„Steinbrech. Gedichte zu Pflanzen“ – die Autorinnen und Autoren aus 6 Ländern

  • Veröffentlicht: 27.08.2017 · Zuletzt aktualisiert: 07.11.2017

Poesiealbum neu: „Steinbrech. Gedichte zu Pflanzen“

Pflanzen, sie ernähren uns, sie schmücken uns, sie schützen
und behausen uns, sie kleiden und heilen uns – und sie töten uns.
Es ist also unabdingbar, den Pflanzen in Gedichtform zu huldigen.
Das formulieren auf ihre Weise diese 154 Autorinnen und Autoren
der „Poesiealbum neu“-Ausgabe 2/2017 (Rezension siehe
hier Pflanzen-Heft_Rezension_L-IZ_061117):
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Zwischenruf des Vorsitzenden vom 5. Dezember 2017

  • Veröffentlicht: 05.12.2017 · Zuletzt aktualisiert: 05.12.2017

Heute am Internationalen Tag des Ehrenamtes sei all unseren ehrenamtlich tätigen Mitgliedern herzlich gedankt. Im 25. Jahr ihres Bestehens können wir als Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik mit Stolz auf das Erreichte blicken. Wir zählen 2017 erneut zu den Gewinnern des Wettbewerbs „Call for Members“ der Bundeskulturstiftung. Dieser Tage haben wir unseren 3. Gedichtfilm-Wettbewerb abgeschlossen, zu dem weit mehr preiswürdige Filme eingesandt worden, als Preise zur Verfügung standen. Die 24. reguläre Ausgabe unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ mit über 150 „Gedichten zu Pflanzen“ liegt druckfrisch vor und erreicht eine große Nachfrage und die 25. Ausgabe zum Thema „Glück“  ist in Vorbereitung. Mit dem „Leipziger Liederbuch“ haben wir jüngst ein „Zeugnis subversiver Literaturgeschichte“ veröffentlicht. Noch diese Woche eröffnen wir in der Leipziger Stadtbibliothek die Ausstellung „FÜNFZIG/FÜNFUNDZWANZIG“ und nehmen Bezug auf die illegale Lyrik-Lesung im Sommer 1968 auf dem Elsterstausee im Süden Leipzigs. Geplant haben wir 2018 eine Sonderausgabe des „Poesiealbum neu“ mit Gedichten politischer Gefangener sowie unter dem Titel „Was alles in den Dingen steckt“ eine Auswahl der besten Poetry Clips aus unseren bisherigen drei Gedichtfilm-Wettbewerben.

Da uns für all diese Vorhaben kein festangestelltes Personal zur Verfügung steht, stützen wir uns zum einen auf die ehrenamtlich Tätigen und zum anderen auf jene, die stundenweise in unserer Geschäftsstelle tätig sind. Finanziell ermöglicht wird unsere gemeinnützige Arbeit neben den Mitgliedsbeiträgen durch Projektförderung und Spenden. Gerade letztere erlauben uns eine vielfältige Projektarbeit, und wir danken an dieser Stelle allen Spenderinnen und Spendern. Laut Statistik* betrug 2016 die durchschnittliche Höhe einer Spende 35 €, und die Häufigkeit pro Spender wird mit 6,7 angegeben. Spendeten viele und käme von ihnen einmal jährlich 35 € bei uns an, könnten wir perspektivisch unsere Personalsituation verbessern. Und das Fazit „Ältere Menschen sind freigiebiger“ (71,7 %) muss ja nicht unumstößlich sein. In diesem Sinne Ihnen allen eine besinnliche Vorweihnachtszeit, und schenken Sie sich und/oder anderen ein Abonnement unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ für ganze 12 € p.a.

 

*)Quelle: DekaBank; Stand 12.09.2017

Heute mal 8 – mit Symbolkraft

Heute mal 8 – mit Symbolkraft

Empfehlung des Monats · Dezember 2017
von Franziska Röchter

Es ist Jahresende und die Zeit wird knapp. Zu knapp, um all den
Menschen da draußen für die Zeit des Schenkens und für das Fest
der Liebe nur ein einziges Buch zu empfehlen. Deshalb finden Sie
heute an dieser Stelle keine ausführliche Besprechung oder
detaillierte Begründung für eine Lese- oder Kaufempfehlung,
sondern einigegenau genommen 8 sehr unterschiedliche
Titel, die aus verschiedenen Gründen Neugier wecken und zum
Lesen oder Schenken verführen können …

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Ein Zahlkellner

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 31.08.2017

Thomas Böhme (*1955)

EIN ZAHLKELLNER hat sich in der Tür geirrt.
Er befindet sich in einem Klassenzimmer
wo Hebräisch für Auswanderer gelehrt wird.
Seine Augen begegnen dem umschatteten Blick
der kleinen Jüdin, die vor mehr als einem halben Jahrhundert
mit ihrem Vater das Café betrat.
Der Mittelsmann, den sie dort treffen sollten
mit den getürkten Pässen und einer Schiffspassage
nach Palästina, war nicht gekommen
oder hatte sie schon an die Gestapo verraten.
Er ist erleichtert, sie am Leben zu sehen
und gibt ihr das verabredete Zeichen:
Das Wechselgeld auf dem Teller in Sternenform angeordnet.
Endlich kann er es ihr erstatten.

 

Quelle:
„Konsum & Kommerz“. Gedichte;
„Poesiealbum neu“ der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.,
ausgewählt u. herausgegeben von Ralph Grüneberger, Leipzig 2011

Preisvergabe im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“

  • Veröffentlicht: 29.11.2017 · Zuletzt aktualisiert: 09.12.2017

Nachdem wir am 23. November in Leipzig und am 27. November 2017  in Köln jeweils vor einem aufgeschlossenen und interessierten Publikum eine Auswahl aus den insgesamt 23 eingesandten Gedichtfilmen gezeigt haben, veröffentlichen wir heute die Platzierung sowie die Bewertung der Jury.

Im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. (GZL) vergibt der Verein – entsprechend der Bewertung der Jury – folgende Preise:

 

  1. Preis: 500 € – Preis der Autor(inn)en der Ausgabe Tugenden & Sünden

Team Ellen Sophie Neugebauer, Weimar

 

  1. Preis: Preis der Leipziger Buchmesse – Besuch der Leipziger Buchmesse 2018, einschließlich Bahnfahrkosten und 2 Übernachtungen

Roberto Vallilengua, Wien

 

  1. Preis: 250 € – Preis der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.

Janna Kosack, Winterthur

 

  1. Preis: Edles Schreibgerät der Waldmann KG – Preis für die besondere Handschrift

Luis Walt Antonius, Berlin

 

  1. Preis: Bücherscheck über 100 € von der Filiale Hugendubel in Leipzig

Klara Oliveira Strauß, Bremen

 

  1. Preis: Preis des Stadtmagazins Kreuzer: Veröffentlichung des Clips auf deren Web-Seite plus 3-Jahres-Abo

Helena Kühnemann, Leipzig

 

Sonderpreis der GZL: 200 € für den besten Beitrag von Einsender(inne)n unter 18 Jahren

Maxime Sophie Sonnet, Dichtelbach

 

 

Gruppen-Preis für ein Team aus der Region: Freikarten für den BELANTIS PARK

Team Ellen Sophie Neugebauer, Studierende der Bauhaus-Universität Weimar, Fachbereich Medienkunst/ Mediengestaltung

Gruppen-Preis für ein überregionales Team: T-Shirts mit einem Still aus deren Film

Schülerinnen und Schüler der Klassen 11/2a und 11/4a des Jahrgangs 2016/17 der Wilhelm Wagenfeld Schule Bremen, Fachoberschule für Gestaltung

Unser Dank gilt allen Spenderinnen und Spendern, den Sponsoren der Sachpreise und allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an diesem nunmehr 3. Gedichtfilm-Wettbewerb der GZL.

Der Vorstand

Leipzig, 29. November 2017

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Den 1. Preis, Preis der Autor(inn)en, im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ erhält das Team von Ellen Sophie Neugebauer, Weimar, für deren Film „Die besseren Sakkos“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Peter Frömmig.

Dem Film gelingt die hohe Kunst des Filmemachens, nämlich eine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte mit einem durchgängigen Spannungsbogen, einer authentischen empathischen Erzählstimme und sehr schönen gezeichneten Bildern. Erinnert ein wenig an Ari Folman.

Den 2. Preis, Preis der Leipziger Buchmesse, im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ erhält Roberto Vallilengua, Wien, für seinen Film „Erstickte Zeit“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Evelyn von Wietersheim.

Ein atmosphärisch-sinnlicher und gut strukturierter Gedichtfilm. Die Musik von Nine Inch Nails verstärkt die Stimmung. Die leicht verzerrte Sprecherstimme passt zur Atmosphäre des Films.

Den 3. Preis, Preis der GZL, im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ erhält Janna Kosack, Winterthur, für ihren Gedichtfilm „Vor Malta“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Ingo Cesaro.

Das starke Gedicht über das aktuelle Thema, die Flucht über das Meer, setzt spät ein und wirkt damit sehr stark. Der Filmeinstieg gelingt sehr dynamisch und ansprechend über das Gesicht des Fischers. Desweitern wechseln sich dokumentarische und Trickfilmbilder in einer gelungenen Kombination ab und werden verstärkt durch sehr gute auditive Mittel. Ein gelungener Film.

Den 4. Preis, den Preis für „Die besondere Handschrift“der Waldmann KG, im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ erhält Luis  Walt Antonius, Berlin, für seinen Film „Der Tugend größte“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Hans-Hermann Mahnken.

Die Verfilmung dieses Gedichtes unterstreicht mit barocken Vanitas-Stillleben die Vergänglichkeit und damit auch die Wertlosigkeit allen Lebens. Dieser scheinbare Widerspruch verstärkt aber geradezu die Aufforderung mehr Mitgefühl für Menschen, Tiere und die Natur zu empfinden. Der Film erinnert mit seinen Bildern und seiner Musik immer wieder daran, dass wir ein Teil des Kosmos und der Natur sind.

Den 5. Preis, Preis der Filiale Hugendubel Leipzig, im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ erhält Klara Oliveira Strauß für ihren Gedichtfilm „Spiel“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Patricia Grygier.

Gut gefilmt und sehr gelungener Schnitt. Der Gedichttext wird gut integriert, ebenfalls gut gesprochen und das mit stimmigen Timing – hinsichtlich des „Texttransports“. Hervorhebenswert sind gleichfalls ein gutes Sounddesign und der gelungene dramatische Aufbau der Handlung.

Den 6. Preis, Preis des Leipziger Stadtmagazins Kreuzer, im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ erhält  Helena Kühnemann für ihren Film „Nach einem Gespräch“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Detlev Block.

Der Film greift die zentrale Frage des Gedichts nach unserer Identität auf: Wer sind wir, und was macht uns aus? Die Menschen verstecken ihr wahres Ich unter Hüllen aus Stoff oder Plastik. Selbst in intimen Momenten bleiben sie sich selbst und anderen fremd. Die zentralen Bildmotive – Hände, Spiegelbilder und verhüllte Personen – verdeutlichen sehr gekonnt diese Frage nach dem Sein.

Den Sonderpreis der GZL im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ erhält Maxime Sophie Sonnet für ihren Film „Sollen wir wollen“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Beate Fischer

Der erzählerischer Wille ist erkennbar, gleichfalls die Suche nach klaren Bildern. Zum Teil kommt es zu naiven, aber charmante Bildfindungen. Hervorhebenswert ist das Ausprobieren des Verfremdungseffekts, indem ein immer wiederkehrendes „Zurückspulen“ eingesetzt wird. Mit einem guten Timing wird der Text selbst eingesprochen.

***

Juroren:

Dr. Uta Corsa (Leipzig), Carl-Christian Elze (Leipzig), Thomas Zandeciagomo Del Bel (Berlin)

Gedichte zum Thema „Meine Generation“

  • Veröffentlicht: 08.11.2017 · Zuletzt aktualisiert: 15.11.2017

Herbstausgabe 2018 des „Poesiealbum neu“

Zeitraum: 1. November 2017 bis 31. Mai 2018.

2018 jährt sich zum 50. Mal das für Deutschland so wichtige Jahr 1968, in dem Teile der nachgewachsenen Generation sowohl im Westen bzw. Westberlin als auch im Osten (hier  mit dem empathischen Blick gen Prag) die nach 1945 schnell einsetzende Geschichtsklitterung oder -verkrustung aufbrechen wollten.

Eine Zeitschrift, die es auszeichnet, dass in ihr mitunter 60, 70 Jahre zwischen den Geburtsjahren ihrer Autorinnen und Autoren liegen, ist nachgerade prädestiniert dafür, sich dem Thema der Generationen zu widmen und lädt dazu ein, in Gedichtform die jeweiligen Merkmale und Wegzeichen der eigenen Generation zu formulieren.

Willkommen sind Einsendungen von bis zu drei, möglichst bislang unveröffentlichten Gedichten in deutscher Sprache (mit einer maximalen Länge von 40 Zeilen) 2-fach ausschließlich auf dem Postweg, zuzüglich Kurzvita (mit E-Mail-Adresse und Jahrgangsangabe) und kostenfreier Abdruckgenehmigung.

Für die Veröffentlichung erhält jede/r Autor/in ein Freiexemplar und die Möglichkeit, weitere Exemplare mit 25 % Rabatt zu erwerben.

Es können keine Eingangsbestätigungen verschickt werden. Desgleichen werden auch keine telefonischen Auskünfte gegeben. Sobald die Vorauswahl getroffen ist, werden die jeweiligen Autor/innen per E-Mail kontaktiert.

Mit Drucklegung werden die Namen aller Autorinnen und Autoren, deren Einsendung Berücksichtigung gefunden hat, auf der Webseite lyrikgesellschaft.de veröffentlicht.

Die Lage der Dinge

  • Veröffentlicht: 01.11.2017 · Zuletzt aktualisiert: 31.08.2017

Peter Bornhöft (*1936)

Die Lage der Dinge

Ein Augenblick der Erstarrung
eine Verhärtung der Eingeweide
eine traurige Gleichgültigkeit
als wäre das Licht
für immer erloschen

Am Morgen schon
ist das Hochbild vom Menschen
zu einer Lachnummer geworden

Ein weißer Pierrot
tut seine Arbeit
an den Gefolterten
er hat vergessen
dass es Gefolterte sind
er hört dass sie lachen
sie haben bezahlt
er muss leben
muss kaufen verkaufen
er lacht kein einziges Mal
er kann nicht lachen

Der Tod verkauft sich nicht

Aber geliftete Frauen
auch Babies per Katalog
niedliche Drogen zum Kinder
Geburtstag ein paar Pistolen
zur Konfirmation die Massaker
der Weihnachtsmänner
auf einem Computerspiel
zum Jahresende
ein paar Genozide –

und ein paar Menschen

 

Quelle:
„Konsum & Kommerz“. Gedichte;
„Poesiealbum neu“ der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.,
ausgewählt u. herausgegeben von Ralph Grüneberger, Leipzig 2011

Das Leipziger Liederbuch in Neufassung: Zeitzeugnis subversiver Literaturgeschichte

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 05.11.2017

Empfehlung des Monats · November 2017

Franziska Röchter

von Franziska Röchter

 

 

 

 

„Das Leipziger Liederbuch, auf dessen vielfache Aufführung wir aus sind, ist kein getöntes Leipzig-Bild. Als Stadtführer wird es nicht zu gebrauchen sein …“, so schrieben die Text- und Ton-Autoren des Liederbuches, Ralph Grüneberger und Walter Thomas Heyn, bei der Ankündigung der Erstfassung 1987 und verwiesen auf ein „Leipzig am Rand“ und „dicke Luft“, die Gegenstand der Texte, ab 1985 entstanden, seien. Seinerzeit fiel der fromme Wunsch der beiden Autoren noch der Zensur zum Opfer, eineinhalb nicht-öffentliche Aufführungen (ja, eines war nur eine Teilaufführung) vor ausgewählten geladenen Gästen, eine im Gewandhaus zu Leipzig, die gestutzte Version in der Alten Handelsbörse, zeugen von nur einigen Konsequenzen, die Produzenten kritischer oder vermeintlich kritischer Texte damals in Kauf nehmen mussten.
Nun wird genau 30 Jahre später unter anderen Vorzeichen eine Wiederbelebung des Leipziger Liederbuches in einer Neufassung mit zusätzlichen aktuellen, zeitbezogenen Texten gewagt.
Grund genug, einen Blick in dieses Zeugnis Leipziger Zeit- und Literaturgeschichte zu werfen …

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Zwischenruf des Vorsitzenden vom 30.10.17

  • Veröffentlicht: 30.10.2017 · Zuletzt aktualisiert: 30.10.2017

„Bildhauer, Maler, Musiker, Dichter lebten, wenn sie keinem anderen Beruf nachgingen, von der Bewunderung ihrer Freunde und Mitbürger, die ihre Werke kauften, ihre Konzerte und Lesungen besuchten. Man empfand es als Pflicht, Künstler und Dichter zu unterstützen und zu fördern. Man schätzte nicht nur, was durch Verlage bekannt gemacht, durch hohe Auflagen berühmt geworden war: Es war der ernste Respekt vor dem Schaffenden und seinen Werken, noch ehe sie veröffentlich wurden.“ So schildert die 1901 als Rosalie Scherzer in Czernowitz geborene Rose Ausländer ihre Erinnerungen an die Vielvölkerstadt in der Bukowina.

Gegenwärtig gibt es Bestrebungen, das bestehende Lohn“niveau“ für freiberufliche Autorinnen und Autoren zu verbessern. Wir als Lyrikgesellschaft haben die Misere bereits 2011 in Form der Veranstaltung „Der arme Poet – mit dem Laptop unterm wärmegedämmten Dach“ thematisiert und dazu Fragebögen zu den Einkommensverhältnissen von Dichterinnen und Dichtern erarbeitet, versendet und ausgewertet. Als langjähriges Mitglied des Dachverbandes Arbeitgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten haben wir auch diesen einbezogen. Im Podium unserer Veranstaltung saßen eine Vertreterin des Präsidiums des Deutschen Kulturrates und ein führender Angestellter der Künstlersozialkasse. Als Mitveranstalter konnten wir den Verband deutscher Schriftsteller in Leipzig gewinnen.

Leider sprang uns in der Folge niemand bei und unternahm den Versuch, sowohl unser Anliegen, als auch die bisherigen Ergebnisse in einen größeren Rahmen zu setzen. Hinzu kam, dass – aufgrund fehlender Landesförderung – des Format „Poetisches Podium“ nach vier Jahren eingestellt werden musste und uns als Verein ab April 2012 keine vom Arbeitsamt geförderte Personalstelle mehr zur Verfügung stand.

Sechs Jahre nach unserem „Poetischen Podium“, d.h. im Mai dieses Jahres, hat sich eine Berliner Institution (so kann man das „Haus für Poesie“ mit zahlreichen Festangestellten und einem Finanzhaushalt von mehr als einer halben Million Euro zurecht nennen) gleichfalls dem Thema angenommen und mit finanzieller Unterstützung des Bundes eine Tagung und Befragung zum sozialen Status von Lyriker/innen in Deutschland ausgerichtet. Zu unserem Bedauern wurden wir, als größte in Deutschland ansässige Vereinigung von Lyrikerinnen und Lyrikern, weder im Vorfeld davon in Kenntnis gesetzt, noch Vertreter unseres Vereins in die Konferenz einbezogen. Selbstverständlich hätten wir unsere Ergebnisse zur Verfügung gestellt und insbesondere auch jenen unserer Mitgliedern den Fragebogen übermittelt, die eine freiberufliche Autorenexistenz leben und deren Antworten zu einer stärkeren Gewichtung und Gültigkeit hätten führen können.

Inzwischen wurde das Ergebnis der Befragung vom „Haus für Poesie“ veröffentlicht, doch kann es mit einer beschränkten Anzahl an „Probanden“ nicht als repräsentativ gelten. Der Bund der Steuerzahler sollte fragen, warum Dr. Thomas Wohlfahrt, Leiter des „Haus[es] für Poesie“ und Verantwortlicher für diese Aktion, so kurz denkt und beschränkt handelt.

Ende November nun findet erneut ein Zusammentreffen der Beteiligten vom Mai 2017 statt. Im Interesse unserer Mitglieder haben wir nicht nur Herrn Dr. Wohlfahrt im August kontaktiert und freundlich zu unserer Jahresversammlung am 4. November eingeladen, um seinen Standpunkt darzulegen, sondern dem „Haus für Poesie“ im September auch unsere Mitwirkung ungefragt angeboten, um einen größeren Querschnitt bei diesem Thema zu erlangen. Zu unseren kooperativen Mitgliedern zählt mit Anton G. Leitner, dem langjährigen Herausgeber von „DAS GEDICHT“, ein Kenner der Lyrik-Szene im deutschsprachigen Raum wie kaum ein zweiter. Ihn könnte des „Haus für Poesie“ desgleichen als Multiplikator gewinnen, um die wichtige Fragestellung zu den Einkommensverhältnissen von Lyriker/innen in Deutschland so umfassend wie möglich für die Entscheidungsträger/innen in Bund, den Ländern, Landkreisen bzw. Kulturräumen und Kommunen aufzubereiten. Leider müssen wir resümieren: Es gab auch nach 8 Wochen keine Antwort vom festangestellten Leiter dieser Einrichtung und selbstredend bislang auch keine Einladung der Lyrikgesellschaft zur Mitarbeit. Die Ausgrenzung hat also System.

Wie wichtig jedoch eine konzertierte Bewusstmachung der prekären Lebenslage bei den politischen Entscheidern ist, lässt sich exemplarisch darstellen: Da gibt es auf der einen Seite die Förderrichtlinie der Kulturstiftung des Bundes, die besagt, dass ein Verein erst dann einen Antrag auf Projektförderung stellen kann, wenn der Haushalt des Vorhabens mindestens 50.000 € beträgt (bei 15% Eigenmitteln, die wohl eine Institution, aber kein ehrenamtlich geführter Verein aufbringen kann). Und da gibt es auf der anderen Seite die Praxis einer Hochschule für Technik, Wissenschaft und Kultur (!) in Sachsen, die für eine Lesung vor Studierenden eine Bezahlung in „Höhe“ von 17 €/h (brutto) anbietet. Nimmt man nur die beiden Pole, kann die Schere nicht größer sein.

Besserung kann wohl zunächst nur das „Czernowitzer Modell“ bringen. Längerfristig bleibt die Hoffnung, dass die Nutzung von Kompetenzressourcen und Erfahrungswerten außerhalb eines engen Zirkels doch noch Realität wird.

Gelobtes Land

  • Veröffentlicht: 01.10.2017 · Zuletzt aktualisiert: 31.08.2017

Franziska Beyer-Lallauret (*1977)

Gelobtes Land

Wir leben hier
Unter den Einflugschneisen
Der Wildgänse

Wenn’s donnert
Wähnen wir Flügelschläge
Vom Vogelgott

Nicht weit von hier
Ragen muntere Reiher aus Gras
Narben zwischen den Schachbrett

Blumen im Frühjahr
Wenn der ungebändigte Fluss
Aus den Wiesen läuft

Angstlos watscheln hier
Die Grünköpfigen
Über den Parkplatz die Straße

Schwimmen ungestraft
Auf dem unnatürlich blauen
Poolspiegel der Nachbarn

 

Quelle:
„Tugenden & Sünden. Gedichte“
„Poesiealbum neu“ der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.,
ausgewählt u. herausgegeben von Ralph Grüneberger, Leipzig 2016

Esther Ackermann: Die Hand hinein – ortelyrik

Esther Ackermann, Die Hand hinein, ortelyrik, 2016

  • Veröffentlicht: 30.09.2017 · Zuletzt aktualisiert: 01.10.2017

Empfehlung des Monats · Oktober 2017
von Franziska Röchter

Franziska Röchter

 

 

 

 

 

Wahrheitssuche & Wahrhaftigkeit mittels Lyrik
Esther Ackermanns Debüt im orte Verlag

Der Name Bocca della Verità wurde erstmals 1485 urkundlich erwähnt. Es handelt sich bei diesem „Mund der Wahrheit“ um ein scheibenförmiges Relief, das an der linken Schmalseite in der Säulenvorhalle der römischen Kirche Santa Maria in Cosmedin angebracht ist. Verschiedene Abbildungen dieses Reliefs wirken auf mich, um ehrlich zu sein, etwas gruselig.


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ist seit 1995 Mitglied in der
1986 gegründeten
Arbeitsgemeinschaft
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