„Überall können wir singen“ – postpoetry.nrw

  • Veröffentlicht: 31.07.2017 · Zuletzt aktualisiert: 01.08.2017

postpoetry.nrw, Poesiebotschaften aus fünf Wettbewerbsjahren, herausgegeben von Monika Littau

Empfehlung des Monats · August 2017

Maren Schönfeld (c) G. v. d. Kammer

von Maren Schönfeld

 

Hamburg ist wirklich eine schöne Stadt und ich lebe unheimlich gern hier. Aber seit ich von dem Projekt postpoetry.nrw gehört habe, überlege ich doch, meinen Wohnsitz nach Nordrhein-Westfalen zu verlegen, damit ich da mitmachen kann. „Poesiebotschaften aus fünf Wettbewerbsjahren“, herausgegeben von Monika Littau, ist ein Lesebuch mit Gedichten der Preisträgerinnen und Preisträger aus den Jahren 2010 bis 2014. Aber was ist das eigentlich für ein Wettbewerb?

Monika Littau erklärt es in ihrem Vorwort, hier will ich nur einige wesentliche Punkte aufgreifen. Nähere Informationen bietet der Blog (s. u.).

Es gibt zwei Kategorien (Lyrikerinnen und Lyriker / Nachwuchsautorinnen und -autoren), für die anonymisierte Beiträge eingereicht werden. Die jungen Autorinnen und Autoren haben Gelegenheit, in einem Workshop mit erfahreneren Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten. Die Tandempartner geben auch gemeinsam Lesungen. „Das Projekt soll den Nachwuchs fördern und zugleich Lyrikerinnen und Lyriker des Landes NRW in ihrer Arbeit unterstützen“ (Vorwort). Seit Beginn des Projekts 2010 wurde 49 Preisträgertexte von 19 Lyrikerinnen und Lyrikern und 27 Nachwuchsautorinnen und -autoren ausgewählt (Wiederbewerbung ist möglich). Im Lesebuch sind neben dem jeweiligen Preisgedicht zwei weitere Gedichte veröffentlicht, sodass ein etwas umfassenderer Eindruck des lyrischen Schaffens gegeben wird. Bemerkenswert ist, wie viele Menschen und Organisationen Monika Littau mobilisiert hat, die das Projekt unterstützen und tragen. Auf den letzten Seiten der Anthologie sind diese genannt.

Und wie spannend ist dieses Buch! Ganz berechtigt heißt es Lesebuch, denn man kann sich, hat man einmal angefangen zu lesen, gar nicht wieder losreißen. In vier Kapiteln werden Preisträgerinnen und Preisträger, Nachwuchspreisträgerinnen und -preisträger, Mentorinnen und Mentoren sowie das Projekt, beteiligte Städte und Einrichtungen, Förderer und Träger vorgestellt. Dem jeweiligen Preisgedicht ist ein Vermerk zugefügt, der eine unaufdringliche Interpretation anbietet und die Beweggründe der Jury aufzeigt. Zwei weitere Gedichte, ein Autorenfoto, kurze biografische Angaben und eine literarische Vita runden die einzelnen Vorstellungen ab. In den Vermerken, im Buch „Zugänge“ genannt, finden sich inhaltliche wie formelle Hinweise, die ganz nebenbei auch lyrische Grundbegriffe erläutern. So können Lesende tiefer in das Schreiben und Handwerk der Lyrik einsteigen und gleichzeitig eine atemberaubende Vielfalt in Themen, Formen und Wortschöpfungen genießen. Die Autorinnen und Autoren jeden Alters finden Bezüge zu den kleinen und großen Themen des Lebens, aber auch zu aktuellem Zeitgeschehen, geschichtlichen und politischen Ereignissen. Sie arbeiten mit freien Formen, die manchmal an alte Gedichtformen erinnern, aber neue Varianten und Eigenständigkeit haben, aber auch mit Reimen, melancholisch bis leicht. Die Preistexte werden als Postkarten versandt, damit sie weitere Leserinnen und Leser finden. Daraus ist der Name des Projekts entstanden. Diese Postkarten werden auch im Internet präsentiert (s. u.).

Lyrik lebt, das zeigt sich in diesem Lesebuch sehr deutlich, und dass Lyrik lesen glücklich macht, wissen die Fans des Gedichts längst. Wollte ich jetzt anfangen zu zitieren, würde ich all jenen Texten und Autorinnen/Autoren, die ich aus Platzgründen nicht zitieren kann, nicht gerecht. Darum zitiere ich nicht, jedenfalls fast nicht, sondern nur eine Gedichtüberschrift von Marie T. Martin: Und überall können wir singen (S. 40). In diesem Lesebuch wird, ganz wie die Tradition es verlangt, gesungen (Lyrik in der Ursprungsbedeutung: Gesang zur Lyra). Wenn Sie laut lesen, singen Sie also mit. Meine Empfehlung: Lesen Sie! Singen Sie!

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Die Autorin Monika Littau ist Vorsitzende der Gesellschaft für Literatur NRW. Sie entwickelte und begleitet postpoetry.nrw seit 2010 und ist Herausgeberin des Lesebuchs.

Autorin und Herausgeberin Monika Littau

 
postpoetry.nrw, Poesiebotschaften aus fünf Wettbewerbsjahren, Ein Lesebuch, Gedichte und Zugänge,
herausgegeben von Monika Littau, Edition Virgines, 2015, € 15, erhältlich im Buchhandel
http://postpoetrynrw.blogspot.de

 

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