Das Jahr 2019 – Ein Rückblick

  • Veröffentlicht: 26.12.2019 · Zuletzt aktualisiert: 26.12.2019

Mit insgesamt 23 Veranstaltungen, davon 12 Veranstaltungen in Leipzig, weiteren 10 in Sachsen, einer in Berlin sowie der sechswöchigen Ausstellung „Worthaft-Bildhaft. Kunst politischer Gefangener“ in der Leipziger Galerie Süd haben wir als Lyrikgesellschaft im Jahr 30 nach dem Fall der Mauer ein vielfältiges Programm geboten.

Dazu zählten die Lesungen und Zeitzeugengespräche im Schulmuseum Leipzig, in Bibliotheken bzw. Gymnasien von Bautzen, Chemnitz, Grimma, Leipzig, Markkleeberg, Plauen und Reichenbach, desgleichen die Ehrung für den Schirmherrn der GZL, den Dichter Karl Krolow, aus Anlass von dessen 20. Todestag im Literaturhaus Leipzig, die Präsentationen unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ zur Leipziger Buchmesse sowie im Schillerhaus Leipzig, der New York-Abend im Café Eigler im Capa-Haus, die Ringelnatz-Veranstaltungen im Botanischen Garten der Universität Leipzig und während des Ringelnatz-Sommers in Wurzen sowie der Abend mit erotischer Lyrik am Valentinstag in der Leipziger Stadtbibliothek.

Wir danken sehr herzlich unseren Mitveranstaltern und Partnern, all den großzügigen Spenderinnen und Spendern, die das Jahresprogramm in dieser Vielfalt ermöglicht haben, danken dem Landtag des Freistaates Sachsen für die Förderung der „Worthaft-Lesetour“ und danken ebenfalls unserem Webmastr Torsten Hanke und usnerem Fotochronisten Gustav Franz, der eine Auswahl an „Ein-Blicken“ für diesen summarischen Rückblick getroffen hat.

Ralph Grüneberger im Namen des Vorstandes

Café Eigler am 27. September 2019
ebendort: Jörg Schneider, Axel Thielmann, Ralph Grüneberger, Mayjia Gille (vlnr)
Vor der Buchmesse-Lesung im Gohliser Schlösschen am 23. März 2019
Musikgedichte im Schillerhaus am 14. September 2019
„Der feine Gesang. Karl Krolow zu Ehren“ mit Prof. Wolfgang
Mayer König im Literaturhaus Leipzig am 27. August 2019

Poesiealbum neu: New York-Gedichte erschienen

  • Veröffentlicht: 22.12.2019 · Zuletzt aktualisiert: 30.12.2019

Als Nummer 2/2019 unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ haben wir zum Ende des Jahres unter dem Titel „Hauptstadt der Sehnsucht“ Gedichte zur Megametropole auf dem nordamerikanischen Kontinent veröffentlicht. Erstmals wurde in eine Ausgabe des „Poesiealbum neu“ ein Fotozyklus aufgenommen. Der Berliner Fotokünstler Antonius, der Kontakt zur Lyrikgesellschaft seit seinem Gewinn beim Gedichtfilmwettbewerb „Tugenden & Sünden“ hält (hier erhielt er mit der Edelfeder der Waldmann KG den Preis für die besondere Handschrift), ist ein Kenner dieser Weltstadt und bietet dem Betrachter Blickwinkel fern der touristischen Abziehbilder.

„Hauptstadt der Sehnsucht. New York-Gedichte und Fotografien“ umfasst 82 Seiten und kostet 8,70 € und ist ab sofort über die E-Mail-Adresse der GZL kontakt@lyrikgesellschaft.de bestellbar, die Auslieferung erfolgt zu Beginn des neuen Jahres. Eine ausführlich Rezension der Ausgabe findet sich in der Leipziger Internetzeitung vom 26.12.2019.

Die Ausgabe 2/2019 enthält Gedichte und einige Übersetzungen ins Amerikanische von

Johanna Anderka

Michael Augustin

Eva-Maria Berg

Heidi Bergmann

Hartmut Brie

Ingo Cesaro

Ulrike Diez

Siegmar Faust

Julietta Fix

Peter Frömmig

Christine Graf

Ralph Grüneberger

Gisela Hemau

Dieter Höss

Ron Horwege

Nikola Huppertz

Yehuda Hyman

Christine Kappe

Paul Alfred Kleinert

Stephan Krawczyk

Gabriele Kromer

Augusta Laar

Joanna Lisiak

Salean A. Maiwald

Wolfgang Mayer König

Walter Neumann

Undine Marion Pelny

Utz Rachowski

Jörg Seifert

Gabriele Stötzer

Daniel Stojek

Monika Taubitz

Holger Teschke

Martin A. Völker

Eine auf 20 Exemplare limitierte Sonderausgabe, die von Ralph Grüneberger und Antonius signiert wurde, enthält eine DVD des gemeinsamen Gedichtfilms „12. September“ sowie einen von Antonius signierten Metall-Fotoprint (Format 20 x 30 cm) und kostet 55,55 €. Die Einnahmen sollen dabei helfen, 2020 eine Präsentation dieser Ausgabe zu finanzieren. Verbindliche Bestellungen bitte ebenfalls an kontakt@lyrikgesellschaft.de richten.

Ringelnatz‘ Ameisen haben es nicht bis nach Australien geschafft, aber der Hauptpreis schafft es

  • Veröffentlicht: 01.10.2019 · Zuletzt aktualisiert: 16.12.2019

Die Ameisen

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee,
Da taten ihnen die Beine weh,
Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Teil der Reise.

So will man oft und kann doch nicht
Und leistet dann recht gern Verzicht.

Marie Craven aus Palm Beach in Australien ist die Gewinnerin des vierten von Ralph Grüneberger initiierten Gedichtfilmwettbewerbs, den die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik ausgelobt hat; er galt diesmal der Lyrik des als Hans Gustav Bötticher in Wurzen geborenen Schriftstellers Joachim Ringelnatz, der sich dieses Pseudonym vor genau 100 Jahren gab. Craven erhält den Preis für ihren Film „Die Ameisen“, den die Filmproduktionsfirma Saxonia Media gestiftet hat. Mit einer Einladung zur Leipziger Buchmesse 2020 werden Jo van Nelsen aus Frankfurt am Main und Silvia Nitzsche aus Berlin für ihren Film „Kindergebetchen Nr. 3“ ausgezeichnet, die Hotel- und Reisekosten übernimmt die Leipziger Buchmesse. Der Sonderpreis für die beste Einsendung von unter 18-Jährigen geht an die Geschwister Laurie (11) und Liliy-Belle Mohaupt (14) aus North Berwick in Schottland für ihren Animationsfilm „Abzähl-Reime“. Das Preisgeld stellte das Kulturhistorischen Museums Wurzen bereit. Den Preis des Joachim-Ringelnatz-Vereins Wurzen, einen 2-tätigen Hotelaufenthalt in der Ringelnatz-Geburtstadt, erhielt Erik Lemke aus Berlin für seinen Kurzspielfilm „Das Rezept“ und wird 2020 nach Wurzen reisen. Ebenfalls auf einen 2-tägigen Aufenthalt kann sich für seinen Film „Zu dir“ der gleichfalls in Berlin lebende Fotograf Antonius freuen, er ist demnächst Gast des Ringelnatz-Hotels Rostock-Warnemünde. Den Sonderpreis der Waldmann KG, einen Edelfüllfederhalter in Sterlingsilber, erhält für „Die besondere Handschrift“ Claudia Edermayer aus Linz in Österreich für ihren Film „Übergewicht“.

Die hohe Beteiligung von Schülerinnen und Schülern an diesem Wettbewerb zeigt sich gerade anhand der vergebenen Geld- und Sachpreise. So erhalten die Teams zweier Grundschulen in Schwedt und Templin für ihre Filme „Die Briefmarke“ und „Heimatlose“, die unter der künstlerischen Leitung von Gabriele Zorn entstanden sind, zugleich einen Geldpreis der Ringelnatz-Gesellschaft Cuxhaven sowie Eintrittskarten für den Zoo Leipzig, die die Sparkasse Leipzig für die 46 Schülerinnen und Schüler und ihre Begleiter bereitstellt. Ebenfalls einen Gruppenpreis erhalten 28 ehemalige Schülerinnen und Schüler der 12. Klassen des Leibniz-Gymnasiums in Leipzig sowie acht Hamburger Jugendliche und ihre Begleiter. Sie alle werden den Belantis-Park besuchen. Die Vergabe dieses Zusatzpreises ermöglichte das SAEK-Förderwerk für Rundfunk und neue Medien. Insgesamt konnten dank der Unterstützung aller genannten Sponsoren Geld- und Sachpreise im Wert von über 2.800 € vergeben werden.

Am Welttag der Poesie 2020, am 21. bzw. 22. März, werden in 12 deutschen Städten in Ost und West die besten Ringelnatz-Gedichtfilme gezeigt. Geplant ist außerdem für das nächste Jahr die Herstellung einer DVD mit 20-25 der besten Einsendungen.

Leipzig, 1. Oktober 2019

Wassertropfen & Seifenblase. Filme zur Lyrik von Joachim Ringelnatz
Auswertung des Wettbewerbs im Einzelnen

Preis I / Geldpreis der Filmproduktionsgesellschaft Saxonia Media: 500 € erhält Marie Craven, Palm Beach, Australia, für den Film „Die Ameisen“

Marie Craven gelang eine kurze und pointierte Animation, die mit viel Witz und Charme auf das Gedicht antwortet. Der mit Hamburger Einschlag gesprochene Voice Over unterstreicht die Komik des Gedichts „Die Ameisen“ von Joachim Ringelnatz. Die Collagen aus Comic- und Magazinbilder sowie der Bilderfluss sind sehr gut auf den Text abgestimmt und spielen gekonnt mit ihm.

Preis II / Sachpreis der Leipziger Buchmesse: Gast der Leipziger Buchmesse 2020 (zwei Übernachtungen für 2 Personen, inkl. Reisekosten u. Eintrittskarten) geht an Jo van Nelsen (Frankfurt/M.) und Silvia Nitzsche (Berlin), für den Film „Kindergebetchen Nr. 3“

Das Diminutiv dieses Ringelnatz-Gedichts entmystifiziert Ringelnatz selbst durch seinen kontrastiven und provozierenden Text. Allein dieser zeigt philosophisch, wie verbrämend Sprache sein kann und dass sein „Kindergebetchen“ rein gar nichts, mit der Realität zu tun hat. Ein hochaktueller Text, der künstlerisch von Jo van Nelsen und Sylvia Nitzsche visuell und narrativ umgesetzt wurde. Denn ihr gelingt es, diesem Gedicht neben der auditiven und der visuellen noch eine ganz eigene narrative Erzählebene beizugeben. Ein Kompliment an die Filmemacherin und dieser Gedichtfilm gehört in jeden Deutsch- und Ethikunterricht!

Preis III / Geldpreis der Ringelnatz-Gesellschaft Cuxhaven: 300 € (je 150 € an beide Gruppen) erhalten die Teams der Grundschule am Egelpfuhl, Templin, und der Bertolt Brecht Grundschule in Schwedt für die Filme „Heimatlose“ und „Die Briefmarke“; Künstlerische Leiterin Gabriela Zorn

Der Gedichtfilm „Heimatlose“ der Klasse 4a der Grundschule „Am Egelpfuhl“ in Templin überzeugt durch Witz, Phantasie und filmisches Können. Ein Junge, der auf einer Toilette Radio hört, bildet die Rahmenhandlung, wobei das ringelnatzsche Gedicht originell und wie nebenbei in die Handlung einfließt. Neben den Spielfilmanteilen gibt es dokumentarische Passagen, in denen Kinder über ihr Verständnis von Heimat sprechen, und letztlich kommt sogar noch ein Trickfilmmeerschweinchen dazu. „Heimatlose“ ist eine im besten Sinne unberechenbare, kleine Filmwundertüte.

In dem Gedichtfilm „Die Briefmarke“ wird in einem raffiniert gemachten Gespräch zwischen Briefmarken auf das eigentliche Gedicht „Die Briefmarke“ von Joachim Ringelnatz hingeführt. Mit gekonntem Witz, schönen Ideen und viel Liebe zum Detail gelingt es den Schülerinnen und Schülern sowie dem Team von Gabriela Zorn, die fantasievolle Bilderwelt des Dichters einzufangen. 

Preis IV / Sachpreis des Joachim-Ringelnatz-Vereins Wurzen: Hotelaufenthalt in der Ringelnatz-Stadt Wurzen (zwei Übernachtungen für 2 Personen); ausgezeichnet wird Erik Lemke, Berlin, für „Rezept“

Der Spielfilm „Rezept“ von Erik Lemke macht überaus deutlich, mit wie viel Phantasie sich Joachim Ringelnatz ein sehr ungewöhnliches Rezept ausgedacht hat. Schnitt, Schauspiel, Musik und Gedicht ergänzen sich hervorragend und kreieren eine sehr schöne kurze Geschichte mit einem spannenden Ausgang.

Preis V / Sachpreis des Hotels Ringelnatz Rostock-Warnemünde: Hotelaufenthalt (zwei Übernachtungen für 2 Personen) geht an Antonius, Berlin, für „Zu dir“

Dieser Film zu dem Ringelnatz-Gedicht „Zu Dir“ ist eine gelungene visuelle Annäherung an das Leben und Wirken Ringelnatz‘. Visuell gelungen ist nicht nur die Komposition der Ringelnatz-Bilder, sondern ebenfalls eine Interpretation des Wirkens durch eine Veränderung einer schwarz-weißen zu einer bunten Welt. Auch auditiv überzeugt der Film durch die jeweiligen Geräuschkulissen und ermöglicht dadurch eine Authentizität zwischen Ringelnatz als Gedicht-Autor und Maler. Ganz nebenbei entdecken wir mit diesem Gedichtfilm eine ganz neue Seite von Ringelnatz, die noch nicht so bekannt ist. Eine wunderbare filmische Entdeckung!

Sonderpreis I / Sachpreis der Waldmann KG: Edelfüllfederhalter in Sterlingsilber für „Die besondere Handschrift“ erhält Claudia Edermayer, Linz, Österreich, für „Übergewicht“

Sehr kompakt, sehr strukturiert, stringent und überraschend gestaltet Claudia Edermayer eine ganz eigene Kurzgeschichte des „Übergewichts“, erzählt, wie ein Wal auf eine Waage „fällt“. In wenigen Minuten eine solche mit einem narrativen Spannungsbogen bis zum Ende versehene Geschichte zu erzählen und gelungen zu visualisieren, ist ein Glücksfall für diesen Wettbewerb. Kompliment zu diesem Film!

Sonderpreis II / Geldpreis des Kulturhistorischen Museums Wurzen: 200 € für eine/n Filmemacher/in unter 18 Jahre (es gilt der Zeitpunkt der Einsendung) erhalten die Kinder Laurie Mohaupt (11) und Liliy-Belle Mohaupt (14), North Berwick, Scotland. Der Film der Geschwister entstand unter der Regie des Vaters Dr. Holger Mohaupt.

Der Film „Abzähl-Reime“ erzeugt Spannung und Witz, indem sich ein Nichtmuttersprachler durch die verrückten Ringelnatzschen Verse mühsam, stockend und zum Teil auch mit falschen Betonungen hindurchschlingelt. Es entsteht ein charmanter sprachlicher Verfremdungseffekt, der auch filmisch originell umgesetzt wurde.

Gruppenpreis I / Sachpreis der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig: Eintrittskarten für den Leipziger Zoo geht an beide Teams aus Templin und Schwedt (Begründung siehe Preis III)

Gruppenpreis II: Eintrittskarten in den Belantispark geht an 8 Schülerteams der 12. Klasse Leibnizschule-Gymnasium Leipzig, Projektleitung Grit Kurth, für die acht Filmbeiträge des Leibniz-Gymnasiums in Leipzig. Hervorzuheben sind dabei die Filme „Nachtwanderung“, „Zeitversprengte Freunde“ und „Zwischen meinen Wänden“, die filmisch und schauspielerisch am meisten überzeugen konnten.

Gruppenpreis III:  Eintrittskarten in den Belantispark erhalten 8 Jugendliche aus Hamburg, die unter der künstlerischen Leitung von Bertolt Hering mit viel Spielfreude und Einfallsreichtum in einem Ferienkurs mehrere Gedichte von Joachim Ringelnatz unter dem Titel „Der Schatz von Ringelnatz“ entwickelt und gedreht haben.

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Jury: Dr. Uta Corsa, Carl-Christian Elze, Thomas Zandeciagomo Del Bel

Idee, Leitung und Organisation: Ralph Grüneberger

Mitarbeit: Klaus Nührig, Dr. Stefan Kabisch, Elke Zorn

Leipzig, im September 2019

Heimat/Heimatverlust – diese Ausgabe erscheint erst 2020

  • Veröffentlicht: 19.08.2019 · Zuletzt aktualisiert: 01.09.2019

Änderung bei der Frühjahrsausgabe 2020 der Zeitschrift „Poesiealbum neu“

Bis Anfang Juni 2019 erreichten uns Zusendungen aus 10 Ländern. Um die hohe Zahl der Einsendungen angemessen zu bearbeiten, macht sich eine Verschiebung des Erscheinungstermins notwendig. Es ist vorgesehen, die Gedichte zum Thema „Heimat/Heimatverlust“ zur Leipziger Buchmesse 2020 vorzustellen und die Präsentation mit dem Erscheinungstermin zu verbinden. Alle Autorinnen und Autoren, von denen ein Gedicht in der Zeitschrift Aufnahme findet, erhalten November/Dezember 2019 schriftlich Bescheid. Von telefonischen oder schriftlichen Rückfragen bitten wir nach wie vor abzusehen. Um diese im Einzelnen zu bearbeiten, sind wir personell nicht in der Lage.

Wir bitten dafür um Verständnis. Es ist die erste Terminverschiebung in 13 Jahren. Die Fülle an Zusendungen hat uns überwältigt. Dank an alle, die sich an unserer Ausschreibung beteiligt haben.

Der Einsendetermin für das Thema „Poesie und Narrheit“ bleibt bestehen. Das Erscheinen dieser Ausgabe verschiebt sich allerdings um ca. 6 Monate auf den Herbst 2020.

Hinweis für Abonnenten: Im Herbst d.J. erscheinen als 2. Ausgabe 2019 Gedichte zu New York, von denen einige im Zusammenhang mit unserem New-York-Abend am 27. September im Café Eigler (das im Capa-Haus ansässig ist) vorgestellt werden.

VERLÄNGERT BIS 31.10.19 (POSTSTEMPEL)!„Poesie und Narrheit“ – gesucht werden Gedichte und Notate

  • Veröffentlicht: 01.07.2019 · Zuletzt aktualisiert: 13.10.2019

„Poesie und Narrheit“ – gesucht werden Gedichte und Notate

„Poesiealbum neu“ 1/2020 zu Ehren von Friedrich Hölderlin

Dass ein wirkliches Gedicht nicht altert, zeigt uns Hölderlins „Hälfte des Lebens“, das zu seinen bekanntesten gehört und vor 215 Jahren das erste Mal veröffentlicht wurde. Um ihn zu ehren, dessen Geburtstag sich im nächsten Jahr zum 250. Mal jährt, widmen wir unsere „Poesiealbum neu“-Ausgabe im II. Halbjahr 2020 Friedrich Hölderlin.

Sein Wesen und Wirken wurde – wie wohl bei keinem zweiten deutschen Dichter – als „Poesie“ in Verbindung mit „Narrheit“ definiert. Beides sollte ihm im Universitätsklinikum Tübingen ausgetrieben werden. Dass das Begriffspaar „Poesie und Narrheit“ sehr wohl zusammenpasst, wollen wir fast drei Jahrhunderte später mit Analogien bekräftigen. Gewiss ist, dass Menschen, zumal Dichtern, in Zeiten der Unfreiheit der postulierte Freiheitswille als Irr-Glaube bescheinigt wurde. Nicht von ungefähr ist Hölderlins Freiheitsbegriff ein himmlischer wie auch seine Dichtung voller mythologischer Bezüge ist. Insofern freut es uns, dass die Premiere dieser Ausgabe im Spätsommer 2020 im Verbund mit dem Arbeitskreis Vergleichende Mythologien e.V., der im nächsten Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert, stattfinden wird.

Im Zeitraum 1. Juli bis 15. Oktober 2019 laden wir ein, sich mit bis zu drei Gedichten und/oder Notaten mit Bezügen speziell zu Friedrich Hölderlin oder allgemeiner zu den Themen Freiheit und Lebenshälfte zu beteiligen. Eine Einsendung kann also praktisch allen drei Vorgaben und beiden Genres gelten.

Auf dem Postweg können bis zu drei, möglichst bislang unveröffentlichte Texte in deutscher Sprache und in 3-facher (!) Ausführung auf je einer eigenen Seite eingereicht werden. Die Gedichte bzw. Notate sollten eine Gesamtlänge von 35 Zeilen (inklusive Titel, Verfassername, Leerzeilen) nicht überschreiten und dem Layout unserer Zeitschrift entsprechen (Zeilenlänge beachten!).

Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.

Haus des Buches
Gerichtsweg 28
04103 Leipzig

Hinzuzufügen sind eine Kurzvita plus aktueller E-Mail-Adresse, die Erklärung, dass der kostenfreie Abdruck erlaubt wird, und die Zustimmung, dass die persönlichen Daten, die allein für den Zweck der Kommunikation und Registration Verwendung finden und keinesfalls an Dritte weitergegeben werden, gespeichert und für eine Veröffentlichung (Ankündigung) auf unserer Webseite verwendet werden dürfen.

Verzichten Sie bitte auf Einsendungen per Einschreiben; wir haben nicht die Kapazität, diese vom Postamt abzuholen.

Kommt ein Gedicht oder Notat für die Veröffentlichung in Betracht, setzt sich das „Poesiealbum neu“-Team mit der Autorin/dem Autor in Verbindung. Rückfragen oder Stellungnahmen zu den Einsendungen können nicht beantwortet bzw. geleistet werden. Sobald der Drucksatz abgeschlossen ist, werden auf der Webseite der GZL die Namen der Autorinnen und Autoren veröffentlicht, deren Text in die Ausgabe zum Themenkomplex „Freiheit. Lebensherbst. Hölderlin“ Aufnahme fand. Mit ihrer/seiner Beteiligung an der Ausschreibung stimmt die Einsenderin/der Einsender diesem Verfahren ausdrücklich zu.

Jeder Autorin, jeder Autor des Heftes erhält ein Freiexemplar und nimmt mit ihrem/seinem unveröffentlichten Gedicht an der Auswahl für den „Poesiealbum neu“-Preis 2021 teil, der das beste Gedicht des Jahrgangs 2020 prämiert. Die Notate können in diesem Format leider nicht berücksichtigt werden. Aber wir finden eine andere Möglichkeit, um den/die Verfasser/in des besten Notates zur Leipziger Buchmesse 2021 auszuzeichnen.

Wer Gedichte bzw. Notate mit Bezug zu Leben und Werk Hölderlins einreicht, diesen bzw. diese bitten wir, den Bezug in Form einer ausführlichen Anmerkung zu begründen und ggf. mit einem Werkauszug und einem Quellenverweis zu belegen.

Leipzig, im Juni 2019 / Änderung des Erscheinungszeitraums: Spätsommer 2020

Zwischenruf des Vorsitzenden bzw. Wir können nicht keinem Geld noch welches nachwerfen!

  • Veröffentlicht: 04.02.2019 · Zuletzt aktualisiert: 28.09.2019

EIN OFFENER BRIEF an die Abteilungsleiterin Kulturförderung Antje Brodhun und den Fachbeirat Literatur

Sehr geehrte Frau Brodhun, sehr geehrte Fachbeiräte Literatur Maria Hummitzsch, Regine Möbius, Dr. Sibille Tröml, Claudius Nießen, Ulrich Kiehl und Jan Wenzel!

Gestern hatten wir für dieses Kalenderjahr die letzte öffentliche Veranstaltung der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik in Leipzig, die wiederum von den Leipzigern (und ihren Gästen) begeistert aufgenommen wurde. Sie gehört zum Programmangebot der Leipziger Interkulturellen Wochen und gleichzeitig zu den 12 Veranstaltungen in diesem Jahr, für die uns die im September 2018 beantragte Förderung des Kulturamtes Leipzig versagt wurde.

Gemeinsam mit der dankenswerterweise (singulär) vom Kulturamt geförderten Veranstaltung zu Ehren unseres Schirmherrn Karl Krolow im Literaturhaus Leipzig am 27.8.19 und den anderen nichtgeförderten Kulturangeboten, dem Ringelnatz-Abend im Botanischen Garten der Universität Leipzig (13.9.19) sowie der Vorstellung der „Musikgedichte“ im Leipziger Schillerhaus am Tage darauf, haben wir mit dem gestrigen New-York-Abend im Café Eigler im Capa-Haus in den vergangenen 4 Wochen das Kulturangebot am Sitz der internationalen Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik spürbar bereichert.

Realität geworden ist dies durch die Spendenbereitschaft vieler unserer Mitglieder und weiterer Gönner, die unser diesjähriges Veranstaltungsangebot „allein auf dem Papier“ bereits wertschätzten und es mit ihrer Spende unterstützt und ermöglicht haben.

Allerdings war zu keiner der genannten jüngeren Veranstaltungen ein/e Vertreter/in des städtischen Kulturamtes bzw. des Fachbeirates Literatur zugegen. Lediglich ein Mitglied des Fachbeirates Literatur hat sich im März d.J. über die Vernissage „Worthaft – Bildhaft. Kunst politischer Gefangener“ in der Leipziger Galerie Süd informiert; eine Veranstaltung, dem das Kulturamt – nach Maßgabe des Fachbeirates und mit Zustimmung des Kulturausschusses – ebenfalls die Priorität einer Förderung abgesprochen hat.

Wenn Sie das als Abteilungsleiterin Kulturförderung im Kulturamt der Stadt Leipzig ganz objektiv einschätzen, müssten Sie sich fragen: Woher nehmen die Fachbeiräte das Beurteilungsvermögen, um das Veranstaltungsangebot der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. für Leipzig als nicht förderungswürdig zu erachten?

Haben Sie eine Antwort darauf?

Mit freundlichen Grüßen

Ralph Grüneberger

Vorsitzender und Initiator der aufgeführten Veranstaltungen

Leipzig, am 28. September 2019

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Wir sind der einzige (und zudem mitgliederstärkste) Literaturverein in Leipzig, der seit 1997 alljährlich Lyrikveranstaltungen anbietet.
 
Im Februar 2019 wurde unser im September 2018 eingereichter Projektantrag, der 12 Veranstalungen – mit ganz unterschiedlichen Beteiligten und ebenso unterschiedlichen Formaten an verschiedenen Orten enthielt – als nicht förderungswürdig erachtet. Zu den 12 Veranstaltungen zählten die Lesung mit dem Leipziger Buchpreis- und Erich-Loest-Preisträger Guntram Vesper, die Vernissage der Ausstellung „Worthaft – Bildhaft. Kunst politischer Gefangener“, die Präsentation der aktuellen Poesiealbum neu– Ausgabe „Größe spüren. Musikgedichte“ im Schillerhaus Leipzig und der New-York-Abend mit Film, Fotografie, Lyrik, Prosa und Musik im Capa-Haus.
Gegen den Ablehnungsbescheid haben wir fristgemäß Widerspruch eingelegt; das Widerspruchsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Im Juli hat uns das Kulturamt eine Anhörung eingeräumt.
 
Der im Februar 2019 gestartete Spendenaufruf hat uns in die Lage versetzt, einen Teil der geplanten Veranstaltungen dennoch zu realisieren.
 
Fast allen Spender/innen habe ich ab einer Spende von 12 € ein signiertes Exemplar meiner Gedichtausgabe „Ich habe die Schönheit gesehen. Liebesgedichte in vier Sprachen“ zusenden können. Weitere Versendungen folgen.
 
 
Übersetzer der Gedichte sind Ron Horwege (engl.), Rüdiger Fischer (franz.) und Alexander Schmidt (russ.). Gestaltet hat die limitierte Ausgabe Torsten Hanke.
 
In der Hoffnung auf weitere Spenden verbleibt die Bankverbindung auf der Webseite:
 
Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.

Vereins- und Spendenkonto

IBAN: DE63 8605 5592 11 00 8010 53
SWIFT-BIC: WELADE8LXXX
Sparkasse Leipzig

Senden Sie bitte nach der Überweisung eine Mail an kontakt@lyrikgesellschaft.de mit der Angabe Ihrer Adresse und Sie erhalten das signierte Exemplar zugesandt.

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ERGÄNZUNG

Wir können nicht keinem Geld noch welches nachwerfen!

Mit Datum 29.7.19 hat der Vorstand der GZL nach der Anhörung am 12. Juli den Widerspruch zurückgezogen, um finanziellen Schaden von der Lyrikgesellschaft abzuwenden. Der Beschluss des Vorstandes wurde mit einfacher Mehrheit gefasst, zwei Vorstandsmitglieder enthielten sich der Stimme.

Bei der Anhörung wurden uns folgende „Fördereckpunkte“ verdeutlich: Neues bieten, neue Kooperationen bilden, neue Akteure einbeziehen, neue Formate schaffen, neue Zielgruppen finden.

Schaut man sich daraufhin nochmals unseren Antrag vom September 2018 an, wird deutlich, dass wir bei der Antragstellung auf Vielfalt geachtet haben, verschiedene Zielgruppen angesprochen haben, ohne jedoch das, was sich bewährt hat (Lesung im Gohliser Schlösschen seit 2007 bzw. erfolgreiche Kooperation mit dem Botanischen Garten seit 2017) in diesem Jahr vernachlässigen zu wollen.

Im Plan für 2019 gibt es ganz neue Veranstaltungsorte: Café Eigler im Capa-Haus, Galerie Süd, Bührnheims Literatursalon und Schillerhaus.

Darüber hinaus wurden für 2019 neue Mitwirkende avisiert: Die Sax’n, Carsten Pfeiffer, Frederic Böhle, Blanche Kommerell, Jutta Rosenkranz.

Ebenso wurden ganz neue Formate angeboten: Foto, Film, Lyrik und Musik an einem Abend, ebenso einer Vernissage mit Kunst von politischen Gefangenen und einen Abend zu Mascha Kaleko.

Dass all das nicht als förderungswürdig erachtet wird, ist im Grunde unvorstellbar und eine Schande für diese Stadt. Desgleichen gilt für ein Widerspruchs“verfahren“, das den, der der Entscheidung widerspricht, praktisch handlungsunfähig macht, indem ihm erklärt wird, es gäbe – selbst wenn es ihm gelänge, einen Fehler im bürokratischen Ablauf zu finden – ohnehin keine Korrektur, denn einer inhaltliche Fehlbewertung kann nicht widersprochen werden.

Wortmeldung: Für Vielfalt

  • Veröffentlicht: 03.12.2018 · Zuletzt aktualisiert: 01.07.2019

U.a. von der Leipziger Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke aufgefordert, uns der Kampagne „Die Vielen“ anzuschließen, melden wir uns zu Wort und stellen es gleichzeitig all unseren Mitgliedern anheim, sich dieser Aktion anzuschließen: Berliner Erklärung.

Die 1992 gegründete Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, der derzeit Mitglieder aus acht Ländern angehören, verpflichtet sich in ihrer Satzung „im Geist von Toleranz und Völkerverständigung“ zu agieren. Das haben wir mit unserer Arbeit immer wieder unter Beweis gestellt, sei es durch Veranstaltungsreihen von „Heimat und Fremde“ (1993-95) bis ZWIE SPRACHE (seit 2013), unsere Ausstellung „gegen den strom“, die bisher mehr als 36.000 Besucher zählt, und Veröffentlichungen der Poesiealbum neu-Themenhefte „Texte gegen Intoleranz“ (2008), „Deutschland. Gedichte“ (2009), „Deutsche Inventuren“ (2012), „Gedichte von Welt“ (2014) oder jüngst in Form der Sonderausgabe „Worthaft. Texte politischer Gefangener“ (2018) sowie bei unseren Gedichtfilmwettbewerben „Worte sind Boote“ (2012) und „Poetry Clips gegen den Krieg“ (2014) – bei denen jeweils Gedicht- bzw. Filmautor(inn)en aus verschiedenen Ländern involviert waren.

Wir setzen uns auch ganz aktuell dafür ein, dass die Freiheit der Kunst bewahrt wird. Es ist deshalb nicht nur der „Spaßmacher Ringelnatz“, zu dessen Lyrikverfilmung wir gegenwärtig in Form unseres 4. Gedichtfilmwettbewerbs anregen, sondern sein Beispiel zeigt exemplarisch, dass die Freiheit der Kunst binnen weniger Tage verloren gehen kann, sobald Ermächtigungsgesetze und Machtstrukturen dies ermöglichen.

Mit unserer gegenwärtigen „Worthaft“-Lesetour, bei der Autorinnen und Autoren an Schulen von ihren Haftgründen und -bedingungen unter der SED-Diktatur berichten werden, verdeutlichen wir, was es bedeutet, die Meinungsfreiheit zu verlieren.

Darüber hinaus haben wir 2018/19 deutschsprachige Lyrikerinnen und Lyriker eingeladen, sich an unserer Ausschreibung des Poesiealbum neu-Themenheftes „Heimat / Heimatverlust“ mit neuer Lyrik zu beteiligen. Gern bringen wir uns mit einer Auswahl der bisherigen und künftigen Veröffentlichungen in das Wirken „der Vielen“ ein, ohne jedoch als Organisatoren von Veranstaltungen und Aktivitäten federführend handeln zu können, dazu entbehrt es seit 2012 einer personellen Struktur.

Hier ein aktueller Artikel von Christina Sticht zum Thema „Kultur lebt von unterschiedlichen Einflüssen“ aus der nmz vom 14.01.2019.

Ralph Grüneberger im Namen des Vorstandes

Leipzig, im Juli 2019

Text/Hörbuch: „Wassertropfen und Seifenblase“

  • Veröffentlicht: 16.08.2018 · Zuletzt aktualisiert: 03.09.2018

Zur Unterstützung unserer gleichnamigen Ausschreibung des 4. Gedichtfilmwettbewerbs und als Angebot an Wertschätzer dieser Dichtung veröffentlichen wir das Text/Hörbuch „Joachim Ringelnatz, Wassertropfen & Seifenblase. Ausgewählte Gedichte“

Das Text-/Hörbuch enthält 39 Gedichte, 5 davon auch in englischer Übertragung von Ernest A. Seemann.

Sprecher/innen: Steffi Böttger, Johannes Gabriel, Mayjia Gille, Axel Thielmann

Idee und Auswahl: Ralph Grüneberger

Preis: 9,95 €

Lieferbar ab Ende August

Verbindliche Bestellungen nehmen wir ab sofort entgegen, richten Sie diese bitte an: kontakt@lyrikgesellschaft.de oder senden Sie eine Postkarte oder einen Brief an Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig

„Worthaft. Texte politischer Gefangener“ erschienen

  • Veröffentlicht: 10.08.2018 · Zuletzt aktualisiert: 19.09.2018

Nach „Immer schneller. Schülergedichte“ (2012) und „Gedichte von Welt. Leipzigs Partnerstädte“ (2014) erscheint mit „Worthaft. Texte politischer Gefangener“ die 3. Sonderausgabe der Zeitschrift „Poesiealbum neu„.

Sie vereint Lyrik, Liedtexte, Prosa, Publizistik sowie umfangreiche Informationen zu den 50 Autorinnen und Autoren dieser von Ralph Grüneberger ausgewählten und zusammengestellten Ausgabe.

Der Dank gilt Siegmar Faust und Lutz Rathenow für ihre vielfältigen Vorschläge und Hinweise.

Gegenstand dieser Texte sind nicht allein die Haftbedingungen und -anlässe in der Sowjetisch besetzten Zone (SBZ) bzw. der späteren DDR. Mit den Rubriken „Der Gast“ und „Klassik“ kommen auch im Deutschen Kaiserreich  und während des Nationalsozialismus verfolgte Autoren zu Wort, ebenso ein zeitgenössischer Dichter aus der Türkei.

Mit großer Trauer gedenken wir unseres am 16. September 2018 gestorbenen Mitgliedes Ulrich Schacht und ehren ihn mit der Hervorhebung seines Gedichtes aus dieser Sonderausgabe:

Ulrich Schacht (1951-2018)

 

Ein Mensch zog aus

die Wirklichkeit zu finden.

so lange –

bis er sie fand: dunkel

war sie. Fast

Nacht.

Doch die Leute lachten

und meinten,

er sähe zu schwarz!

 

Die Herrschenden aber,

die durch Spitzel

über diesen Menschen

informiert wurden,

ließen ihn verhaften.

den,

der die Wirklichkeit

gefunden hatte.

 

Als die Leute das hörten,

flüsterten sie:

Das hat dieser Narr nun davon!

Warum musste er auch so

übertreiben.

 

Gefördert wurde diese Sonderausgabe (s. ausführliche Rezension Leipziger Internetzeitung 27.08.2018) vom Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Die Autorinnen und Autoren der Sonderausgabe:


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Ringelnatz-Gedichtfilm-Wettbewerb – Start am 7. August 2018

Joachim Ringelnatz, "Urtiere", Öl/LW, 1930

  • Veröffentlicht: 06.08.2018 · Zuletzt aktualisiert: 09.11.2018

Pünktlich 135 Jahre nach dem Tag, an dem der Lyriker, Erzähler und Vortragskünstler Joachim Ringelnatz als Hans Bötticher in Wurzen geboren wurde, schreibt die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik in Kooperation mit der Ringelnatz-Gesellschaft in Cuxhaven , dem Ringelnatz-Museum ebendort, dem Joachim-Ringelnatz-Verein in Wurzen und dem dortigen Kulturhistorischen Museum ihren 4. und bis auf weiteres letzten Gedichtfilmwettbewerb aus.

Bildeten bei den vergangenen Wettbewerben jeweils Gedichte aus Ausgaben der Zeitschrift „Poesiealbum neu“ den Anreiz für die Verfilmung, stehen diesmal sämtliche Gedichte des 1883 in Wurzen geborenen und 1934 in Berlin gestorbenen Dichters zur Auswahl. Für die Teilnahme wird keine Teilnahmegebühr erhoben, allerdings ist eine Anmeldung per E-Mail erforderlich. Der Wettbewerb ist bis zum 15. Juli 2019 offen. Zu gewinnen gibt es …


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Veranstaltungen unserer Mitglieder – Steffen Thiemann

  • Veröffentlicht: 20.01.2020 · Zuletzt aktualisiert: 20.01.2020

Steffen Thiemann: „Korrespondenzen / Korrespondencje“. Ausstellungseröffnung am 17.1.20, 16 Uhr, im Rahmen der Internationalen Messian-Tage, Europejskie Centrum Pamiec, Edukacja, Kultura Kozlice 1, Zgorzelec

Gibt es denn etwas Wichtigeres? „Dichter an die Natur“ – DAS GEDICHT 27

Dichter an die Natur, DAS GEDICHT 27

Empfehlung des Monats · Januar 2020
von Franziska Röchter


Wir alle entstammen ihr. Größtenteils jedenfalls. Zumindest ursprünglich – nach diversen medizinischen Eingriffen, Wiederherstellungs- oder Optimierungsversuchen oder ästhetischen Modifizierungen vielleicht nicht mehr zu 100 Prozent. Und möglicherweise bis wahrscheinlich in nicht allzu ferner Zukunft vielleicht nicht einmal mehr zur Hälfte. Aktuell aber ist es noch so, dass die „Natur“, die ursprüngliche Umgebung auf unserem Planeten, die schon vor uns und ohne menschliche Eingriffe einfach „da war“ und die notwendigen molekularischen Konstellationen zur Entwicklung pflanzlichen, tierischen und menschlichen Lebens bereit hielt und zur Verfügung stellte, dass also diese Natur unverzichtbar ist. Versuche, menschlichem Forschergeist entsprungen, die in der Natur vorfindbaren Parameter einfach nachzubauen und somit Natur zu kopieren, lassen Überlegungen entstehen, ob das dann überhaupt noch „Natur“ ist. Wo hört Natur auf, wo fängt Künstlichkeit an?

Zweifelsohne lässt sich festhalten: Wir brauchen sie, und zwar stärker als sie uns. Denn Natur existiert auch ohne die Spezies Mensch. Wir benötigen Luft zum Atmen, Wasser zum Überleben, zur Produktion von Nahrung, die Sonne wird ebenso benötigt wie nährstoffhaltiger Grund und Boden. Und das Schöne in der Natur inspiriert unseren Geist, unsere Seele. Man stelle sich ein dauerhaftes Leben ausschließlich zwischen Betonmauern vor, ohne Tageslicht, ohne Pflanzen und Bäume, mit künstlicher Ernährung in Form von Tabletten, die sämtliche benötigten Nährstoffe enthalten … Umso unverständlicher, dass gerade das „Animal rationale“ seine eigenen Lebensgrundlagen bei vollem Bewusstsein und wissentlich zerstört und ruiniert und vielen Dingen (z.B. materiellem Profit) höheren Stellenwert einzuräumen scheint als dem Erhalt der eigentlichen Lebensgrundlagen. Mir ist keine andere Art bekannt, die Gleiches tut. Wie würden Außerirdische dieses Verhalten beurteilen?

Da dem Themenkomplex „Natur“ die dringlichsten Fragen unserer Zeit zuzuordnen sind, wird eine aktuelle Anthologie über die Natur und unser extrem widersprüchliches Verhältnis zur selbigen inhaltlich zwangsläufig anders aufgestellt sein als beispielsweise noch vor rund 20 Jahren. Mit dem Besingen einer schönen Mondnacht, der freudigen Begrüßung des Frühlings, dem Festhalten eines außergewöhnliche schönen Sonnenuntergangs ist es einfach nicht mehr getan – zu brüchig, zu angeschlagen ist die Natur mittlerweile aufgrund drastischer menschlicher Missachtung ihrer Bedürfnisse. 

Die neue Ausgabe von DAS GEDICHT, herausgegeben von Christoph Leisten und Anton G. Leitner, verdeutlicht bereits anhand des plakativen schwarz-pinken Covers, welches ein comic-haftes, mit wenigen Strichen gezeichnetes Chamäleon zeigt, wie weit wir uns von der einstigen, ursprünglichen Natur entfernt haben. Und natürlich sollen auch Kinder und Jugendliche angesprochen werden, an die eine bedeutende Auswahl an Gedichten, sorgfältig von Uwe-Michael Gutzschhahn herausgefiltert, adressiert sind. Insgesamt ist diese Ausgabe so umfangreich wie nie zuvor: 177 Dichterinnen und Dichter haben für 5 Kapitel über die belebte und unbelebte Natur sowie zur Kinderlyrik beigetragen.

Jeder wird seine Vorlieben in dieser Anthologie finden. In ausgewogener Weise dominieren vielen schönen Beschreibungen naturhafter Phänomene zum Trotz gerade solche Texte, die mit besonders aktueller Relevanz eine Vielzahl an Störelementen innerhalb des Naturgefüges aufzeigen und verdeutlichen: der achtlos liegengelassene Abfall im Wald, der sich offenbar nicht selbst kompostiert, die Anhäufung von Atommüll im Meer, die Überlebenskämpfe der so wichtigen Bienen, das Ausbringen giftiger Düngemittel, der Artenschutz, die dramatische Dezimierung der Artenvielfalt durch Vernichtung von Lebensräumen, der existierende enorme Widerspruch, ja die Schizophrenie  im Hinblick auf Fleischproduktion und -gewinnung, die mangelnde Handlungsbereitschaft in der Politik unter dem Damoklesschwert der wankenden eigenen Vorteile, die mangelnde Empathie mit anderen Lebewesen … und … und … und …

Wolfgang Oppler bringt mit seinem Gedicht Erlebnisverdichtung am Berg auf den Punkt, wie durch „industrialisierten Massentourismus“  „Generatorbetriebene Sommerbeschneiungsanlagen / für gaudi-optimierte Erlebniswelten / bei 30 Grad im Schatten“ sorgen, „Fördergelder von EU, Staaten, Bundesländern“ inklusive. Wie gut, dass Frantz Wittkamp im Kinderlyrik-Teil den Kindern mit seinem Gedicht Am Waldrand ganz unmissverständlich vermittelt, dass es wirklich noch Gegenden gibt, in denen unbeschwerter Naturgenuss und echte Erlebniswelten bei freiem Eintritt und zum Nulltarif zu haben sind – denn wer weiß schon, wie lange noch?


DAS GEDICHT 27
Das Gedicht. Zeitschrift /Jahrbuch für Lyrik, Essay und Kritik / Dichter an die Natur
Herausgegeben von Christoph Leisten und Anton G. LeitnerTaschenbuch: 192 Seiten
Anton G. Leitner Verlag, Weßling, November 2019
Deutsch, ISBN-13: 978-3929433852, 15,00 €




Gedicht des Monats Januar 2020

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 27.12.2019

Friedrich Hölderlin (1770-1843)

Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.


Im Herbst 2020, wenn wir zu Ehren Hölderlins die „Poesiealbum neu“-Ausgabe 2/2020 „Poesie & Narrheit“ in Leipzig und Tübingen vorstellen werden, passt dieses großartige Gedicht natürlich sehr viel besser zur aktuellen Jahreszeit. Aber darauf wollen wir nicht warten. Das Hölderlinjahr beginnt jetzt.

Gedicht des Monats Dezember

  • Veröffentlicht: 01.12.2019 · Zuletzt aktualisiert: 29.11.2019

Helmut Richter (1933-2019)

Über sieben Brücken musst du gehen

Manchmal geh ich meine Straße ohne Blick,
manchmal wünsch ich mir mein Schaukelpferd zurück.
Manchmal bin ich ohne Rast und Ruh,
manchmal schließ ich alle Türen nach mir zu.

Manchmal ist mir kalt und manchmal heiß,
manchmal weiß ich nicht mehr was ich weiß.
Manchmal bin ich schon am Morgen müd,
und dann such ich Trost in einem Lied.

Über sieben Brücken musst du gehn,
sieben dunkle Jahre überstehn,
siebenmal wirst du die Asche sein,
aber einmal auch der helle Schein.

Manchmal scheint die Uhr des Lebens still zu stehn,
manchmal scheint man immer nur im Kreis zu gehn.
Manchmal ist man wie von Fernweh krank,
manchmal sitzt man still auf einer Bank.

Manchmal greift man nach der ganzen Welt,
manchmal meint man, dass der Glücksstern fällt.
Manchmal nimmt man, wo man lieber gibt,
manchmal hasst man das, was man doch liebt.

Über sieben Brücken musst du gehen …

1978

Wir nehmen Abschied von unserem Mitglied Helmut Richter, der kurz vor der Vollendung seines 86. Lebensjahres am 3. November 2019 nach langer Krankheit verstorben ist.

Zu seinem 75. Geburtstag erschien sein bemerkenswerter Gedichtband 2008: Was soll nur werden, wenn ich nicht mehr bin?, Hundert Gedichte, im Verlag Faber & Faber, Leipzig 2008, den (wieder) zur Hand zu nehmen sich gerade jetzt empfiehlt.

Ein viel zu kleines Potpourri interessanter Titel, die es zu entdecken gilt

Empfehlungen des Monats · Dezember 2019

Zeit und Platz sind begrenzt, die Fülle der Bücher, die eine Empfehlung verdient hätten, eine besondere Begutachtung, mehr Leser, scheint nahezu unerschöpflich. Deshalb können wir auch dieses Jahr zu Weihnachten nur einen winzigen Ausschnitt bringen und möchten die Hoffnung nähren: Alles, was nicht ist, kann noch werden. Ein belesenes Fest zum Jahresende!

Von Rolf Birkholz

Gefiederte Flieger faszinieren viele. Für Henning Ziebritzki ist das gebänderte „Wunderwerk von Schrift“ auf der Brust eines aus dem Blätterwald gleitenden Habichts gar „un­fassbar wie ein Evangelium.“ Aber in seinem Gedichtband „Vogelwerk“ schwärmt er nicht oberflächlich. In, mit einer Ausnahme, je elf Versen, aber unterschiedlichen Tonlagen nimmt er Eigenarten von Vögeln in den poetischen Blick und spiegelt in der Betrachtung auch menschliche Verhält­nisse.  Einmal vermaß und bündelte ihm das rote Sensor-Auge eines Plastikerpels seinen Schmerz, „dass es wieder nicht gelungen war, ein anderer zu sein.“ Rolf Birkholz

Henning Ziebritzki, Vogelwerk
Gedichte
64 S.,  Wallstein, Göttingen 2019
ISBN 978-3-8353-3554-7,  € 18


Von Franziska Röchter

Andreas Reimann, „bedeutendster Lyriker der ‚sächsischen Schule‘“ (Literaturkritiker Carl Corino) und einer der wichtigsten deutschen Dichter der Gegenwart sowie Zeitzeuge der (Literatur)geschichte der DDR, hat soeben in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung einen neuen Gedichtband veröffentlicht, der sich auch optisch in die Reihe einiger seiner vorigen Veröffentlichungen in diesem Verlagshaus einfügt. Für Liebhaber von Sonetten jeglicher Ausprägung, für geschichtsbewusste Leser, die um Reimanns erfahrene Repressalien als aufbegehrender, obrigkeitsablehnender Dichter (sein erster für 1966 geplanter Gedichtband konnte aus politischen Gründen zunächst nicht erscheinen und erst 50 Jahre später wiederentdeckt als  „Kontradiktionen“ debütieren) ist dieses Buch, Band 5 der Andreas-Reimann-Werkausgabe, dem vor 25 Jahren „Das Sonettarium“ vorausging,  eine wahre Fundgrube, die es noch umfassender als in 3 bis 5 Sätzen zu ergründen gilt. Es kann aber nahezu blind anempfohlen werden. Wen würde es nicht interessieren, was ein Dichter zu sagen hat, der aus zwei so unterschiedlichen Welten kommt und solche gravierenden Einschnitte in seinem Leben schon als junger und sehr junger Mensch (Verlust beider Elternteile mit 5 bzw. 7 Jahren, Zwangsexmatrikulation am Leipziger Literaturinstitut, Inhaftierung etc.) erfahren hat?  Franziska Röchter

Andreas Reimann, Das Große Sonettarium
Gedichte (1975 – 2019)
Connewitzer Verlagsbuchhandlung, Oktober 2019
Gebundene Ausgabe, 184 Seiten
ISBN 978-3937799-93-3, € 22,00  


Von Ralph Grüneberger

Zu den Büchern, die nachgerade für die Lektüre an den nun kürzeren Tagen, aber längeren Abenden geschrieben wurden, gehört für mich der 2018 im Gmeiner Verlag erschienene Roman von Cornelia Naumann „Der Abend kommt so schnell“. Sie gestaltet darin nicht nur ein überaus lesenswertes Porträt der Münchner Revolutionärin Sonja Lerch (1992-1918), sondern schafft auch ein Colorit jener Zeit vor 100 Jahren, als Deutschland, mit dem Zentrum in München, eine weniger friedliche Revolution als 70 Jahre später im Osten erlebte.
Die Autorin Cornelia Naumann, geboren und aufgewachsen in Marburg an der Lahn, studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Germanistik und Romanistik in Köln. Seit 1999 lebt sie als freie Autorin von Romanen, Theaterstücken, Bühnenbearbeitungen und Übersetzungen in München.  Ralph Grüneberger

Cornelia Naumann, Der Abend kommt so schnell
Roman, 409 S. / 13 x 21 cm / Klappenbroschur Premium
Gmeiner Verlag, Februar 2018
ISBN 978-3-8392-2199-0, € 16,00


Von Ralph Grüneberger

Ein wenig nach Geschenkpapier schaut er aus, der Umschlag des Ratgebers Die-tägliche-Musik-gib-uns-heute. Aufschlagen sollte man das Buch somit vom 1. Januar bis zum 31. Dezember und sich von der Radio- und Fernsehmoderatorin Burton-Hill musikalisch in den Tag führen lassen. Die Autorin, die bei BBC Radio 3 die Klassiksendungen moderiert, bietet dem Leser/Hörer eine Vielzahl von Werken bis dato (sicherlich) unbekannter Komponistinnen und Komponisten an, die, wenn sie Gehör finden, neue Klassiker werden könnten. Im Gegensatz zum Konzertabend, bei dem man meist noch an der Garderobe ansteht, während es im Foyer eine Werkeinführung gibt, kann man sich hier in Ruhe einlesen. Der Ton des Textes kommt freilich eher salopp daher und erfordert kein Nachschlagewerk. Dass es zum Buch bei Apple Music ein Abonnement mit der entsprechenden Playlist gibt, verwundert natürlich keinen halbwegs kaufmännisch Denkenden. Na dann, frohes (Hör-)Fest! Apropos, man kann das Buch auch überlisten und muss nicht bis zum Jahresanfang warten. Für den 1. Dezember wird keine „unadventliche Musik“ empfohlen, sondern Morten Lauridsens Vertonungen weihnachtlicher Verse, wie passend „O Magnum Mysterium“. Ralph Grüneberger

Clemency Burton-Hill, Ein Jahr voller Wunder
Klassische Musik für jeden Tag
Aus dem Englischen von Barbara Neeb, Ulrike Schimming und Katharina Schmidt
464 Seiten, Diogenes Verlag, Zürich 2019
ISBN 978-3-257-60972-1 
€ (D) 25,00 gebundenes  Buch, 21,99 Kindle / sFr 28,00* / € (A) 21,99
 

Von Ralf Burnicki

Die Prosagedichte von Knut Schaflinger spielen mit linearen Erwartungen, etliche Sätze sind Abbruchstellen, kein Satz geht so weiter, wie man es erwartet, jederzeit gibt es Überraschungen, Wendungen, einen Hang zu surrealistischer Gedankenbildung. Und dennoch ergibt sich ein Ganzes. Knut Schaflinger ist für mich einer der großen Poeten der Gegenwart, seine Texte sind bildhaft und unberechenbar zugleich. Jeder seiner Bände, z.B. „Die Ungewissheit der Quadrate“ lässt mich erfrischend beunruhigt zurück, schildert Vorgänge, die keine sind, und gerade deshalb hat man es womöglich mit einer Vision zu tun: dem Traum von einem poetischen Leben: „In einer fremden Sprache schreibt sich das schöne Wort Occasion mir ins Gedächtnis. Kann sein es schmilzt wenn es bei späterer Gelegenheit erst ausgeatmet ist“ (aus dem Gedicht: „Schriftzug in der Langen Reihe. Eine Häuserzeile“). Unbedingt empfehlenswert. Ralf Burnicki

Knut Schaflinger, Die Ungewissheit der Quadrate
Gedichte, Hardcover, 73 Seiten
Verlag Ralf Liebe, Weilerswist 2017, € 20,00


Von Franziska Röchter

„POESIE 21 präsentiert bemerkenswerte zeitgenössische Gedichtbände und lyrische Debüts in deutscher Sprache.“ So ist auf den Waschzetteln zu dieser mittlerweile 101 Ausgaben umfassenden Lyrikreihe zu lesen. Ein solches Debüt ist auch Guido Lufts Band mit seinem sprachwitzigen Titel. Das Ausloten von Beziehungen, von Nähe und Ferne, das Etablieren wichtiger Grenzen und das Überschreiten derselben inklusive anschließender Narbenbildung, alltägliche und besondere Katastrophen wie vollgelaufenen Keller oder Fallen im Internet, das getriebene, rastlose Ich, das sein „Kreuz schultern“ muss, das „Leben, einen Schritt vor dem Abgrund“:  Guido Lufts Parforceritt durch Schattenseiten und Lichtmomente menschlicher und alltäglicher Existenz gibt einen guten Einblick in diese längst etablierte Poesie 21-Reihe, die übrigens nicht selten auch mit fröhlich-monochromen Umschlägen ins Auge fällt. Franziska Röchter

Guido Luft, zum Tee ein Kataströpfchen
Gedichte
Poesie 21 im Verlag Steinmeier, Juli 2019
70 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-943599-66-4, € 12,80 (D)


Von Franziska Röchter

Allzu viele Anthologien mit Kindergedichten neuzeitlicher Dichter, die teilweise,  wie z. B. Paul Maar oder Franz Wittkamp, einen Namen als Kinderlyriker haben, dürfte es nicht geben. Wenn überhaupt. 100 frische, verrückte, unverbrauchte Gedichte für Kinder (und, wie Pressestimmen zu entnehmen ist, durchaus auch für Erwachsene), gereimt oder ungereimt, ausgewählt und herausgegeben von Uwe-Michael Gutzschhahn, sollen Kinder für Poesie begeistern oder auch zum Selberdichten anregen. Ein gutes Kindergedicht ist immer auch ein gutes Erwachsenengedicht, hat einmal Erich Jooß († 2017) gesagt. Bei dieser Fülle moderner Lyrik dürfte für jeden etwas dabei sein. Es gilt herauszufinden, auf welche Texte kleinere (ab 5) oder etwas ältere Kinder – je nach Deklamationsfähigkeit des Vortragenden – oder Selbstlesende anspringen und welche Gedichte wem den größten Spaß bereiten. Da Kinderbücher sehr wesentlich auch von Illustrationen leben, ist dieser Spaß durch die bunten und vielseitigen Illustrationen von Sabine Kranz schon gesichert. Franziska Röchter

Sabine Kranz/Uwe-Michael Gutzschhahn, Sieben Ziegen fliegen durch die Nacht
Hundert neue Kindergedichte
dtv Junior, Originalausgabe
176 Seiten, ab 5
9. März 2018
ISBN 978-3-423-76201-4
EUR 16,95 € [D],  EUR 17,50 € [A]


Von Michel Ackermann

Im Wallstein-Verlag erschien 2018 der achte Gedichtband der Amerikanerin Jo Mary Bang. Die beiläufige Wucht von Bangs Zeilen entspringt einer abgründig-innigen Tonalität, die von Tod und Trauer um den verstorbenen Sohn singt. Die diesbezüglich “gefährlich-typischen“ Floskeln oder Klischees bleiben (auf wundersame Weise …) aus. Vielmehr schreit das blühende Leben an sich, seine vielfarbige Dringlichkeit, in unsere allzu-menschliche Wahrnehmung hinein. Der Wundverband der Worte ist entfernt, denn die Worte und ihre unzugehörigen Umstände sind selbst die Wunden.
Michel Ackermann

Mary Jo Bang, Elegie
Gedichte
172 Seiten, Verlag: Wallstein; Auflage: 1 (5. März 2018)
ISBN 978-3835332423, € 20,00


Von Michel Ackermann

Vielleicht ist der 2006 verstorbene Jurist Christian Saalberg so etwas wie ein bekannter Unbekannter in der deutschen Lyriklandschaft. Die ausgewählten Gedichte (aufwendig und wertschätzend verlegt von Schöffling & Co) bieten eine Fundgrube voll prosaisch-tiefgründiger Poesie. Der Dichter Saalberg, deutscher “Transzendentalist“ und einzelgängerisch-verbundener Weltengänger, beschreitet lyrische Pfade zwischen Natur, Liebe und pantheistisch inspirierter Philosophie. Sie sind für Lyrik-Liebende ein unbedingt glaubwürdiges Abenteuer. Michel Ackermann

Christian Saalberg, In der dritten Minute der Morgenröte
392 Seiten, Schöffling; Auflage: 1 (27. August 2019)
ISBN978-3895610165, € 32,00


Von Wolfgang Braune-Steininger

Günter Kunert, der  2019 im Alter von 90 Jahren starb, gehört zu den großen alten Männern der deutschsprachigen Nachkriegslyrik. Auch in seinem letzten Gedichtband beeindruckt er durch souveräne Handhabung lyrischer Formen und Techniken. So gewinnt er dem Endreim immer wieder neue originelle Bedeutungsvarianten ab. Inhaltlich dominiert inmitten der Vielfalt an Themen die für Kunert typische Melancholie, die aufgrund ihrer stabilen und aussagekräftigen sprachlichen Umsetzung schon wieder ein – paradoxes – Moment der Sicherheit mit sich führt.                                                                   
Kunert erweist sich als Meister des Lyrischen, der in  seinen Gedichten auch Dichtergrößen anderer Epochen adressiert und porträtiert. Nicht zum ersten Mal in seinem Oeuvre steht Brecht im Mittelpunkt von Personengedichten. Bemerkenswert dagegen ist das Schlussgedicht J.W.V.G., das sich kritisch-ironisch mit Goethe auseinandersetzt.
Wolfgang Braune-Steininger

Günter Kunert, Zu Gast im Labyrinth
Neue Gedichte
Herausgegeben von Wolfram Benda, München, Carl Hanser Verlag 2019 ISBN 978-3-446-26463-2, €19,00











 

Gedicht des Monats November

  • Veröffentlicht: 01.11.2019 · Zuletzt aktualisiert: 31.10.2019

Peter Bornhöft (*1936)
Die Lage der Dinge

Ein Augenblick der Erstarrung
eine Verhärtung der Eingeweide
eine traurige Gleichgültigkeit
als wäre das Licht
für immer erloschen

Am Morgen schon
ist das Hochbild vom Menschen
zu einer Lachnummer geworden

Ein weißer Pierrot
tut seine Arbeit
an den Gefolterten
er hat vergessen
dass es Gefolterte sind
er hört dass sie lachen
sie haben bezahlt
er muss leben
muss kaufen verkaufen
er lacht kein einziges Mal
er kann nicht lachen

Der Tod verkauft sich nicht

Aber geliftete Frauen
auch Babies per Katalog
niedliche Drogen zum Kinder
Geburtstag ein paar Pistolen
zur Konfirmation die Massaker
der Weihnachtsmänner
auf einem Computerspiel
zum Jahresende
ein paar Genozide –

und ein paar Menschen

Quelle: Poesiealbum neu „Konsum & Kommerz“, Edition kunst & dichtung Leipzig 2011,
herausgegeben von Ralph Grüneberger

Wir gratulieren herzlich zum 85. Geburtstag, den unser Mitglied
Peter Bornhöft am 5. November 2019 hoffentlich bei guter
Gesundheit feiern wird.

Die Entdeckung Gershom Scholems als bedeutender Lyriker – Zu dem Band Poetica

Gershom Scholem, Poetica

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 09.10.2019

Empfehlung des Monats · November 2019
von Wolfgang Braune-Steininger

„Gershom Scholem (1897-1982) begründete mit seinen Werken einen neuen Forschungszweig: die wissenschaftliche Erforschung der jüdischen Mystik, die ein neues Verständnis des Judentums und der jüdischen Geschichte eröffnet hat.“ – Mit diesen Worten, die auf der Innenseite des Rückumschlags des Buches stehen, wird die geistesgeschichtliche Bedeutung  Scholems konzise benannt. Weniger bekannt  ist seine Wirkung als Homme de Lettres im literarischen Diskurs, die nun mit dem vorliegenden Band einprägsam belegt wird. So äußert sich Scholem vielfältig und nachhaltig über das lyrische Genre des Klagelieds, bedenkt  Sprach- und Übersetzungstheoretisches, etwa Über das Hohe Lied und Wenn die Sprache ein relativistisches Werkzeug der Erkenntnis wäre, bespricht  Hauptwerke des literarischen Kanons, z.B. Mörikes Künstlerroman Maler Nolten und Rilkes Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, und erinnert an die Schicksale der literaturhistorisch eher verborgenen Dichter Alfred Margul-Sperber und Lea Goldberg.                                                         

Das unter den Aspekten von Lyrik besondere Verdienst des Bandes liegt in der Edition von 52 des insgesamt 140 Gedichte umfassenden lyrischen Werkes von Scholem. Dabei sind die Gedichte, wie das Herausgeberteam in seinen einleitenden Worten durchaus zutreffend meint, „auch als biographisch gefärbte Parerga und Paralipomena  zu seinem wissenschaftlichen Schaffen zu lesen“ (S.648). Besonders auffallend sind die personenbezogenen Gedichte.  So schreibt  Scholem  exaltierte Verse An Theodor Herzl!, äußert sich in Martin Buber kritisch-distanzierend über den bedeutenden Religionsphilosophen und setzt seinem Freund Walter Benjamin mit dem Sonett W.B. ein poetisches Denkmal.                                                                                       
Scholem und Benjamin lebten zeitweilig in Muri, einem Ort in der Nähe von Bern, wo sie, wie die Herausgeber (S. 724) vermerken, 1918 die „imaginäre ‚Haupt- und Staatsuniversität  Muri‘“ gründeten. Aus dieser Zeit stammt ein originelles Widmungsgedicht: Amtliches Lehrgedicht der Philosophischen Fakultät der Haupt- und Staats-Universität Muri. Scholem, der höchstselbst in die Rolle des lyrischen Sprechers als „Pedell des religionsphilosophischen Seminars“ schlüpft, dediziert die Zweite, umgearbeitete und den letzten approbierten Errungenschaften der Philosophie entsprechende Ausgabe seinem verehrten Freund (S.718):

Seiner
Magnifizenz
WALTER BENJAMIN
Rektor der Universität Muri                                                                          
damals wie heute gewidmet                                                                         
zum 5. Dezember 1927                                                                        
vom Verfasser

Scholem schreibt zu jedem Buchstaben des Alphabets einen originellen Vierzeiler, der voller Witz und Bildungsreichtum sprüht. Dabei sei folgendes Beispielzitat  (S. 719) gegeben:

F
Für Freud und Fichte fechten heute                                                                  
Nur allzuviele faule Leute.
Man weiß von mancher falschen Fee  
Mehr als von Michael Faradey.


Hätte das Personengedicht in der Literaturwissenschaft die ihm gebührende Wertschätzung, müsste Scholem zu den prägenden deutschsprachigen Lyrikern im 20. Jahrhundert gezählt werden.


Gershom Scholem, Poetica. Schriften zur Literatur, Übersetzungen und Gedichte. Herausgegeben und kommentiert  von Herbert Kopp-Oberstebrink, Hannah Markus, Martin Treml und Sigrid Weigel  unter Mitarbeit von Theresia Heuer, 
Berlin:  Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag 2019.
ISBN 978-3-633-54292-5. 780 Seiten. 58€

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der Stadt Leipzig

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ist seit 1995 Mitglied in der
1986 gegründeten
Arbeitsgemeinschaft
literarischer
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