Ehrungen für unsere Mitglieder Ursula Krechel und Wolfgang Mayer König

  • Veröffentlicht: 24.11.2020 · Zuletzt aktualisiert: 24.11.2020

Die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin Ursula Krechel wurde auf der diesjährigen Mitgliederversammlung des deutschen PEN, die am 20.11.2020 digital stattfand, zur neuen Ehrenpräsidentin gewählt. Mit der Ernennung ehrt der PEN nicht nur eine große Dichterin und Autorin, sondern erhofft sich zugleich eine schwungvolle Stimme für PEN-Themen in der Öffentlichkeit.

Ursula Krechel erhielt unter anderem 2009 den Deutschen Kritikerpreis, 2019 den Jean Paul-Preis sowie 2012 den Deutschen Buchpreis. 2020 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Dem österreichische Universitätsprofessor und Literat Wolfgang Mayer König wurde der Jakob-Prandtauer-Preis 2020 zugesprochen. Von einer Fachjury unter dem Vorsitz des Literaten und Förderungspreisträgers Thomas Fröhlich wurde der langjährige Ehrenobmann der Literarischen Gesellschaft St. Pölten nominiert.

Wolfgang Mayer Koenig

Foto: DirkBecker

In seiner Funktion als Ehrenobmann knüpfte der Träger zahlreicher Auszeichnungen, darunter das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse, das Ehrenzeichen für Verdienste des Bundeslandes NÖ, der Theodor-Körner-Preis für Literatur, aber etwa auch des „Ordre des Art et des Lettres“ der französischen Republik für die LitGes. seit 2006 zahlreiche Kontakte zu öffentlichen Institutionen und privaten Kulturvereinigungen, kümmerte sich um die Pflege und Erhaltung der Kontakte sowohl zu arrivierten als auch neu akquirierten Schriftstellern in NÖ und anderen Bundesländern, des Weiteren um die Kooperation mit anderen in- und ausländischen Kulturzeitschriften aber etwa auch um die Klärung ästhetischer Fragen und solcher der Programmgestaltung der LitGes. und der Zeitschrift etcetera. Bereits in seiner Studentenzeit rief er im Jahr 1968 einen Literaturpreis ins Leben, welcher im ersten Jahrgang Elfriede Jelinek für deren allererste, noch unveröffentlichte Texte zuerkannt wurde. Er ist Herausgeber der Literaturzeitschrift LOG und Autor von zahlreichen Gedicht-, Prosa- und Essaybänden (insgesamt 46, die in 14 Sprachen übersetzt wurden).

In seiner jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat St. Pölten dem Vorschlag unter TOP 25 die einstimmige Zustimmung gegeben. Bedauerlicherweise konnte die Ehrung coronabedingt nur sehr formell erfolgen: https://drive.google.com/file/d/1hyaahIdfuCEKDaYiE92IGxbKl0-dxcib/view

Beide ausgezeichnete Mitglieder, denen wir auf diesem Wege zu der Ehrung gratulieren, konnten wir bereits bei Veranstaltungen der Lyrikgesellschaft als Mitwirkende im Leipziger Haus des Buches begrüßen. Ursula Krechel bei den ersten „Tagen der Poesie“ 2010 und Wolfgang Mayer König bei der Veranstaltung zu Ehren Karl Krolows im Sommer 2019.

Foto von Ursula Krechel: Gerald Zörner

Poesie & Narrheit – ist erschienen

  • Veröffentlicht: 22.07.2020 · Zuletzt aktualisiert: 28.09.2020

Kaum ein Dichter wird in deutschsprachigen Gedichten der Moderne, vor allem in der Zeit nach 1945, so häufig  zitiert, adressiert und porträtiert wie Friedrich Hölderlin.

Anlässlich der 250. Wiederkehr von Hölderlins Geburtstag ist ihm diese Ausgabe gewidmet. Eine fundierte Rezension findet sich in der Leipziger Internetzeitung vom 24. September 2020.

102 Autorinnen und Autoren vereint die Nr. 2/2020 unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ – die jetzt erschienen ist. Eine erste Rezenion finden Sie in der Leipziger Internetzeitung: https://www.l-iz.de/bildung/buecher/2020/09/Poesie-Narrheit-Das-neue-Poesiealbum-neu-ist-ein-vielstimmiges-Bekenntnis-zum-unvergessenen-Geburtstagskind-350458

Verbindliche Bestellungen richten Sie bitte per E-Mail an: kontakt@lyrikgesellschaft.de

Ausgabe umfasst 92 S. und kostet 7,50 €.

Die Autorinnen und Autoren:

Manfred Ach

Esther Ackermann

Johanna Anderka

Michael Augustin

Yvonne Balg

Marianne Beese

Jochen Berendes

Eva-Maria Berg

Franziska Beyer-Lallauret

Hans Gustav Bötticher

Sabine Brandl

Timo Brandt

Wolfgang Braune-Steininger

Hans Dietrich Bruhn

Lars-Arvid Brischke

Daniel Büttrich

Ingo Cesaro

Georg Oswald Cott

Udo Degener

Doris Distelmaier-Haas

Stéphanie Divaret

Jens-Fietje Dwars

Eckhard Erxleben

Leonhard Ehlen

Patricia Falkenburg

Wolfgang Franke

Peter Frömmig

Tuncay Gary

Carlos Gluschak

Peter Gosse

Joachim Gräber

Ralph Grüneberger

Hans-Jürgen Heise (Ps.)

Gisela Hemau

Jörg Hirsch

Sibylle Hoffmann

Johann Christian Friedrich Hölderlin

Dieter Höss

Jan-Eike Hornauer

Roman Israel

Horst Jahns

Johanne Jastram (Ps.)

jottpeh (Ps.)

Stefan Kabisch

Christine Kappe

Karl Kirsch

Eva Kittelmann

Manfred Klenk

Kathrin Knebusch

Katharina Körting

Josef Krug

Grit Kurth

Christine Langer                                            

Anton G. Leitner

Dieter Liewerscheidt

Britta Lübbers

Gustav Lüder

Dietrich Machmer

Helmut Martens

Wolfgang Mayer König

Lisa Elina Memmeler

Eline Menke

Gerd Meyer-Anaya

Sabine Minkwitz

Manfred Moll

Sofie Morin

Andreas Müller

Christoph Müller

Jörg Neugebauer

Walter Neumann

Klaus Nührig

Johann Peter

Jutta Pillat

August von Platen

Nada Pomper

Ariane Hassan Pour-Razavi

Helga Rahn

Anne Rauen

Lutz Rathenow

Andreas Reimann

Andreas-Wolfgang Rohr

Franziska Röchter

Mike Rother

Wolfgang Rischer

Silke Rudl

Bärbel Sanchez

Jürgen Sanders

Ulrich Schacht

Tamara Schinner

André Schinkel

Maren Schönfeld

Ulrich Schröder

Ernst Schulze

Christiane Schulz

Hellmut Seiler

Michael Stahl

Heidrun Stödtler

Ulrich Straeter

Maria Anna Stommel

Bernd Storz

Rüdiger Stüwe

Michael Spyra

Magnus Tautz

Geplant sind zur Präsentation dieser Ausgabe eine Veranstaltung am 26. September 2020 in Leipzig und am 27. Oktober 2020 eine weitere in Tübingen. Nähere Informationen dazu rechtzeitig auf dieser Webseite.

Titelbild nach einem Gemälde von Andreas Weißgeber.

Verlängert bis 30. September d.J. (Poststempel)! – Lyrik in Bewegung. Gedichte zur Automobilität gesucht

  • Veröffentlicht: 23.03.2020 · Zuletzt aktualisiert: 22.08.2020

Ausschreibung für die Ausgabe 1/2021 des Poesiealbum neu

Das Auto als Fetisch oder als fahrbaren Untersatz. Am Automobil, das Jahrzehnte als Symbol für Wertarbeit, Ingenieursleistung, Selbstbestimmung und Wohlstands galt, scheiden sich heute die Geister. In der Stadt ist es im Weg, auf dem Land erschließt es den Weg. Wie kein anderes Fortbewegungsmittel trennt das Automobil unsere Gesellschaft. Für Gewalttäter wird es zur Waffe, sei es auf dem Weihnachtsmarkt oder beim Karnevalsumzug, für politisch motivierte Kriminelle zum Objekt der Zerstörung und Brandstiftung.

In der alten Bundesrepublik galt lange Zeit der Grundsatz Freie Fahrt für freie Bürger! Eine Verheißung, die nach dem 1. Juli 1990 nicht wenige der Neuwestdeutschen im Osten zu Käufen von Schrottlauben veranlasst hat. Im Einklang mit dem Einzug von Autohäusern verhalf der Aufschwung Ost dann auch zu den tempofreundlichen Straßenverhältnissen und erzeugte den Neid der Brüder & Schwestern, deren Fahrwege nicht die neue Glätte aufwiesen. Inzwischen allerdings sind platzgreifende Privatfahrzeuge zunehmend verpönt. Kirchgemeinden rufen zum Autofasten auf. Schulkinder wenden sich nicht nur freitags von ihren motorisierten Eltern ab und radeln plötzlich zum Klavierunterricht oder zur Tennisstunde. Gerade noch bis zum Reiterhof vor der Stadt lassen sie sich im Familiengefährt kutschieren. Auf dem Weg zur Nachhilfe  wollen manche von ihnen den Geschwindigkeitsrausch mit dem Fahrrad erleben – ohne Rücksicht auf Verluste.

Wie automobil sind Autorinnen und Autoren? Auch das soll das Themenheft beantworten. Sitzen sie hinterm Lenkrad oder nur vor dem Schreibtisch und betrachten vom sogenannten Elfenbeinturm aus die Blechlawine? Nehmen sie Entfernungen mit dem Taxi wie einst Erich Kästner oder sitzen sie in der Tram oder im ICE oder gehören sie zu den neuen E-Rollerfahrern, die Kladde mit ihren Texten im Rucksack oder schon gespeichert auf dem Tablet? Welche Zukunft hat die selbstbestimmte Mobilität? Geht im E-Mobil der Fahrzeug-Sound verloren und muss akustisch eingespielt werden?

Verbindungen von Dichtern und Autos sind legendär. Gertrude Stein warb für den Ford. Edgar Wallace erschrieb sich einen Rolls-Roys. Hermann Hesse posierte gern vor seinem Mercedes. Ebenfalls zu denken ist an Bertolt Brecht, der für einen Vierzeiler mit einem Automobil belohnt wurde und nach einem Unfall damit in einem weiteren Vierzeiler die Überlebenschancen lobte und ein neues erhielt. Tragisch endete das Leben von Rolf Dieter Brinkmann, der Hymnen auf das Automobil verfasste und dem ausgerechnet in London der Linksverkehr zum Verhängnis wurde, als ihn ein Taxi überfuhr und tödlich verletzte. Passend zur Aufnahmefähigkeit eines Autofahrers äußerte er sich in dem Band »Die Piloten« (1968) über das Gedichteschreiben: »Ich denke, dass das Gedicht die geeignetste Form ist, spontan erfaßte Vorgänge und Bewegungen, eine nur in einem Augenblick sich deutlich zeigende Empfindlichkeit konkret als snap-shot festzuhalten.« Ums Festhalten von Sprache in dieser rasenden Zeit soll es uns gehen. Wie beweglich sind wir im Kopf und auf der Straße?

Im Zeitraum 15. März 2020 bis 31. August 2020 (Poststempel) laden wir ein, sich mit bis zu drei Gedichten an unserer Ausschreibung zu beteiligen.

Stand: Ende Februar 2020

Wie passend in Corona-Zeiten der Immobilität, könnte man meinen – aber das Thema könnte auch Sehnsüchte wecken und das, was bisher selbstverständlich erschien, auf den Prüfstand stellen.

Auf dem Postweg können bis zu drei, möglichst bislang unveröffentlichte Gedichte in deutscher Sprache und in 2-facher Ausführung auf je einer eigenen DIN A4-Seite eingereicht werden. Unaufgeforderte Zusendungen per E-Mail werden nicht geöffnet! Die Gedichte sollten eine Gesamtlänge von 35 Zeilen (inklusive Titel, Verfassername, Leerzeilen) nicht überschreiten und dem Layout unserer Zeitschrift entsprechen (Achtung: Zeilenlänge beachten!).

Hinzuzufügen sind eine Kurzvita plus aktueller E-Mail-Adresse, die Erklärung, dass der kostenfreie Abdruck erlaubt wird, und die Zustimmung, dass die persönlichen Daten, die allein für den Zweck der Kommunikation und Registration Verwendung finden und keinesfalls an Dritte weitergegeben werden, gespeichert und für eine Veröffentlichung (Ankündigung) auf unserer Webseite verwendet werden dürfen.

Verzichten Sie bitte auf Einsendungen per Einschreiben; wir haben nicht die Kapazität, diese vom Postamt abzuholen.

Kommt ein Gedicht für die Veröffentlichung in Betracht, setzt sich das »Poesiealbum neu«-Team mit der Autorin/dem Autor in Verbindung. Rückfragen oder Stellungnahmen zu den Einsendungen können nicht beantwortet bzw. geleistet werden. Sobald der Drucksatz abgeschlossen ist, werden auf der Webseite der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik die Namen der Autorinnen und Autoren veröffentlicht, deren Text in die Ausgabe zum Themenkomplex »Lyrik in Bewegung. Gedichte zur Automobilität« Aufnahme fand. Mit ihrer/seiner Beteiligung an der Ausschreibung stimmt die Einsenderin/der Einsender diesem Verfahren ausdrücklich zu.

Jeder Autorin, jeder Autor des Heftes erhält ein Freiexemplar und nimmt mit ihrem/seinem unveröffentlichten Gedicht an der Auswahl für den »Poesiealbum neu«-Preis 2022 teil, der das beste Gedicht des Jahrgangs 2021 prämiert.

Im 14. Jahr des Erscheinens der Zeitschrift »Poesiealbum neu« verlosen wir unter den ersten 14 Einsendern ein Exemplar von »… und habe ich mir denn ein Auto angeschafft. Schriftsteller und Automobile«, ein Text-Foto-Band von Ulf Geyersbach, Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2006.

»Poesiealbum neu«, gegründet 2006, erscheint seit 2007

Zeitschrift der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. (GZL), erscheint halbjährlich; Preis 16 € p.a. (Inland), inkl. Versand; Preis für Ausland auf Anfrage

Ein Probeabo (2 Ausgaben – ohne Kündigung) kostet im Inland 18 €; Preis für Ausland auf Anfrage

Mitglieder der GZL erhalten eine Ermäßigung, ebenso Öffentliche Bibliotheken und Schulbibliotheken.

Aktion: die ersten 5 Neuabonnenten erhalten die Lieder-CD »Hinterm Mond« von Stellmäcke als Geschenk dazu, allen anderen Neuabonnenten schenken wir ein Exemplare einer früheren Ausgabe des »Poesiealbum neu« mit der 1. Lieferung. Es besteht kein Rechtsanspruch, die Auswahl erfolgt nach Eingang.

Bestellungen richten Sie bitte schriftlich an: Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V., Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig / kontakt@lyrikgesellschaft.de

Heimat & Heimatverlust – ist im März 2020 erschienen und ab sofort lieferbar

  • Veröffentlicht: 05.02.2020 · Zuletzt aktualisiert: 24.03.2020

Nachdem uns mehrere hundert Zuschriften aus 10 Ländern erreichten, die vier pralle Ordner füllten, ist die Auswahl getroffen. Statt des eigentliches Heftes mit 32 Seiten erscheint wiederum ein Doppelheft, das die Gedichte von 83 Autorinnen und Autoren vereint. Im Einklang mit den drei Fundstücken von Max Hermann-Neiße (1886-1941), Mascha Kaléko (1907-1975) und Ernst Schulze (1789-1817) kommen – neben zahlreichen bereits bekannten – auch viele weniger bekannte Autorinnen und Autoren zu Wort. Die Spanne reicht vom Jahrgang 1933 bis zum Jahrgang 1998.

Die Autorinnen und Autoren der Ausgabe 1/2020 des Poesiealbum neu:

Sabine Abt

Manfred Ach

Bettina Ambühl-Honegger

Johanna Anderka

Michael Augustin

Marianne Beese

Eva-Maria Berg

Franziska Beyer-Lallauret

Barbara Biegel

Marlies Blauth

Detlev Block

Rosa Both

Hans Dietrich Bruhn

Oliver Bruskolini

Ingo Cesaro

Tetyana Dagovych

Herta Dietrich

Ulrike Diez

Lina Duppel

Rumiana Ebert

Faten El-Dabbas

Patricia Falkenburg

Barbara Finke-Heinrich

Beate Fischer

Ingrid Gorr

Joachim Gräber

Dora Hauch

Kerstin Hensel

Max Herrmann-Neiße  

Jan-Eike Hornauer

Nikola Huppertz

Regina Jarisch

Mascha Kaléko

Stefanie Kemper

Manfred Klenk

Michael Koch

Stephan Krawczyk

Anton G. Leitner

Eva Lübbe

Hans-Hermann Mahnken

Salean A. Maiwald

Wolfgang Mayer König

Renate Meier

Karola Meling

Manfred Moll

Klaus Nührig

B.S. Orthau  

Tobias Pagel

Ursula Pickener

Claudia Pistilli

Helga Rahn

Lutz Rathenow

Andreas Reimann

Helmut Richter

Marianne Rieger

Wolfgang Rischer

Andreas-W. Rohr

Jan Hendrik Rübel

Sonja Ruf

Jörn Sack

Laura Schiele

André Schinkel

Ulrich Schröder

Christiane Schulz

Marlene Schulz

Helga Schulz Blank

Ernst Schulze

Christiane Schwarze

Thomas Sobczyk

Ju Sobing

Werner Somplatzki

Werner Stangl

Christine Steindorfer

Stellmäcke

Carsten Stephan

Wolfgang Stock

Heidrun Stödtler

Bernd Storz

Rüdiger  Stüwe

Dietmar Thate

Ruth Werfel

Katja Winkler

Waltraud Zechmeister

Preis des Heftes 6,50 EUR, Umfang 76 S.

Titelbild nach einem Gemälde von Titus Schade

© VG Bild-Kunst

Am 24. März 2020 erschien in der Leipziger Internetzeitung diese Rezension: https://www.l-iz.de/bildung/buecher/2020/03/Heimat-Heimatverlust-Poesiealbum-neu-versammelt-zuweilen-sehr-ironische-Texte-zum-Thema-Lebensort-und-Sehnsuchtsraum-322977

Poesiealbum neu: New York-Gedichte erschienen

  • Veröffentlicht: 22.12.2019 · Zuletzt aktualisiert: 26.02.2020

Als Nummer 2/2019 unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ haben wir zum Ende des Jahres unter dem Titel „Hauptstadt der Sehnsucht“ Gedichte zur Megametropole auf dem nordamerikanischen Kontinent veröffentlicht. Erstmals wurde in eine Ausgabe des „Poesiealbum neu“ ein Fotozyklus aufgenommen. Der Berliner Fotokünstler Antonius, der Kontakt zur Lyrikgesellschaft seit seinem Gewinn beim Gedichtfilmwettbewerb „Tugenden & Sünden“ hält (hier erhielt er mit der Edelfeder der Waldmann KG den Preis für die besondere Handschrift), ist ein Kenner dieser Weltstadt und bietet dem Betrachter Blickwinkel fern der touristischen Abziehbilder.

„Hauptstadt der Sehnsucht. New York-Gedichte und Fotografien“ umfasst 82 Seiten und kostet 8,70 € und ist ab sofort über die E-Mail-Adresse der GZL kontakt@lyrikgesellschaft.de bestellbar, die Auslieferung erfolgt zu Beginn des neuen Jahres. Eine ausführlich Rezension der Ausgabe findet sich in der Leipziger Internetzeitung vom 26.12.2019. Eine weitere Besprechung erschien auf FIXPOETRY Wir reden über Literatur.

Die Ausgabe 2/2019 enthält Gedichte und einige Übersetzungen ins Amerikanische von

Johanna Anderka

Michael Augustin

Eva-Maria Berg

Heidi Bergmann

Hartmut Brie

Ingo Cesaro

Ulrike Diez

Siegmar Faust

Julietta Fix

Peter Frömmig

Christine Graf

Ralph Grüneberger

Gisela Hemau

Dieter Höss

Ron Horwege

Nikola Huppertz

Yehuda Hyman

Christine Kappe

Paul Alfred Kleinert

Stephan Krawczyk

Gabriele Kromer

Augusta Laar

Joanna Lisiak

Salean A. Maiwald

Wolfgang Mayer König

Walter Neumann

Undine Marion Pelny

Utz Rachowski

Jörg Seifert

Gabriele Stötzer

Daniel Stojek

Monika Taubitz

Holger Teschke

Martin A. Völker

Eine auf 20 Exemplare limitierte Sonderausgabe, die von Ralph Grüneberger und Antonius signiert wurde, enthält eine DVD des gemeinsamen Gedichtfilms „12. September“ sowie einen von Antonius signierten Metall-Fotoprint (Format 20 x 30 cm) und kostet 55,55 €. Die Einnahmen sollen dabei helfen, 2020 eine Präsentation dieser Ausgabe zu finanzieren. Verbindliche Bestellungen bitte ebenfalls an kontakt@lyrikgesellschaft.de richten.

Gedicht des Monats Dezember 2020

  • Veröffentlicht: 01.12.2020 · Zuletzt aktualisiert: 30.11.2020

Michael Manzek (*1970)
Leipzig

Eine Stadt, die dich ungeniert angähnt,
sich vielleicht sogar sehnt 
nach einem Wetter in der abweisendsten Art, 
das die Stimmung ihres Trotzes bewahrt.

Dann glaubt man in den Straßen und Gassen,
Umrisse von Spaziergängern zu sehen,
die einem lautlos nachgehen oder weit hinter sich lassen.

Eine Stadt, die dich provozierend anspuckt,
erst abwarten will, ob man sich duckt.

aus: Poesiealbum neu,  „Leipzig im Gedicht“, Leipzig 2015

Wir gratulieren unserem Mitglied Michael Manzek herzlich zum Halbjahrhundertgeburtstag im Dezember d.J. und wünschen dem
Berliner noch um einiges erfreulichere Spaziergänge in der Stadt,
in der die Lyrikgesellschaft ihren Sitz hat.

DAS GEDICHT. Die Wiederentdeckung der Liebe & Die Raben von Ninive – Balladen, andere Gedichte und ein Zwiegespräch & Das Geheimnis der Brücken

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 30.11.2020

Empfehlung des Monats · Dezember 2020
von Jule Weinrot

DAS GEDICHT. Zeitschrift / Jahrbuch für Lyrik, Essay und Kritik.
Die Wiederentdeckung der Liebe (Band 28)

Seit nunmehr 28 Jahren bereichert die buchstarke Zeitschrift / Jahrbuch für Lyrik, Essay und Kritik DAS GEDICHT nun schon die lyrische Welt der Dichter*innen und Poet*innen. Da müssten doch alle Themen bereits vorgekommen sein, könnte man denken, und gerade DAS Thema der Poesie schlechthin, die Liebe, hat es doch schon in früheren Jahren geschafft, thematischer Dreh- und Angelpunkt dieser heiß erwarteten Jahresausgabe zu sein. … Ja … Aber nicht genau so. Nicht in solchen Zeiten. Der Stellenwert des einzig Wahren, des Wichtigsten, des wirklich Systemrelevanten in Zeiten von Durchseuchung, Infektion, Siechtum, Krankheit und drohendem Sterben ist unbestreitbar. Kaum ein anderes Thema wäre wirklich geeigneter gewesen, um von den alles überschattenden Coronawellen einmal wegzukommen.
Ein vielseitiges Potpourri unterschiedlichster lyrischer Formen bewegt sich hier durch die Weiten aufkeimender, drängender, verebbender und beständiger Liebe, die sich durch ein Kapitel Kinderlyrik (Liebe wächst) ins nahezu Grenzenlose dehnen … Entdecken lässt sich so einiges: Neben einem kaleidoskopischen Intermezzo  bewährter und äußerst bekannter Poetenstimmen, die es verstehen, durch ihre Verse dem Geheimnisvollen und Unergründlichen, dem Rätselhaften des Phänomens Liebe nachzuspüren (das versteht übrigens der geniale Grafiker und Covergestalter ebenso) oder es durch unverbrauchte Bilderwelten heraufzubeschwören, gibt es auch durchaus Explizites, manchmal sehr Direktes zu lesen, das im Gesamtzusammenhang auch schon mal mehr oder weniger ins unfreiwillig Komische abrutschen kann – wenn beispielsweise von „steilen Spitzen“ auf Hügeln im Zusammenhang mit „Wohlfühlstöhnen“ die Rede ist oder „Schwanz in Spalte stecken“ erträumt wird … geschmacklich ist hier wohl für nahezu Jeden etwas dabei.
   Man möchte Lieblingsverse zitieren, Lieblingsdichter benennen, das aber würde zum Schwelgen in und Anschwellen dieser Empfehlung (ver-)führen. Deshalb der Rat: Begeben Sie sich selbst auf eine wunderbare Entdeckungsreise durch die faszinierende Welt der Liebe und ihrer Spielarten – eine kurzweilige, anregende, beSinnliche und/oder berührende, humorvolle und bisweilen sehr nachdenkenswerte Lektüre wird Ihnen sicher sein! Dass abermals ein nennenswerter Anteil an Mitgliedern der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik Eingang in DAS GEDICHT gefunden hat, darf freudig erwähnt werden.
Tipp: Ein sehr gutes Weihnachtsgeschenk! Einzeln oder im Kurz-Abo.


Das Gedicht. Zeitschrift /Jahrbuch für Lyrik, Essay und Kritik /
Die Wiederentdeckung der Liebe
Herausgegeben von Anton G. Leitner
Mit einem Special für Kids,
zusammengestellt von
Uwe-Michael Gutzschhahn
Erschienen: 18.11.2020
Anton G. Leitner Verlag, 208 Seiten
ISBN 9783929433869
Euro 15,00

Empfehlung des Monats · Dezember 2020
von Jule Weinrot

Friedrich Ani, Die Raben von Ninive – Balladen, andere Gedichte und ein Zwiegespräch

Auf diesen neuen Gedichtband von Friedrich Ani muss man sich einlassen wollen. Dieser 3. Gedichtband (2009: Mitschnitt, 2017: Im Zimmer meines Vaters) jenseits der frühen Jahre des wohl bekanntesten deutschen Krimiautors und Drehbuchschreibers (Tatort) fordert etwas Konzentration in unserer schnelllebigen Zeit – eine Ballade, die über 8 Seiten geht, ist nun mal kein Haiku. Man muss in die Welt dieses vielseitigen Dichters eintauchen wollen, seine Sicht auf die Dinge, auf sozial-politische Schieflagen, näher erkunden wollen … dann wird man belohnt. Dieses Buch changiert zwischen politischer Meinung und sehr Privatem, fast Intimem, und auch die Formen wechseln von sehr ausladenden Lied-Lyrics bis zum relativem Kurzgedicht.
Mit diesem Gedichtband gelingt Friedrich Ani eine interessante Verquickung seiner unterschiedlichen von ihm bedienten Genres und Vorlieben, hier gibt es sogar zur Balladenform verdichtete Kriminalfälle, hier gibt es Dramen und Tragödien, Vermischungen von Erzählung und Poesie, die Goethes vielbemühten Vergleich der Ballade mit einem „lebendigen Ur-Ey“ und seine Bezeichnung der Mischgattung als „gegenständliche Dichtung“ in die kulturpolitische Funktion der Ballade verweist. Ani erzählt Geschichten in Versform, mit Reim und Rhythmus, Geschichten, die in ein Korsett gefüllt werden, um nicht auszuufern, er erzählt von seiner Heimat, die offensichtlich eher eine Art zweite Heimat für ihn war oder auch keine, aus der es auszubrechen galt, und von seiner Suche nach einer Heimat im Offenen, nicht Einengenden.
    Dass Ani irgendwann den Norden,  die Nordsee, die Weite des Meeres für sich entdeckt hat, spiegelt sich u.a. in sehr persönlichen Texten wie „Der Leuchtturm“ wieder, in dem es um die private, die gefürchtete Enge im Rahmen derjenigen gesellschaftlichen Konventionen geht, die auch Leuchtturm oder Anker im Strudel der eigenen Endlichkeit sein können.

Alles Meer kehrt heim zu dir,
und alles Dunkel bricht entzwei.
Dein Blick gereicht dem Tag zur Zier.
Komm, du Liebe, sieh und sei.
                                     (Backcover)

Ein etwas anderer Gedichtband, der entdeckt werden will – gut geeignet für die Zeit um den Dezember herum – vielleicht auch von solchen Lesern, die sonst eher auf die Verknappung von Worten setzen.


Friedrich Ani, Die Raben von Ninive – Balladen, andere Gedichte und ein Zwiegespräch
Erschienen: 28.09.2020
suhrkamp taschenbuch 5067, Gebunden, 172 Seiten
ISBN: 978-3-518-47067-1
auch als eBook erhältlich
Euro 18,00

Empfehlung des Monats · Dezember 2020
von Ralph Grüneberger


Bernhard Theilmann, Das Geheimnis der Brücken

Posthum veröffentlichte der Dresdner Verlag SchumacherGebler 2019 eine Ausgabe mit Gedichten des 1949 im sächsischen Kurort Rathen geborenen Lyrikers und Redakteurs der von ihm gegründeten Zeitschrift SAX, der 2017 in Dresden verstorben ist. Ich bekam das Buch zugeschickt und hatte gerade wenige Tage zuvor ein Gedicht von Bernhard Theilmann in einer Anthologie gelesen, das neben dem eines bekannten und vielfach ausgezeichneten anderen Dresdner Lyrikers stand. Nicht sonderlich beeindruckt von dem des Prominenten, kam ich schnell auf Theilmanns Gedicht von der „postfrau“, die „mit einem blauen auge“ ihren Dienst tat. Und dieses Gedicht ist mir sehr nah.

Die Auswahl, die Witfrau und Freunde Theilmanns aus einem Manuskriptfundus von fast 600 „gefundenen Texten“ zusammentrugen, enthält eine Zeittafel und – das ist das Besondere – die Beigabe „Biografische Notizen – Bernhard Theilmann“, zusammengestellt von Detlef Krell, als Extradruck.

Diese Schrift macht deutlich, dass ein „Lob von der anderen Seite“, in dem Fall stand das in Springers „Welt“ (die Zeitung, die DDR stets in Gänsefüßchen setzte) und betraf die großartige Obergrabenpresse, nicht immer von Vorteil für jene war, die sich aus dem sogenannten „Tal der Ahnungslosen“ heraus hin zur Anhöhe der Aktiven bewegten.

Bewundernswert die Solidarität der Theilmann-Freunde, die diese Publikation zu Wege brachten. Nun müssen die Gedichte nur noch gelesen werden. Sachsens Stadtbibliotheken sind am Zug.

Bernhard Theilmann, Geheimnis der Brücken
ISBN: 978-3-941209-54-1
16,– €


 




Gedicht des Monats November 2020

  • Veröffentlicht: 01.11.2020 · Zuletzt aktualisiert: 31.10.2020

Wolfgang Rischer (*1935)
Die Dömitzer Brücke

1
Weitgespannt über die Elbniederung
wo wir innehalten, die Karte zurückübersetzen
in die Wirklichkeit
(eine Daumenbreite, das ist
Eine Landschaft)
am Deich beginnt sie, der wir folgen, die
Brücke, die jäh
abbricht ins Nichts, unter uns
vor uns der Strom

Dies also ist der Rand der Republik
im Dornröschenschlaf, den wir stören

: Bleigraues Band der Elbe, Lichtreflex
Weite, die schmerzen muß
drüben –
jenseits das Ufer Wiesen so leer & fotostill
wir sehn Betonpfähle & Metall, dahinter flußauf
gedrängtes Dächerrot Kirchturmgrau so nah so fern
: Die Gedanken eine Furt

2
Verlassene Gegend, was suchen wir hier
wenn nicht den historischen Fluchtpunkt
Erschrecken, das ins Gedächtnis ragt.
Der Schlag
gegen Stahl lang in der Luft, der Nach-
hall von Geschichten in meinem Kopf
: Ut mine Festungstid – drüben, siehst du, das
ist der Ort, bewacht jetzt
das Land

Wirklichkeit ist auch das Fehlende, ist
was nicht ist. Das Winken ist noch immer
keine Brücke. Wir
sehn, eh wir gehen auf leisen Sohlen, den
alten Pfeiler im Strom, nicht tragfähig
genug
für ein Versprechen

Wir gratulieren unserem langjährigen Vorstandsmitglied
(1999-2018)zu seinem 85. Geburtstag, den er in diesem Monat
coronabedingt im viel zu kleinen Kreis feiern wird.
Umso mehr wünschen wir Gesundheit und darüber
hinaus viele weitere Gedichteinfälle.

Johnny Cash – Forever Words

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 31.10.2020

Empfehlung des Monats · November 2020
von Peter Schröder

Nicht ohne Grund werden verdiente oder für gut befundene Liedermacher und Singer-Songwriter in die Nähe zur Poesie und Lyrik gerückt. Das Wort „lyricist“ (Englisch für Liedtextschreiber oder -dichter) deutet darauf hin. Der irische Sänger und Liedermacher Shane MacGowan zum Beispiel, dessen kreatives Wirken seit Jahrzehnten brach liegt, schuf in den Jahren zwischen etwa 1980 bis Ende der 90er einen beeindruckenden Katalog von zeitlosen Liedern, für die er bis heute in der Welt gefeiert wird. Sein Freund Johnny Depp nannte ihn mal „einen der wichtigsten Poeten des 20. Jahrhunderts“. Einen ähnlichen Status  „genießt“ – wenn auch posthum – in den USA der Liedermacher und Musiker Townes Van Zandt, der schon zu Lebzeiten und auf dem Höhepunkt seines musikalischen Schaffens in den 60ern und 70ern in Kennerkreisen als Poet und Songwriting-Legende hochgehalten wurde und trotz seines eher nischenhaften Schattendaseins jedem, der etwas auf amerikanische Folk- und Countrymusik hielt, ein Begriff war.
Nun aber zum eigentlichen Thema dieser Empfehlung: dem Gedichtband „Forever Words“ von The Man in Black himself: Johnny Cash.

Dieses Buch, welches von Cashs einzigem Sohn John Carter Cash herausgegeben worden und erstmalig 2016 erschienen ist, enthält eine Sammlung bzw. eine Auswahl bis dato unveröffentlichter Gedichte, Gedichtfragmente und Liedtexte des weltberühmten Country-Musikers. Mir liegt die 2018 veröffentlichte Paperback-Edition von Canongate Books mit 132 Seiten vor. Wer sich mal ein bisschen mit dem Werdegang und der Persönlichkeit Cashs beschäftigt hat, wird wissen, dass jener ein äußerst turbulentes Leben voller Höhen und Tiefen hinter sich brachte. Zunächst der rasante Aufstieg zur Country-Ikone, was nicht zuletzt an Cashs markanter Bass-Bariton-Stimme und seinem eigenwilligen, authentischen Klangbild der frühen Jahre gelegen haben dürfte. Hinzu gesellten sich aber schnell Suchtprobleme, die Cash bald an den Rand des Wahnsinns und Mitte der 60er fast an die Grenze seines irdischen Daseins brachten und die ihn schließlich bis ans Lebensende begleiten und immer wieder plagen sollten. Geholfen hat ihm letztlich nach eigenem Bekunden neben seinem profunden Glauben der späteren Jahre vor allem seine langjährige Ehefrau und Weggefährtin June Carter. Johnny Cash war eine höchst eigenständige und ehrliche Künstlerpersönlichkeit, die sich trotz seines späteren Mainstream-Erfolgs immer seine Integrität bewahrt und sich gegen die Mühlen des (Musik)-Establishments gestellt hat. Er hatte kein Problem damit, anzuecken und äußerte sich stets auch zu unbequemen und kritischen Themen – in seiner Musik bzw. seinen Liedtexten wie auch abseits dessen. Etwas, das man heute zunehmend vermisst. Eine Lyrik, die sich entweder nur noch um sich selbst dreht oder sich dem Zeitgeist anbiedert, sollte im Hinblick auf ihren Stellenwert hinterfragt werden.

Zurück zum Buch: Die von seinem Sohn ausgesuchten Gedichte umfassen die Zeitspanne der frühen Fünfzigerjahre bis kurz vor Cashs Tod (2003), also fast sein ganzes Leben als kreativ Schaffender. Manche Texte sind undatiert. Thematisch geht es um alles, was irgendwie mit Leben zu tun hat, also mit der damit einhergehenden Achterbahnfahrt. Und natürlich um das, was den großen Mann in Schwarz bewegt hat bzw. was letztlich sein Leben ausmachte. Hier ein paar Stichwörter: Liebe, Verlust, Schmerz, Humor, Rauschmittel, Sucht, Selbstironie, die inneren Dämonen und die schiefe Bahn, das Country-Feeling als amerikanischer Patriot, Züge, Goldrausch, die fragwürdige Musik- und Filmindustrie, Schusswaffen, Tod. Teilweise fühlt man sich beim Lesen an Cash-Lieder erinnert bzw. hat schon eine eigene Melodie im Kopf und kann sich den Man in Black gut beim Vertonen und Singen der Gedichte vorstellen. Womit die Frage aufkommt, ob nicht gute Gedichte immer auch einen Hang zur Musikalität haben und womit wir wieder beim Anfang wären. Beides (Gedicht und Liedtext) scheint in vielen günstigen Fällen ineinander überzugehen. Man sollte sich nicht über die teilweise vorhandene augenscheinliche Einfachheit von Cashs Zeilen täuschen lassen. Seine Liedtexte sind häufig auch so, aber am Ende doch irgendwie profund. Sie sagen für manchen Leser letztlich weit mehr aus als manch hochartifizielles pseudointellektuelles Wortgespinst.

Cash erregte neben seinem Talent als Sänger, Musiker, Liederschreiber und Unterhalter und mit der unglaublichen Bandbreite an veröffentlichter Musik – neben einem riesigen Katalog selbstgeschriebener Lieder interpretierte er auch haufenweise  verschiedene Stilrichtungen anderer – ebenfalls  großes Aufsehen mit seinen Auftritten vor Insassen mehrerer US-amerikanischer Gefängnisse. Obwohl bekannt war, dass er diesbezüglich selbst keine einschlägige „Karriere“ hinter sich hatte (im Gegensatz zu seinem Kollegen Merle Haggard – auch sehr zu empfehlen fürMenschen, die diese Musikrichtung mögen) und sein Outlaw-Image eben ein Image war, spürt man bei den alten Aufnahmen, dass die Gefangenen in Sträflingskleidung Cash komplett verstehen. Sie feiern ihn regelrecht, weil dieses Verstehen auf Gegenseitigkeit beruht und er auch ohne fehlende verbüßte Haftstrafen authentisch war. Weil in dem, was er dort ausstrahlt, durchkommt, dass er irgendwo „einer von ihnen“ ist. Das Schöne an Johnny Cash ist auch, dass man selbst nach Jahren des Hörens immer noch wieder Neues entdecken kann. Die Menge seiner aufgenommenen Lieder (eigenes Material plus Interpretationen und Cover) ist in der Summe wirklich beeindruckend.
Interessanterweise sind auch die Gedichte aus „Forever Words“ inzwischen als Album vertont worden, mit vielen namhaften Musikern an Bord. Wer Interesse an Johnny Cash oder an Lyrik allgemein hat und über grundlegende Englischkenntnisse verfügt, dem sei dieses Buch als Schnittstelle zwischen Poesie und Musik empfohlen.

  • Johnny Cash – Forever Words: The Unknown Poems
  • ISBN-13 : 978-1786891969
  • Herausgeber : Canongate Books Ltd.; Main Edition (1. Februar 2018)
  • Sprache : Englisch

Veranstaltungen unserer Mitglieder: Ralph Grüneberger

  • Veröffentlicht: 11.10.2020 · Zuletzt aktualisiert: 11.10.2020

15.10.2020, 18:00 Uhr im Magdeburger Dokumentationszentrum am Moritzplatz, Umfassungsstraße 76:
Ralph Grüneberger liest aus seinem Roman Herbstjahr. Veranstalter: Bürgerkomitee Magdeburg.
Eintritt frei. Resevierung erforderlich: Tel.: 0391 25 32 316
E-Mail: info@buergerkomitee-magdeburg.de

Silberfäden – Was Körper und Geist im Inneren verbindet

  • Veröffentlicht: 01.10.2020 · Zuletzt aktualisiert: 21.09.2020

Empfehlung des Monats · Oktober 2020
von Maren Schönfeld


Gino Leinewebers Lyrik wechselt zwischen – philosophischen – Blicken auf das große Ganze und situativen Betrachtungen einzelner Themen, Erlebnisse und Empfindungen. Der Autor verhandelt ehrlich und unverstellt, ohne inhaltliche oder formelle Attitüden, in knapp formulierten, prägnanten und überwiegend kurzen Poemen den jeweiligen Gegenstand seines Gedichts.

Der Einblick in männliches Empfinden, humorvoll zuweilen, manchmal auch größte Pein durchlassend, ist faszinierend. Das Alter(n), die Rolle in Beziehungen und in der Welt geht in die Lyrik ein und trägt zwischen den Zeilen Ungesagtes weiter, das nach der Lektüre fortwirkt. Die poetische Auseinandersetzung mit weltlichen Dingen wie Besitz und Status bleibt so angenehm zurückhaltend und verknappt, dass das Nachdenken darüber und das Herstellen eines Bezugs zur eigenen Lebenssituation fast unbemerkt beginnen. Von der allumfassenden Perspektive zurück im Detail, zeigt Gino Leineweber auf, was wir alle in den Beziehungen zu unseren Familien und Partnern erleben und versäumen.

Dabei schreibt er mal mit lyrischem Ich, mal in der dritten Person, was eine distanzierte, originelle Perspektive ist. Ein Gedicht aus dem ersten Kapitel empfinde ich als wegweisend:

Ich

Das Ich ist
Was Körper und Geist
Im Innern verbindet

Die Mitte der Platz
An dem
Von Augenblick zu Augenblick
Sich das Bewusstsein findet

Mich haben die Gedichte inspiriert, innezuhalten, hinzusehen, meine Innen- und Außenwelt bewusster wahrzunehmen und die Empathie für meine Mitmenschen nicht zu vergessen.

Lesung des Autors aus seinen Gedichten: http://www.weblesung.de/lyrik.html


Gino Leineweber, Silberfäden. Gedichte
Verlag Expeditionen, Hardcover, 216 Seiten
ISBN: 978-3-947911-18-9, € 19,90

Gedicht des Monats Oktober 2020

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 28.09.2020

Therese Chromik (*1943)
Helgoland

Ich war wo ich mich fand
und wo mich niemand suchte
auf der Insel der Dichter
wo der Himmel voller Violinen hängt
und die See nach frischgebackenem Kuchen riecht
wo es im Winter in Deutschland am wärmsten ist
wo das Lied
vom Männlein im Walde
gedichtet wurde
wo ich unglückliche Lieben auskurieren kann
wo die See wütend brüllt
wie um zu prüfen
ob ich es aushalte seeumspült
Fels in der Brandung zu sein
dann werde ich begrüßt von den Lummen
die sich an die zerklüfteten Felsen klammern
wie die Menschen an die Insel
und zeigen wie sie bleiben können
oder davonfliegen und den Ort zurücklassen
schimmernd golden

aus: „Blau ist mein Hut“, Verlag Vorwerk 8, Berlin, 2019

Wir gratulieren unserem Mitglied Therese Chromik herzlich zum 77. Geburtstag, den sie in diesem Monat begeht und wünschen viel Kreativität und Gesundheit.

Gedicht des Monats September 2020

  • Veröffentlicht: 01.09.2020 · Zuletzt aktualisiert: 31.08.2020

Eva Lübbe (*1950)
Schneeglöckchen

Zarte Spitzen
treibst Du aus frostigem Boden hervor.

Willst Du Dein Weiß
am Weiß des Schnees messen?

Erste Sonnenstrahlen helfen Dir.
Wie einen winzigen Schirm
spannst Du Dein Glöckchen auf

und läutest im Chor Deiner Schwestern
leise den Frühling ein.


Wir gratulieren unserem Mitglied auf diesem Wege herzlich zum
runden Geburtstag und wünschen Dr. Eva Lübbe noch viele Frühlinge.

Quelle: Poesiealbum neu
Steinbrech. Gedichte zu Pflanzen
Leipzig 2017

Echt jetzt? Eine umfangreiche Empfehlung.

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 28.09.2020

Empfehlung des Monats · September 2020
von Ralph Grüneberger

Es ist eine Freude, dass Einzelausgaben in der Reihe „Poesiealbum“ aus dem Märkischen Verlag dem Werk einzelner Mitglieder der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik gelten, so Therese Chromik, Róža Domašcyna, Carl-Christian Elze, Christoph Kuhn, Christoph Meckel, Andreas Reimann und Christiane Schulz (Zeitraum 2010 bis 2020). Zudem fühlt man sich bestätigt, wenn die eine oder andere 2017 persönlich ausgesprochene Empfehlung in Wilhelmshorst aufgegriffen wurde, auch wenn dies stillschweigend geschah. Doch die Freude ist nicht ungetrübt. Dazu am Ende mehr. Zunächst wollen wir uns an je einem Gedicht erfreuen, das diese sieben Autorinnen und Autoren aus den Reihen der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. veröffentlicht haben. Aus urheberechtlichen Gründen ergänzen wir die sechs Gedichte aus dem jeweiligen „Poesiealbum“ mit dem Abdruck eines Gedichtes von Christoph Meckel aus unserem Auftaktheft vom Frühjahr 2007.

Christoph Meckel (1935-2020)
Smetana
23. April 1884

Jabkenice im heiteren Böhmen.
Stocktaub, das ist er schon lange.
Die Melodien zerfallen
im Tosen des leeren Gehirns,
der Silberton ist erloschen in seiner Stimme,
aber das Auge liebt noch Laub und Wasser.

Erzähle den Herren in Prag,
wie meine Seele bewegt ist.
Es war nicht in meiner Macht, es ist das Geld,
es fehlen die Gulden.
Der die Grundharmonika der Nation schuf,
aber die Herren in Prag.

Dunkel, Nässe, der Tag brach an.
Vor der Holztreppe stand der Wagen.
Dem Herrn Forstmeister rannen
Tränen über die Wangen,
als er die Decken brachte. Er saß im Wagen,
ganz geistesabwesend.
Alles weinte.

Ärztliches Gewahrsam, Staatliche Anstalt.
Die Coda ist kurz,
er kommt nicht wieder.

Quelle: Poesiealbum neu, Nr. 1/2007, Leipzig 2007
Das Gedicht ist nicht im Poesiealbum 288 enthalten.

***

Poesiealbum 307
Christiane Schulz (*1955)
Der Geist der Mirabellen

Es ist das Graubrot
das hart wird und sauer
immer härter und immer saurer
nimmt es der Mirabellenkonfitüre
das zarte Bitter das Graubrot
das wir immer schon aßen
Geliebter mit dem Geschmack
von Mirabellenkonfitüre
ehe es hart wurde das Brot
und sauer viel saurer
als das Fruchtbitter von den Mirabellen
nach dem das Küssen schmeckte
ehe es hart wurde
und sauer das Graubrot

© Christiane Schulz

                              ***

Poesiealbum 336
Andreas Reimann (*1946)
ARCHE DER DINGE

Zu paaren traben nach den kakerlaken
die autos in die arche, cola-dosen
nebst plastik-tüten und silastik-hosen.
Aus kinderzimmern kriechen gummi-kraken
behände auf das deck, recorder beaten,
um einlaß bittend. Spuckende computer
verdrängen noah hackerisch vom ruder.
Das bier büchst aus, die einweg-flaschen mieten
als deponie sich das gefähr-schiff an.

Und treibt aus einer planke auch ein reis:
Ist es gerecht, o herr, dass du uns schonst? –
Die gülle steigt. Hebt so nur ab der kahn?

O herr, verzeih mir, dass ich ahnend weis:
Die sintflut kostet viel. Und ist umsonst.

© Andreas Reimann

***

Poesiealbum 337
Therese Chromik (*1943)
Unwiderrufliches
nach Mutters Tod

Wollen Sie das Dokument
endgültig löschen?
fragt mich der Computer
als ich die Dateien auf deinem Computer
zu löschen beginne
deine Gedanken Gefühle Worte
die du gespeichert hast
ich finde sie wieder
wollen Sie das Dokument
wieder herstellen?
ja, sage ich,
immer wieder.

© Therese Chromik

                                ***

Poesiealbum 348
Christoph Kuhn (*1951)
Neuer Herbsttag
nach Rainer Maria Rilke

Herr, welche Zeit. Der Sommer ist sehr heiß.
Längst schon steht Herbst auf den Kalenderblättern.
Mit diesen Wettern stimmt‘s nicht, wie man weiß.

Nicht nur sind alle letzten Früchte voll;
so manche Pflanze zeigt noch einmal Blüten,
und andere, von weither aus dem Süden,
erbringen hierzulande bald ihr Soll.

Wer jetzt kein Haus hat mit Solaranlagen,
wer jetzt noch nicht den Strom gewechselt hat,
wird wachen, fernsehn, lange skypen, statt
nach dem Warum und dem Wohin zu fragen;
die Antwort steht auf einem andern Blatt.

© Christoph Kuhn
(Erstveröffentlicht in Poesiealbum neu 1/2017)

***

Poesiealbum 353
Carl-Christian Elze (*1974)

vor 13.8 milliarden jahren, im ersten milliardstel eines
milliardstels eines milliardstels einer milliardstel sekunde
blähte sich unser universum um das zehn-billionen-
billionen-fache auf: von subatomaren dimensionen
zu der größe eines fußballs, so sagt man im april
des jahres 2014. in diesen urknallball war unsere liebe
schon eingraviert, aber vorher noch sonnen
planeten und monde, das ganze schwerkraftding
musste sich einschaukeln, liebes, das dauert ein bisschen.
auch unsere kugel, aus sternenstaub zusammengepappt
war nicht gleich fest; doch irgendwann zellen
unter wasser: einzelne, tänzelnde, noch unsterbliche
gebilde, ewige teilungen, plasmaeinschnürungen:
aus eins wird zwei ohne rest. erst später zusammenkünfte
vielzellereien, die erfindung der leiche: volvox
die kugelalge, muss als erste dran glauben
ihr körper gesprengt bei der geburt ihrer töchter.
überall leichen! – aber pflanzen behalten immer die
nerven, liebes, nicht wahr .. ganz anders als wir.
überhaupt PFLANZEN! ohne sie keine liebe.
wie göttliche diener verschenken sie zucker und luft.
tiere erscheinen: fische und saurier, mollusken
und vögel, kiemen und lungen, die erste milch
die aus den zitzen tropft, die ersten säuger:
unauffällige kleingewachsene, huschende objekte …
und auch wir mussten erst in form gebracht werden
liebes: affen und menschen, milliarden von
menschen, lucy und ötzi, immer wieder zerlegt
nach wenigen jahren von bakterien und pilzen
(in einer handvoll erde oder in deinem wunderschön
geschwungenen mund leben mehr bakterien
als jemals menschen auf dieser welt herumspaziert
sind, so sagt man im april des jahres 2014)
schließlich wir: mit großen gehirnen, kaum fell
trinken milch und wachsen heran, fast ohne instinkte:
wir lernen und lernen, überleben und finden
uns schließlich, erkennen uns schließlich
mitten in der nacht, auf einer straße in
münchen, unter zerschossenen laternen
und fühlen uns plötzlich – unerklärlicherweise
albernerweise – unzerstörbar und lachen
und unser lachen rast um die sonne, du weißt schon
wie wahnsinniger, glücklicher staub …

© diese kleinen, in der luft hängenden, bergpredigenden gebilde.
Gedichte. Verlagshaus Berlin 2016 (2., überarbeitete Auflage 2019).

                               ***

Poesiealbum 354
Róža Domašcyna (*1951)
Triangel regional III. Für O. P.

ja du ha du
gehst einkoofwatsch holwatsch schejdwatsch
schakata schaka scheckiger schäker
armbanduhjurij adapeter afrodyter alles
allez!
loses losyski los im moos
bloß und an dann animaliski
poetiski ritki a titki zuletzt besetzt vonner
altliebe walt siebe und nudelbretter halt
hiebe hriby griby die husch kusch
in deinem bett brett net
klimmt klimbora klimperklein 
daliegt und daliebt da du ducy dale mich
Milena Minna Mirjam naschest nasch
ich dich tebje gebe
fajna frejna frohen freier frei 
ei ein zögling hering harjenk der hängt
an der decke der strecke der flecke ich recke
meine seine reine lust mußt
das nicht nennen bekennen
moje boje pupille pille und das was ich faß allas!
verlassen
sattle mir hippe und hille stoj auf zur quadrille
zwirn zu die mantille
näh dich ein rein mein stier jetzt
tschier das joj –
wie die spodki und schpotki das einkoofwane
und namolwane das verneinwane und vereiswane
fortfliegt und daliegt biegt und rügt das
ganze und stanze und tanze poj!
Juan Joan Johann Jan
in den armen der Carmen erbarmen
hamende alarmen
am ende hamjen
amen

© Róža Domašcyna


Nun leider zum Unerfreulichen, denn die Wahrheit stellt sich nicht von selber ein:

Die im Herbst 2007 vom Leiter des Kleinverlages, Dr. Klaus-Peter Anders, in Wilhelmshorst begonnene Fortsetzung der 40 Jahre zuvor im Verlag Neues Leben entstandenen Lyrikreihe „Poesiealbum“ ist immer wieder ins Zwielicht geraten. Auf den Ur-Herausgeber Bernd Jentzsch folgte schon nach extrem kurzer Zeit Richard Pietraß, der nach Jentzsch überdies die Reihe in den Endsiebzigern im Verlag Neues Leben betreut hatte, um dann ebenfalls die Zusammenarbeit mit dem Märkischen Verlag aufzukündigen. Als mir gegenüber zwei Autorinnen und ein Herausgeber hinsichtlich des schlechten Stils des Kleinverlegers Anders den Wunsch geäußert haben, ich solle doch als Initiator des „Poesiealbum neu“ auch die Reihe der Einzelhefte übernehmen, war das natürlich schmeichelhaft, wenn auch kaum überraschend, hatte ich doch selbst meine Erfahrung mit Herrn Dr. Anders gemacht, der noch 2015 das „Poesiealbum neu“ als „Vereinszeitschrift“ diskreditierte. Ein solches Ansinnen, wie es die Betroffenen äußerten, bedeutet natürlich eine Würdigung der 2005 von mir initiierten Gründung der Zeitschrift „Poesiealbum neu“, allerdings widerspräche die Umsetzung dem Satzungslatein eines gemeinnützigen Vereins, der für das prononcierte Herausheben Einzelner keinerlei Eigenmittel verwenden darf.

Bernd Jentzsch und Ralph Grüneberger – mit den beiden ersten Ausgabe des „Poesiealbum neu“ im Herbst 2007
Foto: Jörn Schinkel

Im Herbst 2007, als Bernd Jentzsch, den wir bereits vor der Redaktion der ersten Ausgabe im Jahre 2006 in Kenntnis der Gründung unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ setzten, stolz die im Märkischen Verlag erschienene Nummer 277 mit Gedichten Peter Huchels in einer Veranstaltung (und mit Vergütung) der Lyrikgesellschaft präsentierte, standen wir vor einem Dilemma. Der Verlag Neues Leben Berlin, nach 1990 Teil der Eulenspiegel Verlagsgruppe, der uns 2006 die Erlaubnis erteilt hatte, das tradierte Erscheinungsbild für unsere Zeitschrift verwenden zu dürfen, ließ uns wissen, dass diese Erlaubnis nicht zweimal vergeben werden könne, und empfahl uns, eine Einigung mit dem Märkischen Verlag Wilhelmshorst herbeizuführen. Keine Frage, dass wir das versucht haben. Natürlich hätten wir als Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik darauf bestehen können, dass wir allein das Äußere des „Poesiealbum“ fortführen und eine dementsprechende Unterlassungsklage herbeiführen können. Aber das hätte nicht nur unserem Ansehen, sondern auch der Gattung selbst geschadet. Gute Lyrik kann es nicht genug geben. Somit formulierte ich im Einvernehmen mit Herrn Dr. Anders eine Presse-Information, um beide Reihen, die sich im Grunde nicht im Wege standen und zudem ihre Wurzeln im System der Edition haben, gemeinsam zu bewerben. Da das Netz nichts vergisst, lässt sich auch heute noch auf die von mir verfasste Pressemeldung verweisen: https://lyrikzeitung.com/2007/11/04/39-poesiealbum-und-poesiealbum-neu-2/

Dass wir dann wenig später von Dr. Klaus-Peter Anders vehement enttäuscht wurden, indem er einerseits in allen Interviews, die Kenner der traditionellen Lyrikreihe mit ihm führten, uns als tatsächliche Wiedererwecker der Reihe schlichtweg unterschlug, und andererseits einzig Interesse an den Adressen unserer Abonnenten zeigte, war der Beginn einer Missachtung, die u.a. darin mündete, dass die 2007 manifestierte Aufgabenteilung –  wir die Ausgaben mit Anthologie-, der Märkische Verlag die mit dem Solo-Charakter – ohne Abstimmung unterlaufen wurde und im Mantel des „Poesiealbum“ eine Anthologie „Gedichte aus Neuseeland“ erschien, der kurz darauf eine mit „Gedichte[n] aus Finnland“ folgte. Gab es bis etwa 2009 noch die von einer Enthusiastin privat betriebene Poesiealbum-Domain, die die gesamte Entwicklung aufzeigte, d.h. sowohl die Ausgaben des „Poesiealbum neu“ (2007 ff) als auch des „Poesiealbum“ (seit 1967 und ab Nr. 277 bis dato), übernahm Kleinverleger Anders diese Domain und stutzte sie auf sein Blickfeld zurecht. Doch dessen nicht genug. In seiner stoischen Art wurde und wird er nicht müde, die Tatsachen zu verdrehen. Vor gar nicht langer Zeit nutzte er den persönlichen Kontakt zu einem seiner „Poesiealbum“-Autoren und gab diesem auf den Weg, er möge uns doch bitteschön nahezulegen, auf den Titel und das Äußere unserer Zeitschrift zu verzichten. Zum anderen ist Herr Dr.  Anders dreist genug, um die in seinem Verlag von wechselnden Herausgebern editierte Reihe als „die ECHTE“ zu besiegeln. So, als hätte es die Anthologien, die als Sonderhefte in jährlicher Folge vor knapp 50 Jahren (!) im Zusammenhang mit den Poetenseminaren der Freien Deutschen Jugend das erste Mal erschienen sind, nie gegeben. Das „Poesiealbum neu“ ist an diesen Anthologien geschult, das ist nicht zu übersehen, auch wenn die Redaktion bereits mit der 3. Ausgabe (2008) den Kreis der einbezogenen Autorinnen und Autoren auch auf Nichtmitglieder der GZL erweitert hat und einzelne Rubriken (das Interview 7 Fragen zur Lyrik, Der Gast, Klassik, Fundstück) dazugekommen sind.

Poeseialbum neu: Konsum & Kommerz. Foto: Karin Lichtenberger-Eberling

Desweiteren entstanden Ausgaben mit Notaten, Sonderausgaben mit Gedichten von Schülerinnen und Schülern nach einem Gedichtwettbewerb, vereinten wir Autorinnen und Autoren aus Leipzigs Partnerstädten, zu denen Literaturnobelpreisträger gehören, oder trafen eine Auswahl an Texten politischer Gefangener. Ist das alles „unecht“?

Eigentlich sollte man sich daran erheitern können, wenn die Irreführung des Herrn Dr. Anders nicht so erfolgreich wäre und selbst einer der hier Präsentierten, der voller Vorfreude das Erscheinen seines „Poesiealbum“ per Rundmail bewarb, unbekümmert die Darstellung des Märkischen Verlages verbreitete: „Die Lyrikreihe, begründet von Bernd Jentzsch, erschien in der DDR monatlich zwischen 1967 und 1990 im Verlag Neues Leben Berlin und war eine preiswerte Möglichkeit, Poesie deutscher und internationaler Lyriker kennenzulernen. Dann folgten 17 Jahre Pause. Im Herbst 2007 belebte dann der Märkische Verlag, ansässig in Wilhelmshorst, zusammen mit dem Begründer der Reihe Jentzsch das Poesiealbum wieder.“ Tja, wie ist das mit der Erinnerungs-Pause, wann wird sie zur Gedächtnislücke? In einer von Dritten geförderten Reihe innerhalb des „Poesiealbum“ geht der Märkische Verlag „gegen das Vergessen“ an. Wir auch.

Ralph Grüneberger, Initiator und Herausgeber des „Poesiealbum neu“, von ihm erschien 1984 das „Poesiealbum 198“ im Verlag Neues Leben Berlin

Im Zeitraum 1. September bis 31. Dezember 2020 zeigt die GZL in ihrem LYRIK-SCHAUFENSTER im Haus des Buches (1. Etage) diese Ausgaben und einige mehr: „Das Poesiealbum und das Poesiealbum neu – beide in Echtzeit“

Die Empfehlung des Monats ist ein kostenfreier Service der GZL. Die eigenverantwortlichen Beiträge der Autorinnen und Autoren können, aber müssen nicht die Meinung des Vorstandes wiedergeben.





Förderer und Partner

Förderer


Kulturamt
der Stadt Leipzig

Kuratorium Haus des Buches e.V.

Partner

Bührnheims
Literatursalon
Die Gesellschaft für
zeitgenössische Lyrik e.V.
ist seit 1995 Mitglied in der
1986 gegründeten
Arbeitsgemeinschaft
literarischer
Gesellschaften und
Gedenkstätten e.V.