Poesiealbum neu „Ohne Gepäck. Reisegedichte“

  • Veröffentlicht: 30.04.2012 · Zuletzt aktualisiert: 08.04.2016

Reisegedichte einhundert Jahre nach dem Untergang der Titanic zu veröffentlichen, könnte eigentlich ein guter Zeitpunkt sein, gingen da nicht die mehr oder minder großen Havarien über den Ticker. Andererseits heißt es, die Deutschen seien Reiseweltmeister, die Branche boomt. Doch tut sie das wirklich?
Auf dem Weg zum Bäcker, dessen Existenz auch mein täglich Brot lange sichern möge, die Irritation: Hat das Reisebüro an der Ecke dicht gemacht oder ist es verzogen? Die Ladenscheiben sind blind. Es warb mit Erlebnisreisen. Lag es an der Tautologie oder an der Exotik, dem Giraffenbild auf dem Firmenwagen?
Mein Eindruck ist: Die Reiseunternehmen sparen am Porto und selbst an Mausklicks. Kaum ein Inhaber der angeschriebenen Reisebüros antwortete auf die Frage, ob das Unternehmen in dieser Gedicht­sammlung für sich werben und das Erscheinen von Reisegedichten gleichsam unterstützen möchte.
Das ist der Trend, die Umgangsformen verelenden.

Woran sparen die Menschen, sobald im Alltag die Strom- und Spritpreise steigen? Am Kauf von neuen Büchern sicherlich. Leseweltmeister sind die Einwohner des Landes der Dichter & Denker gewiss schon lange nicht mehr. Und am Reisen, sparen sie dort? Gut möglich. Längst gibt es fremde Kulturen daheim. Um sich der eigenen Lücken in fremden Sprachen zu vergewissern oder Frauen im Tschador zu sehen, reicht es, gewisse Stadtviertel oder Straßenzüge aufzusuchen. Allerorten lädt die Gastronomie zu Gaumenreisen ein. Die Supermärkte bieten Zutaten aus aller Welt. Und TV-Magazine bringen ebenso wie Solarstrahler die Sonne ins Haus.

Und Dichterinnen und Dichter, wie reisen diese? Ohne Gepäck? Mit Handgepäck und Diktafon? Kopflastig? Was ein Vorurteil wäre. Mit Neugier wohl und, das kann ich von mir sagen, mit etwas Verunsicherung, wenn die eigene Flugbahn lange Zeit kurz gehalten wurde und das Wort Kopfbahnhof eine andere Bedeutung erfahren hat. Das Sinnliche aber ist es, was Lyrikleserinnen und -leser von solch einer Zusammenstellung erwarten dürfen. Und die Erwartung wird, dank der Sehnsucht, als eine Mutter der Kunst (Hesse), Seite um Seite und mitunter auch Vers um Vers erfüllt. Steigen Sie ein!

Ralph Grüneberger
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