Welttag der Poesie 2021

  • Veröffentlicht: 21.03.2021 · Zuletzt aktualisiert: 19.05.2021

Was unterscheidet diesen Welttag von dem aus dem Vorjahr?

Wenig. D.h. die für heute geplante Welttag-Lesung im Raabehaus mit Autorinnen und Autoren aus Braunschweig und dem nahen Umfeld musste auch in diesem Jahr abgesagt werden.

Vorsorglich hat die Lyrikgesellschaft bis ihrer geplanten Freiluft-Veranstaltung am 20. Mai im Garten vom Literaturhaus Leipzig für den Frühling 2021 gar keine Lesung geplant. Voriges Jahr waren für den 20. und 21. März deutschlandweit neun Lesungen terminiert und mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG) bis ins Kleinste vorbereitet worden. Eine Art Sprach- und Sprechlosigkeit greift seit Monaten um sich und verschiebt glatt die für April geplante “Poesiealbum neu“-Präsentation der “Gedichte zur Automobilität” in den Sommer.

Ich blätterte gestern in einem Reclambändchen mit Herbstgedichten und habe noch immer Stefan Georges “totgesagten Park” im Kopf und verbinde das plötzlich mit dem irrsinnigen Verbot der Hygienewächter von 2020, nicht einmal allein auf einer Parkbank sitzen zu dürfen – das Sinnbild der/des Lyriklesenden.

Und doch tut sich etwas: Unser Mannheimer Mitglied Manfred Klenk nimmt am heutigen Welttag der Poesie an einer Videoschalte teil und äußert sich anläßlich von Hilde Domins 15. Todestag zum Heimatbegriff dieser Dichterin.

Und Dr. Monika Hähnel, unser Mitglied aus der Zwickauer Region, trägt zusammen, was für die Auto- und Robert-Schumann-Stadt an diesem Tag in puncto Lyrik von Belang ist, siehe “Freie Presse”:

2015 haben wir in Zwickau mit den “Spiel-Arten der Lyrik” unsere 3. Tage der Poesie veranstaltet. 2022 wird es erneut solche Veranstaltungstage geben, in Leipzig und Umgebung, geplant sind sie für den September.

Der Welttag der Poesie (und gern auch davor und danach) bietet eine gute Gelegenheit, um einen Gedichtband eines anderen Mitglieds zur Hand zu nehmen. Überhaupt ist Lyrik die passende Lektüre für jede Krise. Wird es also, derart geschult, nach dem Ende der allerletzten Allesschließung eine neue Lyrikwelle geben? Sagen wir lieber neue Lyrik-Lust, denn der Begriff “Welle” ist mittlerweile nicht mehr allzu positiv besetzt.

Ralph Grüneberger
Vorsitzender

Veranstaltungen unserer Mitglieder

  • Veröffentlicht: 17.03.2021 · Zuletzt aktualisiert: 02.05.2021

Lesung Ralph Grüneberger

Seit dem 23. April, dem Welttag des Buches 2021, ist (und das bis Ende 2021) die Kurzgeschichte “Die Friseur der Mutter” aus den “Leipziger Geschichten” zu hören https://www.youtube.com/watch?v=rPVv5Whem_Uoder http://bibliotheksverband-sachsen.de/literaturforum-bibliothek/lesereihe-fuer-erwachsene/ralph-grueneberger/

Diese drei Mitglieder der GZL, Róža Domašcyna, Ralph Grüneberger und Andreas Reimann,

lesen am 3. Juni 2021 in Dresden; Beginn 19 Uhr, Ort: Erich Kästner Haus für Literatur, Antonstr. 1, 01097 Dresden

Eine Anmeldung ist erforderlich: Tel.: 0351 8045087
E-Mail: kontakt@kaestnerhaus-literatur.de

Eintritt 7 € / 5 € ermäßigt

Eine Veranstaltung des PEN-Zentrums Deutschland und des Erich Kästner Hauses für Literatur e.V., gefördert aus Bundesmitteln im Projekt NEU START KULTUR des Deutschen Literaturfonds e.V. 

https://www.kaestnerhaus-literatur.de/roza-domascyna-ralph-grueneberger-andreas-reimann

Die neue allmende: Zeitenwende

Empfehlung des Monats · März 2021
von Franziska Röchter

Die allmende – Zeitschrift für Literatur erschien erstmals 1981. Ursprünglich wurde sie von einer Gruppe süddeutscher Schriftsteller und Kulturschaffender gegründet, von denen etliche – u.a. Martin Walser, Adolf Muschg und André Weckmann – später auch Mitherausgeber waren.

Interessant ist die Bezeichnung dieser zweimal pro Jahr erscheinenden Zeitschrift. „Der alte deutsche Rechtsbegriff Allmende bezeichnet ein Gemeinde-Eigentum, dessen Nutzung allen Mitgliedern einer Gemeinde zur Verfügung steht.“ (s. Wikipedia) Der ursprüngliche Anspruch war, „in allen literarischen, essayistischen und dokumentarischen Formen und Genres einen exemplarischen Dialog über Vergangenheit und Gegenwart der allemannischen Region“ aufzunehmen (s. ebd). Die Herausgeber wollten grenzüberschreitend Begriffe wie „Weite und Nähe, Heimat und Fremde“ sich gegenseitig durchdringen lassen, die Zeitschrift wurde als „Kritische Heimatkunde“ bewertet.
Seit Ende der Achtzigerjahre fokussiert sich die allmende auf Themenschwerpunkte von überwiegend allgemein-gesellschaftlichem und kulturellem Interesse: Kulturpolitik in der Krise (48/49, 1996), Lyrik (70/71, 2001), Junge Autoren (75, 2005), ars poetica (78, 2006), Heimat (83, 2009), Liebe, Lust und Leidenschaft (86, 2010), Gedichte (89, 2012), Berlin (92, 2013), Krise der Männlichkeit (93, 2014), Neuer Antisemitismus (98, 2016), Neuer Feminismus (104, 2019) sind nur einige der Themen, derer sich die allmende annahm und annimmt (s. www.allmende-online.de).

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der allmende (100 Ausgaben in 36 Jahren) im Januar 2018 gestanden Herausgeber Hansgeorg Schmidt-Bergmann und Redakteur Matthias Walz in einem Interview mit den Karlsruhe News, die allmende verstehe sich von der Gründung an als eine Literaturzeitschrift im politischen Kontext, die als grenzüberschreitendes Periodikum der gesamten deutschsprachigen Literatur und gerade auch der jüngeren Generation ein Forum bieten wolle.

Dass sich sie aktuelle Ausgabe Zeitenwende dem Umgang mit der weltbeherrschenden Corona-Pandemie annimmt, mutet somit nicht verwunderlich an. Dem Editorial vorangestellt ist ein Zitat aus dem Vorgängerheft Die Welt neu denken. Vom Anthropozän zum Novozän? (105, 2020), das der Medienwissenschaftler und Künstler Peter Weibel als Vermutung / Behauptung in den Raum stellt: Sinn und Zweck des Virus sei es, uns „mit aller Macht in das digitale Zeitalter zu schieben“. Bereits hier, ganz eingangs, kommen dem einen oder anderen Leser sicher noch weitere aus der Pandemie hervorgehende plausible side effects in den Sinn. Vom lediglichen Beschleunigen sich eh schon in Gang befindender gesellschaftlicher Entwicklungen und Prozesse durch das Virus ist weiter die Rede (Michel Houellebecq), von den verheerenden sozialen, ökonomischen und rechtsstaatlichen Folge. Ging es in Ausgabe 105 (Die Welt neu denken) noch um die ersten Erfahrungen mit der Pandemie, so widmet sich die Ausgabe Zeitenwende den Auswirkungen auf die Zukunft, den Folgen, Ängsten und Perspektiven. Das Gute daran ist, dass dieses uns seit über einem Jahr aus sämtlichen Kanälen zuflutende Thema hier in einer literarischen Bandbreite und Formenvielfalt daherkommt – kann man sich doch kaum an ein Thema erinnern, welches in so allumfassender Ausschließlichkeit und mit so viel Nachdruck für unsere Beschäftigung mit demselben sorgte und wahrscheinlich noch sorgen wird.

In „Tischgespräche zur Gegenwart“ tauschen sich Vea Kaiser, Ursula Poznanski, Clemens Berger und Marc Elsberg über erlebte Ausnahmesituationen  innerhalb der aktuellen „Krise“ aus und darüber, wie die Realität die beste Fiktion einholt. Wie sich ursprünglich als positive empfundene Effekte der Pandemie – z.B. Zeitersparnis – durch den ständigen Zwang zur Informationsbeschaffung doch schnell wieder aufheben. „Die richtig guten Romanplots sind die von den Verschwörungstheorien“, meint Ursula Poznanski, während Marc Elsberg sich zum Beispiel die Frage stellt, ob diese „Krise“ etwas mit der Literatur macht und wenn ja, was – hält er doch die Literatur für „ein aussterbendes Ding“.

Bernhard Pörksen (Germanistik, Journalistik, Biologie) schreibt in seinem Essay „Zivilisationstest“ über die durch eigene und unmittelbare Angstreflexe hervorgerufene transformative Wirkung der Corona-Krise. Hier gehe es eben nicht nur um eine Gefahr für Andere, für den Nächsten, für die Spezies allgemein, sondern jeder Einzelne sei selbst unmittelbar betroffen oder könne getroffen werden. Pörksen stellt die Frage, ob es der Menschheit gelingen könne, sich unabhängig von der aktuellen realen Gefahrensituation so weit zu entwickeln und ihr Vorstellungsvermögen so weit zu schulen, dass sie im Hinblick auf zukünftige Gefahren jetzt schon Konsequenzen oder folgerichtiges Verhalten ableiten könne und wie wir darüber hinaus zukünftig leben wollen.  

Insa Wilke, freiberufliche Literaturkritikerin und Moderatorin, glaubt nicht, dass ein neues „Genre“ Corona-Literatur entstehen werde, da der für die meisten gleichermaßen un-/spektakuläre Stoff keine aufregende Lektüre produzieren werde – sie verweist auf die Intelligenz und den Humor einer Marlene Streeruwitz und auf ihr persönlich als Zeitenwende empfundenes Jahr 1989 (Insa Wilke, „5 Fragen – 5 Antworten“, eine Rubrik, die ebenfalls in dieser Ausgabe von Nadja Küchenmeister, Philipp Staab, Peter Stamm, Eva Menasse, Simon Strauß, Andreas Rödder und Peter Schneider bespielt wird).

Zwischen den eher sachlich fokussierten Beiträgen findet sich eingestreute Lyrik von Jan Wagner („de vita caroli quarti“) und Ulrike Draesner (wunderbar beginnend mit: „vermooste hose: wie wir nun ranzen“), Martin Walser, Nadja Küchenmeister und Lutz Seiler,  dazwischen ein Corona-Tagebuch (40 Tage) von Lena Gorelik und eines von Peter Stamm. Neugierig macht ein Auszug / Vorabdruck aus Eva Menasses neuem Roman Dun­kelblum, der im Herbst 2021 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erscheinen wird.

“Was werde ich von diesem Sommer
dem nächsten sagen?
Dass er nicht zu fassen war, …”

lesen wir von Martin Walser in einem Auszug aus seinem neuen Band Sprachlaub oder: Wahr ist, was schön ist, der am 23. März 2021 im Rowohlt Verlag erscheint, und hoffen, dass wir von diesem Sommer mehr werden sagen können, als „dass er wie ein Streichholz war,/ das dir abbrennt zwischen den Fingern …“

In „5 Fragen – 5 Antworten“ beschreibt Nadja Küchenmeister sehr treffend eine Situation nach der Veröffentlichung ihres kurz vor dem ersten Lockdown erschienenen Gedichtbandes, die wahrscheinlich sehr viele Künstlerinnen und Künstler nachempfinden können: „… in den darauffolgenden krisenhaften Wochen und Monaten mochte ich erst einmal nicht mehr an Gedichte denken. Warum auch? Ich hatte ein Buch geschrie- ben, es sollte leben dürfen. Mir kam alles sinnlos vor, demnach drängte mich nichts an den Schreibtisch …“ Und resümiert, dass man derzeit wohl jeden Menschen verstehen könne, der traurig und verzweifelt ist.

Interessante Rezensionen zu Büchern über das Corona-Virus runden dieses textliche Kaleidoskop innerhalb der intergalaktischen Corona-Area ab. Am Ende gibt es noch eine schnelle Fahrt auf dem Preiskarussell der Literatur, die verdeutlicht, dass wenigstens hier noch einiges beim Alten ist. So bietet diese vielseitige Sammlung literarischer und sachlicher Auseinandersetzung mit der „Krise“ letztendlich weitaus mehr als eine akademische Momentaufnahme, sondern lässt uns teilhaben an der persönlichen Betroffenheit literarisch tätiger Künstler*innen.
  
Die Zeitschrift allmende sollte man im Auge behalten.

allmende 106
Zeitenwende – 106. Ausgabe der der allmende – Zeitschrift für Literatur

Dezember 2020 | 40. Jahr
104 Seiten, Br., 160 × 240 mm, s/w-Abb.
Mitteldeutscher Verlag
Einzelheft € 12 / sFr 16,80
ISSN 0720-3098
Einzelbezug: ISBN 978-3-96311-505-9
Abobezug: ISBN 978-3-96311-506-6
12,- € / 16,80- sFr











Gedicht des Monats März 2021

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 01.03.2021

Manfred Allner (*1941)

„… so geht es auch“

Für Kingsley aus Kamerun

Georges B., früher kritischer Journalist
in einem afrikanischen Land,
musste aus seiner Heimat
über fremde Meere und Länder
fliehen.

Angekommen in L.,
Deutschland, bemüht er sich,
auf vielfache Weise Fuß zu fassen. 
So ministriert er auch beim Gottesdienst
in unserer katholischen Gemeinde.

Die Kosten für das Zertifikat, mit dem ihm
die erfolgreiche Teilnahme am Deutschunterricht
bestätigt wird, haben wir – selbstverständlich –
übernommen. Heimisch werden
soll er nicht nur wollen, sondern
auch können.

Worte eines unserer großen Dichter:
„… so geht es auch.“


Herzlichen Glückwunsch unserem Mitglied Manfred Allner
zum 80. Geburtstag im Frühlingsmonat März.
Was für ein schöner Start für ein neues Lebensjahr.
Viel Gesundheit und Lebensfreude weiterhin.

Förderer und Partner

Förderer


Kulturamt
der Stadt Leipzig

Kuratorium Haus des Buches e.V.

Partner

Bührnheims
Literatursalon
Die Gesellschaft für
zeitgenössische Lyrik e.V.
ist seit 1995 Mitglied in der
1986 gegründeten
Arbeitsgemeinschaft
literarischer
Gesellschaften und
Gedenkstätten e.V.