Gedicht des Monats Juni

  • Veröffentlicht: 01.06.2019 · Zuletzt aktualisiert: 01.06.2019

Karl Krolow (1915-1999)

Hinreichend

Alles ist hinreichend beschrieben –

wie es anfängt und weitergeht,

übrig bleibt

die verbrauchte Landschaft,

Einverständnis, Empfindungen,

guter Rat, zu teuer

für den, der ihn ausführt.

Alles bleibt genügend bekannt.

Ein gesundes Bild

ergibt sich nicht, das man

aus Papier schneidet

und an die Wand heftet.

Die Mängel sieht man ein

als sonderbare Vorzüge.

Phantasiegold

liegt auf der Straße.

Die Liebe ist

zum Greifen nah,

die Gegend ohne Hintergrund.

Behutsam steigt man

durch ein Gelände,

abgesteckt von denen,

die alles rechtzeitig

in Besitz nehmen.

Im Juni vor zwanzig Jahren vertarb in Darmstadt der Gründungs-Schirmherr der von Gerhard Oberlin 1992 ins Leben gerufenen Lyrikgesellschaft. Dieses Gedicht ist eines von zwanzig, die in „Der feine Gesang. Karl Krolow zu Ehren“ als besondere Edition im Sommer dieses Jahres erscheinen werden.

Größe spüren. Musikgedichte

  • Veröffentlicht: 21.05.2019 · Zuletzt aktualisiert: 21.05.2019

Ende Juni 2019 erscheint die Nr. 1/2019 unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ – die zum Thema „Musik“ ausgeschrieben wurde.

Diese Ausgabe vereint auf 90 Seiten Gedichte und Liedtexte von 86 Text- und Tonautorinnen und -autoren, bekannten wie weniger bekannten. Erstmals veröffentlichen wir in unserer Zeitschrift Notenbilder einzelner Lieder und Chansons. Mehr als 450 Texte von Einsendern aus 7 Ländern lagen zu unserer Ausschreibung vor.

Gedichte bzw. Notenbilder dieser Text- und Tonautorinnen und -autoren wurden aufgenommen:

Manfred Ach

Esther Ackerman

Johanna Anderka

Ann Kathrin Ast

Michael Augustin

Otto Beatus

Heidi Bergmann

Franziska Beyer-Lallauret

Katrin Bibiella

Julia de Boor (Ps.)

Peter Bothe

Ira Karoline Bräuer

Lars-Arvid Brischke

Georg Bydlinski

Ingo Cesaro

Georg Oswald Cott

Tanja Cremer

Ulrike Diez

Katharina Düwel

Eckhard Erxleben

Patricia Falkenburg

Mateusz Gawlik

Mordechaj Gebirtig (Ps.)

Johann Wolfgang v. Goethe

Peter Gosse

Joachim Gräber

Ralph Grüneberger

Monika Hähnel

Dora Hauch (Ps.)

Sören Heim

Walter Thomas Heyn 

Gisela Hemau

Max Herrmann-Neiße (Ps.)

Raffael Hiden

Dieter Höss

Jan-Eike Hornauer

Nancy Hünger

Stefan Kabisch

Barbara Kadletz

Manfred Klenk

Charlott Ruth Kott

Gabriele Kromer

Karl Krolow

Else Lasker-Schüler

Jakob Leiner

Anton G. Leitner

Guido Luft

Wolfgang Mayer König

Olivér Meiser

Sabine Minkwitz

Peter Mitmasser

Andreas Müller

Christoph Müller

Ingrid Niegel

Klaus Nührig

Ralf Preusker

Lutz Rathenow

Rainer Rebscher

Susanne Reichard 

Andreas Reimann

Joachim Ringelnatz

Wolfgang Rinn

Wolfgang Rischer

Birgit Rivero

Franziska Röchter

Andreas-Wolfgang Rohr

Mike Rother

Friedhelm Rudolph

Silke Rudl 

Horst Samson

Maren Schönfeld

Wolfgang Schönfeld

Ulrich Schröder

Christiane Schulz

Helga Schulz Blank

Nadine Maria Schmidt

Ralph Schüller

Christiane Schwarze

Angelica Seithe

Olaf Stelmecke

Heidrun Stödtler

Gerhard A. Spiller

Dieter Treeck

Martin A. Völker

Friederike Weichselbaumer

Der Begriff Lyrik bezeichnete einst jene Verskunst, die zur „Lyra“, dem antiken Streichinstrument, interpretiert wurde. Die Texte waren also entstanden, um sie zu singen. […] Nicht zu vergessen die Wiegenlieder, die Mütter und Väter ihren Kindern vorsummen, um ihnen Geborgenheit und Wärme zu geben, auch als körperliche Erfahrung. Lyrisches führt immer tief ins Innere, in welcher Kunst auch immer.  Thomas Schinköth (aus dem Nachwort)

DER DUFT

  • Veröffentlicht: 01.01.2019 · Zuletzt aktualisiert: 01.01.2019

Erika Kronabitter (*1959)

 

DER DUFT

 

ein geruch nach

nach jahren ein molekül

aufgefangen verfangen im

gehirn aufgeplatztes partikel

erinnerungsduft

und jetzt auf der suche nach

deutung

tief unten verschüttet ein

bild die verschüttete milch

der frühe meine sehnsucht vernetzt

sich mit damals

das kätzchen im puppenwagen

spielen wir mutter und vater

die kindheit die trauer der duft

 

 

Unser Mitglied, die österreichische Schriftstellerin und Künstlerin,

ist in Hartberg (Steiermark) geboren und lebt in Begrenz.

 

Quelle: Poesiealbum neu „In Familie“

Poesiealbum neu
„In Familie. Gedichte“, Edition kunst & dichtung, Leipzig 2013
Ausgabe 2/2013

Titelbild unter Verwendung eines Gemäldes von Norbert Wagenbrett

Pressemitteilung – Start des großen Joachim-Ringelnatz-Projekts

Ringelnatz-Abend im Botanischen Garten Leipzig am 25.08.2018, Foto: @GZL (es kann im Zusammenhang mit der PM kostenfrei abgedruckt werden)

Auftakt begeisterte 220 Ringelnatz-Freunde

Ende August eröffnete die in Leipzig ansässige Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. (GZL) ihr bislang größtes und langfristigstes Projekt: die Joachim-Ringelnatz-Jahre. Dem am 7. August 1883 in Wurzen geborenen Dichter soll dabei von seinem 135. Geburtstag bis zu seinem 85. Todestag (17. November 2019) durch Lesungen, Publikationen, Schülerbegegnungen und einen Gedichtfilmwettbewerb vielfältige Würdigung zukommen.

Ein äußerst erfolgreicher Auftakt gelang dem Leipziger Poesieverein mit einem Vortrag von Texten von und zu Joachim Ringelnatz in der Leipziger Stadtbibliothek. Über 130 Zuhörer lauschten den Bremer Radioredakteuren Michael Augustin und Walter Weber bei ihrer audiovisuellen Reise durch das Ringelnatz-Universum. Neben Texten aus der spitzen Feder des sächsischen Poeten kamen Originaltonaufnahmen von Ringelnatz zu Gehör, ergänzt um Widmungen und Interpretationen von Zeitgenossen und Nachgeborenen.

Am Abend darauf  …

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Zu Dir

  • Veröffentlicht: 01.08.2018 · Zuletzt aktualisiert: 09.08.2018

Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Sie sprangen aus rasender Eisenbahn
Und haben sich gar nicht weh getan.

Sie wanderten über die Gleise
Und wenn der Zug sie überfuhr,
Dann knirschte nichts. Sie lachten nur.
Und weiter ging die Reise.

Sie schritten durch eine steinerne Wand,
Durch Stacheldrähte und Wüstenbrand,
Durch Grenzverbote und Schranken
Und durch ein vorgehaltnes Gewehr,
Durchzogen viele Meilen Meer. –

Meine Gedanken. –

Ihr Kurs ging durch, ging nie vorbei.
Und als sie dich erreichten,
Da zitterten sie und erbleichten
Und fühlten sich doch unsagbar frei.

Quelle: Wassertropfen & Seifenblase. Ausgewählte Gedichte,
Die besondere Edition Nr. 2

Sonderausgabe der Zeitschrift Poesiealbum neu,
Leipzig 2018

Veranstaltungshinweis:
Sommerabend 1 mit Ringelnatz: »Das Herz sitzt über dem Popo. Eine audiovisuelle Revue« mit Michael Augustin und Walter Weber von Radio Bremen

Sommerabend 2 mit Ringelnatz: Sommerabend mit Ringelnatz: »Ich bin so knallvergnügt erwacht« mit Tina-Nicole Kaiser und Jürgen Wegscheider

Heute mal 8 – mit Symbolkraft

Heute mal 8 – mit Symbolkraft

Empfehlung des Monats · Dezember 2017
von Franziska Röchter

Es ist Jahresende und die Zeit wird knapp. Zu knapp, um all den
Menschen da draußen für die Zeit des Schenkens und für das Fest
der Liebe nur ein einziges Buch zu empfehlen. Deshalb finden Sie
heute an dieser Stelle keine ausführliche Besprechung oder
detaillierte Begründung für eine Lese- oder Kaufempfehlung,
sondern einigegenau genommen 8 sehr unterschiedliche
Titel, die aus verschiedenen Gründen Neugier wecken und zum
Lesen oder Schenken verführen können …

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