Der andere Ort

  • Veröffentlicht: 02.04.2018 · Zuletzt aktualisiert: 02.04.2018

Gisela Hemau (*1938)
Der andere Ort

Gott war die hohe
Stimme meines Vaters
vermischt mit
dem Rauschen
des Baums
an dem ich
hing
halb tot halb lebendig

Jetzt fahre ich und fahre
Vorbei an einem wolken-
verwischten Ortsschild
auf dem Ann Arbor steht
Meine Mutter heißt Ann
Die Straße verliert sich
Neben mir sitzt mein
Vater

Quelle: Poesiealbum neu „In Familie“, edition kunst & dichtung, Leipzig 2013

Poesiealbum neu
„In Familie. Gedichte“, edition kunst & dichtung, Leipzig 2013
Ausgabe 2/2013

Über Ulrich Becks Lyrikband komm & geh zeiten: Cowboy oder Ritter auf modernen Kriegsschauplätzen

Ulrich Beck, komm & geh zeiten, edition DAS GEDICHT, 2018

Empfehlung des Monats · April 2018
von Franziska Röchter

Wenn ein Lyriker die „Härte der modernen Arbeitswelt mit ihren Athleten des Managements“ (Waschzettelbeschreibung) thematisiert und selbst ein nicht geringer Teil genau dieser bedichteten Arbeitswelt ist, also in zwei vielleicht nur auf den allerersten Blick extrem gegensätzlichen Parallelwelten zuhause ist, dann wird man neugierig und fragt sich, wie er das macht. Wenn man aus Ostwestfalen kommt und gleich im ersten Gedicht auf der Innenseite des Schutzumschlages dieses qualitativ hochwertigen Hardcoverbandes mit Lesebändchen Bielefelds Existenz mit der Unsichtbarkeit von Briefkasten- oder Scheinfirmen  verglichen wird,  dann muss man sich Ulrich Becks Gedichte einfach einmal genauer anschauen …

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Andreas Reimann mit dem Poesiealbum neu-Preis 2018 geehrt

  • Veröffentlicht: 18.03.2018 · Zuletzt aktualisiert: 25.03.2018
Der in diesem Jahr von der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik zum 2. Mal vergebene „Poesiealbum neu-Preis“ geht an den in Leipzig
ansässigen Lyriker Andreas Reimann für sein Gedicht „DIE FRÜCHTE“, das die Jury als das beste aus 200 unveröffentlichten Gedichten
des Jahrgangs 2017 ermittelt hat. Andreas Reimann erhält die Edelfeder der Firma Waldmann KG aus Birkenfeld in der Nähe von Pforzheim.
Die Jury, bestehend aus Dr. Therese Chromik, Dr. Wolfgang Braune-Steininger und Klaus Pankow, hat ihre Entscheidung wie folgt begründet:

Andreas Reimann

 

„bis zu den engeln unter der erde“ & Die Leichtigkeit der Fülle : neue Lyrik von Blankenburg bis Gütersloh

neue lyrik bei chili

  • Veröffentlicht: 01.03.2018 · Zuletzt aktualisiert: 01.03.2018

Empfehlung des Monats · März 2018
von Michel Ackermann

Thomas Rackwitzs zupackender lyrikband “IM TRAUM DER DICH NICHT SCHLAFEN LÄSST“ und Jürgen Zimmermanns „SAISONLYRIK

es geht ein mediales lächeln um, im zeitalter digitaler glücklichkeit. möglichst selfie-made, sozusagen eine art ego-digitales wasserstoffbömbchen, um die sozial-psychologisch obligatorische aufmerksamkeitsquote optimierter erreichen zu können. selbst die traurig-glücklosen hat die omni-glückliche gesellschaft im zweifelsfall fröhlich zu inkludieren.  denn auch egalität ist ein understatement in der ungleichen gesellschaft. solch epidemisches understatement hat längst auch alle genres der kunst ergriffen. mindestens die jedenfalls, welche abseits unbeliebter negativer dialektik darum bemüht ist, in der tonalität und totalität der lächelnden gesellschaft ihren “auch-ein-bisschen-fröhlichen-ego-platz“ zu finden.


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Selbstbildnis

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 27.02.2018

Wolf Wiechert (*1938)
Selbstbildnis

Lange
hielt der Priester
seinen Riemenschneider
einbruchsicher
in der Sakristei
gefangen.

Kürzlich
stellte sich heraus
das im Tresor
die Luft
nicht richtig
zirkulierte.

Seither
will er nun riskieren
den Christen wieder
beim Altar zu installieren
selbstverständlich mit
Alarmanlage.

Quelle: Poesiealbum neu „Bild und Bildner“, Leipzig 2010

Poesiealbum neu „Bild und Bildner“, Leipzig 2010

 

 

 

 

Von fliegenden Hunden und schuhlosen Vögeln: Gabriele Kromers Fantasiewelten

Manche Hunde fliegen - Gedichte und Bilder von Gabriele Kromer

  • Veröffentlicht: 01.02.2018 · Zuletzt aktualisiert: 01.02.2018

Empfehlung des Monats · Februar 2018
von Franziska Röchter

 

Ein bisschen gaga, ein bisschen dada, ein bisschen crazy – und sehr viel Esprit!

Von manchen schönen Dingen erfährt man erst, wenn man mit der Nase drauf gestoßen wird. So auch von diesem hochwertig aufgemachten und durchgängig mit Bildern versehenen Lyrikband von Gabriele Kromer aus 2017, der durch sehr charmante, in sehr verschiedenen Mischtechniken angefertigte Kunstgrafiken besticht, von denen viele etwas mit einem Hund zu tun haben – aber nicht alle.
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Meine Großmutter

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 31.01.2018

Katharina Düwel (*1948)
Meine Großmutter

„Höll Hitler“ oder „Litler“ hat sie gesagt.
Das fiel nicht auf.
Gebetet hat sie um das Spuk-Ende
und für den gefallenen Sohn.
Gegen die Kälte hatte sie Worte
und altes Schuppenholz,
ihr Eingemachtes
brachte Verwandte
durch Hunger und Not.

Deutsch zu lehren –
dieser Wunsch blieb ihr Traum.
Sie herrschte, vereinnahmte, verwöhnte
wickelte Wunderknäule
redete gern, mochte Gedichte, kochte gut
und laut war sie auch.

Doch niemand hat
ihr Menorah-Versteck geahnt,
die Synagoge war zerstört.
Im Frieden gab sie den Leuchter zurück.
An wen.

Quelle: Poesiealbum neu „In Familie“, Edition kunst & dichtung, Leipzig 2013

Poesiealbum neu: „Vom Glück. Gedichte“ – die Jubiläumsausgabe

  • Veröffentlicht: 28.01.2018 · Zuletzt aktualisiert: 23.03.2018

In unserer Frühjahrausgabe 2018, die den 12. Jahrgang unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ eröffnet, veröffentlichen wir von 78 Autorinnen und Autoren Gedichte zum Thema Glück.

Präsentiert wird die 25. reguläre Ausgabe während der Finissage der Ausstellung „FÜNFZIG/FÜNFUNDZWANZIG“ am 1. März in der Leipziger Stadtbibliothek, Beginn 19 Uhr, von Steffi Böttger und dem Herausgeber Ralph Grüneberger, sowie wenige Tage später am 17. März um 18 Uhr im Gohliser Schlösschen im Rahmen der Leipziger Buchmesse von 10 Mitgliedern der Lyrikgesellschaft.

Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei. Lieferbar ist die Jubiläumsausgabe nach der Leipziger Buchmesse und kann direkt bei der GZL kontakt@lyrikgesellschaft.de oder über den Buchhandel bestellt werden.

66 S., Preis 6,50 €

L-IZ_Rezi_Vom_Glueck_170318.pdf

– als Abonnent/in erhalten Sie 2 Ausgaben im Inland für 12 € p.a. frei Haus (Auslandspreis  auf Anfrage)

Die Gedicht-Autorinnen und -Autoren der Ausgabe „Vom Glück“  sind:


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Ein Leben: Aufgewachsen an der Memel, Schüler in Königsberg, Soldat und Gefangener am Don, Dichter in Deutschland

Johannes Bobrowski, Gesammelte Gedichte

  • Veröffentlicht: 01.01.2018 · Zuletzt aktualisiert: 31.12.2017

Empfehlung des Monats · Januar 2018
von Ralph Grüneberger

In der noch vom Ober-Ausleser Marcel Reich-Ranicki herausgegebenen Sammlung „Hundert Gedichte des Jahrhunderts“, die zehn Jahre nach dem Ende der deutschen Teilung lediglich drei Gedichte zweier in der DDR verbliebener Lyriker zur Jahrhundertausbeute zählt, ist immerhin ein Gedicht von Johannes Bobrowski zu lesen. Ein Werturteil des Literaturgrantlers und eine Anregung gleichermaßen.
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Wegwarte

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 31.12.2017

Johannes Bobrowski (1917-1965)
Wegwarte

Wegwarte, mädchenschmale,
ich seh dich immer stehn,
wo mir die Wege alle
der Welt zuende gehn.

Dort kommt hell vor dem Walde
der Fluß die Felder her.
Dort warte an der Halde,
bis daß ich wiederkehr.

Quelle: Poesiealbum neu „Steinbrech. Gedichte zu Pflanzen“, Ausgabe 2/2017, hrsg. von Ralph Grüneberger,
Edition kunst & dichtung, Leipzig 2017
Das Gedicht ist der Sammlung: Johannes Bobrowski, Gesammelte Gedichte, hrsg. von Eberhard Haufe, DVA, Stuttgart 2017, entnommen.

Förderer und Partner

Förderer


Kulturamt
der Stadt Leipzig

Kuratorium Haus des Buches e.V.

Partner

Bührnheims
Literatursalon
Die Gesellschaft für
zeitgenössische Lyrik e.V.
ist seit 1995 Mitglied in der
1986 gegründeten
Arbeitsgemeinschaft
literarischer
Gesellschaften und
Gedenkstätten e.V.