Gedicht des Monats Februar

  • Veröffentlicht: 01.02.2019 · Zuletzt aktualisiert: 01.02.2019

Helmut Hannig (*1939)

 

zölibatär

 

… da sagte einer –

schnüret die Gürtel

damit eure Hüften

aufstöhnen

und alles darunter Liegende

würgen möge

zum Verdruss eurer Seelen

immerdar

und sie folgten seinem Ruf

da Gehorsam nunmehr

ihre Lenden erstarren ließ

und wenn ein Funke

Begierde aufsteigt

so wende dich an die Schatten

damit du dich verleugnest

und kein Licht dich erkenne

unter deinesgleichen

unter jeder Kutte

die glühende Abgeschiedenheit

fragmentarischer Euthanasie

an der lebenden Substanz

dich richte

zweifelsfrei

die unbiblische Doktrin

die sich wider die Natur

des Menschen stellt

den heimischen Alkoven plündert

Worte durch Nähe verstummen lässt –

des Menschen Geheimnis

unabänderlicher Resonanz

des Urbildes Einmaligkeit

sie gleicht einem Stern

der nur unter Sternen

den kosmischen Code bewirkt

 

und dennoch

der Welt das Kreuz kündet

zuseiten des Lebens zu wandeln

ohne sein erdhaftes Odeur

fiebernd auf den Lippen zu spüren

die Hände ins Erdreich tauchen

aus dem wir entstanden sind

ohne jene Krumen

ergreifen zu dürfen

die das eigene formt

 

um dem ewigen Zauber

unserer Daseinswege

teilhaftig zu werden

 

 

Quelle:

„Stichworte / Galerie des abc …“

8 Broschüren, 24 x 33 cm, je 12 Seiten mit 21 Original Holz- und Linoldrucken, Fadenheftung im Schuber, signiert und nummeriert, limitierte Auflage.

ISBN 978-3-929551-85-3

 

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