Unser Heimlesepreis für 5 Ausgaben des „Poesiealbum neu“

  • Veröffentlicht: 20.01.2021 · Zuletzt aktualisiert: 22.01.2021

Rund 50 %* sparen – und dafür z.B. ein gutes Buch und FFP-Masken kaufen

Im I. Quartal 2021 offerieren wir allen Freundinnen und Freunden zeitgenössischer Dichtung und coronabedingten Stubenhockern ein besonderes Angebot (gilt solange der Vorrat reicht bis 31. März 2021).

Fünf Ausgaben unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ zum Heimlesepreis. Und Sie müssen nicht lange suchen, vielmehr übernehmen wir das für Sie und senden Ihnen fünf Ausgaben als Büchersendung zu. Es sind ganz unterschiedliche Themen, die wir für Sie im Angebot haben. Neben dem Verbundpreis von 20 € plus Versand bietet das Lyrik-Quintett die Möglichkeit, mit anderen in Kontakt und somit in einen Gedanken- und Empfindungsaustausch zu treten. Der Freund und/oder Nachbar, der sich für die Wissenschaft interessiert, die (nette) Nachbarin, die es kaum erwarten kann, ihren oder den Vorgarten für alle aufzuhübschen. Der leitende Angestellte von gegenüber, der plötzlich nicht mehr den bisherigen Stellenwert besitzt und dessen Fenster jetzt viel später erleuchtet sind. Und die Familie, deren Mitglieder nur in der Einzahl empfangen werden dürfen. Bei all dem kann das passende Gedicht helfen und für ein Miteinander sorgen. Schreiben Sie es ab, reißen Sie die Seite raus oder stecken Sie gleich die ganze Ausgabe in den Briefkasten derer, die Sie erfreuen möchten.

„In Familie. Gedichte“
Broschur, 68 S., 6,00 €

„Firma dankt. Gedichte zur Arbeitwelt“
Heft, 32 S., 4,80 €

„Steinbrech. Gedichte zu Pflanzen“
Broschur, 110 S., 7,80 €

„Resonanzen. Lyrik & Wissenschaft“
Broschur, 56 S., 6,00 €

„My generation. Gedichte“
Broschur, 108 S., Preis 7,80 €

Verbindliche Bestellungen richten Sie bitte mit Angabe Ihrer Anschrift an: kontakt@lyrikgesellschaft.de

Selbstverständlich können Sie auch einzelne Titel aus dem Angebot herauslösen und separat bestellen, teilen Sie uns einfach Ihre Wünsche mit.

*) wieso 50 %? Na, wir legen Ihnen noch mit „Immer schneller“ eine seltene Ausgabe bei

„Hey Joe!“ Gedichte zu Amerika – unser Spezial für Biden

  • Veröffentlicht: 18.01.2021 · Zuletzt aktualisiert: 18.01.2021

Auch wenn die Amtseinführung und Vereidigung des neuen Präsidenten Joe Biden in Washington und nicht in New York City stattfindet, wollen wir dieses Ereignis nutzen, um auf unser Poesiealbum neu „Hauptstadt der Sehnsucht. New York-Gedichte“ aufmerksam machen, das – ein Novum unserer Zeitschrift – mit New York-Fotografien von Antonius (zweifacher Gewinner unsere Gedichtfilm-Wettbewerbe) ausgestattet ist.

Preis 8,70 € (plus 2,00 € Versand im Inland / Ausland auf Anfrage) – und das Gute daran ist, wir legen zur Feier des Tages bei Bestellungen bis zum 20. Februar 2021 noch ein weiteres Poesiealbum neu kostenfrei bei – so haben Sie Freude an beiden.

Verbindliche Bestellungen richten Sie bitte kontakt@lyrikgesellschaft.de

Poesiealbum neu »Was wir wollen. Gedichte«

  • Veröffentlicht: 16.01.2021 · Zuletzt aktualisiert: 16.01.2021

Ausschreibung für die Spätherbstausgabe 2021 der Zeitschrift »Poesiealbum neu« im 15. und letzten Erscheinungsjahr.

»Ein Wollen ist das unmittelbare Bewußtsein der Wirksamkeit einer unserer inneren Naturkräfte.«  Johann Gottlieb Fichte

Was wollen wir? Wir wollen unsere Meinung sagen und dafür Gehör finden. Wir wollen veröffentlichen. Wir wollen gelesen werden. Wir wollen Erfolg haben, Anerkennung, zu mindestens Aufmerksamkeit erzielen. Zunächst aber wollen wir raus aus der Pandemie und unsere Freiheit zurück. Wir wollen wieder ungezwungen Freunde treffen, Cafés, Restaurants und die Familie besuchen, ins Kino gehen, ins Theater, zu Lesungen und Konzerten, wollen Ausflüge und Reisen unternehmen, mit anderen Sport treiben, Zeit in Museen, Galerien und Bibliotheken verbringen. Und wir wollen endlich wieder Friseurgespräche. Wir wollen Netz und wir wollen WLAN.  Die (jungen) Eltern unter uns wollen nicht länger Schule und/oder Kindergarten ersetzen müssen und dem provisorischen Arbeitsplatz am Küchentisch entfliehen.

Wir wollen Schokolade und kein Übergewicht, wollen uns gesund ernähren und gesund bleiben. Wir wollen das Tierwohl achten und unsere Mutter Erde nicht vergiften. Selbstverständlich wollen wir mehr als ein Dach über dem Kopf, wir wollen Wohn-Raum und diesen so komfortabel wie möglich, aber am besten mit viel Wärmedämmung und wenig Ressourcenverbrauch. Wir wollen keinen Krieg. Wir wollen nicht, dass jemand auf unserem Parkplatz steht. Wir wollen gleiche Bildungschancen für alle. Wir wollen, dass kein Mädchen zwangsverheiratet wird, wollen keine Kindersoldaten und keine Kinderarbeit. Wir wollen »Brot für die Welt« und werfen dennoch Lebensmittel weg. Wir wollen nicht, dass Flüchtlinge hungern und frieren. Aber wer von uns, will mit ihnen tauschen? Wir wollen noch zig andere Sachen, die nur wir kennen, »des Menschen Himmelreich«. »Wo ein Wille ist, da ist ein Weg«, heißt eine Redensart. »Der Weg ist das Ziel«, heißt eine andere. Ein Trost womöglich, dass nur selten wir es sind, die den Weg tatsächlich auch bestimmen.

Im Zeitraum 15. Januar bis 15. Mai 2021 (Poststempel) lädt die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. (GZL) Autorinnen und Autoren jeden Alters und unabhängig von der Art und Anzahl bisheriger Veröffentlichungen dazu ein, bis zu drei bislang unveröffentlichte Gedichte in deutscher Sprache zum Thema»Unser Willen, unser Wollen« in zweifacher Ausführung als Briefpost einzusenden.

Unaufgeforderte Zusendungen per E-Mail-Anhang werden nicht geöffnet. Das einzelne Gedicht sollte eine Länge von 35 Zeilen (inklusive Titel, Verfassername, Leerzeilen) nicht überschreiten und dem Layout unserer Zeitschrift entsprechen (Zeilenlänge beachten!).

Hinzuzufügen sind eine Kurz-Vita plus aktueller E-Mail-Adresse, die Erklärung, dass der kostenfreie Abdruck erlaubt wird, und die Zustimmung, dass die persönlichen Daten, die allein für den Zweck der Kommunikation und Registration Verwendung finden und keinesfalls an Dritte weitergegeben werden, gespeichert und für eine Veröffentlichung (Ankündigung) auf unserer Webseite verwendet werden dürfen.

Verzichten Sie bitte auf Einsendungen per Einschreiben; wir haben nicht die Kapazität, diese vom Postamt abzuholen.

Die Rechte an den Gedichten bleiben beim Verfasser bzw. bei der Verfasserin.

Auf Wunsch senden wir gern ein Probeexemplar zum Kennenlernen unseres Mediums zu. Die bisherigen Themen sind hier zu finden: https://de.wikipedia.org/wiki/Poesiealbum_neu

Die Preise liegen je nach Ausgabe zwischen 4,80 € und 8,70 € und werden auf Anfrage gern mitgeteilt. Bitte beachten Sie, dass nicht mehr alle Titel lieferbar sind.

Kommt ein Gedicht für die Veröffentlichung in Betracht, setzt sich das »Poesiealbum neu«-Team mit der Autorin/dem Autor in Verbindung. Rückfragen oder Stellungnahmen zu den Einsendungen können nicht beantwortet bzw. geleistet werden. Sobald der Drucksatz abgeschlossen ist (das wird im November sein), werden auf der Webseite der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik die Namen der Autorinnen und Autoren veröffentlicht, deren Text in die Ausgabe zum Themenkomplex »Unser Wille, unser Wollen« Aufnahme fand. Mit ihrer/seiner Beteiligung an der Ausschreibung stimmt die Einsenderin/der Einsender diesem Verfahren ausdrücklich zu.

Jeder Autorin, jeder Autor des Heftes erhält ein Freiexemplar und nimmt mit ihrem/seinem unveröffentlichten Gedicht an der Auswahl für den »Poesiealbum neu«-Preis 2022 teil, der das beste Gedicht des Jahrgangs 2021 prämiert und letztmalig vergeben wird.

Das vornehmlich als Lyrik-Zeitschrift in Erscheinung getretene »Poesiealbum neu« entstand in Anlehnung an das ursprüngliche »Poesiealbum« aus dem Verlag Neues Leben Berlin und veröffentlichte seit 2007 bisher 36 Ausgaben und Sonderausgaben und vereinigte damit rund 800 Autorinnen und Autoren bzw. Künstlerinnen und Künstler. Die 37. Ausgabe zum Thema »Auto-mobilität« ist derzeit in Arbeit und wird aller Voraussicht nach im Spätsommer 2021 erscheinen.

Die Erlaubnis, das etwa 40 Jahre zuvor entworfene Erscheinungsbild zu übernehmen, wurde der GZL vom Verlag Neues Leben 2006 erteilt. Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen fördert alljährlich drei Literaturzeitschriften jeweils in überwiegend 5-stelliger Höhe. Eine Förderung für Redaktion und Herstellung des »Poesiealbum neu« wurde von der Direktion generell abgelehnt. Bisherige Versuche, hier eine Änderung herbeizuführen, gingen ins Leere. Da wir in 14 Jahren weder die Landes-bibliotheken der Bundesländer bzw. die der deutschen Groß- und Universitätsstädte als Abonnenten gewinnen konnten und auch der Buchhandel in Deutschland für das »Poesiealbum neu« nur äußerst minimal als Kommissionär ermutigt werden konnte, blieb die Nachfrage vielfach weit unter den Erwartungen. Ein Weiter-so schließt sich somit aus. Da gute Gedichte kein Verfallsdatum haben und das Lyriklesen dem Lyrikschreiben vorausgehen sollte, wollen wir unser umfängliches Angebot offerieren und können hoffentlich März/April d.J. einen digitalen »Einkaufsladen« mit einem Bestell- und Bezahlsystem eröffnen. Verbindliche Bestellungen nehmen wir jedoch nach wie vor gern auch in herkömmlicher Weise per E-Mail entgegen, richten Sie diese bitte an: kontakt@lyrikgesellschaft.de

Postadresse: Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V., Haus des Buches, Gerichtsweg 28, D-04103 Leipzig

Poesie & Narrheit – ist erschienen

  • Veröffentlicht: 22.07.2020 · Zuletzt aktualisiert: 28.09.2020

Kaum ein Dichter wird in deutschsprachigen Gedichten der Moderne, vor allem in der Zeit nach 1945, so häufig  zitiert, adressiert und porträtiert wie Friedrich Hölderlin.

Anlässlich der 250. Wiederkehr von Hölderlins Geburtstag ist ihm diese Ausgabe gewidmet. Eine fundierte Rezension findet sich in der Leipziger Internetzeitung vom 24. September 2020.

102 Autorinnen und Autoren vereint die Nr. 2/2020 unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ – die jetzt erschienen ist. Eine erste Rezenion finden Sie in der Leipziger Internetzeitung: https://www.l-iz.de/bildung/buecher/2020/09/Poesie-Narrheit-Das-neue-Poesiealbum-neu-ist-ein-vielstimmiges-Bekenntnis-zum-unvergessenen-Geburtstagskind-350458

Verbindliche Bestellungen richten Sie bitte per E-Mail an: kontakt@lyrikgesellschaft.de

Ausgabe umfasst 92 S. und kostet 7,50 €.

Die Autorinnen und Autoren:

Manfred Ach

Esther Ackermann

Johanna Anderka

Michael Augustin

Yvonne Balg

Marianne Beese

Jochen Berendes

Eva-Maria Berg

Franziska Beyer-Lallauret

Hans Gustav Bötticher

Sabine Brandl

Timo Brandt

Wolfgang Braune-Steininger

Hans Dietrich Bruhn

Lars-Arvid Brischke

Daniel Büttrich

Ingo Cesaro

Georg Oswald Cott

Udo Degener

Doris Distelmaier-Haas

Stéphanie Divaret

Jens-Fietje Dwars

Eckhard Erxleben

Leonhard Ehlen

Patricia Falkenburg

Wolfgang Franke

Peter Frömmig

Tuncay Gary

Carlos Gluschak

Peter Gosse

Joachim Gräber

Ralph Grüneberger

Hans-Jürgen Heise (Ps.)

Gisela Hemau

Jörg Hirsch

Sibylle Hoffmann

Johann Christian Friedrich Hölderlin

Dieter Höss

Jan-Eike Hornauer

Roman Israel

Horst Jahns

Johanne Jastram (Ps.)

jottpeh (Ps.)

Stefan Kabisch

Christine Kappe

Karl Kirsch

Eva Kittelmann

Manfred Klenk

Kathrin Knebusch

Katharina Körting

Josef Krug

Grit Kurth

Christine Langer                                            

Anton G. Leitner

Dieter Liewerscheidt

Britta Lübbers

Gustav Lüder

Dietrich Machmer

Helmut Martens

Wolfgang Mayer König

Lisa Elina Memmeler

Eline Menke

Gerd Meyer-Anaya

Sabine Minkwitz

Manfred Moll

Sofie Morin

Andreas Müller

Christoph Müller

Jörg Neugebauer

Walter Neumann

Klaus Nührig

Johann Peter

Jutta Pillat

August von Platen

Nada Pomper

Ariane Hassan Pour-Razavi

Helga Rahn

Anne Rauen

Lutz Rathenow

Andreas Reimann

Andreas-Wolfgang Rohr

Franziska Röchter

Mike Rother

Wolfgang Rischer

Silke Rudl

Bärbel Sanchez

Jürgen Sanders

Ulrich Schacht

Tamara Schinner

André Schinkel

Maren Schönfeld

Ulrich Schröder

Ernst Schulze

Christiane Schulz

Hellmut Seiler

Michael Stahl

Heidrun Stödtler

Ulrich Straeter

Maria Anna Stommel

Bernd Storz

Rüdiger Stüwe

Michael Spyra

Magnus Tautz

Geplant sind zur Präsentation dieser Ausgabe eine Veranstaltung am 26. September 2020 in Leipzig und am 27. Oktober 2020 eine weitere in Tübingen. Nähere Informationen dazu rechtzeitig auf dieser Webseite.

Titelbild nach einem Gemälde von Andreas Weißgeber.

Heimat & Heimatverlust – ist im März 2020 erschienen und ab sofort lieferbar

  • Veröffentlicht: 05.02.2020 · Zuletzt aktualisiert: 24.03.2020

Nachdem uns mehrere hundert Zuschriften aus 10 Ländern erreichten, die vier pralle Ordner füllten, ist die Auswahl getroffen. Statt des eigentliches Heftes mit 32 Seiten erscheint wiederum ein Doppelheft, das die Gedichte von 83 Autorinnen und Autoren vereint. Im Einklang mit den drei Fundstücken von Max Hermann-Neiße (1886-1941), Mascha Kaléko (1907-1975) und Ernst Schulze (1789-1817) kommen – neben zahlreichen bereits bekannten – auch viele weniger bekannte Autorinnen und Autoren zu Wort. Die Spanne reicht vom Jahrgang 1933 bis zum Jahrgang 1998.

Die Autorinnen und Autoren der Ausgabe 1/2020 des Poesiealbum neu:

Sabine Abt

Manfred Ach

Bettina Ambühl-Honegger

Johanna Anderka

Michael Augustin

Marianne Beese

Eva-Maria Berg

Franziska Beyer-Lallauret

Barbara Biegel

Marlies Blauth

Detlev Block

Rosa Both

Hans Dietrich Bruhn

Oliver Bruskolini

Ingo Cesaro

Tetyana Dagovych

Herta Dietrich

Ulrike Diez

Lina Duppel

Rumiana Ebert

Faten El-Dabbas

Patricia Falkenburg

Barbara Finke-Heinrich

Beate Fischer

Ingrid Gorr

Joachim Gräber

Dora Hauch

Kerstin Hensel

Max Herrmann-Neiße  

Jan-Eike Hornauer

Nikola Huppertz

Regina Jarisch

Mascha Kaléko

Stefanie Kemper

Manfred Klenk

Michael Koch

Stephan Krawczyk

Anton G. Leitner

Eva Lübbe

Hans-Hermann Mahnken

Salean A. Maiwald

Wolfgang Mayer König

Renate Meier

Karola Meling

Manfred Moll

Klaus Nührig

B.S. Orthau  

Tobias Pagel

Ursula Pickener

Claudia Pistilli

Helga Rahn

Lutz Rathenow

Andreas Reimann

Helmut Richter

Marianne Rieger

Wolfgang Rischer

Andreas-W. Rohr

Jan Hendrik Rübel

Sonja Ruf

Jörn Sack

Laura Schiele

André Schinkel

Ulrich Schröder

Christiane Schulz

Marlene Schulz

Helga Schulz Blank

Ernst Schulze

Christiane Schwarze

Thomas Sobczyk

Ju Sobing

Werner Somplatzki

Werner Stangl

Christine Steindorfer

Stellmäcke

Carsten Stephan

Wolfgang Stock

Heidrun Stödtler

Bernd Storz

Rüdiger  Stüwe

Dietmar Thate

Ruth Werfel

Katja Winkler

Waltraud Zechmeister

Preis des Heftes 6,50 EUR, Umfang 76 S.

Titelbild nach einem Gemälde von Titus Schade

© VG Bild-Kunst

Am 24. März 2020 erschien in der Leipziger Internetzeitung diese Rezension: https://www.l-iz.de/bildung/buecher/2020/03/Heimat-Heimatverlust-Poesiealbum-neu-versammelt-zuweilen-sehr-ironische-Texte-zum-Thema-Lebensort-und-Sehnsuchtsraum-322977

Poesiealbum neu: New York-Gedichte erschienen

  • Veröffentlicht: 22.12.2019 · Zuletzt aktualisiert: 26.02.2020

Als Nummer 2/2019 unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ haben wir zum Ende des Jahres unter dem Titel „Hauptstadt der Sehnsucht“ Gedichte zur Megametropole auf dem nordamerikanischen Kontinent veröffentlicht. Erstmals wurde in eine Ausgabe des „Poesiealbum neu“ ein Fotozyklus aufgenommen. Der Berliner Fotokünstler Antonius, der Kontakt zur Lyrikgesellschaft seit seinem Gewinn beim Gedichtfilmwettbewerb „Tugenden & Sünden“ hält (hier erhielt er mit der Edelfeder der Waldmann KG den Preis für die besondere Handschrift), ist ein Kenner dieser Weltstadt und bietet dem Betrachter Blickwinkel fern der touristischen Abziehbilder.

„Hauptstadt der Sehnsucht. New York-Gedichte und Fotografien“ umfasst 82 Seiten und kostet 8,70 € und ist ab sofort über die E-Mail-Adresse der GZL kontakt@lyrikgesellschaft.de bestellbar, die Auslieferung erfolgt zu Beginn des neuen Jahres. Eine ausführlich Rezension der Ausgabe findet sich in der Leipziger Internetzeitung vom 26.12.2019. Eine weitere Besprechung erschien auf FIXPOETRY Wir reden über Literatur.

Die Ausgabe 2/2019 enthält Gedichte und einige Übersetzungen ins Amerikanische von

Johanna Anderka

Michael Augustin

Eva-Maria Berg

Heidi Bergmann

Hartmut Brie

Ingo Cesaro

Ulrike Diez

Siegmar Faust

Julietta Fix

Peter Frömmig

Christine Graf

Ralph Grüneberger

Gisela Hemau

Dieter Höss

Ron Horwege

Nikola Huppertz

Yehuda Hyman

Christine Kappe

Paul Alfred Kleinert

Stephan Krawczyk

Gabriele Kromer

Augusta Laar

Joanna Lisiak

Salean A. Maiwald

Wolfgang Mayer König

Walter Neumann

Undine Marion Pelny

Utz Rachowski

Jörg Seifert

Gabriele Stötzer

Daniel Stojek

Monika Taubitz

Holger Teschke

Martin A. Völker

Eine auf 20 Exemplare limitierte Sonderausgabe, die von Ralph Grüneberger und Antonius signiert wurde, enthält eine DVD des gemeinsamen Gedichtfilms „12. September“ sowie einen von Antonius signierten Metall-Fotoprint (Format 20 x 30 cm) und kostet 55,55 €. Die Einnahmen sollen dabei helfen, 2020 eine Präsentation dieser Ausgabe zu finanzieren. Verbindliche Bestellungen bitte ebenfalls an kontakt@lyrikgesellschaft.de richten.

Die neue allmende: Zeitenwende

Empfehlung des Monats · März 2021
von Franziska Röchter

Die allmende – Zeitschrift für Literatur erschien erstmals 1981. Ursprünglich wurde sie von einer Gruppe süddeutscher Schriftsteller und Kulturschaffender gegründet, von denen etliche – u.a. Martin Walser, Adolf Muschg und André Weckmann – später auch Mitherausgeber waren.

Interessant ist die Bezeichnung dieser zweimal pro Jahr erscheinenden Zeitschrift. „Der alte deutsche Rechtsbegriff Allmende bezeichnet ein Gemeinde-Eigentum, dessen Nutzung allen Mitgliedern einer Gemeinde zur Verfügung steht.“ (s. Wikipedia) Der ursprüngliche Anspruch war, „in allen literarischen, essayistischen und dokumentarischen Formen und Genres einen exemplarischen Dialog über Vergangenheit und Gegenwart der allemannischen Region“ aufzunehmen (s. ebd). Die Herausgeber wollten grenzüberschreitend Begriffe wie „Weite und Nähe, Heimat und Fremde“ sich gegenseitig durchdringen lassen, die Zeitschrift wurde als „Kritische Heimatkunde“ bewertet.
Seit Ende der Achtzigerjahre fokussiert sich die allmende auf Themenschwerpunkte von überwiegend allgemein-gesellschaftlichem und kulturellem Interesse: Kulturpolitik in der Krise (48/49, 1996), Lyrik (70/71, 2001), Junge Autoren (75, 2005), ars poetica (78, 2006), Heimat (83, 2009), Liebe, Lust und Leidenschaft (86, 2010), Gedichte (89, 2012), Berlin (92, 2013), Krise der Männlichkeit (93, 2014), Neuer Antisemitismus (98, 2016), Neuer Feminismus (104, 2019) sind nur einige der Themen, derer sich die allmende annahm und annimmt (s. www.allmende-online.de).

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der allmende (100 Ausgaben in 36 Jahren) im Januar 2018 gestanden Herausgeber Hansgeorg Schmidt-Bergmann und Redakteur Matthias Walz in einem Interview mit den Karlsruhe News, die allmende verstehe sich von der Gründung an als eine Literaturzeitschrift im politischen Kontext, die als grenzüberschreitendes Periodikum der gesamten deutschsprachigen Literatur und gerade auch der jüngeren Generation ein Forum bieten wolle.

Dass sich sie aktuelle Ausgabe Zeitenwende dem Umgang mit der weltbeherrschenden Corona-Pandemie annimmt, mutet somit nicht verwunderlich an. Dem Editorial vorangestellt ist ein Zitat aus dem Vorgängerheft Die Welt neu denken. Vom Anthropozän zum Novozän? (105, 2020), das der Medienwissenschaftler und Künstler Peter Weibel als Vermutung / Behauptung in den Raum stellt: Sinn und Zweck des Virus sei es, uns „mit aller Macht in das digitale Zeitalter zu schieben“. Bereits hier, ganz eingangs, kommen dem einen oder anderen Leser sicher noch weitere aus der Pandemie hervorgehende plausible side effects in den Sinn. Vom lediglichen Beschleunigen sich eh schon in Gang befindender gesellschaftlicher Entwicklungen und Prozesse durch das Virus ist weiter die Rede (Michel Houellebecq), von den verheerenden sozialen, ökonomischen und rechtsstaatlichen Folge. Ging es in Ausgabe 105 (Die Welt neu denken) noch um die ersten Erfahrungen mit der Pandemie, so widmet sich die Ausgabe Zeitenwende den Auswirkungen auf die Zukunft, den Folgen, Ängsten und Perspektiven. Das Gute daran ist, dass dieses uns seit über einem Jahr aus sämtlichen Kanälen zuflutende Thema hier in einer literarischen Bandbreite und Formenvielfalt daherkommt – kann man sich doch kaum an ein Thema erinnern, welches in so allumfassender Ausschließlichkeit und mit so viel Nachdruck für unsere Beschäftigung mit demselben sorgte und wahrscheinlich noch sorgen wird.

In „Tischgespräche zur Gegenwart“ tauschen sich Vea Kaiser, Ursula Poznanski, Clemens Berger und Marc Elsberg über erlebte Ausnahmesituationen  innerhalb der aktuellen „Krise“ aus und darüber, wie die Realität die beste Fiktion einholt. Wie sich ursprünglich als positive empfundene Effekte der Pandemie – z.B. Zeitersparnis – durch den ständigen Zwang zur Informationsbeschaffung doch schnell wieder aufheben. „Die richtig guten Romanplots sind die von den Verschwörungstheorien“, meint Ursula Poznanski, während Marc Elsberg sich zum Beispiel die Frage stellt, ob diese „Krise“ etwas mit der Literatur macht und wenn ja, was – hält er doch die Literatur für „ein aussterbendes Ding“.

Bernhard Pörksen (Germanistik, Journalistik, Biologie) schreibt in seinem Essay „Zivilisationstest“ über die durch eigene und unmittelbare Angstreflexe hervorgerufene transformative Wirkung der Corona-Krise. Hier gehe es eben nicht nur um eine Gefahr für Andere, für den Nächsten, für die Spezies allgemein, sondern jeder Einzelne sei selbst unmittelbar betroffen oder könne getroffen werden. Pörksen stellt die Frage, ob es der Menschheit gelingen könne, sich unabhängig von der aktuellen realen Gefahrensituation so weit zu entwickeln und ihr Vorstellungsvermögen so weit zu schulen, dass sie im Hinblick auf zukünftige Gefahren jetzt schon Konsequenzen oder folgerichtiges Verhalten ableiten könne und wie wir darüber hinaus zukünftig leben wollen.  

Insa Wilke, freiberufliche Literaturkritikerin und Moderatorin, glaubt nicht, dass ein neues „Genre“ Corona-Literatur entstehen werde, da der für die meisten gleichermaßen un-/spektakuläre Stoff keine aufregende Lektüre produzieren werde – sie verweist auf die Intelligenz und den Humor einer Marlene Streeruwitz und auf ihr persönlich als Zeitenwende empfundenes Jahr 1989 (Insa Wilke, „5 Fragen – 5 Antworten“, eine Rubrik, die ebenfalls in dieser Ausgabe von Nadja Küchenmeister, Philipp Staab, Peter Stamm, Eva Menasse, Simon Strauß, Andreas Rödder und Peter Schneider bespielt wird).

Zwischen den eher sachlich fokussierten Beiträgen findet sich eingestreute Lyrik von Jan Wagner („de vita caroli quarti“) und Ulrike Draesner (wunderbar beginnend mit: „vermooste hose: wie wir nun ranzen“), Martin Walser, Nadja Küchenmeister und Lutz Seiler,  dazwischen ein Corona-Tagebuch (40 Tage) von Lena Gorelik und eines von Peter Stamm. Neugierig macht ein Auszug / Vorabdruck aus Eva Menasses neuem Roman Dun­kelblum, der im Herbst 2021 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erscheinen wird.

„Was werde ich von diesem Sommer
dem nächsten sagen?
Dass er nicht zu fassen war, …“

lesen wir von Martin Walser in einem Auszug aus seinem neuen Band Sprachlaub oder: Wahr ist, was schön ist, der am 23. März 2021 im Rowohlt Verlag erscheint, und hoffen, dass wir von diesem Sommer mehr werden sagen können, als „dass er wie ein Streichholz war,/ das dir abbrennt zwischen den Fingern …“

In „5 Fragen – 5 Antworten“ beschreibt Nadja Küchenmeister sehr treffend eine Situation nach der Veröffentlichung ihres kurz vor dem ersten Lockdown erschienenen Gedichtbandes, die wahrscheinlich sehr viele Künstlerinnen und Künstler nachempfinden können: „… in den darauffolgenden krisenhaften Wochen und Monaten mochte ich erst einmal nicht mehr an Gedichte denken. Warum auch? Ich hatte ein Buch geschrie- ben, es sollte leben dürfen. Mir kam alles sinnlos vor, demnach drängte mich nichts an den Schreibtisch …“ Und resümiert, dass man derzeit wohl jeden Menschen verstehen könne, der traurig und verzweifelt ist.

Interessante Rezensionen zu Büchern über das Corona-Virus runden dieses textliche Kaleidoskop innerhalb der intergalaktischen Corona-Area ab. Am Ende gibt es noch eine schnelle Fahrt auf dem Preiskarussell der Literatur, die verdeutlicht, dass wenigstens hier noch einiges beim Alten ist. So bietet diese vielseitige Sammlung literarischer und sachlicher Auseinandersetzung mit der „Krise“ letztendlich weitaus mehr als eine akademische Momentaufnahme, sondern lässt uns teilhaben an der persönlichen Betroffenheit literarisch tätiger Künstler*innen.
  
Die Zeitschrift allmende sollte man im Auge behalten.

allmende 106
Zeitenwende – 106. Ausgabe der der allmende – Zeitschrift für Literatur

Dezember 2020 | 40. Jahr
104 Seiten, Br., 160 × 240 mm, s/w-Abb.
Mitteldeutscher Verlag
Einzelheft € 12 / sFr 16,80
ISSN 0720-3098
Einzelbezug: ISBN 978-3-96311-505-9
Abobezug: ISBN 978-3-96311-506-6
12,- € / 16,80- sFr











Gedicht des Monats März 2021

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 01.03.2021

Manfred Allner (*1941)

„… so geht es auch“

Für Kingsley aus Kamerun

Georges B., früher kritischer Journalist
in einem afrikanischen Land,
musste aus seiner Heimat
über fremde Meere und Länder
fliehen.

Angekommen in L.,
Deutschland, bemüht er sich,
auf vielfache Weise Fuß zu fassen. 
So ministriert er auch beim Gottesdienst
in unserer katholischen Gemeinde.

Die Kosten für das Zertifikat, mit dem ihm
die erfolgreiche Teilnahme am Deutschunterricht
bestätigt wird, haben wir – selbstverständlich –
übernommen. Heimisch werden
soll er nicht nur wollen, sondern
auch können.

Worte eines unserer großen Dichter:
„… so geht es auch.“

Gedicht des Monats Februar

  • Veröffentlicht: 09.02.2021 · Zuletzt aktualisiert: 14.02.2021

Hartmut Brie (*1943)

Bildhaftigkeit

Nicht jedes Wort hat ein Ziel, einige drehen und wenden sich ständig im Kreis völlig gedankenlos, einfach aus Freude,

in ihrer Eigenheit sind sie ungebändigt und zauberhaft ursprünglich ohne Wortgewalt in ihrem digitalen Wesen und naturbelassen,

sie in sozialen Netzwerken zu missbrauchen und ihren Wahrheitsgehalt zu verfälschen, zerstört ihre Bildhaftigkeit.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen in den leeren Raum ohne Chiffren und Symbole mit seiner Mitteilsamkeit,

die Visionen einer besseren Zukunft auf der Müllhalde digitaler Errungenschaften, ohne des Wesens Kern zu erfassen,

wir weinen der Sprache Tränen nach und versuchen, ein neues Gerüst zu errichten für ein waghalsigeren Wortgebäude.

Anmerkung: Der Autor möchte sein Gedicht als Zustimmung zur Empfehlung des Monats · Februar 2021 von Marianne Beese verstanden wissen.

Verdichtung als Stilprinzip

Ralph Grüneberger: Enthält Kunstplatzierung! Gedichte & Miniaturen zur bildenden Kunst

Empfehlung des Monats · Februar 2021
von Marianne Beese

In seinem jüngsten Lyrikband setzt sich der Verfasser in Beziehung zu Leben und Werk diverser bildender Künstler bzw. tritt mit ihnen in einen meist poetischen, doch vereinzelt auch erzählerischen oder essayistischen Dialog. Er sucht Einzelheiten der Biographie ebenso gerecht zu werden wie der Eigentümlichkeit des künstlerischen Schaffens. Die ‚großen Namen‘ der Moderne erscheinen und es wird auf Ereignisse Bezug genommen, die sich biographisch-episodisch mit ihnen verbinden. Es rücken aber auch heutige, noch lebende Maler und Grafiker in den Fokus, und hier dominieren Künstler des sächsischen Umfelds. Bei ihnen spielt die meist enge Bindung an ihren Heimatort – etwa die Stadt Leipzig – eine Rolle und verleiht ihren Werken, wie im Falle von Gerald Müller-Simon, typische Akzente.

Sucht man die im Band versammelten Maler bestimmten Malstilen zuzuordnen, so reicht die Spannbreite von symbolistisch und surrealistisch über expressionistisch bis zu impressionistisch, von figürlich bis zu abstrakt-geometrisch; von kubistisch bis zu veristisch.

In Abbreviaturen wird somit ein Streifzug durch die Geschichte der modernen bildenden Kunst unternommen, an deren Anfang man den Renaissancemaler Hans Baldung Grien setzen könnte. Der damalige Standort und Blickwinkel wird mit dem heutigen zusammengeführt; Zeit- und Kulturgeschichte scheint gleichsam auf in zweifacher Brechung: durch die Perspektive des Malers und des diesen anverwandelnden Dichters. In einer knappen, verdichteten Sprache werden existenzielle Grundkonstellationen skizziert oder Lebenszyklen abgebildet, schöpft der Poet ebenso wie seinerzeit die Maler aus dem Repertoire des Mythologischen, Historischen oder der Gegenwärtigkeit und Alltagswelt. Immer wieder rückt die Mann-Frau-Beziehung in den Blick, kommt Erotisches zur Geltung, so in den Gemälden Griens, oder den Zeichnungen des späteren Picasso; zeigt sich neben der emotional-verbindenden bisweilen auch die zerstörerische Seite der Liebe.

Ist ‚Liebe‘ ein zentrales Thema der betrachteten Bilder, so auch das des Todes, wo alle Lebensalter sich an einem Tisch versammeln, der „aus Sargholz“ ist. Weiteres, was analog zu den Bildern oder den Biografien ihrer Schöpfer in die dichterischen Texte Eingang findet, sind Aspekte des künstlerischen Prozesses bzw., wie im Falle Turners, der Zusammenhang von äußerem Ereignis und Schaffensimpuls, aber auch Momente der Rezeption oder des Nachruhms. Der Antagonismus von ‚Kunst‘ und ‚Leben‘ tritt gelegentlich, und besonders einprägsam bei dem Maler van Gogh, zutage, was in starken Sprach-Bildern wiedergegeben ist, etwa wenn es heißt: „Die Gitter vorm Fenster / Sind Rippen des Schnitters“.

Überhaupt kommt sprachliche Verdichtung immer wieder dadurch zustande, dass Einzelworte mit Bedeutung ‚aufgeladen‘ erscheinen; dass sie in dieser Bedeutungsballung über sich hinausweisen, zu Symbolen werden – oder dass die Mehrfachbedeutung von Wörtern oder Wendungen genutzt wird bzw. die Möglichkeit ihrer Verwendung im wörtlichen, aber auch im übertragenen Sinne. Karg und zugleich inhaltsschwer erscheinen Zusammenhänge; werden Dinge und Menschen zueinander in Beziehung gesetzt und so Lebens-Ab- und Einschnitte veranschaulicht, die oft Tragik bergen; individuelle, wie das Nachlassen der Schöpferkraft nach dem Verlust der Gefährtin bei Dali, oder gesellschaftliche, wie das tendenzielle Überflüssigwerden des Menschen in der gewandelten Arbeitswelt. In dem Gedicht „Die alte Singer“ etwa werden durch sprachliche Kürzel, die sich um Tradition, Handwerk, Zukunft ohne menschliche Arbeit, drehen, sowie durch Wortneuschöpfungen wie „Mutterfaden“, ganze Vorstellungswelten heraufbeschworen.

Anderswo wird auf Traditions-bzw. Kulturzerstörung während der DDR-Zeit verwiesen, so in „Umgestaltung des Karl-Marx-Platzes“ mit der wiederkehrenden, an Kinderreime erinnernden Zeile „Die Kirche ist umgefallen“. Das wohl dunkelste Kapitel deutscher Geschichte ruft ein Text ins Gedächtnis, der von der jüdischen Malerin Friedl Dicker Brandeis handelt, oder auch der „Brief nach Auschwitz“, wobei der gesetzte Kontrast hier der zwischen ahnungslos-naivem Schreibduktus und dem mit unheilvollster Bedeutung beladenen Wort „Auschwitz“ ist.

Gelegentlich nimmt der Stil des lyrischen Subjekts auch eine charakteristische lakonisch-ironische Färbung an, so in dem zu einem Mattheuer-Bild geschriebenen Gedicht „Hinter den sieben Bergen“, wo eine Zusammenschau verschiedener Motive bzw. Kontamination von Wörtern unterschiedlicher Zugehörigkeit und Bedeutung stattfindet.

Die Eigenheit und Innovation bestimmter Stil-Entwicklungen – so spielen etwa bei dem Maler und Grafiker Vasarely Muster, Strukturen, Formen und Farben, doch auch Schwarz-Weiß-Arrangements, eine besondere Rolle – wird lyrisch nachvollzogen, und der Künstler wird gleichsam gefeiert mit dem wunderschönen Begriff „Augenbelohner“.

In „Rock around the clock“ korrespondieren nicht weniger als drei Künste miteinander; neben der bildenden Kunst und der Poesie ist es auch die Musik, die mitspricht und ihre Ekstase-auslösende Wirkung zu erkennen gibt. Lyrisches, Erzählerisches und Bildkünstlerisches finden in der Miniatur „Untitled“ rund um den Maler Mark Rothko, doch etwa auch um den Schriftsteller Joost Zwagermann, zusammen.

Die „Malweise Wagenbretts“ in dem gleichnamigen Gedicht wird durch Bezugnahme auf Theaterkunst verständlich gemacht, wobei im Zentrum der Darstellung des dem Verismus zuzuordnenden Malers das menschliche Gesicht, das einem „Drama“ gleicht, steht.

Das Kunstwerk als Ort zusammengeführter Spannungen bzw. Kontraste – so ließe sich das Gedicht „Der Sucher“, das wiederum auf ein Bild des Leipziger Malers Neo Rauch Bezug nimmt, interpretieren. Erkenntnissuche erscheint als sinnlicher wie geistiger Vorgang; eher Beiläufiges; Heimatlich-Idyllisches, Märchenhaftes und Welthaltig-Bedrohliches sind darin widersprüchlich geeint.

Zum Politikum wurde die – berichtend wiedergegebene – Auseinandersetzung zwischen dem Künstler Rauch und dem Kunsthistoriker Ullrich, zu welcher der Autor Stellung bezieht und bei dieser Gelegenheit auch auf Praktiken der Kunstvermarktung zu sprechen kommt. So sind in dem schmalen Lyrikband zahlreiche Facetten rund um die Themen ‚Kunst‘ und ‚Künstlertum‘ versammelt, doch überwiegt, bei unterschiedlicher Art der Erschließung, das lyrische, d. h. Kunst in Kunst verwandelnde Moment. Wie seine Heranführung an bildende Kunst erfolgte und auf welche Weise diese ihm ständige Wegbegleiterin wurde, hat der Autor u. a. in den Vorbemerkungen dargelegt. In diesem Sinne sind die versammelten Texte auch eine Danksagung an Künstlerinnen und Künstler, die in dem Vermittlungsprozess eine Rolle spielten, sowie an Kunst- und Literatur-Lehrende. Entstanden ist mit der „Kunstplatzierung“ ein bekenntnishaftes, Dichtkunst im besten Sinne als Kunst der Verdichtung präsentierendes, höchst anspruchsvolles und lesenswertes Werk. (Eine ausführliche Rezension erschien in der Leipziger Internetzeitung vom 02. Februar 2021).

Rock Around The Clock – not possible
Nach dem Holzstich „Cry Baby!“ von Tobias Gellscheid

Mädchen, die eigentlich im Kino sind
Der grandma beim Hausputz helfen
Oder mit der Freundin den Hund ausführen.

Sie alle, Highschool-Schülerinnen, junge
Verkäuferinnen aus den Stores, Telephonistinnen
Mädchen der Upper und der Middle Class

Sie alle vergessen die gute Erziehung
Der Woche am Sonntag, werden
Verwechselbar in der Ekstase

Haltlos schweben sie
Von den Sitzen, schlingen
Sich um den Gitarristen

Wie Lianen, beben mit
Den Bassboxen, tanzen
Aus der Reihe, ehe

Sie wieder am Rocksaum ziehen
Die Fönfrisur ordnen
Sie wieder uneins sind.


Ralph Grüneberger, Enthält Kunstplatzierung!
Gedichte & Miniaturen
Format (geschlossen) 14 x 24 cm
36 Seiten, Privatdruck, Auflage je 70 Exemplare
erscheint im Januar 2021
Preis der Vorzugsausgabe: 130,70 €
Preis der Normalausgabe (ohne Grafikbeigabe): 16,02 €

Dank privater Förderer kann die Vorzugsausgabe bis
zur geplanten Buchpremiere am 30. Mai 2021 zu einem
Subskriptionspreis von 100,70 € angeboten werden.

Verbindliche Bestellungen sind ab sofort an
kunstplatzierung@web.de erbeten.

Gedicht des Monats Januar 2021

  • Veröffentlicht: 01.01.2021 · Zuletzt aktualisiert: 31.12.2020

Ingrid Miller (*1961)
Dieses Zuhause

Monate sind vergangen
die Katze springt mir entgegen
als hätte ich eben
das Haus verlassen

kniehohes Gras
Löwenzahn im Garten
fischlos der Teich
trocken das Brunnenfroschmaul

die Fenster vorwurfsvoll
als hätte ich eine Wahl gehabt
auf der Treppe zerfallen Jahre zu Staub
noch immer mein Name am Türschild

kein Schlüssel erschließt mir Sinn
ich klingle. Stille
Splitter treffen mich
als du öffnest mit deinem Lächeln


Quelle: „In Familie“, Poesiealbum neu, Leipzig 2013
Poesiealbum neu - In Familie. Gedichte

Wir gratulieren unserem Mitglied Ingrid Miller zu ihrem 60. Geburtstag,
den sie in diesem Monat begeht.

Artenvielfalt – Ode an das Leben

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 31.12.2020

Empfehlung des Monats · Januar 2021
von Peter Schröder

Die mittlerweile seit vielen Jahren aktive Dichterin, Schriftstellerin und Verlegerin Franziska Röchter überraschte in der Vergangenheit immer wieder mit interessanten Publikationen, neben zahlreichen thematisch vielfältigen Buchveröffentlichungen anderer Autoren in ihrem chiliverlag machte sie zuletzt durch ihre im geest-Verlag 2015 erschienene Gedichtsammlung „am puls“ auf sich aufmerksam. Darüber hinaus ist Röchter bereits einige Male in der bekannten jährlichen Lyrik-Sammlung „Das Gedicht“ von Anton G. Leitner erschienen, auch in der aktuellen Ausgabe ist sie vertreten. Nun hat die Mutter und Lebenskünstlerin nachgelegt und einen weiteren Gedichtband mit dem Titel „Artenvielfalt“ herausgebracht, der ab November letzten Jahres erworben werden kann.  

„Artenvielfalt“ erscheint wie eine Lebensbejahung, wie eine Ode an das Leben schlechthin, das trotz aller Widrig- und Hässlichkeiten am Ende doch wertvoll und positiv anmutet. Der Untertitel des Gedichtbandes, der wohl auch als Widmung verstanden werden kann, lässt schon anklingen, dass Franziska Röchter hier eine besondere Inspirationsquelle als Grundlage genommen hat, um querbeet durch die Pflanzen- und Lebewesen-Welt die Schönheit der Natur und Schöpfung zu preisen. Ihrem bekannten Stil treu, geht es hier humorvoll bis augenzwinkernd-selbstironisch, aber durchaus fast immer mit einer gewissen Tiefe und unterschwelligen Traurigkeit zur Sache, ohne ins Kitschige oder Wehleidige abzurutschen. Röchter gelingt das, was vielen nicht gelingt: eine gewisse Leichtigkeit und Komik auszusenden und dieser am Ende doch eine melancholische und nachdenkliche Drehung zu verleihen. Die Gedichte lesen sich allesamt sehr gut und animieren zum lauten Mitlesen, eine unzweifelhafte Melodik und Musikalität findet sich in vielen Titeln wieder. Kurz gesagt: Die Gedichte haben vielfach Liedermacher-Potenzial. Einen bestimmten Favoriten hier herauszupicken fällt schwer, am besten überzeugt sich der interessierte Leser selbst davon. Auf 84 Seiten für 9,90 € (Softcover) oder zusätzlich als Hardcover ist die Neuerscheinung seit dem 30. November 2020 über die bekannten Verkaufsstellen zu haben. Es lohnt sich, vor allem um sich in diesen düsteren Zeiten mal zur Abwechslung ein Lächeln auf die Lippen zu malen.


Franziska Röchter, Artenvielfalt – Gedichte für ein besonderes Kind
November 2020, 84 Seiten, illustriert
Hardcover:  978-3-943292-87-9   Euro 18,00
Softcover:   978-3-943292-89-3   Euro  9,90
im chiliverlag

Gedicht des Monats Dezember 2020

  • Veröffentlicht: 01.12.2020 · Zuletzt aktualisiert: 30.11.2020

Michael Manzek (*1970)
Leipzig

Eine Stadt, die dich ungeniert angähnt,
sich vielleicht sogar sehnt 
nach einem Wetter in der abweisendsten Art, 
das die Stimmung ihres Trotzes bewahrt.

Dann glaubt man in den Straßen und Gassen,
Umrisse von Spaziergängern zu sehen,
die einem lautlos nachgehen oder weit hinter sich lassen.

Eine Stadt, die dich provozierend anspuckt,
erst abwarten will, ob man sich duckt.

aus: Poesiealbum neu,  „Leipzig im Gedicht“, Leipzig 2015

Wir gratulieren unserem Mitglied Michael Manzek herzlich zum Halbjahrhundertgeburtstag im Dezember d.J. und wünschen dem
Berliner noch um einiges erfreulichere Spaziergänge in der Stadt,
in der die Lyrikgesellschaft ihren Sitz hat.

Förderer und Partner

Förderer


Kulturamt
der Stadt Leipzig

Kuratorium Haus des Buches e.V.

Partner

Bührnheims
Literatursalon
Die Gesellschaft für
zeitgenössische Lyrik e.V.
ist seit 1995 Mitglied in der
1986 gegründeten
Arbeitsgemeinschaft
literarischer
Gesellschaften und
Gedenkstätten e.V.