Zwischenruf des Vorsitzenden

  • Veröffentlicht: 05.08.2016 · Zuletzt aktualisiert: 05.08.2016

Dass das PEN-Zentrum Deutschland in diesem Jahr mit Can Dündar und Erdem Gül zwei türkische Journalisten ehrt und ihnen mit finanzieller Unterstützung des Bundes im November in Darmstadt den Hermann-Kesten-Preis überreichen wird, erfüllt mich als PEN-Mitglied mit besonderem Stolz.

Der Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des deutschen PEN, Sascha Feuchert, formulierte die Wahl der Preisträger so: „Mit Can Dündar und Erdem Gül zeichnen wir zwei mutige Kämpfer für die Meinungsfreiheit mit dem Kesten-Preis aus, die sich vehement gegen den Kurs von Präsident Erdoğan stellen, die Türkei zu einem autokratischen System umzubauen. Sie können sich in ihrem Kampf um die Freiheit des Wortes jederzeit auf die volle Solidarität ihrer deutschen PEN-Kollegen verlassen.“

Zum Stand 2. August 2016 stellte der PEN International fest, dass seit Mitte Juli d.J. in der Türkei 132 Medienorganisationen ihre Tätigkeit einstellen mussten, mindestens 59 Journalisten und Autoren verhaftet und 29 Verlage geschlossen worden sind. Wer glaubt an einen Zufall, dass der Präsident einen dilettantisch ausgeführten Putschversuch bereits am nächsten Tag mit 6.000 Verhaftungen quittiert? Lächerlich, dass wir uns vor Wochen noch mit den Flachheiten eines gebührenverzehrenden Fernsehspaßmachers beschäftigten. Sein Beleidigungserguss kursierte in den Medien. Aber jetzt, da sich bitterer Ernst ausbreitet, scheint das nur wenige zu bewegen. In den Bundespressekonferenzen führen das Wort vielfach die Beschwichtiger, die nicht wahrhaben wollen, in welcher Gefahr sich Menschen wie die designierten Kesten-Preisträger befinden.

Dabei weiß man doch gerade in Deutschland um die Möglichkeit der Machthaber, mit einem willkommenen oder gar selbst inszenierten Fanal eine Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes zu legitimieren, in der Türkei Ausnahmezustand geheißen, um binnen kurzer Zeit alle demokratischen Institutionen auszuhebeln und zu vernichten.
Rufen wir uns gerade jetzt die Worte Martin Niemöllers in Erinnerung und geben sie allen Befürwortern der Gewaltenteilung und Meinungsfreiheit, die sich in Köln und anderswo für die Demokratie aussprechen, auf den Weg. Man muss weder Kommunist, noch Sozialdemokrat, noch in der Gewerkschaft sein, um die Parallelen zu erkennen:

Als die Nazis die Kommunisten holten,
habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten,
habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

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