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Poesiealbum neu „Rollenspieler – Tag und Nacht – Gedichte“

10,00 

Die erste Ausgabe 2026!

 

88 Seiten, teils illustriert

ISSN 2193-9683 Preis EUR  10,00

Artikelnummer: 2026–1 Kategorien: , Schlagwörter: ,

Beschreibung

Poesiealbum neu „Rollenspieler – Tag und Nacht “ [2026/01]

Vorwort

Rollenspieler

Sind wir Tag und Nacht Rollenspieler? Besteht unser Leben darin, die Rollenerwartungen Anderer zu erfüllen? Gelingt es uns, dennoch unser eigenes Selbst zu entfalten und zu behaupten? Dass dieses Thema einen Anlass zum Schreiben bot, bewies uns die hohe Anzahl der Einsendungen. Gern ließen wir uns von 286 Gedichten überraschen und mit Sichtweisen und Erfahrungen bereichern.

Einen faszinierenden Ratschlag gibt uns der in Shanghai lebende Autor Guan Yu in seinem Gedicht „Schuhe“, das von Zhu Yage übersetzt wurde: „Sie liegen da / manche schwarz und abgewetzt / andere glänzend, triefend vor Begierde / wie lederne Geständnisse. // Wir sollten sie genauer betrachten: / wie sie unsere Widersprüche tragen, / wie sie unsere Verkleidungen überdauern. // Unsicher ihrer eigenen Mythen / gehen sie ehrlicher als wir“.

Wie sehr der Mensch dazu neigt, sich zu verstellen und uneinsichtig zu sein, zeigt Gisela Verges in ihrem Gedicht „Polarisierung“: „Der Mensch hat einen Januskopf / und spielt oft Leisetreter. / Wer kennt ihn nicht, den alten Zopf: / Bist Opfer oder Täter? // Man bastelt sich den Heilgenschein / und schwingt den Sprücheklopfer. / Man drischt drauflos, wirft ersten Stein … / Ist Täter, niemals Opfer!“

Eine Rollenzuweisung kann uns jeder Entfaltung berauben, und sie kann sogar todbringend sein. Erschütternd wird dies im Gedicht „ILSE“ von Ludwig Steinherr bewusst: „Zu klein um in die großen Schuhe / der Mutter zu passen / in denen sie durch den Gang stöckelte / Zu klein um sich mit dem großen Messer / eine Scheibe Brot selbst herunterzuschneiden / Zu klein um Streichhölzer anzuzünden / Zu klein um das Buch Hiob / zu entziffern – // Aber groß genug / für den Viehwagon / die Gaskammer / den Feuerofen / die Ewigkeit“.

Viele von uns werden beim Begriff „Rollenspieler“ an das Theater oder den Film gedacht haben. Wer sich einmal selbst auf der Bühne durch den großen Beifall wie getragen fühlen durfte, hat vielleicht erfahren, wie schwierig es ist, die Leere danach zu ertragen. Eindrucksvoll veranschaulicht es Karl Rodenberg in seinem Gedicht „Doppelrolle“: „Du tauchst in alle Farben / auf deiner Schauspielbühne / tragische heitre kühne / Lächeln Schatten / Narben // Du schaffst es die da im Parkett / bezaubernd zu bewegen / ihnen die Hand aufs Herz zu legen / als wäre sie ein warmer Regen / ein wilder Tanz / ein Menuett // Und ist die Vorstellung vorbei / ein Decrescendo bis nach Haus / du bist allein du atmest aus // (…) das Bühnenglück wird Seifenschaum / und deine Brust wie Blei“.

Dass es ein großer Schritt zur Erkenntnis sein kann, um seinen Vater zu verstehen, wenn der Sohn selbst Vater geworden wird, veranschaulicht humorvoll Lutz Rathenow in „Familienglück“ und lässt uns daran teilnehmen, wie beide über sich lachen können: „Ich wollte nie werden wie mein Vater, / spricht ein Vater zu seinem Sohn, / spricht der Sohn zu seinem Vater. / Fast gleichzeitig, Generationenchor / nach dem Streit zuvor.“

Bei einigen Autorinnen und Autoren haben wir es bedauert, nur eines ihrer Gedichte aufnehmen zu dürfen. Wer Eline Menkes Gedicht „Irritation“ liest, wird verstehen, wie glücklich wir waren, es auswählen zu können: „Ich lebe in einem Haus mit vielen Türen, / durch jede gehe ich anders hinaus. // Draußen bin ich / in vielen Farben zu haben. // Manchmal erkennst du mich nicht, / wenn ich mich beschränke auf ein Grün, / das mir selbst überlässt, / wie ich wachse.“

Ein Leben, in dem es ein Grün gibt, „das mir selbst überlässt, / wie ich wachse“, wünschen wir allen Menschen.

Klaus Nührig, Januar 2026

Autorinnen und Autoren der Gedichte und Bilder

Klaus Nührig – Vorwort

Autorinnen und Autoren der Gedichte und Bilder

Manfred Ach
Esther Ackermann
Eyk Akansu
Danilo Art-Merbitz
Michael Augustin
Julia Bachhuber
Eva Beylich
Marlies Blauth
Helmut Blepp
Anna Breitenbach
Holger Brülls
Sara Cato
Ingo Cesaro
Steffen Diebold
Herta Dietrich
Ulrike Diez
Kirsten Döbler
Róža Domašcyna
Christian Dörr
Julia Drewes
Patricia Falkenburg
Barbara Finke-Heinrich
Sabine Fisch
Jana Franke
Sybille Fritsch
Ulf Großmann
Axel Görlach
Irena Habalik
Frank Hebestreit
Gisela Hemau
Carl Reiner Holdt
Esther Horat
Jan-Eike Hornauer
Klára Hůrková
Christa Issinger
Eva Joan
Marion Margarethe Kecht
Andreas Knapp
Michael Koch
Andreas Köllner
Anne-Kathrin Koppetsch
Matthias Kröner
Hans-Werner Kube
Grit Kurth
Fitzgerald Kusz
Stan Lafleur
Ferenc Liebig
Anne Mai
Steffen Marciniak
Renate Meier
Eline Menke
Jürgen Miedl
Mark Monetha
Klaus Nührig
Karsten Ingmar Paul
Undine Marion Pelny
Erich Pfefferlen
Michael Pfeiffer
Thomas Rackwitz
Lutz Rathenow
Mira Rauk
Karl Rodenberg
Jenny Roleder
Bärbel Sánchez
Manfred Schlüter
Manfred Schwab
Roswitha Charlotte Schwenk
Ludwig Steinherr
Wolfgang Stock
Charlotte Ueckert
Gisela Verges
Martin Völker
T. G. Vömel
Helmund Wiese
Guan Yu / Zhu Yage