Versnetze_13: Axel Kutsch hat wieder ausgiebig gefischt

  • Veröffentlicht: 01.05.2020 · Zuletzt aktualisiert: 02.05.2020

Empfehlung des Monats · Mai 2020
von Jule Weinrot


Unermüdlich zieht Axel Kutsch,  ehemaliger Redakteur des Kölner Stadt-Anzeigers, Poesieangler und -sammler aus Leidenschaft, Jahr ums Jahr Fische an Land – bekannte, neu entdeckte, bisweilen im großen Lyrikmeer gründelnde, immer aber interessante und von der ungemeinen Vielfalt und Originalität lyrischer Ausdrucksform zeugende. Sein unvoreingenommener Blick in das Kaleidoskop zeitgenössischer Verse macht dieses nach Postleitzahl und Geburtsjahr geordnete Vers-Kompendium so interessant für neugierige Tiefseetaucher auf der Suche nach Leuchtbojen.  

In diesem 13. Band der jährlich erscheinenden Reihe liest man eingangs in einem Interview mit dem Herausgeber, dass dieser „Wert darauf“ legt, „ein weites Feld unterschiedlicher Schreibweisen unserer heutigen Lyrik, die oft individuell ist, auszubreiten.“  Axel Kutsch verweist auf zwei „Lager“ in der Lyrik, das der konventionellen Dichter und das der „abgefahren“ experimentellen, unorthodoxen, progressiven, die jeweils manchmal ihre vermeintlich vorrangige Daseinsberechtigung zu verteidigen suchen. Der Herausgeber verteidigt seine Auswahl von Texten aus beiden Lagern und ist sich der Sperrigkeit und prosaischen Nähe mancher Texte sehr bewusst.

Auch  hat er sehr gute Gründe, seine Vernetze nicht allzu forciert auszulesen. „Insider“ würden von über tausend Verfassern nennenswerter Lyrik im deutschen Sprachraum ausgehen. In der aktuellen Ausgabe der Versnetze sind 250 Autor*innen enthalten – etliche Mitglieder der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik haben übrigens auch Eingang gefunden. Insofern müsse ein abgerundetes Bild zeitgenössischer deutschsprachiger Lyrik durch die Lektüre anderer Gedicht-Anthologien ergänzt werden [Anm. d. Verf.:  In diesem Zusammenhang sei natürlich auch auf das thematisch sehr weit gefächterte Poesiealbum neu, edition kunst & dichtung, der Lyrikgesellschaft verwiesen].

Worüber schreiben zeitgenössische Dichter, gibt es regionale Unterschiede? Eine in aller Kürze schwer zu beantwortende Frage. Man wird keinem Text gerecht, wenn man einen anderen nennt. Jedem Lyrikliebhaber sei angeraten, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen und Deutschland samt kleinem „Grenzverkehr“ poetisch zu durchqueren und zu erkunden. Wundern wird man sich hier und  da, z.B. über neu angeschlagene Töne, wie man sie bislang von manch einem Dichter so nicht kannte, über luftige Verse und knäuelhaft ineinander Verwobenes, über Anschauliches und Abstraktes, Realsprache und Vergeistigtes, über Texte, die aus sich selbst heraus existieren und solche, die eine Anhäufung von Anspielungen sind.



Gerade jetzt, aktuell, wo viele Menschen doch mehr Zeit zu haben scheinen, bietet diese Anthologie, deren Beiträge vor der Auswahl laut Herausgeber mehrmals gelesen wurden und die vom Verlag Ralf Liebe in geradezu liebevoller handwerklicher Tradition gesetzt und auf alterungsbeständigem Werkdruckpapier von Fedregoni aus Italien gedruckt wurde und somit aus allen bekannten Kompendien ziemlich heraussticht,  eine sehr gute Möglichkeit, in das Abenteuer Lyrik einzusteigen. Und mit viel Glück erhält man vielleicht bei einer Verlagsbestellung noch echte „Landpresse“ – Nachrichten aus dem Verlag Ralf Liebe dazu, die allein haben ja schon Sammelwert.



Versnetze_13
Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart
Herausgegeben von Axel Kutsch
Verlag Ralf Liebe
978-3-948682-02-6
359 Seiten, EUR 25,00

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