Wortmeldung: Für Vielfalt

  • Veröffentlicht: 03.12.2018 · Zuletzt aktualisiert: 05.12.2018

U.a. von der Leipziger Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke aufgefordert, uns der Kampagne „Die Vielen“ anzuschließen, melden wir uns zu Wort und stellen es gleichzeitig all unseren Mitgliedern anheim, sich dieser Aktion anzuschließen: Berliner Erklärung.

Die 1992 gegründete Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, der derzeit Mitglieder aus acht Ländern angehören, verpflichtet sich in ihrer Satzung „im Geist von Toleranz und Völkerverständigung“ zu agieren. Das haben wir mit unserer Arbeit immer wieder unter Beweis gestellt, sei es durch Veranstaltungsreihen von „Heimat und Fremde“ (1993-95) bis ZWIE SPRACHE (seit 2013), unsere Ausstellung „gegen den strom“, die bisher mehr als 36.000 Besucher zählt, und Veröffentlichungen der Poesiealbum neu-Themenhefte „Texte gegen Intoleranz“ (2008), „Deutschland. Gedichte“ (2009), „Deutsche Inventuren“ (2012), „Gedichte von Welt“ (2014) oder jüngst in Form der Sonderausgabe „Worthaft. Texte politischer Gefangener“ (2018) sowie bei unseren Gedichtfilmwettbewerben „Worte sind Boote“ (2012) und „Poetry Clips gegen den Krieg“ (2014) – bei denen jeweils Gedicht- bzw. Filmautor(inn)en aus verschiedenen Ländern involviert waren.

Wir setzen uns auch ganz aktuell dafür ein, dass die Freiheit der Kunst bewahrt wird. Es ist deshalb nicht nur der „Spaßmacher Ringelnatz“, zu dessen Lyrikverfilmung wir gegenwärtig in Form unseres 4. Gedichtfilmwettbewerbs anregen, sondern sein Beispiel zeigt exemplarisch, dass die Freiheit der Kunst binnen weniger Tage verloren gehen kann, sobald Ermächtigungsgesetze und Machtstrukturen dies ermöglichen.

Mit unserer für 2019 geplanten „Worthaft“-Lesetour, bei der Autorinnen und Autoren an Schulen von ihren Haftgründen und -bedingungen unter der SED-Diktatur berichten werden, verdeutlichen wir, was es bedeutet, die Meinungsfreiheit zu verlieren.

Darüber hinaus haben wir zu Beginn des Monats deutschsprachige Lyrikerinnen und Lyriker eingeladen, sich an unserer Ausschreibung des Poesiealbum neu-Themenheftes „Heimat / Heimatverlust“ mit neuer Lyrik zu beteiligen. Gern bringen wir uns mit einer Auswahl der bisherigen und künftigen Veröffentlichungen in das Wirken „der Vielen“ ein, ohne jedoch als Organisatoren von Veranstaltungen und Aktivitäten federführend handeln zu können, dazu entbehrt es seit 2012 einer personellen Struktur.

Ralph Grüneberger im Namen des Vorstandes

Leipzig, im November 2018

My generation – Ankündigung der Herbstausgabe 2018

  • Veröffentlicht: 17.10.2018 · Zuletzt aktualisiert: 04.12.2018

Die Herbstausgabe 2018 der Zeitschrift „Poesiealbum neu“ erscheint erneut als Dreifachheft, das wird nicht nur die Abonnenten erfreuen.

Bekannte und unbekannte Namen, junge und ältere Schreibende aus mehreren Ländern vereint diese Ausgabe, die etwa ab Mitte November lieferbar sein wird (ausführliche Rezension in der Leipziger Internet Zeitung vom 29.11.2018). Der Abo-Versand erfolgt Anfang Dezember 2018. Genug Zeit also, um während der Weihnachtsfeiertage mit diesen über 100 Gedichten eine Nische zu finden.

Wer noch kein Abonnement des „Poesiealbum neu“  hat, sollte sich schnell dafür entscheiden und erhält die Frühjahrsausgabe „Vom Glück. Gedichte“ in einer Lieferung mit der Herbstausgabe (Ladenpreis 6,50 € plus 7,80€); als Inlands-Abonnent zahlt man ganze 12 € inkl. Versand, GZL-Mitglieder zahlen lediglich 10,50 € für das Abo).

Bitte beachten Sie die beiden Errata!

Bestellungen des Abonnements: kontakt@lyrikgesellschaft.de

Autorinnen und Autoren von „My generation“:

Gerd Adloff

Renate Aichinger

Johanna Anderka

Ingeborg Arlt

Michael Augustin

Veit Baer

Heinrich Beindorf

Heidi Bergmann

K.U. Robert Berrer

Franziska Beyer-Lallauret

Katrin Bibiella

Marlies Blauth

Rolf Blessing

Thomas Böhme

Rosa Both (Ps.)

Oliver Bruskolini

Stefanie Bucifal

Therese Chromik

Hannelore Crostewitz

Kathrin Ursula Daehne

Erika Dietrich-Kämpf

Ulrike Diez

Róža Domašcyna

Nicole Drude

Renate Düpmann

Katharina Düwel

Lina Sophie Duppel

Cornelia Eichner

Eckhard Erxleben

Tobias Falberg

Ronja Falkenstein

Siegmar Faust

Vinzenz Fengler

Katharina J. Ferner

Peter Frömmig

Marlena Hanna Gaul

Marlene Görsch

Anne Gollin

Dincer Gücyeter

Peter Gosse

Ralph Grüneberger

Gerhard Gundermann

Gisela Hemau

Kerstin Hensel

Dieter Höss

Alfons Huckebrink

Claus Irmscher

JE (Ps.)

jottpeh (Ps.)

Stefan Kabisch

Christine Kappe

Ada Charlotte Kilfitt

Manfred Klenk

Rudolf Kraus

Susanne Kriesmer

Josef Krug

Christoph Kuhn

Grit Kurth

Fitzgerald Kusz

Philipp Langes

Sigrid Lichtenberger

Robert Lowell

Britta Lübbers

Gustav Lüder

Salean A. Maiwald

Eva Meißner-Prinz

Gerd Meyer-Anaya

Ingrid Miller

Manfred Moll

Christoph Müller

Christina Müller-Gutowski

Erica Natale

Walter Neumann

Ingrid Niegel

Alexander Nitsche

Lutz Nitzsche Kornel

Klaus Nührig

Harry Oberländer

Jutta Pillat

Lutz Rathenow

Rainer Rebscher

Viola Richter-Jürgens

Wolfgang Rischer

Franziska Röchter

Joachim Rönneper

Andreas-Wolfgang Rohr

Jörn Sack

Bärbel Sanchez

Ulrich Schacht

Claudia Schattach

Laura Schmidt-Niederhoff

Maren Schönfeld

Ulrich Schröder

Ralph Schüller

Christiane Schulz

Marlene Schulz

Helga Schulz Blank

Wolfgang Stock

Ulrich Straeter

Heidrun Stödtler

Tina Stroheker

Angelika Tonner

Helle Trede

Dieter Treeck

Holger Teschke

Guntram Vesper

Julia Weberling

Renate Wunderer

Wolfgang Wurm

 

Titelbild unter Verwendung des Gemäldes „Familienausflug 2“ von Bibi Johns.

 

2 Errata

 

fitzgerald kusz (*1944)

rock´n´roll

 

des lehrmädlä in dä schneiderei

vo meinä großtante käthe

in berlin-schöneberg houd mä

di schduhllehnä zeichd

wous vo dä saalschlachd

bamm bill-haley-konzerd

im schboddbalasd

neizeähunderdachdäfuchzg

miidhammgnummä houd:

des woä mei erschde begechnung

midm rock´n´roll

 

hochdeutsch

 

das lehrmädchen in der schneiderei

meiner großtante käthe

in berlin-schöneberg hat mir

die stuhllehne gezeigt

die sie von der saalschlacht

beim bill haley-konzert

im sportpalast

neunzehnhundertachtundfünfzig

mitgenommen hat:

das war meine erste begegnung

mit dem  rock´n´roll

 


Alfons Huckebrink (*1953)

 

33 upm

oder

der nachmittag, als ich RUBBER SOUL erstand

 

und abhörte war der schönste

(bis anhin) IN MY LIFE wozu gar

nicht viel gehörte also ich kaufte

das vage vinyl nach der penne

 

vom letzten geld zog mich zurück

YOU WON’T SEE ME zog die Kopf

Hörer auf und ab gings DRIVE

MY CAR auch ich ein starr fühlte

 

ich ein starr mit meiner mofaliebe

ach du liebes GIRL auch ich an

jenem fernen nachmittag im finstren

dezember 65 eine ausnahme

 

erscheinung goldkäfer pfau gar

paneel in NORWEGIAN WOOD

zwar das streichholz zum zünden

der selbstgedrehten im blauen

 

rauch WAIT stöhnte MICHAELA

dann auftritt des vaters in strick

zeug in bembellaune und schaum

mundig als fachmann völkisch

 

bei IF I NEEDED SOMEONE riss

mir den kopfhörer weg ja spuckte

THE WORD aus: Negermusik ja

mein haus ist kein kraal kapierst du

 

ist eine kaserne yeah ein koben ich

WHAT GOES ON? schnarrte Ringo

RUN FOR YOUR LIFE dachte ich

spießer mit den drittreichdefekten

 

der nyltestseele I’M LOOKING

THROUGH YOU heutige jugend

an schlagmichel: kein schöner

leben als THINK FOR YOURSELF.

Text/Hörbuch: „Wassertropfen und Seifenblase“

  • Veröffentlicht: 16.08.2018 · Zuletzt aktualisiert: 03.09.2018

Zur Unterstützung unserer gleichnamigen Ausschreibung des 4. Gedichtfilmwettbewerbs und als Angebot an Wertschätzer dieser Dichtung veröffentlichen wir das Text/Hörbuch „Joachim Ringelnatz, Wassertropfen & Seifenblase. Ausgewählte Gedichte“

Das Text-/Hörbuch enthält 39 Gedichte, 5 davon auch in englischer Übertragung von Ernest A. Seemann.

Sprecher/innen: Steffi Böttger, Johannes Gabriel, Mayjia Gille, Axel Thielmann

Idee und Auswahl: Ralph Grüneberger

Preis: 9,95 €

Lieferbar ab Ende August

Verbindliche Bestellungen nehmen wir ab sofort entgegen, richten Sie diese bitte an: kontakt@lyrikgesellschaft.de oder senden Sie eine Postkarte oder einen Brief an Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig

„Worthaft. Texte politischer Gefangener“ erschienen

  • Veröffentlicht: 10.08.2018 · Zuletzt aktualisiert: 19.09.2018

Nach „Immer schneller. Schülergedichte“ (2012) und „Gedichte von Welt. Leipzigs Partnerstädte“ (2014) erscheint mit „Worthaft. Texte politischer Gefangener“ die 3. Sonderausgabe der Zeitschrift „Poesiealbum neu„.

Sie vereint Lyrik, Liedtexte, Prosa, Publizistik sowie umfangreiche Informationen zu den 50 Autorinnen und Autoren dieser von Ralph Grüneberger ausgewählten und zusammengestellten Ausgabe.

Der Dank gilt Siegmar Faust und Lutz Rathenow für ihre vielfältigen Vorschläge und Hinweise.

Gegenstand dieser Texte sind nicht allein die Haftbedingungen und -anlässe in der Sowjetisch besetzten Zone (SBZ) bzw. der späteren DDR. Mit den Rubriken „Der Gast“ und „Klassik“ kommen auch im Deutschen Kaiserreich  und während des Nationalsozialismus verfolgte Autoren zu Wort, ebenso ein zeitgenössischer Dichter aus der Türkei.

Mit großer Trauer gedenken wir unseres am 16. September 2018 gestorbenen Mitgliedes Ulrich Schacht und ehren ihn mit der Hervorhebung seines Gedichtes aus dieser Sonderausgabe:

Ulrich Schacht (1951-2018)

 

Ein Mensch zog aus

die Wirklichkeit zu finden.

so lange –

bis er sie fand: dunkel

war sie. Fast

Nacht.

Doch die Leute lachten

und meinten,

er sähe zu schwarz!

 

Die Herrschenden aber,

die durch Spitzel

über diesen Menschen

informiert wurden,

ließen ihn verhaften.

den,

der die Wirklichkeit

gefunden hatte.

 

Als die Leute das hörten,

flüsterten sie:

Das hat dieser Narr nun davon!

Warum musste er auch so

übertreiben.

 

Gefördert wurde diese Sonderausgabe (s. ausführliche Rezension Leipziger Internetzeitung 27.08.2018) vom Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Die Autorinnen und Autoren der Sonderausgabe:


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Ringelnatz-Gedichtfilm-Wettbewerb – Start am 7. August 2018

Joachim Ringelnatz, "Urtiere", Öl/LW, 1930

  • Veröffentlicht: 06.08.2018 · Zuletzt aktualisiert: 09.11.2018

Pünktlich 135 Jahre nach dem Tag, an dem der Lyriker, Erzähler und Vortragskünstler Joachim Ringelnatz als Hans Bötticher in Wurzen geboren wurde, schreibt die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik in Kooperation mit der Ringelnatz-Gesellschaft in Cuxhaven , dem Ringelnatz-Museum ebendort, dem Joachim-Ringelnatz-Verein in Wurzen und dem dortigen Kulturhistorischen Museum ihren 4. und bis auf weiteres letzten Gedichtfilmwettbewerb aus.

Bildeten bei den vergangenen Wettbewerben jeweils Gedichte aus Ausgaben der Zeitschrift „Poesiealbum neu“ den Anreiz für die Verfilmung, stehen diesmal sämtliche Gedichte des 1883 in Wurzen geborenen und 1934 in Berlin gestorbenen Dichters zur Auswahl. Für die Teilnahme wird keine Teilnahmegebühr erhoben, allerdings ist eine Anmeldung per E-Mail erforderlich. Der Wettbewerb ist bis zum 15. Juli 2019 offen. Zu gewinnen gibt es …


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Last Minute Weihnachtsempfehlung: DAS GEDICHT 26 – Ewigkeitswährung Lyrik

Doppelcover Der poetische Dreh / Wendepunkte, DAS GEDICHT 26

Empfehlung des Monats · Dezember 2018
Weihnachtsempfehlung von Jule Weinrot

Jedes Jahr wieder fragt sich die Gemeinschaft der DAS GEDICHT-Anhänger aufs Neue, womit Anton G. Leitner wohl diesmal überraschen wird. Hat er sich doch mit Melanie Arzenheimer, erste weibliche Spitze in der Präsidiumsliga der legendären Literatenvereinigung Münchner Turmschreiber und 2009 allererste Preisträgerin des mittlerweile zum Lyrikstier umbenannten publikumsträchtigen Spoken-Word-Lyrikwettbewerbs Hochstadter Stier, erstmalig eine Frau als Mitherausgeberin an Bord geholt,


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Über sieben Brücken musst du gehen

  • Veröffentlicht: 01.12.2018 · Zuletzt aktualisiert: 04.12.2018

Helmut Richter (*1933)


Über sieben Brücken musst du gehen

Manchmal geh ich meine Straße ohne Blick,
manchmal wünsch ich mir mein Schaukelpferd zurück.
Manchmal bin ich ohne Rast und Ruh,
manchmal schließ ich alle Türen nach mir zu.

Manchmal ist mir kalt und manchmal heiß,
manchmal weiß ich nicht mehr was ich weiß.
Manchmal bin ich schon am Morgen müd,
und dann such ich Trost in einem Lied.

Über sieben Brücken musst du gehn,
sieben dunkle Jahre überstehn,
siebenmal wirst du die Asche sein,
aber einmal auch der helle Schein.

Manchmal scheint die Uhr des Lebens still zu stehn,
manchmal scheint man immer nur im Kreis zu gehn.
Manchmal ist man wie von Fernweh krank,
manchmal sitzt man still auf einer Bank.

Manchmal greift man nach der ganzen Welt,
manchmal meint man, dass der Glücksstern fällt.
Manchmal nimmt man, wo man lieber gibt,
manchmal hasst man das, was man doch liebt.

Über sieben Brücken musst du gehen …

1978

Wir gratulieren unserem Mitglied Helmut Richter herzlich zum 85. Geburtstag.
Interview mit Helmut Richter https://www.mdr.de/kultur/radio/audio1024462.html

Verschlüsselung – Metamorphosen – Erinnerung: Beate Weston-Weidemanns „Partitur der leisen Geräusche“

Beate Weston-Weidemann: Partitur der leisen Geräusche, Gedichte

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 04.12.2018

Empfehlung des Monats · Dezember 2018
von Marianne Beese

 

 

 

 

 

Ein erster, flüchtiger Blick in den neuen Lyrikband von Beate Weston-Weidemann legt den Eindruck nahe, dass ihre Gedichte einfach, konkret und auf alltägliche Situationen Bezug nehmend, einherkommen. Dieser Eindruck aber verliert sich schnell und es wird vielmehr deutlich, dass sie Entschlüsselung erfordern oder, anders ausgedrückt, Vexierbildern gleichen, in denen das sprechende ‚Ich‘ oft erst gesucht werden muss.
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Heimat und Heimatverlust / Heimat als Sehnsuchts- und als Lebensort

  • Veröffentlicht: 01.11.2018 · Zuletzt aktualisiert: 09.12.2018

Neue Ausschreibung der Zeitschrift „Poesiealbum neu“

Im Zeitraum 1. November 2018 bis 31. Mai 2019 (Poststempel) schreibt die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. (GZL) die Beteiligung an der Herbstausgabe 2019 der Zeitschrift „Poesiealbum neu“ aus.

Ausschließlich auf dem Briefpostweg können bis zu drei, möglichst bislang unveröffentlichte Gedichte in deutscher Sprache und  in 2-facher Ausführung eingereicht werden. Die Gedichte sollten eine Länge von 35 Zeilen nicht überschreiten. Hinzuzufügen sind a) eine Kurzvita plus aktueller E-Mail-Adresse, b) die Erklärung, dass der kostenfreie Abdruck erlaubt wird, und c) die Zustimmung, dass die persönlichen Daten, die allein für den Zweck der Kommunikation und Registration Verwendung finden und keinesfalls an Dritte weitergegeben werden, gespeichert werden dürfen.

Bitte verzichten Sie auf Einsendungen per Einschreiben.

Kommt ein Gedicht für die Veröffentlichung in Betracht, setzt sich das „Poesiealbum neu“-Team mit der Autorin/dem Autor in Verbindung. Rückfragen oder Stellungnahmen zu den Einsendungen können nicht beantwortet bzw. geleistet werden. Sobald der Drucksatz abgeschlossen ist, werden auf der Webseite der GZL die Namen der Autorinnen und Autoren veröffentlicht, deren Gedicht in die Ausgabe zum Thema „Heimat/Heimatverlust“ Aufnahme fand. Mit ihrer/seiner Beteiligung an der Ausschreibung stimmt die Einsenderin/der Einsender diesem Verfahren ausdrücklich zu.

Jeder Autorin, jeder Autor des Heftes erhält ein Freiexemplar und nimmt mit ihrem/seinem unveröffentlichten Gedicht an der Auswahl für den „Poesiealbum neu“-Preis 2020 teil, der das beste Gedicht  des Jahrgangs 2019 prämiert.

***

In einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung vom 17. September 2018 äußert sich Konstantin Wecker zum Begriff „Heimat“:

„Das Wort ‚Heimat‘ kann überhaupt nichts dafür für das, was mit ihm angestellt wird. In dem Lied ‚Vaterland‘ habe ich geschrieben: ‚Heimat ist doch überall, / wo man sich damit segnet, / dass man, für Augenblicke nur, / sich endlich selbst begegnet.‘ Und Identität ist ja nicht teilbar, ich kann sie nur in mir finden. Und wem das nicht gelingt, der sucht sie bei den Identitären, in Nationalismus und im Völkischen.“

Peter Härtling, bis zu seinem Tod im Juli 2017 Mitglied der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, spricht in seiner 1979 in Ludwigsburg gehaltenen Rede den Begriff „Heimat“ ebenfalls an: „Heimat erfahren wir zweifach: als das uns Nächste und als das ersehnte Entfernteste. Wem die Synthese gelingt, den Bogen zwischen beiden zu schlagen, der hat Heimat.

Heimat – und das läßt die Angelegenheit schon heikel werden – bedeutet keineswegs Übereinstimmung mit dem Staat, selbst wenn er sich, um seiner Politik Grund zu geben, als Heimat ausgäbe, wie es immer wieder geschieht: Blut und Boden sollen sich vermengen, daß die üble Mixtur schwer an den Sohlen hafte und den Bürger treu im Land halte.“

Und wie steht es um jene, die vertrieben worden und wohl ein Zuhause, aber nicht wirklich eine Heimat haben? Auch ihnen sollten die Gedichte eine Stimme geben.

Hunderttausende Geflüchtete kamen Mitte dieses Jahrzehnts mit der sogenannten „Flüchtlingswelle“ nach Deutschland. Und auffällig werden meist nur die Straffälligen; einzelne beschädigen tausendfach das Erscheinungsbild ihrer Landsleute.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren Millionen Deutsche Vertriebene und haben sich und ihren Familien hunderte Kilometer von ihren Geburts- und den Sterbeorten ihrer Vorfahren eine neue Existenzgrundlage geschaffen. Die Assimilation führte längst dazu, dass ihre Nachkommen kaum mehr etwas von den Wurzeln des Familienstammes wissen. Zur massenhaften Umsiedlung von Ost nach West kam es bis und auch noch nach 1989.

„Ist Deutschland meine Heimat?“ fragen sich Menschen, deren Großeltern als Gastarbeit in dieses unser Land kamen, ja händeringend gerufen worden, wenn sie heutzutage Anfeindungen erleben.

An Begriffe wie Deutschtürken, Rußlanddeutsche, Rumäniendeutsche haben wir uns längst gewöhnt. Doch nach Heimat klingt das nicht. Dabei ist Heimat etwas Elementares, etwas sehr Persönliches, etwas, das das Menschsein ausmacht.

Oder auch nicht – würde wahrscheinlich ein Nomade widersprechen.

Die Einladung zum lyrischen Disput ist hiermit jedenfalls ausgesprochen.

Zehn Jahre nach unserer Ausgabe „Deutschland. Gedichte“ starten wir – mit erweitertem Blickwinkel – neu.

Leipzig, Zweimal Frühstück

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 31.10.2018

Klaus Nührig (*1958)
Leipzig,  Zweimal Frühstück

Der Hausherr kam am Morgen
Bis zur Wende ein Installateur
daher die Schätze an seinen Wänden
Gemälde vergangener Jahrhunderte
riesengroß
Auf Dachböden geborgen

In das eine verliebten wir uns
Wohl achtzehntes Jahrhundert
Italien
Die Menschen auf dem Meer
ganz klein

Von seiner Wohnung bis zum
Clara-Zetkin-Park
eine Minute

Wir aßen und lachten

18. Mai 2014

Quelle: Poesiealbum neu: „Leipzig im Gedicht. Lyrik & Prosaminiaturen“,
Leipzig 2015

Die besondere Edition Nr. 1

Die besondere Edition Nr. 1 – Peter Gosse zum Achtzigsten

Empfehlung des Monats · November 2018
von Franziska Röchter

Kein geringeres Ereignis als das 80-jährige Jubiläum des Leipziger Wortkünstlers, Dozenten, „Daidalos“ (Thomas Böhme) der Poesie und „Satyr aus Sachsen“ (Leipziger Internetzeitung*), Peter Gosse, diente als Anlass für die Veröffentlichung eines neuen literarischen Produktes der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. unter der Herausgabe Ralph Grünebergers: Die besondere Edition. In ihrer Nr. 1 kommen Wegbegleiter, Schüler, Künstlerfreunde, Verehrer und Zeitgenossen eines Dichters zu Wort, der wie kein anderer als „Lobender“ der literarischen Leistungen anderer das Können seiner poetischen Zeitgenossen und Schüler würdigt und den Ruf eines lebenslust- und leidenschafts-vollen Dichters und Wohltäters (Helfried Strauß) innehat.
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Veranstaltungen unserer Mitglieder

  • Veröffentlicht: 31.10.2018 · Zuletzt aktualisiert: 01.11.2018

Für die Literaturzeitschrift Tentakel, Literatur aus und für OWL, lesen am 06. Dezember, 19:00 Uhr, in der Buchhandlung Mondo, Elsa-Brändström-Straße 23, 33602 Bielefeld, Rolf Birkholz, Franziska Röchter und Michael Helm.

Worthaft. Eine Anthologie mit Texten politischer Gefangener

Worthaft. Texte politischer Gefangener. Sonderheft 2018 Poesiealbum neu

  • Veröffentlicht: 01.10.2018 · Zuletzt aktualisiert: 05.10.2018

Empfehlung des Monats · Oktober 2018
von Ralf Burnicki

 

 

 

 

„Ich halte den Band für bedeutsam.“

Im Westen Deutschlands aufgewachsen war mir die DDR fremd und als Herrschaftssystem nicht geheuer. Vielleicht fuhr ich damals gerade deshalb mehrfach nach Ostberlin und suchte auf dem Alexanderplatz einen Buchladen auf, um den Hauch einer Innensicht zu erhalten. Dort galt mein Interesse neben marxistischen Theoriebändchen unter anderem der Lyrik der DDR, und im Laufe der Jahre hatte ich mir einen kleinen Stapel Lyrikbände zusammengestellt. Warum griff ich zur Lyrik? Weil ich der Meinung war, dass man in Gedichten und zwischen den Zeilen die Hoffnungen der Menschen besser ablesen konnte als in den Verlautbarungen der staatlich zensierten Presse. 
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Förderer und Partner

Förderer


Kulturamt
der Stadt Leipzig

Kuratorium Haus des Buches e.V.

Partner

Bührnheims
Literatursalon
Die Gesellschaft für
zeitgenössische Lyrik e.V.
ist seit 1995 Mitglied in der
1986 gegründeten
Arbeitsgemeinschaft
literarischer
Gesellschaften und
Gedenkstätten e.V.