Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.

lyrikgesellschaft.de

Gesellschaft für zeitgenoessische Lyrik

Lyrikgesellschaft Aktuell

Echt jetzt? Eine umfangreiche Empfehlung.

Empfehlung des Monats · September 2020
von Ralph Grüneberger

Es ist eine Freude, dass Einzelausgaben in der Reihe „Poesiealbum“ aus dem Märkischen Verlag dem Werk einzelner Mitglieder der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik gelten, so Therese Chromik, Róža Domašcyna, Carl-Christian Elze, Christoph Kuhn, Christoph Meckel, Andreas Reimann und Christiane Schulz (Zeitraum 2010 bis 2020). Zudem fühlt man sich bestätigt, wenn die eine oder andere 2017 persönlich ausgesprochene Empfehlung in Wilhelmshorst aufgegriffen wurde, auch wenn dies stillschweigend geschah. Doch die Freude ist nicht ungetrübt. Dazu am Ende mehr. Zunächst wollen wir uns an je einem Gedicht erfreuen, das diese sieben Autorinnen und Autoren aus den Reihen der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. veröffentlicht haben. Aus urheberechtlichen Gründen ergänzen wir die sechs Gedichte aus dem jeweiligen „Poesiealbum“ mit dem Abdruck eines Gedichtes von Christoph Meckel aus unserem Auftaktheft vom Frühjahr 2007.

Christoph Meckel (1935-2020)
Smetana
23. April 1884

Jabkenice im heiteren Böhmen.
Stocktaub, das ist er schon lange.
Die Melodien zerfallen
im Tosen des leeren Gehirns,
der Silberton ist erloschen in seiner Stimme,
aber das Auge liebt noch Laub und Wasser.

Erzähle den Herren in Prag,
wie meine Seele bewegt ist.
Es war nicht in meiner Macht, es ist das Geld,
es fehlen die Gulden.
Der die Grundharmonika der Nation schuf,
aber die Herren in Prag.

Dunkel, Nässe, der Tag brach an.
Vor der Holztreppe stand der Wagen.
Dem Herrn Forstmeister rannen
Tränen über die Wangen,
als er die Decken brachte. Er saß im Wagen,
ganz geistesabwesend.
Alles weinte.

Ärztliches Gewahrsam, Staatliche Anstalt.
Die Coda ist kurz,
er kommt nicht wieder.

Quelle: Poesiealbum neu, Nr. 1/2007, Leipzig 2007
Das Gedicht ist nicht im Poesiealbum 288 enthalten.

***

Poesiealbum 307
Christiane Schulz (*1955)
Der Geist der Mirabellen

Es ist das Graubrot
das hart wird und sauer
immer härter und immer saurer
nimmt es der Mirabellenkonfitüre
das zarte Bitter das Graubrot
das wir immer schon aßen
Geliebter mit dem Geschmack
von Mirabellenkonfitüre
ehe es hart wurde das Brot
und sauer viel saurer
als das Fruchtbitter von den Mirabellen
nach dem das Küssen schmeckte
ehe es hart wurde
und sauer das Graubrot

© Christiane Schulz

                              ***

Poesiealbum 336
Andreas Reimann (*1946)
ARCHE DER DINGE

Zu paaren traben nach den kakerlaken
die autos in die arche, cola-dosen
nebst plastik-tüten und silastik-hosen.
Aus kinderzimmern kriechen gummi-kraken
behände auf das deck, recorder beaten,
um einlaß bittend. Spuckende computer
verdrängen noah hackerisch vom ruder.
Das bier büchst aus, die einweg-flaschen mieten
als deponie sich das gefähr-schiff an.

Und treibt aus einer planke auch ein reis:
Ist es gerecht, o herr, dass du uns schonst? -
Die gülle steigt. Hebt so nur ab der kahn?

O herr, verzeih mir, dass ich ahnend weis:
Die sintflut kostet viel. Und ist umsonst.

© Andreas Reimann

***

Poesiealbum 337
Therese Chromik (*1943)
Unwiderrufliches
nach Mutters Tod

Wollen Sie das Dokument
endgültig löschen?
fragt mich der Computer
als ich die Dateien auf deinem Computer
zu löschen beginne
deine Gedanken Gefühle Worte
die du gespeichert hast
ich finde sie wieder
wollen Sie das Dokument
wieder herstellen?
ja, sage ich,
immer wieder.

© Therese Chromik

                                ***

Poesiealbum 348
Christoph Kuhn (*1951)
Neuer Herbsttag
nach Rainer Maria Rilke

Herr, welche Zeit. Der Sommer ist sehr heiß.
Längst schon steht Herbst auf den Kalenderblättern.
Mit diesen Wettern stimmt‘s nicht, wie man weiß.

Nicht nur sind alle letzten Früchte voll;
so manche Pflanze zeigt noch einmal Blüten,
und andere, von weither aus dem Süden,
erbringen hierzulande bald ihr Soll.

Wer jetzt kein Haus hat mit Solaranlagen,
wer jetzt noch nicht den Strom gewechselt hat,
wird wachen, fernsehn, lange skypen, statt
nach dem Warum und dem Wohin zu fragen;
die Antwort steht auf einem andern Blatt.

© Christoph Kuhn
(Erstveröffentlicht in Poesiealbum neu 1/2017)

***

Poesiealbum 353
Carl-Christian Elze (*1974)

vor 13.8 milliarden jahren, im ersten milliardstel eines
milliardstels eines milliardstels einer milliardstel sekunde
blähte sich unser universum um das zehn-billionen-
billionen-fache auf: von subatomaren dimensionen
zu der größe eines fußballs, so sagt man im april
des jahres 2014. in diesen urknallball war unsere liebe
schon eingraviert, aber vorher noch sonnen
planeten und monde, das ganze schwerkraftding
musste sich einschaukeln, liebes, das dauert ein bisschen.
auch unsere kugel, aus sternenstaub zusammengepappt
war nicht gleich fest; doch irgendwann zellen
unter wasser: einzelne, tänzelnde, noch unsterbliche
gebilde, ewige teilungen, plasmaeinschnürungen:
aus eins wird zwei ohne rest. erst später zusammenkünfte
vielzellereien, die erfindung der leiche: volvox
die kugelalge, muss als erste dran glauben
ihr körper gesprengt bei der geburt ihrer töchter.
überall leichen! – aber pflanzen behalten immer die
nerven, liebes, nicht wahr .. ganz anders als wir.
überhaupt PFLANZEN! ohne sie keine liebe.
wie göttliche diener verschenken sie zucker und luft.
tiere erscheinen: fische und saurier, mollusken
und vögel, kiemen und lungen, die erste milch
die aus den zitzen tropft, die ersten säuger:
unauffällige kleingewachsene, huschende objekte ...
und auch wir mussten erst in form gebracht werden
liebes: affen und menschen, milliarden von
menschen, lucy und ötzi, immer wieder zerlegt
nach wenigen jahren von bakterien und pilzen
(in einer handvoll erde oder in deinem wunderschön
geschwungenen mund leben mehr bakterien
als jemals menschen auf dieser welt herumspaziert
sind, so sagt man im april des jahres 2014)
schließlich wir: mit großen gehirnen, kaum fell
trinken milch und wachsen heran, fast ohne instinkte:
wir lernen und lernen, überleben und finden
uns schließlich, erkennen uns schließlich
mitten in der nacht, auf einer straße in
münchen, unter zerschossenen laternen
und fühlen uns plötzlich – unerklärlicherweise
albernerweise – unzerstörbar und lachen
und unser lachen rast um die sonne, du weißt schon
wie wahnsinniger, glücklicher staub …

© diese kleinen, in der luft hängenden, bergpredigenden gebilde.
Gedichte. Verlagshaus Berlin 2016 (2., überarbeitete Auflage 2019).

                               ***

Poesiealbum 354
Róža Domašcyna (*1951)
Triangel regional III. Für O. P.

ja du ha du
gehst einkoofwatsch holwatsch schejdwatsch
schakata schaka scheckiger schäker
armbanduhjurij adapeter afrodyter alles
allez!
loses losyski los im moos
bloß und an dann animaliski
poetiski ritki a titki zuletzt besetzt vonner
altliebe walt siebe und nudelbretter halt
hiebe hriby griby die husch kusch
in deinem bett brett net
klimmt klimbora klimperklein 
daliegt und daliebt da du ducy dale mich
Milena Minna Mirjam naschest nasch
ich dich tebje gebe
fajna frejna frohen freier frei 
ei ein zögling hering harjenk der hängt
an der decke der strecke der flecke ich recke
meine seine reine lust mußt
das nicht nennen bekennen
moje boje pupille pille und das was ich faß allas!
verlassen
sattle mir hippe und hille stoj auf zur quadrille
zwirn zu die mantille
näh dich ein rein mein stier jetzt
tschier das joj -
wie die spodki und schpotki das einkoofwane
und namolwane das verneinwane und vereiswane
fortfliegt und daliegt biegt und rügt das
ganze und stanze und tanze poj!
Juan Joan Johann Jan
in den armen der Carmen erbarmen
hamende alarmen
am ende hamjen
amen

© Róža Domašcyna


Nun leider zum Unerfreulichen, denn die Wahrheit stellt sich nicht von selber ein:

Die im Herbst 2007 vom Leiter des Kleinverlages, Dr. Klaus-Peter Anders, in Wilhelmshorst begonnene Fortsetzung der 40 Jahre zuvor im Verlag Neues Leben entstandenen Lyrikreihe „Poesiealbum“ ist immer wieder ins Zwielicht geraten. Auf den Ur-Herausgeber Bernd Jentzsch folgte schon nach extrem kurzer Zeit Richard Pietraß, der nach Jentzsch überdies die Reihe in den Endsiebzigern im Verlag Neues Leben betreut hatte, um dann ebenfalls die Zusammenarbeit mit dem Märkischen Verlag aufzukündigen. Als mir gegenüber zwei Autorinnen und ein Herausgeber hinsichtlich des schlechten Stils des Kleinverlegers Anders den Wunsch geäußert haben, ich solle doch als Initiator des „Poesiealbum neu“ auch die Reihe der Einzelhefte übernehmen, war das natürlich schmeichelhaft, wenn auch kaum überraschend, hatte ich doch selbst meine Erfahrung mit Herrn Dr. Anders gemacht, der noch 2015 das „Poesiealbum neu“ als „Vereinszeitschrift“ diskreditierte. Ein solches Ansinnen, wie es die Betroffenen äußerten, bedeutet natürlich eine Würdigung der 2005 von mir initiierten Gründung der Zeitschrift „Poesiealbum neu“, allerdings widerspräche die Umsetzung dem Satzungslatein eines gemeinnützigen Vereins, der für das prononcierte Herausheben Einzelner keinerlei Eigenmittel verwenden darf.

Bernd Jentzsch und Ralph Grüneberger - mit den beiden ersten Ausgabe des "Poesiealbum neu" im Herbst 2007
Foto: Jörn Schinkel

Im Herbst 2007, als Bernd Jentzsch, den wir bereits vor der Redaktion der ersten Ausgabe im Jahre 2006 in Kenntnis der Gründung unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ setzten, stolz die im Märkischen Verlag erschienene Nummer 277 mit Gedichten Peter Huchels in einer Veranstaltung (und mit Vergütung) der Lyrikgesellschaft präsentierte, standen wir vor einem Dilemma. Der Verlag Neues Leben Berlin, nach 1990 Teil der Eulenspiegel Verlagsgruppe, der uns 2006 die Erlaubnis erteilt hatte, das tradierte Erscheinungsbild für unsere Zeitschrift verwenden zu dürfen, ließ uns wissen, dass diese Erlaubnis nicht zweimal vergeben werden könne, und empfahl uns, eine Einigung mit dem Märkischen Verlag Wilhelmshorst herbeizuführen. Keine Frage, dass wir das versucht haben. Natürlich hätten wir als Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik darauf bestehen können, dass wir allein das Äußere des „Poesiealbum“ fortführen und eine dementsprechende Unterlassungsklage herbeiführen können. Aber das hätte nicht nur unserem Ansehen, sondern auch der Gattung selbst geschadet. Gute Lyrik kann es nicht genug geben. Somit formulierte ich im Einvernehmen mit Herrn Dr. Anders eine Presse-Information, um beide Reihen, die sich im Grunde nicht im Wege standen und zudem ihre Wurzeln im System der Edition haben, gemeinsam zu bewerben. Da das Netz nichts vergisst, lässt sich auch heute noch auf die von mir verfasste Pressemeldung verweisen: https://lyrikzeitung.com/2007/11/04/39-poesiealbum-und-poesiealbum-neu-2/

Dass wir dann wenig später von Dr. Klaus-Peter Anders vehement enttäuscht wurden, indem er einerseits in allen Interviews, die Kenner der traditionellen Lyrikreihe mit ihm führten, uns als tatsächliche Wiedererwecker der Reihe schlichtweg unterschlug, und andererseits einzig Interesse an den Adressen unserer Abonnenten zeigte, war der Beginn einer Missachtung, die u.a. darin mündete, dass die 2007 manifestierte Aufgabenteilung –  wir die Ausgaben mit Anthologie-, der Märkische Verlag die mit dem Solo-Charakter – ohne Abstimmung unterlaufen wurde und im Mantel des „Poesiealbum“ eine Anthologie „Gedichte aus Neuseeland“ erschien, der kurz darauf eine mit „Gedichte[n] aus Finnland“ folgte. Gab es bis etwa 2009 noch die von einer Enthusiastin privat betriebene Poesiealbum-Domain, die die gesamte Entwicklung aufzeigte, d.h. sowohl die Ausgaben des „Poesiealbum neu“ (2007 ff) als auch des „Poesiealbum“ (seit 1967 und ab Nr. 277 bis dato), übernahm Kleinverleger Anders diese Domain und stutzte sie auf sein Blickfeld zurecht. Doch dessen nicht genug. In seiner stoischen Art wurde und wird er nicht müde, die Tatsachen zu verdrehen. Vor gar nicht langer Zeit nutzte er den persönlichen Kontakt zu einem seiner „Poesiealbum“-Autoren und gab diesem auf den Weg, er möge uns doch bitteschön nahezulegen, auf den Titel und das Äußere unserer Zeitschrift zu verzichten. Zum anderen ist Herr Dr.  Anders dreist genug, um die in seinem Verlag von wechselnden Herausgebern editierte Reihe als „die ECHTE“ zu besiegeln. So, als hätte es die Anthologien, die als Sonderhefte in jährlicher Folge vor knapp 50 Jahren (!) im Zusammenhang mit den Poetenseminaren der Freien Deutschen Jugend das erste Mal erschienen sind, nie gegeben. Das „Poesiealbum neu“ ist an diesen Anthologien geschult, das ist nicht zu übersehen, auch wenn die Redaktion bereits mit der 3. Ausgabe (2008) den Kreis der einbezogenen Autorinnen und Autoren auch auf Nichtmitglieder der GZL erweitert hat und einzelne Rubriken (das Interview 7 Fragen zur Lyrik, Der Gast, Klassik, Fundstück) dazugekommen sind.

Poeseialbum neu: Konsum & Kommerz. Foto: Karin Lichtenberger-Eberling

Desweiteren entstanden Ausgaben mit Notaten, Sonderausgaben mit Gedichten von Schülerinnen und Schülern nach einem Gedichtwettbewerb, vereinten wir Autorinnen und Autoren aus Leipzigs Partnerstädten, zu denen Literaturnobelpreisträger gehören, oder trafen eine Auswahl an Texten politischer Gefangener. Ist das alles „unecht“?

Eigentlich sollte man sich daran erheitern können, wenn die Irreführung des Herrn Dr. Anders nicht so erfolgreich wäre und selbst einer der hier Präsentierten, der voller Vorfreude das Erscheinen seines „Poesiealbum“ per Rundmail bewarb, unbekümmert die Darstellung des Märkischen Verlages verbreitete: „Die Lyrikreihe, begründet von Bernd Jentzsch, erschien in der DDR monatlich zwischen 1967 und 1990 im Verlag Neues Leben Berlin und war eine preiswerte Möglichkeit, Poesie deutscher und internationaler Lyriker kennenzulernen. Dann folgten 17 Jahre Pause. Im Herbst 2007 belebte dann der Märkische Verlag, ansässig in Wilhelmshorst, zusammen mit dem Begründer der Reihe Jentzsch das Poesiealbum wieder.“ Tja, wie ist das mit der Erinnerungs-Pause, wann wird sie zur Gedächtnislücke? In einer von Dritten geförderten Reihe innerhalb des „Poesiealbum“ geht der Märkische Verlag „gegen das Vergessen“ an. Wir auch.

Ralph Grüneberger, Initiator und Herausgeber des „Poesiealbum neu“, von ihm erschien 1984 das „Poesiealbum 198“ im Verlag Neues Leben Berlin

Im Zeitraum 1. September bis 31. Dezember 2020 zeigt die GZL in ihrem LYRIK-SCHAUFENSTER im Haus des Buches (1. Etage) diese Ausgaben und einige mehr: „Das Poesiealbum und das Poesiealbum neu – beide in Echtzeit“

Die Empfehlung des Monats ist ein kostenfreier Service der GZL. Die eigenverantwortlichen Beiträge der Autorinnen und Autoren können, aber müssen nicht die Meinung des Vorstandes wiedergeben.





Poesiealbum neu-Preis 2020 vergeben

Die Leipzigerin Dora Hauch (Ps.) wurde anlässlich der "Leipziger Dichterlese" am vergangenen Sonntag, dem 26. Juli 2020, bei einer Veranstaltung der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. im Schillerhaus mit dem Poesiealbum neu-Preis 2020 ausgezeichnet.

Der Erste Vorsitzende der Lyrikgesellschaft Ralph Grüneberger verlas die Begründung der Jury, die Dr. Therese Chromik, Dr. Wolfgang Braune-Steininger und Klaus Pankow bilden und die aus den beiden Ausgaben der Zeitschrift "Poesiealbum neu" des Jahrgang 2019 das ihrer Meinung nach beste Gedicht auswählten, und übergab den Preis an die Gewinnerin.

Dora Hauch trägt ihr Gedicht jazzimprovisation vor

Der Preis, eine Edelfeder aus Sterlingsilber, versehen mit der namentlichen Gravur der Preisträgerin, den die Waldmann KG in Birkenfeld großzügiger Weise erneut als Sachspende dem Verein zur Verfügung gestellt hat, sollte eigentlich bereits am 14. März 2020 während der Leipziger Buchmesse der Autorin übergeben werden, was coronabedingt nun erst mehr als vier Monate später stattfinden konnte.

Bisherige Preisträger sind:

2017: Erica Natale aus Bielefeld
2018: Andreas Reimann aus Leipzig
2019: Peter Frömmig aus Marbach am Neckar

Fotografien: Gustav Franz, Leipzig

Verlängert bis 30. September d.J. (Poststempel)! – Lyrik in Bewegung. Gedichte zur Automobilität gesucht

Ausschreibung für die Ausgabe 1/2021 des Poesiealbum neu

Das Auto als Fetisch oder als fahrbaren Untersatz. Am Automobil, das Jahrzehnte als Symbol für Wertarbeit, Ingenieursleistung, Selbstbestimmung und Wohlstands galt, scheiden sich heute die Geister. In der Stadt ist es im Weg, auf dem Land erschließt es den Weg. Wie kein anderes Fortbewegungsmittel trennt das Automobil unsere Gesellschaft. Für Gewalttäter wird es zur Waffe, sei es auf dem Weihnachtsmarkt oder beim Karnevalsumzug, für politisch motivierte Kriminelle zum Objekt der Zerstörung und Brandstiftung.

In der alten Bundesrepublik galt lange Zeit der Grundsatz Freie Fahrt für freie Bürger! Eine Verheißung, die nach dem 1. Juli 1990 nicht wenige der Neuwestdeutschen im Osten zu Käufen von Schrottlauben veranlasst hat. Im Einklang mit dem Einzug von Autohäusern verhalf der Aufschwung Ost dann auch zu den tempofreundlichen Straßenverhältnissen und erzeugte den Neid der Brüder & Schwestern, deren Fahrwege nicht die neue Glätte aufwiesen. Inzwischen allerdings sind platzgreifende Privatfahrzeuge zunehmend verpönt. Kirchgemeinden rufen zum Autofasten auf. Schulkinder wenden sich nicht nur freitags von ihren motorisierten Eltern ab und radeln plötzlich zum Klavierunterricht oder zur Tennisstunde. Gerade noch bis zum Reiterhof vor der Stadt lassen sie sich im Familiengefährt kutschieren. Auf dem Weg zur Nachhilfe  wollen manche von ihnen den Geschwindigkeitsrausch mit dem Fahrrad erleben - ohne Rücksicht auf Verluste.

Wie automobil sind Autorinnen und Autoren? Auch das soll das Themenheft beantworten. Sitzen sie hinterm Lenkrad oder nur vor dem Schreibtisch und betrachten vom sogenannten Elfenbeinturm aus die Blechlawine? Nehmen sie Entfernungen mit dem Taxi wie einst Erich Kästner oder sitzen sie in der Tram oder im ICE oder gehören sie zu den neuen E-Rollerfahrern, die Kladde mit ihren Texten im Rucksack oder schon gespeichert auf dem Tablet? Welche Zukunft hat die selbstbestimmte Mobilität? Geht im E-Mobil der Fahrzeug-Sound verloren und muss akustisch eingespielt werden?

Verbindungen von Dichtern und Autos sind legendär. Gertrude Stein warb für den Ford. Edgar Wallace erschrieb sich einen Rolls-Roys. Hermann Hesse posierte gern vor seinem Mercedes. Ebenfalls zu denken ist an Bertolt Brecht, der für einen Vierzeiler mit einem Automobil belohnt wurde und nach einem Unfall damit in einem weiteren Vierzeiler die Überlebenschancen lobte und ein neues erhielt. Tragisch endete das Leben von Rolf Dieter Brinkmann, der Hymnen auf das Automobil verfasste und dem ausgerechnet in London der Linksverkehr zum Verhängnis wurde, als ihn ein Taxi überfuhr und tödlich verletzte. Passend zur Aufnahmefähigkeit eines Autofahrers äußerte er sich in dem Band »Die Piloten« (1968) über das Gedichteschreiben: »Ich denke, dass das Gedicht die geeignetste Form ist, spontan erfaßte Vorgänge und Bewegungen, eine nur in einem Augenblick sich deutlich zeigende Empfindlichkeit konkret als snap-shot festzuhalten.« Ums Festhalten von Sprache in dieser rasenden Zeit soll es uns gehen. Wie beweglich sind wir im Kopf und auf der Straße?

Im Zeitraum 15. März 2020 bis 31. August 2020 (Poststempel) laden wir ein, sich mit bis zu drei Gedichten an unserer Ausschreibung zu beteiligen.

Stand: Ende Februar 2020

Wie passend in Corona-Zeiten der Immobilität, könnte man meinen - aber das Thema könnte auch Sehnsüchte wecken und das, was bisher selbstverständlich erschien, auf den Prüfstand stellen.

Auf dem Postweg können bis zu drei, möglichst bislang unveröffentlichte Gedichte in deutscher Sprache und in 2-facher Ausführung auf je einer eigenen DIN A4-Seite eingereicht werden. Unaufgeforderte Zusendungen per E-Mail werden nicht geöffnet! Die Gedichte sollten eine Gesamtlänge von 35 Zeilen (inklusive Titel, Verfassername, Leerzeilen) nicht überschreiten und dem Layout unserer Zeitschrift entsprechen (Achtung: Zeilenlänge beachten!).

Hinzuzufügen sind eine Kurzvita plus aktueller E-Mail-Adresse, die Erklärung, dass der kostenfreie Abdruck erlaubt wird, und die Zustimmung, dass die persönlichen Daten, die allein für den Zweck der Kommunikation und Registration Verwendung finden und keinesfalls an Dritte weitergegeben werden, gespeichert und für eine Veröffentlichung (Ankündigung) auf unserer Webseite verwendet werden dürfen.

Verzichten Sie bitte auf Einsendungen per Einschreiben; wir haben nicht die Kapazität, diese vom Postamt abzuholen.

Kommt ein Gedicht für die Veröffentlichung in Betracht, setzt sich das »Poesiealbum neu«-Team mit der Autorin/dem Autor in Verbindung. Rückfragen oder Stellungnahmen zu den Einsendungen können nicht beantwortet bzw. geleistet werden. Sobald der Drucksatz abgeschlossen ist, werden auf der Webseite der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik die Namen der Autorinnen und Autoren veröffentlicht, deren Text in die Ausgabe zum Themenkomplex »Lyrik in Bewegung. Gedichte zur Automobilität« Aufnahme fand. Mit ihrer/seiner Beteiligung an der Ausschreibung stimmt die Einsenderin/der Einsender diesem Verfahren ausdrücklich zu.

Jeder Autorin, jeder Autor des Heftes erhält ein Freiexemplar und nimmt mit ihrem/seinem unveröffentlichten Gedicht an der Auswahl für den »Poesiealbum neu«-Preis 2022 teil, der das beste Gedicht des Jahrgangs 2021 prämiert.

Im 14. Jahr des Erscheinens der Zeitschrift »Poesiealbum neu« verlosen wir unter den ersten 14 Einsendern ein Exemplar von »… und habe ich mir denn ein Auto angeschafft. Schriftsteller und Automobile«, ein Text-Foto-Band von Ulf Geyersbach, Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2006.

»Poesiealbum neu«, gegründet 2006, erscheint seit 2007

Zeitschrift der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. (GZL), erscheint halbjährlich; Preis 16 € p.a. (Inland), inkl. Versand; Preis für Ausland auf Anfrage

Ein Probeabo (2 Ausgaben – ohne Kündigung) kostet im Inland 18 €; Preis für Ausland auf Anfrage

Mitglieder der GZL erhalten eine Ermäßigung, ebenso Öffentliche Bibliotheken und Schulbibliotheken.

Aktion: die ersten 5 Neuabonnenten erhalten die Lieder-CD »Hinterm Mond« von Stellmäcke als Geschenk dazu, allen anderen Neuabonnenten schenken wir ein Exemplare einer früheren Ausgabe des »Poesiealbum neu« mit der 1. Lieferung. Es besteht kein Rechtsanspruch, die Auswahl erfolgt nach Eingang.

Bestellungen richten Sie bitte schriftlich an: Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V., Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig / kontakt@lyrikgesellschaft.de

Poesiealbum neu-Preis 2020 vergeben

Die Leipzigerin Dora Hauch (Ps.) wurde anlässlich der „Leipziger Dichterlese“ am vergangenen Sonntag, dem 26. Juli 2020, bei einer Veranstaltung der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. im Schillerhaus mit dem Poesiealbum neu-Preis 2020 ausgezeichnet.

Der Erste Vorsitzende der Lyrikgesellschaft Ralph Grüneberger verlas die Begründung der Jury, die Dr. Therese Chromik, Dr. Wolfgang Braune-Steininger und Klaus Pankow bilden und die aus den beiden Ausgaben der Zeitschrift „Poesiealbum neu“ des Jahrgang 2019 das ihrer Meinung nach beste Gedicht auswählten, und übergab den Preis an die Gewinnerin.

Dora Hauch trägt ihr Gedicht jazzimprovisation vor

Der Preis, eine Edelfeder aus Sterlingsilber, versehen mit der namentlichen Gravur der Preisträgerin, den die Waldmann KG in Birkenfeld großzügiger Weise erneut als Sachspende dem Verein zur Verfügung gestellt hat, sollte eigentlich bereits am 14. März 2020 während der Leipziger Buchmesse der Autorin übergeben werden, was coronabedingt nun erst mehr als vier Monate später stattfinden konnte.

Bisherige Preisträger sind:

2017: Erica Natale aus Bielefeld
2018: Andreas Reimann aus Leipzig
2019: Peter Frömmig aus Marbach am Neckar

Fotografien: Gustav Franz, Leipzig

Poesie & Narrheit – Auswahl der Autorinnen und Autoren abgeschlossen

  • 22.07.2020

Kaum ein Dichter wird in deutschsprachigen Gedichten der Moderne, vor allem in der Zeit nach 1945, so häufig  zitiert, adressiert und porträtiert wie Friedrich Hölderlin.

Anlässlich der 250. Wiederkehr von Hölderlins Geburtstag ist ihm diese Ausgabe gewidmet.

102 Autorinnen und Autoren vereint die Nr. 2/2020 unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ – die etwa Mitte September vorliegen wird.

Unsere Abonnenten erhalten die Ausgabe Ende September/Anfang Oktober d.J. auf dem Postweg zugesandt.

Verbindliche Bestellungen erbitten wir bereits jetzt per E-Mail kontakt@lyrikgesellschaft.de vorzunehmen. Die Ausgabe umfasst ca. 90 S. und kostet 7,50 €.

Die Autorinnen und Autoren:

Manfred Ach

Esther Ackermann

Johanna Anderka

Michael Augustin

Yvonne Balg

Marianne Beese

Jochen Berendes

Eva-Maria Berg

Franziska Beyer-Lallauret

Hans Gustav Bötticher

Sabine Brandl

Timo Brandt

Wolfgang Braune-Steininger

Hans Dietrich Bruhn

Lars-Arvid Brischke

Daniel Büttrich

Ingo Cesaro

Georg Oswald Cott

Udo Degener

Doris Distelmaier-Haas

Stéphanie Divaret

Jens-Fietje Dwars

Eckhard Erxleben

Leonhard Ehlen

Patricia Falkenburg

Wolfgang Franke

Peter Frömmig

Tuncay Gary

Carlos Gluschak

Peter Gosse

Joachim Gräber

Ralph Grüneberger

Hans-Jürgen Heise (Ps.)

Gisela Hemau

Jörg Hirsch

Sibylle Hoffmann

Johann Christian Friedrich Hölderlin

Dieter Höss

Jan-Eike Hornauer

Roman Israel

Horst Jahns

Johanne Jastram (Ps.)

jottpeh (Ps.)

Stefan Kabisch

Christine Kappe

Karl Kirsch

Eva Kittelmann

Manfred Klenk

Kathrin Knebusch

Katharina Körting

Josef Krug

Grit Kurth

Christine Langer                                            

Anton G. Leitner

Dieter Liewerscheidt

Britta Lübbers

Gustav Lüder

Dietrich Machmer

Helmut Martens

Wolfgang Mayer König

Lisa Elina Memmeler

Eline Menke

Gerd Meyer-Anaya

Sabine Minkwitz

Manfred Moll

Sofie Morin

Andreas Müller

Christoph Müller

Jörg Neugebauer

Walter Neumann

Klaus Nührig

Johann Peter

Jutta Pillat

August von Platen

Nada Pomper

Ariane Hassan Pour-Razavi

Helga Rahn

Anne Rauen

Lutz Rathenow

Andreas Reimann

Andreas-Wolfgang Rohr

Franziska Röchter

Mike Rother

Wolfgang Rischer

Silke Rudl

Bärbel Sanchez

Jürgen Sanders

Ulrich Schacht

Tamara Schinner

André Schinkel

Maren Schönfeld

Ulrich Schröder

Ernst Schulze

Christiane Schulz

Hellmut Seiler

Michael Stahl

Heidrun Stödtler

Ulrich Straeter

Maria Anna Stommel

Bernd Storz

Rüdiger Stüwe

Michael Spyra

Magnus Tautz

Geplant sind zur Präsentation dieser Ausgabe eine Veranstaltung am 26. September 2020 in Leipzig und am 27. Oktober 2020 eine weitere in Tübingen. Nähere Informationen dazu rechtzeitig auf dieser Webseite.

Titelbild nach einem Gemälde von Andreas Weißgeber.

Der „Soli“ für die Kultur

Einzelne Mitglieder der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. unterstützen dankenswerterweise die Initiative des Leipziger Kulturbüros Grote & Thomas, die den „Leipziger Kulturfallschirm“ aufgespannt haben und noch bis zum 20. April 2020 um Spenden bitten: https://www.startnext.com/leipziger-kulturfallschirm

in finanzieller Weise und die Lyrikgesellschaft selbst mit einer Sachspende, die als „Dankeschöns“ an Spender/innen gehen wird. Außerdem unterstützt eine Reihe prominenter Schriftsteller aus Leipzig bzw. Autoren, die sich mit Leipzig verbunden fühlen, den „Kulturfallschirm“ mit signierten Büchern, um die Spender zum Format „Das gute Buch“ einzuladen, was erfreulicherweise viel Widerhall gefunden hat.

Alles in allem wird somit gewiss ein Tausender in den Spendentopf kommen – und wer sich hier noch finanziell beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen und ermuntert. Jeder 5-Euro-Schein hilft, und für 10 Euro wird einem eine „virtuelle Umarmung“ zuteil.

Helfen kann die Politik in Kommune, Land und Bund zudem SOFORT, ohne dass es einen Cent kostet, indem sie bereits für das Jahr 2020 bewilligte Projektfördergelder nicht wie üblich an das laufende Geschäftsjahr bindet, sondern prinzipiell auch nach dem 31. Dezember weiter zur Verfügung stellt – mindestens bis Mitte 2021. Den etwa 50 Mitwirkende an unseren bislang 12 abgesagten Veranstaltungen käme das unmittelbar zugute und würde gleichermaßen auch eine Wertschätzung bedeuten.

Mein Vorschlag ist der: Den „Soli“, sprich Solidaritätszuschlag auf die Einkommenssteuer, den die Politik demnächst für einen Großteil der Steuerzahler abschaffen will, beizubehalten und fortan in einen Pool fließen lassen, aus dem jenen Freiberuflern und Selbständigen, die von der Corona-Krise betroffen sind, ein monatliches Grundeinkommen von 1.200 € bezahlt wird, das einzig an die Bedingung geknüpft sein sollte, ihre kreative Arbeit/Mitarbeit der Gesellschaft weiterhin anzubieten.

Kommen wir jetzt erst einmal gemeinsam über Ostern und sammeln neuen Mut.

Viel Gesundheit Ihnen allesamt, und rücken wir symbolisch zusammen, dass wir es für die Zeit DANACH nicht verlernt haben.

11. April 2020

Ralph Grüneberger


Veranstaltungen

17.07.2020 - 30.11.2020
0:00

Welttag der Poesie – erste Nachholtermine gesetzt

Bekanntermaßen mussten wir alle neun Veranstaltungen abgesagen und hoffen weiterhin darauf, die Mehrzahl davon zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden lassen zu können.

Stattfinden konnte bereits die Veranstaltung in Leipziger Schillerhaus. Ihr folgte am 15. September im Schillerhaus Rudolstadt der zweite Nachholtermin. Am 17. Oktober ist als dritter die Lyriklesung in der Rathausgalerie in Döbeln angekündigt. Auch an diesem Ort werden ausgewählte Gedichtfilme zur Lyrik von Joachim Ringelnatz gezeigt.

Nach dem Verkauf von 40 DVDs mit ausgewählten Gedichtfilmen zur Lyrik von Joachim Ringelnatz konnte bereits eine Spende in Höhe von 200 € den Weg nach Australien, zum dortigen Roten Kreuz, finden.

Regenwetterbedingt konnte die Lesung am 26. Juli 2020 in Leipzig nur als Videomitschnitt stattfinden und dieser wird an einem Tag im November d.J. zu sehen sein. Hingegen fand die Veranstaltung in Rudolstadt an einem lauen Sommer(herbst)abend statt. Unser Mitglied Heidrun Stödtler, als Organisatorin vor Ort, schrieb das dazu: „Ein stimmungsvoller Abend ist zu Ende. Der Sommer im Schillerhaus Rudolstadt verwandelte sich in ein kleines Poetenfest mit aufmerksamen ZuhörerInnen. Die Lyrik wurde im Garten dargeboten, danach wurden die ausgewählten Gedichtfilme bei Einhaltung der Hygienevorschriften im Lichthof vorgestellt. Die Veranstaltung war ausverkauft. Mein Dank gebührt vor allem Frau Danz, der wir einen Traum erfüllt haben, Lyrik in ihrem Schillergarten zu präsentieren. Sie hat auch einige Fotos gemacht. Es war rundum gelungen.“

—————————————————————————-

Hier unser Beitrag, der gleich nach der Ausgangssperre geschrieben wurde:

„Wassertropfen & Seifenblase“ – Lyrik und Ringelnatz-Filme am Welttag der Poesie 

Das war der Plan für den 20. und 21. März d.J.: Die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik (GZL) lädt in 9 deutschen Städten in West und Ost zum „Welttag der Poesie 2020“ ein, der zu Ehren von Joachim Ringelnatz stattfinden sollte. Als Kooperationspartner in Berlin, Bielefeld, Braunschweig, Bremen, Döbeln, Köln, Neusäß, Leipzig und Saalfeld standen uns dabei drei Galerien, eine Buchhandlung, zwei Literaturzentren, ein Vereinshaus, eine Hochschule und ein Botanischer Garten zur Seite. Als Lesende meldeten sich vornehmlich Autorinnen und Autoren aus der jeweiligen Region.

Die Lyrik-Veranstaltungen hatten das Ziel, dem Publikum die besten Filme aus dem 4. Gedichtfilmwettbewerb der GZL „Wassertropfen & Seifenblase. Lyrik von Joachim Ringelnatz“ zu präsentieren und zum anderen, das mit einer Lesung von Gedichten von in der Region bzw. in der Stadt ansässigen Autorinnen und Autoren zu verknüpfen. Und das Ziel behalten wir aufrecht. Gefördert werden die Veranstaltungen von der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG) aus Mitteln des Bundes – und diese stehen uns zum Glück weiterhin zur Verfügung. Und auch viele Mitveranstalter haben signalisiert, einen neuen Termin zu ermöglichen.

Die Leitung des Raabehauses in Braunschweig hat uns signalisiert, die für März geplante Veranstaltung 2021 nachholen zu wollen. Vielleicht kann das sogar am 21. März sein. An diesem Tage könnte auch die nachgeholte Veranstaltung in Bielefeld stattfinden.

Eigens für diesen „Welttag“ ist eine DVD mit 28 ausgewählten Filmen zur Lyrik von Ringelnatz erschienen, ein Autor, der auch 2019 wieder einen der vorderen Ränge auf der Bestenliste der meistverkauften Lyriktitel einnahm.

Die im Rahmen des „Welttages der Poesie“ veröffentlichte DVD mit 28 ausgewählten Filmen zur Lyrik von Joachim Ringelnatz aus dem 4. Gedichtfilmwettbewerb der GZL kann ab sofort schriftlich bestellt werden. Sie kostet 25 EUR, davon spenden wir 5 EUR den Opfern der Brandkatastrophe in Australien. Dem Roten Kreuz haben wir bereits 200 € für die überweisen können. Danke allen, die sich für unsere Ringelnatz-Gedichtfilme interessieren und uns bei dem Spendenprojelt unterstützen.

Verbindliche Bestellungen richten Sie bitte an: kontakt@lyrikgesellschaft.de

Hier ein Link zu einer ersten Bewertung der angebotenen DVD: https://www.l-iz.de/bildung/buecher/2020/03/Wassertropfen-Seifenblase-Die-DVD-mit-den-Gedichtfilmen-zu-den-nachdenklichsten-Ringelnatz-Gedichten-322157

 

Weiterlesen: Welttag der Poesie – erste Nachholtermine gesetzt
26.09.2020
15:00 - 16:00

Hälfte des Lebens. Poesie & Narrheit - die Premiere unserer neuen Ausgabe

Schillerhaus,
Leipzig, Menckestraße

„Hälfte des Lebens. Poesie & Narrheit“

Lesung und Musik

mit Steffi Böttger, Anna Fey, Ralph Grüneberger und dem Gitarrenduo Karin Leo und Thomas Heyn

Zu Gehör gebracht werden ausgewählte Gedichte und Notate aus der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Poesiealbum neu“, die Friedrich Hölderlin gewidmet ist.

 

Als Intermezzi erklingen Werke von Ferdinando Carulli, Antonin Dvořák, Amadeus Mozart, Fernando Sor sowie Kompositionen von Thomas Heyn.

Eintritt 6,- € / erm. 4,- €

Die Veranstaltung wird unterstützt vom Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig.

Kartenreservierung telefonisch, Tel.: 0341-5662170

Weiterlesen: Hälfte des Lebens. Poesie & Narrheit - die Premiere unserer neuen Ausgabe
26.09.2020
16:30 - 18:30

Heimat und Heimatverlust. Die nachgeholte Premiere

Schillerhaus,
04155, Menckestraße 42

Lesung und Musik

mit

Marianne Beese, Steffi Böttger, Anna Fey, Ralph Grüneberger, Jan-Eike Hornauer, Manfred Klenk, Eva Lübbe, Klaus Nührig, Andreas Reimann, Andreas-W. Rohr und Heidrun Stödtler

Moderation: Stefan Kabisch

Musik: Thomas Heyn und Karin Leo, Gitarrenduo

Eintritt 6,- € / erm. 4,- €

gefördert vom Kulturamt der Stadt Leipzig, unterstützt vom Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig

 

Hinweis: 15 Uhr gibt es eine weitere Veranstaltung ebendort.

Karten für beide Veranstaltungen können zum Peis von 10,- € und ermäßigt 7,- € erworben werden.

Kartenreservierung telefonisch, Tel.: 0341-5662170

Zum Inhalt der Veranstaltung:

Hunderttausende Geflüchtete kamen Mitte dieses Jahrzehnts mit der sogenannten „Flüchtlingswelle“ nach Deutschland. Und auffällig werden meist nur die Straffälligen; einzelne beschädigen tausendfach das Erscheinungsbild ihrer Landsleute.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren Millionen Deutsche Vertriebene und haben sich und ihren Familien hunderte Kilometer von ihren Geburts- und den Sterbeorten ihrer Vorfahren eine neue Existenzgrundlage geschaffen. Die Assimilation führte längst dazu, dass ihre Nachkommen kaum mehr etwas von den Wurzeln des Familienstammes wissen. Zur massenhaften Umsiedlung von Ost nach West kam es bis und auch noch nach 1989.

„Ist Deutschland meine Heimat?“ fragen sich Menschen, deren Großeltern als Gastarbeit in dieses unser Land kamen, ja händeringend gerufen worden, wenn sie Anfeindungen erleben.

An Begriffe wie Deutschtürken, Rußlanddeutsche, Rumäniendeutsche haben wir uns längst gewöhnt. Doch nach Heimat klingt das nicht. Dabei ist Heimat etwas Elementares, etwas sehr Persönliches, etwas, das das Menschsein ausmacht.

Zehn Jahre nach der Ausgabe unserer Zeitschrift „Deutschland. Gedichte“ erschien im Frühjahr 2020 „Heimat und Heimatverlust“  mit erweitertem Blickwinkel.

Weiterlesen: Heimat und Heimatverlust. Die nachgeholte Premiere
17.10.2020
16:00 - 18:00

Der dritte neue Termin: Welttag der Poesie 2020

Stadtmuseum & kleine Galerie,
Döbeln, Obermarkt 1

Für den coronabedingt verschobenen Welttag der Poesie in Döbeln  gibt es nunmehr ebendort einen Nachholtermin. Am
17. Oktober 2020, Beginn 16.00, lesen Sylvia Eggert, Cornelia Eichner, Frank Norten und Norbert Weiß.
Im Anschluss an die Lesung werden ausgewählte Filme zur Lyrik von Joachim Ringelnatz gezeigt.
Gemeinschaftveranstaltung der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. mit der Stadt Döbeln, gefördert von der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten aus Mitteln des Bundes.
Der Eintritt ist frei.
Die Platzkapazität ist begrenzt.
Um Platzreservierung wird gebeten:
Große Kreisstadt Döbeln
Büro des Oberbürgermeisters
Stadtmuseum & kleine Galerie

Obermarkt 1 − 04720 Döbeln
Tel.:
Fax:
+49 (0) 3431 / 579 – 138
+49 (0) 3431 / 579 – 139
E-Mail:
Webseite:
Kathrin.Fuchs@doebeln.de
www.doebeln.de

 

 

 

 

Weiterlesen: Der dritte neue Termin: Welttag der Poesie 2020
25.10.2020
17:00 - 18:30

Nach dem Eingesperrtsein: Worthaft-Lesung und -Lieder mit Stephan Krawczyk und Utz Rachowski

Hotel Seeblick. Bar und Restaurant,
Leipzig, Karl-Liebknecht-Str. 125

Nachdem coroanabedingt die für den Welttag der politischen Gefangenen geplante Veranstaltung im Literaturhaus Leipzig nicht stattfinden konnte, gibt es nun „nach dem Eingesperrtsein“ einen neuen Termin. Dieser Termin gilt auch als ein Zeichen der Solidarität, um die durch die monatelange Schließung betroffenen Gastronomie zumindest partiell zu unterstützen.

Stephan Krawczyk

Utz Rachowski

Im Restaurant „Hotel Seeblick“ wird die Lesung und die Aufführung der Lieder stattfinden. Moderiert wird die Veranstaltung vom Herausgeber der Sonderausgabe „Worthaft. Texte politischer Gefangener“, Ralph Grüneberger. Die Platzkapazität ist aufgrund der Einhaltung der Hygienevorschriften begrenzt. Eine Reservierung ist deshalb unbedingt erforderlich.

Diese bitte direkt an

walenta@hotel-seeblick-leipzig.de
Telefon: +49 (0) 341 – 2253 771

richten.

Eintritt 20 € (inklusive eines Getränks nach freier Wahl entsprechend des Angebots)

Gemeinschaftsveranstaltung der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, des PEN-Zentrums Deutschland und der WALENTA – SEEBLICK GASTRONOMIE & BAR GMBH, gefördert vom Sächsischen Landtag

Weiterlesen: Nach dem Eingesperrtsein: Worthaft-Lesung und -Lieder mit Stephan Krawczyk und Utz Rachowski

Gedicht des Monats

Gedicht des Monats September 2020

  • 01.09.2020

Eva Lübbe (*1950)
Schneeglöckchen

Zarte Spitzen
treibst Du aus frostigem Boden hervor.

Willst Du Dein Weiß
am Weiß des Schnees messen?

Erste Sonnenstrahlen helfen Dir.
Wie einen winzigen Schirm
spannst Du Dein Glöckchen auf

und läutest im Chor Deiner Schwestern
leise den Frühling ein.


Wir gratulieren unserem Mitglied auf diesem Wege herzlich zum
runden Geburtstag und wünschen Dr. Eva Lübbe noch viele Frühlinge.

Quelle: Poesiealbum neu
Steinbrech. Gedichte zu Pflanzen
Leipzig 2017


Empfehlung des Monats

Echt jetzt? Eine umfangreiche Empfehlung.

Empfehlung des Monats · September 2020
von Ralph Grüneberger

Es ist eine Freude, dass Einzelausgaben in der Reihe „Poesiealbum“ aus dem Märkischen Verlag dem Werk einzelner Mitglieder der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik gelten, so Therese Chromik, Róža Domašcyna, Carl-Christian Elze, Christoph Kuhn, Christoph Meckel, Andreas Reimann und Christiane Schulz (Zeitraum 2010 bis 2020). Zudem fühlt man sich bestätigt, wenn die eine oder andere 2017 persönlich ausgesprochene Empfehlung in Wilhelmshorst aufgegriffen wurde, auch wenn dies stillschweigend geschah. Doch die Freude ist nicht ungetrübt. Dazu am Ende mehr. Zunächst wollen wir uns an je einem Gedicht erfreuen, das diese sieben Autorinnen und Autoren aus den Reihen der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. veröffentlicht haben. Aus urheberechtlichen Gründen ergänzen wir die sechs Gedichte aus dem jeweiligen „Poesiealbum“ mit dem Abdruck eines Gedichtes von Christoph Meckel aus unserem Auftaktheft vom Frühjahr 2007.

Christoph Meckel (1935-2020)
Smetana
23. April 1884

Jabkenice im heiteren Böhmen.
Stocktaub, das ist er schon lange.
Die Melodien zerfallen
im Tosen des leeren Gehirns,
der Silberton ist erloschen in seiner Stimme,
aber das Auge liebt noch Laub und Wasser.

Erzähle den Herren in Prag,
wie meine Seele bewegt ist.
Es war nicht in meiner Macht, es ist das Geld,
es fehlen die Gulden.
Der die Grundharmonika der Nation schuf,
aber die Herren in Prag.

Dunkel, Nässe, der Tag brach an.
Vor der Holztreppe stand der Wagen.
Dem Herrn Forstmeister rannen
Tränen über die Wangen,
als er die Decken brachte. Er saß im Wagen,
ganz geistesabwesend.
Alles weinte.

Ärztliches Gewahrsam, Staatliche Anstalt.
Die Coda ist kurz,
er kommt nicht wieder.

Quelle: Poesiealbum neu, Nr. 1/2007, Leipzig 2007
Das Gedicht ist nicht im Poesiealbum 288 enthalten.

***

Poesiealbum 307
Christiane Schulz (*1955)
Der Geist der Mirabellen

Es ist das Graubrot
das hart wird und sauer
immer härter und immer saurer
nimmt es der Mirabellenkonfitüre
das zarte Bitter das Graubrot
das wir immer schon aßen
Geliebter mit dem Geschmack
von Mirabellenkonfitüre
ehe es hart wurde das Brot
und sauer viel saurer
als das Fruchtbitter von den Mirabellen
nach dem das Küssen schmeckte
ehe es hart wurde
und sauer das Graubrot

© Christiane Schulz

                              ***

Poesiealbum 336
Andreas Reimann (*1946)
ARCHE DER DINGE

Zu paaren traben nach den kakerlaken
die autos in die arche, cola-dosen
nebst plastik-tüten und silastik-hosen.
Aus kinderzimmern kriechen gummi-kraken
behände auf das deck, recorder beaten,
um einlaß bittend. Spuckende computer
verdrängen noah hackerisch vom ruder.
Das bier büchst aus, die einweg-flaschen mieten
als deponie sich das gefähr-schiff an.

Und treibt aus einer planke auch ein reis:
Ist es gerecht, o herr, dass du uns schonst? –
Die gülle steigt. Hebt so nur ab der kahn?

O herr, verzeih mir, dass ich ahnend weis:
Die sintflut kostet viel. Und ist umsonst.

© Andreas Reimann

***

Poesiealbum 337
Therese Chromik (*1943)
Unwiderrufliches
nach Mutters Tod

Wollen Sie das Dokument
endgültig löschen?
fragt mich der Computer
als ich die Dateien auf deinem Computer
zu löschen beginne
deine Gedanken Gefühle Worte
die du gespeichert hast
ich finde sie wieder
wollen Sie das Dokument
wieder herstellen?
ja, sage ich,
immer wieder.

© Therese Chromik

                                ***

Poesiealbum 348
Christoph Kuhn (*1951)
Neuer Herbsttag
nach Rainer Maria Rilke

Herr, welche Zeit. Der Sommer ist sehr heiß.
Längst schon steht Herbst auf den Kalenderblättern.
Mit diesen Wettern stimmt‘s nicht, wie man weiß.

Nicht nur sind alle letzten Früchte voll;
so manche Pflanze zeigt noch einmal Blüten,
und andere, von weither aus dem Süden,
erbringen hierzulande bald ihr Soll.

Wer jetzt kein Haus hat mit Solaranlagen,
wer jetzt noch nicht den Strom gewechselt hat,
wird wachen, fernsehn, lange skypen, statt
nach dem Warum und dem Wohin zu fragen;
die Antwort steht auf einem andern Blatt.

© Christoph Kuhn
(Erstveröffentlicht in Poesiealbum neu 1/2017)

***

Poesiealbum 353
Carl-Christian Elze (*1974)

vor 13.8 milliarden jahren, im ersten milliardstel eines
milliardstels eines milliardstels einer milliardstel sekunde
blähte sich unser universum um das zehn-billionen-
billionen-fache auf: von subatomaren dimensionen
zu der größe eines fußballs, so sagt man im april
des jahres 2014. in diesen urknallball war unsere liebe
schon eingraviert, aber vorher noch sonnen
planeten und monde, das ganze schwerkraftding
musste sich einschaukeln, liebes, das dauert ein bisschen.
auch unsere kugel, aus sternenstaub zusammengepappt
war nicht gleich fest; doch irgendwann zellen
unter wasser: einzelne, tänzelnde, noch unsterbliche
gebilde, ewige teilungen, plasmaeinschnürungen:
aus eins wird zwei ohne rest. erst später zusammenkünfte
vielzellereien, die erfindung der leiche: volvox
die kugelalge, muss als erste dran glauben
ihr körper gesprengt bei der geburt ihrer töchter.
überall leichen! – aber pflanzen behalten immer die
nerven, liebes, nicht wahr .. ganz anders als wir.
überhaupt PFLANZEN! ohne sie keine liebe.
wie göttliche diener verschenken sie zucker und luft.
tiere erscheinen: fische und saurier, mollusken
und vögel, kiemen und lungen, die erste milch
die aus den zitzen tropft, die ersten säuger:
unauffällige kleingewachsene, huschende objekte …
und auch wir mussten erst in form gebracht werden
liebes: affen und menschen, milliarden von
menschen, lucy und ötzi, immer wieder zerlegt
nach wenigen jahren von bakterien und pilzen
(in einer handvoll erde oder in deinem wunderschön
geschwungenen mund leben mehr bakterien
als jemals menschen auf dieser welt herumspaziert
sind, so sagt man im april des jahres 2014)
schließlich wir: mit großen gehirnen, kaum fell
trinken milch und wachsen heran, fast ohne instinkte:
wir lernen und lernen, überleben und finden
uns schließlich, erkennen uns schließlich
mitten in der nacht, auf einer straße in
münchen, unter zerschossenen laternen
und fühlen uns plötzlich – unerklärlicherweise
albernerweise – unzerstörbar und lachen
und unser lachen rast um die sonne, du weißt schon
wie wahnsinniger, glücklicher staub …

© diese kleinen, in der luft hängenden, bergpredigenden gebilde.
Gedichte. Verlagshaus Berlin 2016 (2., überarbeitete Auflage 2019).

                               ***

Poesiealbum 354
Róža Domašcyna (*1951)
Triangel regional III. Für O. P.

ja du ha du
gehst einkoofwatsch holwatsch schejdwatsch
schakata schaka scheckiger schäker
armbanduhjurij adapeter afrodyter alles
allez!
loses losyski los im moos
bloß und an dann animaliski
poetiski ritki a titki zuletzt besetzt vonner
altliebe walt siebe und nudelbretter halt
hiebe hriby griby die husch kusch
in deinem bett brett net
klimmt klimbora klimperklein 
daliegt und daliebt da du ducy dale mich
Milena Minna Mirjam naschest nasch
ich dich tebje gebe
fajna frejna frohen freier frei 
ei ein zögling hering harjenk der hängt
an der decke der strecke der flecke ich recke
meine seine reine lust mußt
das nicht nennen bekennen
moje boje pupille pille und das was ich faß allas!
verlassen
sattle mir hippe und hille stoj auf zur quadrille
zwirn zu die mantille
näh dich ein rein mein stier jetzt
tschier das joj –
wie die spodki und schpotki das einkoofwane
und namolwane das verneinwane und vereiswane
fortfliegt und daliegt biegt und rügt das
ganze und stanze und tanze poj!
Juan Joan Johann Jan
in den armen der Carmen erbarmen
hamende alarmen
am ende hamjen
amen

© Róža Domašcyna


Nun leider zum Unerfreulichen, denn die Wahrheit stellt sich nicht von selber ein:

Die im Herbst 2007 vom Leiter des Kleinverlages, Dr. Klaus-Peter Anders, in Wilhelmshorst begonnene Fortsetzung der 40 Jahre zuvor im Verlag Neues Leben entstandenen Lyrikreihe „Poesiealbum“ ist immer wieder ins Zwielicht geraten. Auf den Ur-Herausgeber Bernd Jentzsch folgte schon nach extrem kurzer Zeit Richard Pietraß, der nach Jentzsch überdies die Reihe in den Endsiebzigern im Verlag Neues Leben betreut hatte, um dann ebenfalls die Zusammenarbeit mit dem Märkischen Verlag aufzukündigen. Als mir gegenüber zwei Autorinnen und ein Herausgeber hinsichtlich des schlechten Stils des Kleinverlegers Anders den Wunsch geäußert haben, ich solle doch als Initiator des „Poesiealbum neu“ auch die Reihe der Einzelhefte übernehmen, war das natürlich schmeichelhaft, wenn auch kaum überraschend, hatte ich doch selbst meine Erfahrung mit Herrn Dr. Anders gemacht, der noch 2015 das „Poesiealbum neu“ als „Vereinszeitschrift“ diskreditierte. Ein solches Ansinnen, wie es die Betroffenen äußerten, bedeutet natürlich eine Würdigung der 2005 von mir initiierten Gründung der Zeitschrift „Poesiealbum neu“, allerdings widerspräche die Umsetzung dem Satzungslatein eines gemeinnützigen Vereins, der für das prononcierte Herausheben Einzelner keinerlei Eigenmittel verwenden darf.

Bernd Jentzsch und Ralph Grüneberger – mit den beiden ersten Ausgabe des „Poesiealbum neu“ im Herbst 2007
Foto: Jörn Schinkel

Im Herbst 2007, als Bernd Jentzsch, den wir bereits vor der Redaktion der ersten Ausgabe im Jahre 2006 in Kenntnis der Gründung unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ setzten, stolz die im Märkischen Verlag erschienene Nummer 277 mit Gedichten Peter Huchels in einer Veranstaltung (und mit Vergütung) der Lyrikgesellschaft präsentierte, standen wir vor einem Dilemma. Der Verlag Neues Leben Berlin, nach 1990 Teil der Eulenspiegel Verlagsgruppe, der uns 2006 die Erlaubnis erteilt hatte, das tradierte Erscheinungsbild für unsere Zeitschrift verwenden zu dürfen, ließ uns wissen, dass diese Erlaubnis nicht zweimal vergeben werden könne, und empfahl uns, eine Einigung mit dem Märkischen Verlag Wilhelmshorst herbeizuführen. Keine Frage, dass wir das versucht haben. Natürlich hätten wir als Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik darauf bestehen können, dass wir allein das Äußere des „Poesiealbum“ fortführen und eine dementsprechende Unterlassungsklage herbeiführen können. Aber das hätte nicht nur unserem Ansehen, sondern auch der Gattung selbst geschadet. Gute Lyrik kann es nicht genug geben. Somit formulierte ich im Einvernehmen mit Herrn Dr. Anders eine Presse-Information, um beide Reihen, die sich im Grunde nicht im Wege standen und zudem ihre Wurzeln im System der Edition haben, gemeinsam zu bewerben. Da das Netz nichts vergisst, lässt sich auch heute noch auf die von mir verfasste Pressemeldung verweisen: https://lyrikzeitung.com/2007/11/04/39-poesiealbum-und-poesiealbum-neu-2/

Dass wir dann wenig später von Dr. Klaus-Peter Anders vehement enttäuscht wurden, indem er einerseits in allen Interviews, die Kenner der traditionellen Lyrikreihe mit ihm führten, uns als tatsächliche Wiedererwecker der Reihe schlichtweg unterschlug, und andererseits einzig Interesse an den Adressen unserer Abonnenten zeigte, war der Beginn einer Missachtung, die u.a. darin mündete, dass die 2007 manifestierte Aufgabenteilung –  wir die Ausgaben mit Anthologie-, der Märkische Verlag die mit dem Solo-Charakter – ohne Abstimmung unterlaufen wurde und im Mantel des „Poesiealbum“ eine Anthologie „Gedichte aus Neuseeland“ erschien, der kurz darauf eine mit „Gedichte[n] aus Finnland“ folgte. Gab es bis etwa 2009 noch die von einer Enthusiastin privat betriebene Poesiealbum-Domain, die die gesamte Entwicklung aufzeigte, d.h. sowohl die Ausgaben des „Poesiealbum neu“ (2007 ff) als auch des „Poesiealbum“ (seit 1967 und ab Nr. 277 bis dato), übernahm Kleinverleger Anders diese Domain und stutzte sie auf sein Blickfeld zurecht. Doch dessen nicht genug. In seiner stoischen Art wurde und wird er nicht müde, die Tatsachen zu verdrehen. Vor gar nicht langer Zeit nutzte er den persönlichen Kontakt zu einem seiner „Poesiealbum“-Autoren und gab diesem auf den Weg, er möge uns doch bitteschön nahezulegen, auf den Titel und das Äußere unserer Zeitschrift zu verzichten. Zum anderen ist Herr Dr.  Anders dreist genug, um die in seinem Verlag von wechselnden Herausgebern editierte Reihe als „die ECHTE“ zu besiegeln. So, als hätte es die Anthologien, die als Sonderhefte in jährlicher Folge vor knapp 50 Jahren (!) im Zusammenhang mit den Poetenseminaren der Freien Deutschen Jugend das erste Mal erschienen sind, nie gegeben. Das „Poesiealbum neu“ ist an diesen Anthologien geschult, das ist nicht zu übersehen, auch wenn die Redaktion bereits mit der 3. Ausgabe (2008) den Kreis der einbezogenen Autorinnen und Autoren auch auf Nichtmitglieder der GZL erweitert hat und einzelne Rubriken (das Interview 7 Fragen zur Lyrik, Der Gast, Klassik, Fundstück) dazugekommen sind.

Poeseialbum neu: Konsum & Kommerz. Foto: Karin Lichtenberger-Eberling

Desweiteren entstanden Ausgaben mit Notaten, Sonderausgaben mit Gedichten von Schülerinnen und Schülern nach einem Gedichtwettbewerb, vereinten wir Autorinnen und Autoren aus Leipzigs Partnerstädten, zu denen Literaturnobelpreisträger gehören, oder trafen eine Auswahl an Texten politischer Gefangener. Ist das alles „unecht“?

Eigentlich sollte man sich daran erheitern können, wenn die Irreführung des Herrn Dr. Anders nicht so erfolgreich wäre und selbst einer der hier Präsentierten, der voller Vorfreude das Erscheinen seines „Poesiealbum“ per Rundmail bewarb, unbekümmert die Darstellung des Märkischen Verlages verbreitete: „Die Lyrikreihe, begründet von Bernd Jentzsch, erschien in der DDR monatlich zwischen 1967 und 1990 im Verlag Neues Leben Berlin und war eine preiswerte Möglichkeit, Poesie deutscher und internationaler Lyriker kennenzulernen. Dann folgten 17 Jahre Pause. Im Herbst 2007 belebte dann der Märkische Verlag, ansässig in Wilhelmshorst, zusammen mit dem Begründer der Reihe Jentzsch das Poesiealbum wieder.“ Tja, wie ist das mit der Erinnerungs-Pause, wann wird sie zur Gedächtnislücke? In einer von Dritten geförderten Reihe innerhalb des „Poesiealbum“ geht der Märkische Verlag „gegen das Vergessen“ an. Wir auch.

Ralph Grüneberger, Initiator und Herausgeber des „Poesiealbum neu“, von ihm erschien 1984 das „Poesiealbum 198“ im Verlag Neues Leben Berlin

Im Zeitraum 1. September bis 31. Dezember 2020 zeigt die GZL in ihrem LYRIK-SCHAUFENSTER im Haus des Buches (1. Etage) diese Ausgaben und einige mehr: „Das Poesiealbum und das Poesiealbum neu – beide in Echtzeit“

Die Empfehlung des Monats ist ein kostenfreier Service der GZL. Die eigenverantwortlichen Beiträge der Autorinnen und Autoren können, aber müssen nicht die Meinung des Vorstandes wiedergeben.





Förderer und Partner

Förderer


Kulturamt
der Stadt Leipzig

Kuratorium Haus des Buches e.V.

Partner

Bührnheims
Literatursalon
Die Gesellschaft für
zeitgenössische Lyrik e.V.
ist seit 1995 Mitglied in der
1986 gegründeten
Arbeitsgemeinschaft
literarischer
Gesellschaften und
Gedenkstätten e.V.