VERLÄNGERT BIS 31.10.19 (POSTSTEMPEL)!„Poesie und Narrheit“ – gesucht werden Gedichte und Notate

  • Veröffentlicht: 01.07.2019 · Zuletzt aktualisiert: 13.10.2019

„Poesie und Narrheit“ – gesucht werden Gedichte und Notate

„Poesiealbum neu“ 1/2020 zu Ehren von Friedrich Hölderlin

Dass ein wirkliches Gedicht nicht altert, zeigt uns Hölderlins „Hälfte des Lebens“, das zu seinen bekanntesten gehört und vor 215 Jahren das erste Mal veröffentlicht wurde. Um ihn zu ehren, dessen Geburtstag sich im nächsten Jahr zum 250. Mal jährt, widmen wir unsere „Poesiealbum neu“-Ausgabe im II. Halbjahr 2020 Friedrich Hölderlin.

Sein Wesen und Wirken wurde – wie wohl bei keinem zweiten deutschen Dichter – als „Poesie“ in Verbindung mit „Narrheit“ definiert. Beides sollte ihm im Universitätsklinikum Tübingen ausgetrieben werden. Dass das Begriffspaar „Poesie und Narrheit“ sehr wohl zusammenpasst, wollen wir fast drei Jahrhunderte später mit Analogien bekräftigen. Gewiss ist, dass Menschen, zumal Dichtern, in Zeiten der Unfreiheit der postulierte Freiheitswille als Irr-Glaube bescheinigt wurde. Nicht von ungefähr ist Hölderlins Freiheitsbegriff ein himmlischer wie auch seine Dichtung voller mythologischer Bezüge ist. Insofern freut es uns, dass die Premiere dieser Ausgabe im Spätsommer 2020 im Verbund mit dem Arbeitskreis Vergleichende Mythologien e.V., der im nächsten Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert, stattfinden wird.

Im Zeitraum 1. Juli bis 15. Oktober 2019 laden wir ein, sich mit bis zu drei Gedichten und/oder Notaten mit Bezügen speziell zu Friedrich Hölderlin oder allgemeiner zu den Themen Freiheit und Lebenshälfte zu beteiligen. Eine Einsendung kann also praktisch allen drei Vorgaben und beiden Genres gelten.

Auf dem Postweg können bis zu drei, möglichst bislang unveröffentlichte Texte in deutscher Sprache und in 3-facher (!) Ausführung auf je einer eigenen Seite eingereicht werden. Die Gedichte bzw. Notate sollten eine Gesamtlänge von 35 Zeilen (inklusive Titel, Verfassername, Leerzeilen) nicht überschreiten und dem Layout unserer Zeitschrift entsprechen (Zeilenlänge beachten!).

Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.

Haus des Buches
Gerichtsweg 28
04103 Leipzig

Hinzuzufügen sind eine Kurzvita plus aktueller E-Mail-Adresse, die Erklärung, dass der kostenfreie Abdruck erlaubt wird, und die Zustimmung, dass die persönlichen Daten, die allein für den Zweck der Kommunikation und Registration Verwendung finden und keinesfalls an Dritte weitergegeben werden, gespeichert und für eine Veröffentlichung (Ankündigung) auf unserer Webseite verwendet werden dürfen.

Verzichten Sie bitte auf Einsendungen per Einschreiben; wir haben nicht die Kapazität, diese vom Postamt abzuholen.

Kommt ein Gedicht oder Notat für die Veröffentlichung in Betracht, setzt sich das „Poesiealbum neu“-Team mit der Autorin/dem Autor in Verbindung. Rückfragen oder Stellungnahmen zu den Einsendungen können nicht beantwortet bzw. geleistet werden. Sobald der Drucksatz abgeschlossen ist, werden auf der Webseite der GZL die Namen der Autorinnen und Autoren veröffentlicht, deren Text in die Ausgabe zum Themenkomplex „Freiheit. Lebensherbst. Hölderlin“ Aufnahme fand. Mit ihrer/seiner Beteiligung an der Ausschreibung stimmt die Einsenderin/der Einsender diesem Verfahren ausdrücklich zu.

Jeder Autorin, jeder Autor des Heftes erhält ein Freiexemplar und nimmt mit ihrem/seinem unveröffentlichten Gedicht an der Auswahl für den „Poesiealbum neu“-Preis 2021 teil, der das beste Gedicht des Jahrgangs 2020 prämiert. Die Notate können in diesem Format leider nicht berücksichtigt werden. Aber wir finden eine andere Möglichkeit, um den/die Verfasser/in des besten Notates zur Leipziger Buchmesse 2021 auszuzeichnen.

Wer Gedichte bzw. Notate mit Bezug zu Leben und Werk Hölderlins einreicht, diesen bzw. diese bitten wir, den Bezug in Form einer ausführlichen Anmerkung zu begründen und ggf. mit einem Werkauszug und einem Quellenverweis zu belegen.

Leipzig, im Juni 2019 / Änderung des Erscheinungszeitraums: Spätsommer 2020

Günther Butkus‘ Herzensangelegenheiten: Bekenntnisse eines Verlegers

Günther Butkus, Herzband. 366 Gedichte über Liebe und Verlust

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 30.06.2019

Empfehlung des Monats · Juli 2019
von Franziska Röchter

Zugegebenermaßen: Bei solch verbalem Herzensüberschuss schon in der Titelvergabe der einzelnen Texte (366 Gedichttitel, die als Komposita das Wort Herz beinhalten, dies zum ganz überwiegenden Teil als Wortbeginn) schwant einem zunächst ein höchst emotionaler Überhang. Und hat nicht auch manch einer den Bielefelder Verleger Günther Butkus – vielleicht pseudonymisiert – möglicherweise eher in der Ecke der hartgesottenen Kriminalschreiber vermutet?

Zunächst überrascht die Größe des Buches. Bei 366 angekündigten Herz-Gedichten befürchtet man eingangs, unter Umständen einen Herzkasper zu erleiden – haben doch vornehme Lyrikbände von Einzelautoren nicht selten bedeutend weniger als 100 Seiten und wirken extrem selektiert. Ein möglicherweise komplettes Lebenswerk von Liebesgedichten erwächst vor dem kalleidoskopischen Auge. Doch wie kommod handlich die in den Abmaßen postkartenklein gehaltene, aber umso kompaktere Sammlung in uni pinkem Leineneinband mit dezentem Glitzereffekt und grauem Lesebändchen daherkommt! Innerhalb eines Jahres seien all diese Texte (und weitere) entstanden: Aus über 1000 Gedichten konnte Günther Butkus schöpfen, wie Alexander Häusser im Vorwort festhält. Die vielen teilweise aphorismenkurzen, Wort für Wort präzise konstruierten Zeilen mit kalkuliert eingebauten Enjambement-Korsetts stehen in erfrischendem Gegensatz zu einem ansatzweise vermuteten Gefühlsüberschwang und zeigen, dass eine 392 Seiten umfassende Kurzgedichtsammlung voller Herzensangelegenheiten aus einer einzigen Feder keinesfalls überkoloriert sein muss.

Wen wundert’s, dass in den Dankesworten vorneweg u.a. auch Bielefelds bekanntester und erfolgreichster Liebeslyriker schlechthin, Hellmuth Opitz, als unterstützendes „waches Auge“ Erwähnung findet? Wer spekuliert nicht über den kühlen Lektoratscut, den einen Schleifmeister, der dem kultigen Koronarkompendium diese homogene Kallibrierung verlieh?

Wo in diesem Band anfangen mit der Erforschung Günther Butkus` kardiovaskulärer Konditionen? Das untere Ende des Lesebändchens liegt zwischen den Seiten 142 / 143. herzschnuppe und herzkorb.

herzkorb

wenn deine hände
mich mitnehmen
auf nächtliche reisen
packe ich mein herz
in einen korb damit
ich es nicht verliere
wie meinen kopf

Oder: das 44. Gedicht von hinten geblättert, Seite 336. Ein Jahr für Jahr besonderer Tag für den Autor:

herzzigarillo

auf dem balkon
über uns stieg
zigarillorauch
in den himmel
später auf dem
sofa sind mir
meine hände
entwischt und
worte folgten
wir bekamen es
beide zu spüren


(M)ein favourite:

herzbogen 

mein herz ist
gespannt auf
dich zielt es

(S. 311)

Dieser Band mag ein persönliches Dokument einer Liebe sein – gleichzeitig und vor allem  ist er aber auch eine zeitlose und äußerst geschmackvolle Geschenkoption für jene, die  jemandem Liebe zeigen möchten, selbst aber nicht genau diese (oder ähnliche) Worte finden, die es Günther Butkus so leicht machen, bei anderen, auf jeden Fall bei einer bestimmten Person, „ins Herz“ zu treffen. Frei von Pathos vermitteln seine Gedichte neben all der Leichtigkeit auch den Ernst und die herausragende Wichtigkeit dieses zentralsten Steuerorgans und erinnern daran, dass die Pflege einer Herzensbildung mindestens genauso wichtig sein sollte wie die separate Schulung des Geistes:

herzbrain

nicht genug
dass es mich
schlägt nein
jetzt denkt es
sich auch noch
seinen teil

(S. 234)



Günther Butkus, HERZBAND
366 Gedichte über Liebe und Verlust
Pendragon, Mai 2019
329 Seiten, Euro 20,00


                                               

Tagesanbruch in Lindenau

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 01.07.2019

Gedicht des Monats Juli

Andreas-Wolfgang Rohr (*1959)
Tagesanbruch in Lindenau


Früh
Wenn die Haltestellen
Schon wieder
Nach Tagescreme riechen
Und die tanzmüden
Spätheimkehrer
In ihren Verkehrssesseln
Siechen
Sitzt auch das Arbeitsvolk
Hinter getöntem Glas
In Gedanken
Noch schlafend
Die Gesichter
Blicklos und blass


Früh
Wenn die Haltestellen
Sammellager sind
Stößt die Freiheit
An die Grenze ihrer Sehnsucht
Tageslichtblind

Poesiealbum neu - O Freude. Leipzig im Gedicht. Lyrik & Prosaminiaturen
Poesiealbum neu – O Freude.
Leipzig im Gedicht. Lyrik & Prosaminiaturen

Quelle: „Leipzig im Gedicht. Lyrik & Prosaminiaturen“,
Poesiealbum neu, Edition kunst & dichtung, Leipzig 2015

Wir gratulieren unserem Mitglied herzlich zum 60. Geburtstag, wünschen vor allem Gesundheit und jede Menge Kreativität und Freude am Leben.

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