Ein Welttag der Poesie in Berlin

  • Veröffentlicht: 01.04.2019 · Zuletzt aktualisiert: 01.04.2019

Das war ein gelungener Abend am Donnerstag in der Turell-Kapelle! Leider darf man nicht fotografieren, so dass es keine Fotos gibt. Die Kapelle auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof war voll bis auf den allerletzten Platz, die Stimmung wunderbar. Vor dem offiziellen Beginn gab es eine Einführung über Absicht des Künstlers. Diese Lichtstimmungen sind einfach sehr beeindruckend, wirkten trotzdem ruhig und haben den Vortrag der Gedichte und die Musik von Robert Würz in angenehmer Weise unterstützt. Das Spendenkörbchen für die Kapelle war auch gut gefüllt, wir Lesenden haben uns alle sehr gefreut über die gelungene Präsentation der GZL-Mitglieder in Berlin.  Ingrid Gorr 

Zusatz: Gelesen wurde gewissermaßen „Berliner Lyrik“, denn zu Gehör brachten die Mitwirkenden auch Gedichte anderer Hauptstädter aus der Poesiealbum neu-Ausgabe „Weißblut. Gedichte zu Farben“. Und dass Stefan Kabisch, der Organisator des Ganzen, als kleine Präsente für die Lesenden eigens Lyrikbände unserer Mitglieder zu verschenken hatte, ist im doppelten Sinne ein Dankeschön gewesen – eines für die Mitwirkung, eines für die Spenden.

Ralph Grüneberger

Erfolgreiche Buchmessetage

  • Veröffentlicht: 25.03.2019 · Zuletzt aktualisiert: 17.04.2019

Die drei Veranstaltungen der Lyrikgesellschaft während der diesjährigen Leipziger Buchmesse fanden insgesamt mehr als 200 Zuhörerinnen und Zuhörer (Leipziger und Besucher der Stadt bzw. Buchmesse). „Leipzig hört – Lyrik“, ob im Gohliser Schlösschen, in der Buchhandlung Hugendubel in der Leipziger Innenstadt oder in der Buchhandlung „Südvorstadt“ in der Karl-Liebknecht-Straße.

Das Poesiealbum neu „My generation“ und Ringelnatz‘ „Wassertropfen & Seifenblase“ standen auf dem Programm. – Nicht zu verstehen, dass das Leipziger Kulturamt solche Veranstaltungen der GZL als „nicht förderungswürdig“ bescheidet.

Vor Beginn: Der Saal füllt sich / Foto: Gustav Franz

Vergeben wurde am 23. März zum dritten Mal der „Poesiealbum neu-Preis“, ein Schreibgerät namens Edelfeder aus Sterling-Silber mit dem eingravierten Namen des Gewinners, und dies ist der in Eilenburg geborene Lyriker und bildende Künstler Peter Frömmig, der seit langem in Marbach am Neckar zu Hause ist.

Glück gegen Gleichschritt. Zu Peter Frömmigs Gedicht

WHEN WE WERE YOUNG

Fünfzig Jahre nach 68 und knapp dreißig Jahre nach dem Fall der Mauer hält Frömmigs Gedicht Rückschau auf eine bewegte und bewegende Zeit der Jugend, die auch eine Phase des Sturms und Drangs war. Dabei siegt das Gefühl über die Vernunft, die spontane Emotion setzt sich gegen kühle Rationalität durch. Der Gleichklang der Herzen evoziert Freiheit und dominiert über den Gleichschritt vom Marsch, der das Individuum zur Konformität zwingt.

So die Einschätzung der Jury. Das Gedicht ist in unserer aktuellen Ausgabe „My generation“ zu lesen.

Am Buchmesse-Sonntag fand auch die Verlosung unter alle jenen statt, die mit ihrer Geldspende das Veranstaltungsprogramm 2019 der GZL ermöglichen. Die Ringelnatz-Vortragenden Steffi Böttger, Mayjia Gille und Axel Thielmann zogen die Gewinnerinnen:

Auf unser Mitglied, die großartige Sängerin Nadine Maria Schmidt aus Leipzig, fiel der Hauptgewinn; ein auf Leinen aufgezogenes fotografisches Werk des Berliner Künstlers Antonius mit dem Titel „noch so vieles ungeschrieben“ (Galerie-Preis 800,00 €).

Über den zweiten Gewinn freute sich unser Braunschweiger Mitglied, die Malerin und Autorin Charlott Ruth Kott. Es ist eine längst vergriffene, auf 50 Exemplare limitierte und signierte Lyrik-Grafik-Edition von Frank Wahle (Linolschnitte) und Ralph Grüneberger aus der >24 x 34<-Reihe des Leipziger Bibliophilen Abends (LBA).

Den dritten Gewinn, ein Exemplar der limitierten und im Handel nicht zu erwerbenden Faksimile-Ausgabe „Denk ich an Leipzig“ (mit handschriftlichen Huldigungen der Messestadt von Günter Kunert, Fritz Rudolf Fries, Guntram Vesper, Jan Wagner, Kerstin Hensel, Ingo Schulze und 14 weiteren Nicht-Leipzigern), erhielt unser Zwickauer Mitglied, die Autorin Heidi Bergmann.

Allen Gewinnern herzlichen Glückwunsch. Und allen Spenderinnen und Spendern noch einmal ein großes Dankeschön! Desgleichen danken wir Herbert Kästner vom LBA und Antonius für ihre jeweilige Sachspende und der Waldmann KG für die erneute Unterstützung.

Ralph Grüneberger, Vorsitzender

Zwischenruf des Vorsitzenden: Spendenaktion

  • Veröffentlicht: 04.02.2019 · Zuletzt aktualisiert: 14.03.2019
Nachdem wir dieser Tage erfahren mussten (aus dem Internet, eine offizielle Information bzw. Begründung erhielten wir bislang nicht), dass unser im September 2018 gestellter Antrag auf Projektförderung für 12 Veranstaltungen im Jahre 2019 vom Kulturamt Leipzig als nicht förderungswürdig erachtet wird, fiel mir spontan diese Spendenaktion ein, um die aktuellen Veranstaltungstermine einigermaßen sicherzustellen.
 
Dazu werde ich jeder/m Spender/in ab einer Spende von 12 € ein signiertes Exemplar meiner Gedichtausgabe „Ich habe die Schönheit gesehen. Liebesgedichte in vier Sprachen“ zusenden.
Übersetzer der Gedichte sind Ron Horwege (engl.), Rüdiger Fischer (franz.) und Alexander Schmidt (russ.). Gestaltet hat die limitierte Ausgabe Torsten Hanke
Hier die Bankverbindung der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik:

Vereins- und Spendenkonto

IBAN: DE63 8605 5592 11 00 8010 53
SWIFT-BIC: WELADE8LXXX
Sparkasse Leipzig

Senden Sie bitte nach der Überweisung eine Mail an kontakt@lyrikgesellschaft.de mit der Angabe Ihrer Adresse und Sie erhalten das signierte Exemplar zugesandt.
 
 
Vielen Dank schon jetzt allen, die diese Aktion unterstützen.
 
 
Ralph Grüneberger
Vorsitzender
 
 
Nachtrag 1:

Die ersten Spender haben sich bereits auf meine am 5. Februar privat gestartete Aktion gemeldet und der Foto- und Videokünstler Antonius schrieb mir daraufhin folgendes:

„Lieber Ralph,

eine geradezu groteske Ablehnung der Stadt Leipzig; ein Armutszeugnis im wahrsten Sinne!

Vielleicht kann ich Dich/Euch noch in anderer Form supporten? Wir könnten jeden Spender an der Verlosung eines großformatigen Bildes (Leinen im Format 80 x 120 cm) teilnehmen lassen (Galerie-Preis 800 €).“

Die Verlosung findet statt und wird am 24. März 2019 öffentlich während der Buchmesse-Veranstaltung in der Buchhandlung „Südvorstadt“ erfolgen.

Nachtrag 2:

Wir haben fristgemäß Widerspruch gegen die Entscheidung des Kulturamtes, Posteingang 11. Februar 2019, eingelegt und können sie nach wie vor nicht nachvollziehen. Von den 6 Fachbeiräten Literatur hat sich auf Anfrage ein Mitglied geäußert und meinte, wie sollten doch die „Gremienarbeit“ akzeptieren und es wäre doch ganz normal, dass man mal eine Ablehnung kassiere. Das Beiratsmitglied führt keinen Verein, sondern ein Privatunternehmen und setzt Anträge auf Förderung mit Bewerbungen um offiziellen Ausschreibungen gleich.

Dass sich fast 90 literaturkundige Menschen für unser Veranstaltungsprojekt 2019 ausgesprochen haben und es finanziell mit ihrer Spende unterstützen, hat den Zusammenhalt der Lyrikgesellschaft, die auch auf andere Art Ausgrenzung erfahren hat (Stichwort Festivalkongress FOKUS LYRIK in Frankfurt/Main), bestärkt.

Wortmeldung: Für Vielfalt

  • Veröffentlicht: 03.12.2018 · Zuletzt aktualisiert: 18.01.2019

U.a. von der Leipziger Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke aufgefordert, uns der Kampagne „Die Vielen“ anzuschließen, melden wir uns zu Wort und stellen es gleichzeitig all unseren Mitgliedern anheim, sich dieser Aktion anzuschließen: Berliner Erklärung.

Die 1992 gegründete Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, der derzeit Mitglieder aus acht Ländern angehören, verpflichtet sich in ihrer Satzung „im Geist von Toleranz und Völkerverständigung“ zu agieren. Das haben wir mit unserer Arbeit immer wieder unter Beweis gestellt, sei es durch Veranstaltungsreihen von „Heimat und Fremde“ (1993-95) bis ZWIE SPRACHE (seit 2013), unsere Ausstellung „gegen den strom“, die bisher mehr als 36.000 Besucher zählt, und Veröffentlichungen der Poesiealbum neu-Themenhefte „Texte gegen Intoleranz“ (2008), „Deutschland. Gedichte“ (2009), „Deutsche Inventuren“ (2012), „Gedichte von Welt“ (2014) oder jüngst in Form der Sonderausgabe „Worthaft. Texte politischer Gefangener“ (2018) sowie bei unseren Gedichtfilmwettbewerben „Worte sind Boote“ (2012) und „Poetry Clips gegen den Krieg“ (2014) – bei denen jeweils Gedicht- bzw. Filmautor(inn)en aus verschiedenen Ländern involviert waren.

Wir setzen uns auch ganz aktuell dafür ein, dass die Freiheit der Kunst bewahrt wird. Es ist deshalb nicht nur der „Spaßmacher Ringelnatz“, zu dessen Lyrikverfilmung wir gegenwärtig in Form unseres 4. Gedichtfilmwettbewerbs anregen, sondern sein Beispiel zeigt exemplarisch, dass die Freiheit der Kunst binnen weniger Tage verloren gehen kann, sobald Ermächtigungsgesetze und Machtstrukturen dies ermöglichen.

Mit unserer für 2019 geplanten „Worthaft“-Lesetour, bei der Autorinnen und Autoren an Schulen von ihren Haftgründen und -bedingungen unter der SED-Diktatur berichten werden, verdeutlichen wir, was es bedeutet, die Meinungsfreiheit zu verlieren.

Darüber hinaus haben wir zu Beginn des Monats deutschsprachige Lyrikerinnen und Lyriker eingeladen, sich an unserer Ausschreibung des Poesiealbum neu-Themenheftes „Heimat / Heimatverlust“ mit neuer Lyrik zu beteiligen. Gern bringen wir uns mit einer Auswahl der bisherigen und künftigen Veröffentlichungen in das Wirken „der Vielen“ ein, ohne jedoch als Organisatoren von Veranstaltungen und Aktivitäten federführend handeln zu können, dazu entbehrt es seit 2012 einer personellen Struktur.

Hier ein aktueller Artikel von Christina Sticht zum Thema „Kultur lebt von unterschiedlichen Einflüssen“ aus der nmz vom 14.01.2019.

Ralph Grüneberger im Namen des Vorstandes

Leipzig, im November 2018

My generation – Ankündigung der Herbstausgabe 2018

  • Veröffentlicht: 17.10.2018 · Zuletzt aktualisiert: 11.03.2019

Mit der Herbstausgabe 2018 der Zeitschrift „Poesiealbum neu“ ist erneut ein Dreifachheft erschienen, das erfreute die Abonnenten. Bekannte und unbekannte Namen, junge und ältere Schreibende aus mehreren Ländern vereint diese nunmehr lieferbare Ausgabe (ausführliche Rezension in der Leipziger Internet Zeitung vom 29.11.2018).

Unser Mitglied Manfred Klenk beschenkte in Mannheim seine Freunde von „Räuber 77“ mit der Ausgabe „My generation“.

Wer noch kein Abonnement des „Poesiealbum neu“  hat, sollte sich schnell dafür entscheiden und erhält die Frühjahrsausgabe „Vom Glück. Gedichte“ in einer Lieferung mit der Herbstausgabe (Ladenpreis 6,50 € plus 7,80€); als Inlands-Abonnent zahlt man ganze 12 € inkl. Versand, GZL-Mitglieder zahlen lediglich 10,50 € für das Abo).

Bitte beachten Sie die beiden Errata!

Bestellungen des Abonnements: kontakt@lyrikgesellschaft.de

Autorinnen und Autoren von „My generation“:

Gerd Adloff

Renate Aichinger

Johanna Anderka

Ingeborg Arlt

Michael Augustin

Veit Baer

Heinrich Beindorf

Heidi Bergmann

K.U. Robert Berrer

Franziska Beyer-Lallauret

Katrin Bibiella

Marlies Blauth

Rolf Blessing

Thomas Böhme

Rosa Both (Ps.)

Oliver Bruskolini

Stefanie Bucifal

Therese Chromik

Hannelore Crostewitz

Kathrin Ursula Daehne

Erika Dietrich-Kämpf

Ulrike Diez

Róža Domašcyna

Nicole Drude

Renate Düpmann

Katharina Düwel

Lina Sophie Duppel

Cornelia Eichner

Eckhard Erxleben

Tobias Falberg

Ronja Falkenstein

Siegmar Faust

Vinzenz Fengler

Katharina J. Ferner

Peter Frömmig

Marlena Hanna Gaul

Marlene Görsch

Anne Gollin

Dincer Gücyeter

Peter Gosse

Ralph Grüneberger

Gerhard Gundermann

Gisela Hemau

Kerstin Hensel

Dieter Höss

Alfons Huckebrink

Claus Irmscher

JE (Ps.)

jottpeh (Ps.)

Stefan Kabisch

Christine Kappe

Ada Charlotte Kilfitt

Manfred Klenk

Rudolf Kraus

Susanne Kriesmer

Josef Krug

Christoph Kuhn

Grit Kurth

Fitzgerald Kusz

Philipp Langes

Sigrid Lichtenberger

Robert Lowell

Britta Lübbers

Gustav Lüder

Salean A. Maiwald

Eva Meißner-Prinz

Gerd Meyer-Anaya

Ingrid Miller

Manfred Moll

Christoph Müller

Christina Müller-Gutowski

Erica Natale

Walter Neumann

Ingrid Niegel

Alexander Nitsche

Lutz Nitzsche Kornel

Klaus Nührig

Harry Oberländer

Jutta Pillat

Lutz Rathenow

Rainer Rebscher

Viola Richter-Jürgens

Wolfgang Rischer

Franziska Röchter

Joachim Rönneper

Andreas-Wolfgang Rohr

Jörn Sack

Bärbel Sanchez

Ulrich Schacht

Claudia Schattach

Laura Schmidt-Niederhoff

Maren Schönfeld

Ulrich Schröder

Ralph Schüller

Christiane Schulz

Marlene Schulz

Helga Schulz Blank

Wolfgang Stock

Ulrich Straeter

Heidrun Stödtler

Tina Stroheker

Angelika Tonner

Helle Trede

Dieter Treeck

Holger Teschke

Guntram Vesper

Julia Weberling

Renate Wunderer

Wolfgang Wurm

https://www.fixpoetry.com/feuilleton/kritik/ralph-grueneberger/poesiealbum-neu-22018-my-generation

Titelbild unter Verwendung des Gemäldes „Familienausflug 2“ von Bibi Johns.

2 Errata

fitzgerald kusz (*1944)

rock´n´roll

des lehrmädlä in dä schneiderei

vo meinä großtante käthe

in berlin-schöneberg houd mä

di schduhllehnä zeichd

wous vo dä saalschlachd

bamm bill-haley-konzerd

im schboddbalasd

neizeähunderdachdäfuchzg

miidhammgnummä houd:

des woä mei erschde begechnung

midm rock´n´roll

 

hochdeutsch

 

das lehrmädchen in der schneiderei

meiner großtante käthe

in berlin-schöneberg hat mir

die stuhllehne gezeigt

die sie von der saalschlacht

beim bill haley-konzert

im sportpalast

neunzehnhundertachtundfünfzig

mitgenommen hat:

das war meine erste begegnung

mit dem  rock´n´roll


Alfons Huckebrink (*1953)

33 upm

oder

der nachmittag, als ich RUBBER SOUL erstand

 

und abhörte war der schönste

(bis anhin) IN MY LIFE wozu gar

nicht viel gehörte also ich kaufte

das vage vinyl nach der penne

vom letzten geld zog mich zurück

YOU WON’T SEE ME zog die Kopf

Hörer auf und ab gings DRIVE

MY CAR auch ich ein starr fühlte

ich ein starr mit meiner mofaliebe

ach du liebes GIRL auch ich an

jenem fernen nachmittag im finstren

dezember 65 eine ausnahme

erscheinung goldkäfer pfau gar

paneel in NORWEGIAN WOOD

zwar das streichholz zum zünden

der selbstgedrehten im blauen

rauch WAIT stöhnte MICHAELA

dann auftritt des vaters in strick

zeug in bembellaune und schaum

mundig als fachmann völkisch

bei IF I NEEDED SOMEONE riss

mir den kopfhörer weg ja spuckte

THE WORD aus: Negermusik ja

mein haus ist kein kraal kapierst du

ist eine kaserne yeah ein koben ich

WHAT GOES ON? schnarrte Ringo

RUN FOR YOUR LIFE dachte ich

spießer mit den drittreichdefekten

der nyltestseele I’M LOOKING

THROUGH YOU heutige jugend

an schlagmichel: kein schöner

leben als THINK FOR YOURSELF.

Text/Hörbuch: „Wassertropfen und Seifenblase“

  • Veröffentlicht: 16.08.2018 · Zuletzt aktualisiert: 03.09.2018

Zur Unterstützung unserer gleichnamigen Ausschreibung des 4. Gedichtfilmwettbewerbs und als Angebot an Wertschätzer dieser Dichtung veröffentlichen wir das Text/Hörbuch „Joachim Ringelnatz, Wassertropfen & Seifenblase. Ausgewählte Gedichte“

Das Text-/Hörbuch enthält 39 Gedichte, 5 davon auch in englischer Übertragung von Ernest A. Seemann.

Sprecher/innen: Steffi Böttger, Johannes Gabriel, Mayjia Gille, Axel Thielmann

Idee und Auswahl: Ralph Grüneberger

Preis: 9,95 €

Lieferbar ab Ende August

Verbindliche Bestellungen nehmen wir ab sofort entgegen, richten Sie diese bitte an: kontakt@lyrikgesellschaft.de oder senden Sie eine Postkarte oder einen Brief an Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig

„Worthaft. Texte politischer Gefangener“ erschienen

  • Veröffentlicht: 10.08.2018 · Zuletzt aktualisiert: 19.09.2018

Nach „Immer schneller. Schülergedichte“ (2012) und „Gedichte von Welt. Leipzigs Partnerstädte“ (2014) erscheint mit „Worthaft. Texte politischer Gefangener“ die 3. Sonderausgabe der Zeitschrift „Poesiealbum neu„.

Sie vereint Lyrik, Liedtexte, Prosa, Publizistik sowie umfangreiche Informationen zu den 50 Autorinnen und Autoren dieser von Ralph Grüneberger ausgewählten und zusammengestellten Ausgabe.

Der Dank gilt Siegmar Faust und Lutz Rathenow für ihre vielfältigen Vorschläge und Hinweise.

Gegenstand dieser Texte sind nicht allein die Haftbedingungen und -anlässe in der Sowjetisch besetzten Zone (SBZ) bzw. der späteren DDR. Mit den Rubriken „Der Gast“ und „Klassik“ kommen auch im Deutschen Kaiserreich  und während des Nationalsozialismus verfolgte Autoren zu Wort, ebenso ein zeitgenössischer Dichter aus der Türkei.

Mit großer Trauer gedenken wir unseres am 16. September 2018 gestorbenen Mitgliedes Ulrich Schacht und ehren ihn mit der Hervorhebung seines Gedichtes aus dieser Sonderausgabe:

Ulrich Schacht (1951-2018)

 

Ein Mensch zog aus

die Wirklichkeit zu finden.

so lange –

bis er sie fand: dunkel

war sie. Fast

Nacht.

Doch die Leute lachten

und meinten,

er sähe zu schwarz!

 

Die Herrschenden aber,

die durch Spitzel

über diesen Menschen

informiert wurden,

ließen ihn verhaften.

den,

der die Wirklichkeit

gefunden hatte.

 

Als die Leute das hörten,

flüsterten sie:

Das hat dieser Narr nun davon!

Warum musste er auch so

übertreiben.

 

Gefördert wurde diese Sonderausgabe (s. ausführliche Rezension Leipziger Internetzeitung 27.08.2018) vom Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Die Autorinnen und Autoren der Sonderausgabe:


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Ringelnatz-Gedichtfilm-Wettbewerb – Start am 7. August 2018

Joachim Ringelnatz, "Urtiere", Öl/LW, 1930

  • Veröffentlicht: 06.08.2018 · Zuletzt aktualisiert: 09.11.2018

Pünktlich 135 Jahre nach dem Tag, an dem der Lyriker, Erzähler und Vortragskünstler Joachim Ringelnatz als Hans Bötticher in Wurzen geboren wurde, schreibt die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik in Kooperation mit der Ringelnatz-Gesellschaft in Cuxhaven , dem Ringelnatz-Museum ebendort, dem Joachim-Ringelnatz-Verein in Wurzen und dem dortigen Kulturhistorischen Museum ihren 4. und bis auf weiteres letzten Gedichtfilmwettbewerb aus.

Bildeten bei den vergangenen Wettbewerben jeweils Gedichte aus Ausgaben der Zeitschrift „Poesiealbum neu“ den Anreiz für die Verfilmung, stehen diesmal sämtliche Gedichte des 1883 in Wurzen geborenen und 1934 in Berlin gestorbenen Dichters zur Auswahl. Für die Teilnahme wird keine Teilnahmegebühr erhoben, allerdings ist eine Anmeldung per E-Mail erforderlich. Der Wettbewerb ist bis zum 15. Juli 2019 offen. Zu gewinnen gibt es …


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Veranstaltungen unserer Mitglieder / Ursula Haas

  • Veröffentlicht: 20.04.2019 · Zuletzt aktualisiert: 16.04.2019

Am 10. Mai 2019 um 19:30 Uhr liest Ursula Haas im Antiquariat Morgenstern in Berlin-Steglitz, Schützenstr 54, aus ihrem neuen Lyrik-und Poesienband: „Wortfisch im grünen Aquarium“ (Bodoni).

Veranstaltungen unserer Mitglieder / Monika Littau

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 16.04.2019

Live-Hörspiel von Monika Littau „Nicht APO und nicht Mafia“, mit Christiane Sturm und Rudolf Selbach als Live-Sprecher der Veranstaltung am  Freitag, den 10. Mai 2018, 19.30 Uhr, Kulturschmiede, An der Hütte 3, 2349 Wuppertal.



Gedicht des Monats April

  • Veröffentlicht: 01.04.2019 · Zuletzt aktualisiert: 31.03.2019

Natalie Hannah (*1969)

 

SICILIA

Entlang

dieses Weges

siehst du ein Grün

wie du es

nie wieder sehen

wirst

ein Grün das

still ist so

still

dass du dein

Blut

in den

Adern fließen

hörst.

Quelle: Poesiealbum neu, Ohne Gepäck, Reise Gedichte, Leipzig 2012

Gedicht des Monats März

  • Veröffentlicht: 01.03.2019 · Zuletzt aktualisiert: 03.03.2019

Eckhard Erxleben   (*1944)

orientalische farben

erregt fiebert

die nacht

violett erhitzt

vibrierend unter

den lidern wie

tausend und eine nacht

fliegende teppiche

züngeln vorbei

verlockend mondblass

erst dann safrangelb

vor türkis bebendem

himmel schimmern

opal die leiber

der frauen von nuakno

und tulpepah

schmiegsam im federflaum

sich biegend und wiegend

wie von chagall gemalt

bis endlich dann

mein sternblauer teppich

kommt dass auch ich

aufsteige und fliege

zu dir meine eine

und tausendnacht

Quelle: Poesiealbum neu, „Weißglut. Gedichte zu Farben“, Leipzig 2014

Poesiealbum neu - Weißglut. Gedichte zu Farben
Poesiealbum neu – Weißglut.
Gedichte zu Farben

Geboren ist Eckhard Erxleben in Stendal/Altmark. Er lebt in Osterburg, Lyriker, Prosa- und Kinderbuchautor, Haiku-Dichter, Diplompädagoge, Deutschlehrer, Forstwirt am Silberberg, aktives Mitglied der GZL und der IGdA.

Wir gratulieren ihm herzlich zu seinem 75. Geburtstag und wünschen vor allem Gesundheit und viele kreative Stunden.

Poesiehäppchen, Gedankensplitter, Geistesblitz – Michael Augustin, Meister der Miniatur

Michael Augustin, Der stärkste Mann der Welt

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 28.02.2019
Empfehlung des Monats · März 2019
von Franziska Röchter

Eigentlich müsste man schon wieder einen ganz anderen Band von Michael Augustin empfehlen, ist der Liebhaber von Miniaturen und poetischen Kurzformen im Ausmaß und Umfang seiner Produktivität doch so ganz und gar nicht minimalistisch. Der stärkste Mann der Welt, der beim Einschlafen so gar nicht auf sein Kuscheltier verzichten kann, will jedoch erforscht werden und drängt aufgrund seines lausbubenhaften Titelcharmes in literaturkritischer Hinsicht möglicherweise extensivere Arbeiten wie „Duet of Hopes Nozomi no Nijuso (Japanese Edition, zusammen mit Maki Starfield und Sujata Bhatt, Übersetzer) zunächst in den Hintergrund.

Das titelgebende Gedicht erinnert an Pippi Langstrumpf, an das stärkste Mädchen der Welt, das ganze Pferde tragen kann und zwischen Kirchturmspitzen den Dorfplatz in luftiger Höhe per Seiltanz überquert, es auch mit Verbrechern aufnimmt und in die Südsee sticht, aber nachts allein am Fenster zum Himmel spricht: „Liebe kleine Krummelus, niemals will ich werden gruß.“

Michael Augustins mit „spitzer Feder“ geschriebenen Gedichte, Aphorismen, Gedankensplitter und Minaturen (Verlagsbeschreibung) werden mit 12 ironischen Collagen des Autors illustriert. (Hat nicht Pippi Langstrumpf auch alles selbst gemacht: vom Eierpfannkuchen zur Haarmaske mit rohem Ei bis zu den selbstgebastelten Schrubberschuhen für die Dielenreinigung fiel ihr ständig etwas Neues ein …) Michael Augustin kombiniert die – möglicherweise per Holzstich geschaffenen honorigen Köpfe überaus ordensdekorierter, meist (schnauz)bärtiger und ernst dreinblickender Personen, zumeist Männer, mit Insekten und Meeresgetier als Kopfschmuck – oder Hirnräuber –, was recht albern aussieht, wenn zum Beispiel ein Tintenfisch die Sicht verhindert oder die filigranen Flügel einer überdimensionierten Stubenfliege die Glatze verdecken.

Worüber aber schreibt der Autor, der stellenweise Rätsel aufgibt – so zum Beispiel über die gewichtsrelevanten Schnittmengen zwischen Vergangenheit und Zukunft – und über das Ich und die Anderen sinniert oder über die Analogie zwischen Liebe und einer fleischfressenden Pflanze? Ganz ohne das runde Leder (Strafstoß, Unser Torwart, Was der Ball sagt) geht es bei ihm nicht. Im Kapitel Klamottengedichte wird alles unter die Lupe genommen, was den Menschen zieren und als Attribut dienen kann: von den Socken bis zur Fernsichtbrille, vom Handy bis zum Ohrenstöpsel gibt es fast nichts, das nicht Michael Augustins Spaß an Bedeutungsübertragungen, sprachlichen Spielereien und interessanten Betrachtungen hervorruft.

Aber es gibt auch Gedichte, bei denen das Schmunzeln abgewürgt wird: Vor dem Gewandhaus ist so eines, das uns daran erinnert, dass bei aller Situationskomik oder auch Tragikomik die Vergangenheit, hier Leipzigs, eben auch überschattet wurde. Doch Michael Augustin weiß auch hier mit seinem grotesk-absurden Humor die Dramatik  mit einer spielerischen Leichtigkeit zu entschärfen.

Für wen sind diese Bände – es gibt schon einige dieser Art von Michael Augustin in der Edition Temmen (z. B. Denkmal für Baby Schiller) besonders geeignet? Nun, für Vielreisende, für Zeitarme, für Nachtleser, für Multitasker, für Gestresste, für Witzbolde, für Humorvolle, vor allem aber für Fans von Michael Augustin (u. a. Festival Director von Poetry on the Road, Literatur-Festivalbereicherer all-over-the-world, jahrelanger Lyrik-feature-Readakteur bei Radio Bremen).

Michael Augustin, Der stärkste Mann der Welt
Michael Augustin, Foto Jenny Augustin


Michael Augustin, Der stärkste Mann der Welt
Miniaturen und Gedichte
Edition Temmen, September 2018
ISBN 978-3837870480, 148 Seiten
9,90 €



Gedicht des Monats Februar

  • Veröffentlicht: 01.02.2019 · Zuletzt aktualisiert: 01.02.2019

Helmut Hannig (*1939)

 

zölibatär

 

… da sagte einer –

schnüret die Gürtel

damit eure Hüften

aufstöhnen

und alles darunter Liegende

würgen möge

zum Verdruss eurer Seelen

immerdar

und sie folgten seinem Ruf

da Gehorsam nunmehr

ihre Lenden erstarren ließ

und wenn ein Funke

Begierde aufsteigt

so wende dich an die Schatten

damit du dich verleugnest

und kein Licht dich erkenne

unter deinesgleichen

unter jeder Kutte

die glühende Abgeschiedenheit

fragmentarischer Euthanasie

an der lebenden Substanz

dich richte

zweifelsfrei

die unbiblische Doktrin

die sich wider die Natur

des Menschen stellt

den heimischen Alkoven plündert

Worte durch Nähe verstummen lässt –

des Menschen Geheimnis

unabänderlicher Resonanz

des Urbildes Einmaligkeit

sie gleicht einem Stern

der nur unter Sternen

den kosmischen Code bewirkt

 

und dennoch

der Welt das Kreuz kündet

zuseiten des Lebens zu wandeln

ohne sein erdhaftes Odeur

fiebernd auf den Lippen zu spüren

die Hände ins Erdreich tauchen

aus dem wir entstanden sind

ohne jene Krumen

ergreifen zu dürfen

die das eigene formt

 

um dem ewigen Zauber

unserer Daseinswege

teilhaftig zu werden

 

 

Quelle:

„Stichworte / Galerie des abc …“

8 Broschüren, 24 x 33 cm, je 12 Seiten mit 21 Original Holz- und Linoldrucken, Fadenheftung im Schuber, signiert und nummeriert, limitierte Auflage.

ISBN 978-3-929551-85-3

 

Wir gratulieren unserem Mitglied herzlich zum 80. Geburtstag.

Über die Zuwendung der Welt – Andreas Andrej Peters neuer Gedichtband Rum & Ähre

Andreas Andrej Peters, Rum & Ähre, Gedichte

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 20.02.2019

Empfehlung des Monats · Februar 2019
von Michel Ackermann

Vielleicht kann Lyrik uns das geben: eine sprachliche Zuwendung und Trost dort, wo sich Infotainment, Gossip und unbestellte Welterklärung letztlich im wortreich-bildhaften Luxus aufgenötigter Sprachlichkeit von uns abwendet, ja, uns gar gedemütigt und verletzt hinterlässt. Und wo sich eine häufige Desillusionierung von Politik und ihren Religionen letztlich ebenso von uns abwendet – weil wir als Einzelwesen nun mal nicht wichtig genug sind, ersetzbar und selbst als “very important person“ nicht in tieferem Sinnbezug von systemischem Interesse.


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Förderer und Partner

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der Stadt Leipzig

Kuratorium Haus des Buches e.V.

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Literatursalon
Die Gesellschaft für
zeitgenössische Lyrik e.V.
ist seit 1995 Mitglied in der
1986 gegründeten
Arbeitsgemeinschaft
literarischer
Gesellschaften und
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