Gustav Lüder „Unzählige Fische“

  • Veröffentlicht: 01.05.2016 · Zuletzt aktualisiert: 01.05.2016
Gustav Lüder „Unzählige Fische“

Gustav Lüder „Unzählige Fische“

Gustav Lüder: Unzählige Fische
Lyrik-Empfehlung des Monats · Mai 2016

Wer kennt das nicht: man schenkt zum Geburtstag ein Buch. In diesem Fall hat der Autor es sich selbst und somit auch glücklicherweise seinen Lesern geschenkt. Gustav Lüder, ehemaliger Hildesheimer Unternehmer und ein Mitglied unserer Lyrikgesellschaft von den ersten Stunden an.
Diese Anthologie erschien im Sommer 2015 zu seinem 85. Geburtstag, auf neudeutsch ein „best of“ seiner Lyrik der letzten fünfzig Jahre. Interessant in diesem Zusammenhang wären vielleicht auch noch die Entstehungsjahre der einzelnen Gedichte gewesen.

Die erste Betrachtung: ein Büchlein im Pocketformat mit einem wunderschön gestalteten Einband von Torsten Hanke – unzählige Fische eben, schwimmend in einem imaginären Ozean.
Innen finden wir dann die Gliederung in drei Kapitel: „Eines schönen Tages“, „Menschen, Menschen, Wasser“ und „Falken und Tauben und …“. Wir lesen von Naturgedichten bis hin zu internationalem Weltgeschehen und Politik einen breiten Querschnitt des Lebens. Immer kurz und prägnant; Gustav Lüder ist ein Meister des Schnell-auf-den-Punkt-kommens. Wir treffen auf leisen Humor ebenso wie auf derbe Worte, teils desillusionierend, aber immer philosophisch weise.

Unzählige Fische

Sie fischten lange
Zeit im
trüben.
Einmal wöchentlich loteten
sie die Tiefe aus
der angeborenen Ängstlichkeit.
Ihre Netze waren selten
prall,
sie träumten vom
Genezareth-Fischfang.

Jedem,
der vorüber ging,
schenkten sie einen
Fisch.
Ihre Freunde fragten
sich, woher sie die
unzähligen Fische nahmen bei
den spärlichen Fängen.

***

Der Wolf im Schafsfell

Als Knabe
litt
er permanent unter
Angst
vor dem bösen Wolf,
bis er erfuhr,
und das geschah schon früh,
wie harmlos
Wölfe sich gebärden.
Kreuzten
in späteren Jahren
Schafe
seinen Weg,
wurde er verhalten.
Seinen Blick
heftete er
an die Augen
der Tiere.

Eine Einschätzung von Theo Czernik, Lüders früherem Verleger, ein Nachwort von Ralph Grünebergers, der auch die Auswahl getroffen hat, sowie ein Autorenporträt von Benedikt Lüder runden das 67 Seiten starke Bändchen gelungen ab.
Diese poetischen lebensbejahenden Erinnerungen eines klugen Mannes werden gern empfohlen.

Kerstin Tronicke

Gustav Lüder, Unzählige Fische: ausgewählte Gedichte aus 50 Jahren, 67 S., geb.,
Engelsdorfer Verlag,Leipzig 2015;
ISBN: 978-3-95744-893-4

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