischen Verlag Wilhelmshorst.

Die FÜNFUNDZWANZIG wiederum bezieht sich auf die von Gerhard Oberlin vor 25 Jahren in Tübingen gegründete Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, deren Schirmherrschaft Karl Krolow übernommen hatte und die ihren Sitz Ende 1996 nach Leipzig verlegte, nachdem Ralph Grüneberger im Oktober zum Ersten Vorsitzenden gewählt worden war.

Die FÜNFUNDZWANZIG bezieht sich außerdem auf die von Ralph Grüneberger 2005/2006 initiierte Wiederbelebung des „Poesiealbum[s]“, deren 1. Ausgabe als „Poesiealbum neu“ im Frühjahr 2007 erschienen ist und vornehmlich Gedichte von Ehrenmitgliedern der Lyrikgesellschaft vereinte. Indessen liegen 24 Ausgaben,  2 Sonderausgaben, 3 Hörbücher sowie 2 DVDs mit Poetry Clips nach Gedichten aus dem „Poesiealbum neu“ vor. Und die Nummer 25 mit Gedichten zum Thema „Glück“, die im März 2018 erscheinen wird, ist in Vorbereitung, desgleichen eine DVD mit Gedichtfilmen zu der Ausgabe „Tugenden & Sünden“ des „Poesiealbum neu“.

Dass sowohl Siegmar Faust, Wolfgang Hilbig, Bernd-Lutz Lange und Andreas Reimann Autoren der Zeitschrift „Poesiealbum neu“ sind, lässt auf schöne Weise ein Bindeglied zwischen FÜNFZIG/FÜNFUNDZWANZIG entstehen.

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Gedicht des Monats

Die Lage der Dinge

  • 01.11.2017

Peter Bornhöft (*1936)

Die Lage der Dinge

Ein Augenblick der Erstarrung
eine Verhärtung der Eingeweide
eine traurige Gleichgültigkeit
als wäre das Licht
für immer erloschen

Am Morgen schon
ist das Hochbild vom Menschen
zu einer Lachnummer geworden

Ein weißer Pierrot
tut seine Arbeit
an den Gefolterten
er hat vergessen
dass es Gefolterte sind
er hört dass sie lachen
sie haben bezahlt
er muss leben
muss kaufen verkaufen
er lacht kein einziges Mal
er kann nicht lachen

Der Tod verkauft sich nicht

Aber geliftete Frauen
auch Babies per Katalog
niedliche Drogen zum Kinder
Geburtstag ein paar Pistolen
zur Konfirmation die Massaker
der Weihnachtsmänner
auf einem Computerspiel
zum Jahresende
ein paar Genozide –

und ein paar Menschen

 

Quelle:
„Konsum & Kommerz“. Gedichte;
„Poesiealbum neu“ der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.,
ausgewählt u. herausgegeben von Ralph Grüneberger, Leipzig 2011


Empfehlung des Monats

Das Leipziger Liederbuch in Neufassung: Zeitzeugnis subversiver Literaturgeschichte

Empfehlung des Monats · November 2017

Franziska Röchter

von Franziska Röchter

 

 

 

 

„Das Leipziger Liederbuch, auf dessen vielfache Aufführung wir aus sind, ist kein getöntes Leipzig-Bild. Als Stadtführer wird es nicht zu gebrauchen sein …“, so schrieben die Text- und Ton-Autoren des Liederbuches, Ralph Grüneberger und Walter Thomas Heyn, bei der Ankündigung der Erstfassung 1987 und verwiesen auf ein „Leipzig am Rand“ und „dicke Luft“, die Gegenstand der Texte, ab 1985 entstanden, seien. Seinerzeit fiel der fromme Wunsch der beiden Autoren noch der Zensur zum Opfer, eineinhalb nicht-öffentliche Aufführungen (ja, eines war nur eine Teilaufführung) vor ausgewählten geladenen Gästen, eine im Gewandhaus zu Leipzig, die gestutzte Version in der Alten Handelsbörse, zeugen von nur einigen Konsequenzen, die Produzenten kritischer oder vermeintlich kritischer Texte damals in Kauf nehmen mussten.
Nun wird genau 30 Jahre später unter anderen Vorzeichen eine Wiederbelebung des Leipziger Liederbuches in einer Neufassung mit zusätzlichen aktuellen, zeitbezogenen Texten gewagt.
Grund genug, einen Blick in dieses Zeugnis Leipziger Zeit- und Literaturgeschichte zu werfen …

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