Preisvergabe im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“

  • Veröffentlicht: 29.11.2017 · Zuletzt aktualisiert: 09.12.2017

Nachdem wir am 23. November in Leipzig und am 27. November 2017  in Köln jeweils vor einem aufgeschlossenen und interessierten Publikum eine Auswahl aus den insgesamt 23 eingesandten Gedichtfilmen gezeigt haben, veröffentlichen wir heute die Platzierung sowie die Bewertung der Jury.

Im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. (GZL) vergibt der Verein – entsprechend der Bewertung der Jury – folgende Preise:

 

  1. Preis: 500 € – Preis der Autor(inn)en der Ausgabe Tugenden & Sünden

Team Ellen Sophie Neugebauer, Weimar

 

  1. Preis: Preis der Leipziger Buchmesse – Besuch der Leipziger Buchmesse 2018, einschließlich Bahnfahrkosten und 2 Übernachtungen

Roberto Vallilengua, Wien

 

  1. Preis: 250 € – Preis der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.

Janna Kosack, Winterthur

 

  1. Preis: Edles Schreibgerät der Waldmann KG – Preis für die besondere Handschrift

Luis Walt Antonius, Berlin

 

  1. Preis: Bücherscheck über 100 € von der Filiale Hugendubel in Leipzig

Klara Oliveira Strauß, Bremen

 

  1. Preis: Preis des Stadtmagazins Kreuzer: Veröffentlichung des Clips auf deren Web-Seite plus 3-Jahres-Abo

Helena Kühnemann, Leipzig

 

Sonderpreis der GZL: 200 € für den besten Beitrag von Einsender(inne)n unter 18 Jahren

Maxime Sophie Sonnet, Dichtelbach

 

 

Gruppen-Preis für ein Team aus der Region: Freikarten für den BELANTIS PARK

Team Ellen Sophie Neugebauer, Studierende der Bauhaus-Universität Weimar, Fachbereich Medienkunst/ Mediengestaltung

Gruppen-Preis für ein überregionales Team: T-Shirts mit einem Still aus deren Film

Schülerinnen und Schüler der Klassen 11/2a und 11/4a des Jahrgangs 2016/17 der Wilhelm Wagenfeld Schule Bremen, Fachoberschule für Gestaltung

Unser Dank gilt allen Spenderinnen und Spendern, den Sponsoren der Sachpreise und allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an diesem nunmehr 3. Gedichtfilm-Wettbewerb der GZL.

Der Vorstand

Leipzig, 29. November 2017

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Den 1. Preis, Preis der Autor(inn)en, im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ erhält das Team von Ellen Sophie Neugebauer, Weimar, für deren Film „Die besseren Sakkos“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Peter Frömmig.

Dem Film gelingt die hohe Kunst des Filmemachens, nämlich eine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte mit einem durchgängigen Spannungsbogen, einer authentischen empathischen Erzählstimme und sehr schönen gezeichneten Bildern. Erinnert ein wenig an Ari Folman.

Den 2. Preis, Preis der Leipziger Buchmesse, im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ erhält Roberto Vallilengua, Wien, für seinen Film „Erstickte Zeit“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Evelyn von Wietersheim.

Ein atmosphärisch-sinnlicher und gut strukturierter Gedichtfilm. Die Musik von Nine Inch Nails verstärkt die Stimmung. Die leicht verzerrte Sprecherstimme passt zur Atmosphäre des Films.

Den 3. Preis, Preis der GZL, im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ erhält Janna Kosack, Winterthur, für ihren Gedichtfilm „Vor Malta“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Ingo Cesaro.

Das starke Gedicht über das aktuelle Thema, die Flucht über das Meer, setzt spät ein und wirkt damit sehr stark. Der Filmeinstieg gelingt sehr dynamisch und ansprechend über das Gesicht des Fischers. Desweitern wechseln sich dokumentarische und Trickfilmbilder in einer gelungenen Kombination ab und werden verstärkt durch sehr gute auditive Mittel. Ein gelungener Film.

Den 4. Preis, den Preis für „Die besondere Handschrift“der Waldmann KG, im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ erhält Luis  Walt Antonius, Berlin, für seinen Film „Der Tugend größte“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Hans-Hermann Mahnken.

Die Verfilmung dieses Gedichtes unterstreicht mit barocken Vanitas-Stillleben die Vergänglichkeit und damit auch die Wertlosigkeit allen Lebens. Dieser scheinbare Widerspruch verstärkt aber geradezu die Aufforderung mehr Mitgefühl für Menschen, Tiere und die Natur zu empfinden. Der Film erinnert mit seinen Bildern und seiner Musik immer wieder daran, dass wir ein Teil des Kosmos und der Natur sind.

Den 5. Preis, Preis der Filiale Hugendubel Leipzig, im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ erhält Klara Oliveira Strauß für ihren Gedichtfilm „Spiel“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Patricia Grygier.

Gut gefilmt und sehr gelungener Schnitt. Der Gedichttext wird gut integriert, ebenfalls gut gesprochen und das mit stimmigen Timing – hinsichtlich des „Texttransports“. Hervorhebenswert sind gleichfalls ein gutes Sounddesign und der gelungene dramatische Aufbau der Handlung.

Den 6. Preis, Preis des Leipziger Stadtmagazins Kreuzer, im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ erhält  Helena Kühnemann für ihren Film „Nach einem Gespräch“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Detlev Block.

Der Film greift die zentrale Frage des Gedichts nach unserer Identität auf: Wer sind wir, und was macht uns aus? Die Menschen verstecken ihr wahres Ich unter Hüllen aus Stoff oder Plastik. Selbst in intimen Momenten bleiben sie sich selbst und anderen fremd. Die zentralen Bildmotive – Hände, Spiegelbilder und verhüllte Personen – verdeutlichen sehr gekonnt diese Frage nach dem Sein.

Den Sonderpreis der GZL im Gedichtfilm-Wettbewerb „Tugenden & Sünden“ erhält Maxime Sophie Sonnet für ihren Film „Sollen wir wollen“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Beate Fischer

Der erzählerischer Wille ist erkennbar, gleichfalls die Suche nach klaren Bildern. Zum Teil kommt es zu naiven, aber charmante Bildfindungen. Hervorhebenswert ist das Ausprobieren des Verfremdungseffekts, indem ein immer wiederkehrendes „Zurückspulen“ eingesetzt wird. Mit einem guten Timing wird der Text selbst eingesprochen.

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Juroren:

Dr. Uta Corsa (Leipzig), Carl-Christian Elze (Leipzig), Thomas Zandeciagomo Del Bel (Berlin)

Gedichte zum Thema „Meine Generation“

  • Veröffentlicht: 08.11.2017 · Zuletzt aktualisiert: 15.11.2017

Herbstausgabe 2018 des „Poesiealbum neu“

Zeitraum: 1. November 2017 bis 31. Mai 2018.

2018 jährt sich zum 50. Mal das für Deutschland so wichtige Jahr 1968, in dem Teile der nachgewachsenen Generation sowohl im Westen bzw. Westberlin als auch im Osten (hier  mit dem empathischen Blick gen Prag) die nach 1945 schnell einsetzende Geschichtsklitterung oder -verkrustung aufbrechen wollten.

Eine Zeitschrift, die es auszeichnet, dass in ihr mitunter 60, 70 Jahre zwischen den Geburtsjahren ihrer Autorinnen und Autoren liegen, ist nachgerade prädestiniert dafür, sich dem Thema der Generationen zu widmen und lädt dazu ein, in Gedichtform die jeweiligen Merkmale und Wegzeichen der eigenen Generation zu formulieren.

Willkommen sind Einsendungen von bis zu drei, möglichst bislang unveröffentlichten Gedichten in deutscher Sprache (mit einer maximalen Länge von 40 Zeilen) 2-fach ausschließlich auf dem Postweg, zuzüglich Kurzvita (mit E-Mail-Adresse und Jahrgangsangabe) und kostenfreier Abdruckgenehmigung.

Für die Veröffentlichung erhält jede/r Autor/in ein Freiexemplar und die Möglichkeit, weitere Exemplare mit 25 % Rabatt zu erwerben.

Es können keine Eingangsbestätigungen verschickt werden. Desgleichen werden auch keine telefonischen Auskünfte gegeben. Sobald die Vorauswahl getroffen ist, werden die jeweiligen Autor/innen per E-Mail kontaktiert.

Mit Drucklegung werden die Namen aller Autorinnen und Autoren, deren Einsendung Berücksichtigung gefunden hat, auf der Webseite lyrikgesellschaft.de veröffentlicht.

Die Lage der Dinge

  • Veröffentlicht: 01.11.2017 · Zuletzt aktualisiert: 31.08.2017

Peter Bornhöft (*1936)

Die Lage der Dinge

Ein Augenblick der Erstarrung
eine Verhärtung der Eingeweide
eine traurige Gleichgültigkeit
als wäre das Licht
für immer erloschen

Am Morgen schon
ist das Hochbild vom Menschen
zu einer Lachnummer geworden

Ein weißer Pierrot
tut seine Arbeit
an den Gefolterten
er hat vergessen
dass es Gefolterte sind
er hört dass sie lachen
sie haben bezahlt
er muss leben
muss kaufen verkaufen
er lacht kein einziges Mal
er kann nicht lachen

Der Tod verkauft sich nicht

Aber geliftete Frauen
auch Babies per Katalog
niedliche Drogen zum Kinder
Geburtstag ein paar Pistolen
zur Konfirmation die Massaker
der Weihnachtsmänner
auf einem Computerspiel
zum Jahresende
ein paar Genozide –

und ein paar Menschen

 

Quelle:
„Konsum & Kommerz“. Gedichte;
„Poesiealbum neu“ der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.,
ausgewählt u. herausgegeben von Ralph Grüneberger, Leipzig 2011

Das Leipziger Liederbuch in Neufassung: Zeitzeugnis subversiver Literaturgeschichte

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 05.11.2017

Empfehlung des Monats · November 2017

Franziska Röchter

von Franziska Röchter

 

 

 

 

„Das Leipziger Liederbuch, auf dessen vielfache Aufführung wir aus sind, ist kein getöntes Leipzig-Bild. Als Stadtführer wird es nicht zu gebrauchen sein …“, so schrieben die Text- und Ton-Autoren des Liederbuches, Ralph Grüneberger und Walter Thomas Heyn, bei der Ankündigung der Erstfassung 1987 und verwiesen auf ein „Leipzig am Rand“ und „dicke Luft“, die Gegenstand der Texte, ab 1985 entstanden, seien. Seinerzeit fiel der fromme Wunsch der beiden Autoren noch der Zensur zum Opfer, eineinhalb nicht-öffentliche Aufführungen (ja, eines war nur eine Teilaufführung) vor ausgewählten geladenen Gästen, eine im Gewandhaus zu Leipzig, die gestutzte Version in der Alten Handelsbörse, zeugen von nur einigen Konsequenzen, die Produzenten kritischer oder vermeintlich kritischer Texte damals in Kauf nehmen mussten.
Nun wird genau 30 Jahre später unter anderen Vorzeichen eine Wiederbelebung des Leipziger Liederbuches in einer Neufassung mit zusätzlichen aktuellen, zeitbezogenen Texten gewagt.
Grund genug, einen Blick in dieses Zeugnis Leipziger Zeit- und Literaturgeschichte zu werfen …

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