Das Jahr 2019 – Ein Rückblick

  • Veröffentlicht: 26.12.2019 · Zuletzt aktualisiert: 26.12.2019

Mit insgesamt 23 Veranstaltungen, davon 12 Veranstaltungen in Leipzig, weiteren 10 in Sachsen, einer in Berlin sowie der sechswöchigen Ausstellung „Worthaft-Bildhaft. Kunst politischer Gefangener“ in der Leipziger Galerie Süd haben wir als Lyrikgesellschaft im Jahr 30 nach dem Fall der Mauer ein vielfältiges Programm geboten.

Dazu zählten die Lesungen und Zeitzeugengespräche im Schulmuseum Leipzig, in Bibliotheken bzw. Gymnasien von Bautzen, Chemnitz, Grimma, Leipzig, Markkleeberg, Plauen und Reichenbach, desgleichen die Ehrung für den Schirmherrn der GZL, den Dichter Karl Krolow, aus Anlass von dessen 20. Todestag im Literaturhaus Leipzig, die Präsentationen unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ zur Leipziger Buchmesse sowie im Schillerhaus Leipzig, der New York-Abend im Café Eigler im Capa-Haus, die Ringelnatz-Veranstaltungen im Botanischen Garten der Universität Leipzig und während des Ringelnatz-Sommers in Wurzen sowie der Abend mit erotischer Lyrik am Valentinstag in der Leipziger Stadtbibliothek.

Wir danken sehr herzlich unseren Mitveranstaltern und Partnern, all den großzügigen Spenderinnen und Spendern, die das Jahresprogramm in dieser Vielfalt ermöglicht haben, danken dem Landtag des Freistaates Sachsen für die Förderung der „Worthaft-Lesetour“ und danken ebenfalls unserem Webmastr Torsten Hanke und usnerem Fotochronisten Gustav Franz, der eine Auswahl an „Ein-Blicken“ für diesen summarischen Rückblick getroffen hat.

Ralph Grüneberger im Namen des Vorstandes

Café Eigler am 27. September 2019
ebendort: Jörg Schneider, Axel Thielmann, Ralph Grüneberger, Mayjia Gille (vlnr)
Vor der Buchmesse-Lesung im Gohliser Schlösschen am 23. März 2019
Musikgedichte im Schillerhaus am 14. September 2019
„Der feine Gesang. Karl Krolow zu Ehren“ mit Prof. Wolfgang
Mayer König im Literaturhaus Leipzig am 27. August 2019

Poesiealbum neu: New York-Gedichte erschienen

  • Veröffentlicht: 22.12.2019 · Zuletzt aktualisiert: 30.12.2019

Als Nummer 2/2019 unserer Zeitschrift „Poesiealbum neu“ haben wir zum Ende des Jahres unter dem Titel „Hauptstadt der Sehnsucht“ Gedichte zur Megametropole auf dem nordamerikanischen Kontinent veröffentlicht. Erstmals wurde in eine Ausgabe des „Poesiealbum neu“ ein Fotozyklus aufgenommen. Der Berliner Fotokünstler Antonius, der Kontakt zur Lyrikgesellschaft seit seinem Gewinn beim Gedichtfilmwettbewerb „Tugenden & Sünden“ hält (hier erhielt er mit der Edelfeder der Waldmann KG den Preis für die besondere Handschrift), ist ein Kenner dieser Weltstadt und bietet dem Betrachter Blickwinkel fern der touristischen Abziehbilder.

„Hauptstadt der Sehnsucht. New York-Gedichte und Fotografien“ umfasst 82 Seiten und kostet 8,70 € und ist ab sofort über die E-Mail-Adresse der GZL kontakt@lyrikgesellschaft.de bestellbar, die Auslieferung erfolgt zu Beginn des neuen Jahres. Eine ausführlich Rezension der Ausgabe findet sich in der Leipziger Internetzeitung vom 26.12.2019.

Die Ausgabe 2/2019 enthält Gedichte und einige Übersetzungen ins Amerikanische von

Johanna Anderka

Michael Augustin

Eva-Maria Berg

Heidi Bergmann

Hartmut Brie

Ingo Cesaro

Ulrike Diez

Siegmar Faust

Julietta Fix

Peter Frömmig

Christine Graf

Ralph Grüneberger

Gisela Hemau

Dieter Höss

Ron Horwege

Nikola Huppertz

Yehuda Hyman

Christine Kappe

Paul Alfred Kleinert

Stephan Krawczyk

Gabriele Kromer

Augusta Laar

Joanna Lisiak

Salean A. Maiwald

Wolfgang Mayer König

Walter Neumann

Undine Marion Pelny

Utz Rachowski

Jörg Seifert

Gabriele Stötzer

Daniel Stojek

Monika Taubitz

Holger Teschke

Martin A. Völker

Eine auf 20 Exemplare limitierte Sonderausgabe, die von Ralph Grüneberger und Antonius signiert wurde, enthält eine DVD des gemeinsamen Gedichtfilms „12. September“ sowie einen von Antonius signierten Metall-Fotoprint (Format 20 x 30 cm) und kostet 55,55 €. Die Einnahmen sollen dabei helfen, 2020 eine Präsentation dieser Ausgabe zu finanzieren. Verbindliche Bestellungen bitte ebenfalls an kontakt@lyrikgesellschaft.de richten.

Gedicht des Monats Dezember

  • Veröffentlicht: 01.12.2019 · Zuletzt aktualisiert: 29.11.2019

Helmut Richter (1933-2019)

Über sieben Brücken musst du gehen

Manchmal geh ich meine Straße ohne Blick,
manchmal wünsch ich mir mein Schaukelpferd zurück.
Manchmal bin ich ohne Rast und Ruh,
manchmal schließ ich alle Türen nach mir zu.

Manchmal ist mir kalt und manchmal heiß,
manchmal weiß ich nicht mehr was ich weiß.
Manchmal bin ich schon am Morgen müd,
und dann such ich Trost in einem Lied.

Über sieben Brücken musst du gehn,
sieben dunkle Jahre überstehn,
siebenmal wirst du die Asche sein,
aber einmal auch der helle Schein.

Manchmal scheint die Uhr des Lebens still zu stehn,
manchmal scheint man immer nur im Kreis zu gehn.
Manchmal ist man wie von Fernweh krank,
manchmal sitzt man still auf einer Bank.

Manchmal greift man nach der ganzen Welt,
manchmal meint man, dass der Glücksstern fällt.
Manchmal nimmt man, wo man lieber gibt,
manchmal hasst man das, was man doch liebt.

Über sieben Brücken musst du gehen …

1978

Wir nehmen Abschied von unserem Mitglied Helmut Richter, der kurz vor der Vollendung seines 86. Lebensjahres am 3. November 2019 nach langer Krankheit verstorben ist.

Zu seinem 75. Geburtstag erschien sein bemerkenswerter Gedichtband 2008: Was soll nur werden, wenn ich nicht mehr bin?, Hundert Gedichte, im Verlag Faber & Faber, Leipzig 2008, den (wieder) zur Hand zu nehmen sich gerade jetzt empfiehlt.

Ein viel zu kleines Potpourri interessanter Titel, die es zu entdecken gilt

Empfehlungen des Monats · Dezember 2019

Zeit und Platz sind begrenzt, die Fülle der Bücher, die eine Empfehlung verdient hätten, eine besondere Begutachtung, mehr Leser, scheint nahezu unerschöpflich. Deshalb können wir auch dieses Jahr zu Weihnachten nur einen winzigen Ausschnitt bringen und möchten die Hoffnung nähren: Alles, was nicht ist, kann noch werden. Ein belesenes Fest zum Jahresende!

Von Rolf Birkholz

Gefiederte Flieger faszinieren viele. Für Henning Ziebritzki ist das gebänderte „Wunderwerk von Schrift“ auf der Brust eines aus dem Blätterwald gleitenden Habichts gar „un­fassbar wie ein Evangelium.“ Aber in seinem Gedichtband „Vogelwerk“ schwärmt er nicht oberflächlich. In, mit einer Ausnahme, je elf Versen, aber unterschiedlichen Tonlagen nimmt er Eigenarten von Vögeln in den poetischen Blick und spiegelt in der Betrachtung auch menschliche Verhält­nisse.  Einmal vermaß und bündelte ihm das rote Sensor-Auge eines Plastikerpels seinen Schmerz, „dass es wieder nicht gelungen war, ein anderer zu sein.“ Rolf Birkholz

Henning Ziebritzki, Vogelwerk
Gedichte
64 S.,  Wallstein, Göttingen 2019
ISBN 978-3-8353-3554-7,  € 18


Von Franziska Röchter

Andreas Reimann, „bedeutendster Lyriker der ‚sächsischen Schule‘“ (Literaturkritiker Carl Corino) und einer der wichtigsten deutschen Dichter der Gegenwart sowie Zeitzeuge der (Literatur)geschichte der DDR, hat soeben in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung einen neuen Gedichtband veröffentlicht, der sich auch optisch in die Reihe einiger seiner vorigen Veröffentlichungen in diesem Verlagshaus einfügt. Für Liebhaber von Sonetten jeglicher Ausprägung, für geschichtsbewusste Leser, die um Reimanns erfahrene Repressalien als aufbegehrender, obrigkeitsablehnender Dichter (sein erster für 1966 geplanter Gedichtband konnte aus politischen Gründen zunächst nicht erscheinen und erst 50 Jahre später wiederentdeckt als  „Kontradiktionen“ debütieren) ist dieses Buch, Band 5 der Andreas-Reimann-Werkausgabe, dem vor 25 Jahren „Das Sonettarium“ vorausging,  eine wahre Fundgrube, die es noch umfassender als in 3 bis 5 Sätzen zu ergründen gilt. Es kann aber nahezu blind anempfohlen werden. Wen würde es nicht interessieren, was ein Dichter zu sagen hat, der aus zwei so unterschiedlichen Welten kommt und solche gravierenden Einschnitte in seinem Leben schon als junger und sehr junger Mensch (Verlust beider Elternteile mit 5 bzw. 7 Jahren, Zwangsexmatrikulation am Leipziger Literaturinstitut, Inhaftierung etc.) erfahren hat?  Franziska Röchter

Andreas Reimann, Das Große Sonettarium
Gedichte (1975 – 2019)
Connewitzer Verlagsbuchhandlung, Oktober 2019
Gebundene Ausgabe, 184 Seiten
ISBN 978-3937799-93-3, € 22,00  


Von Ralph Grüneberger

Zu den Büchern, die nachgerade für die Lektüre an den nun kürzeren Tagen, aber längeren Abenden geschrieben wurden, gehört für mich der 2018 im Gmeiner Verlag erschienene Roman von Cornelia Naumann „Der Abend kommt so schnell“. Sie gestaltet darin nicht nur ein überaus lesenswertes Porträt der Münchner Revolutionärin Sonja Lerch (1992-1918), sondern schafft auch ein Colorit jener Zeit vor 100 Jahren, als Deutschland, mit dem Zentrum in München, eine weniger friedliche Revolution als 70 Jahre später im Osten erlebte.
Die Autorin Cornelia Naumann, geboren und aufgewachsen in Marburg an der Lahn, studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Germanistik und Romanistik in Köln. Seit 1999 lebt sie als freie Autorin von Romanen, Theaterstücken, Bühnenbearbeitungen und Übersetzungen in München.  Ralph Grüneberger

Cornelia Naumann, Der Abend kommt so schnell
Roman, 409 S. / 13 x 21 cm / Klappenbroschur Premium
Gmeiner Verlag, Februar 2018
ISBN 978-3-8392-2199-0, € 16,00


Von Ralph Grüneberger

Ein wenig nach Geschenkpapier schaut er aus, der Umschlag des Ratgebers Die-tägliche-Musik-gib-uns-heute. Aufschlagen sollte man das Buch somit vom 1. Januar bis zum 31. Dezember und sich von der Radio- und Fernsehmoderatorin Burton-Hill musikalisch in den Tag führen lassen. Die Autorin, die bei BBC Radio 3 die Klassiksendungen moderiert, bietet dem Leser/Hörer eine Vielzahl von Werken bis dato (sicherlich) unbekannter Komponistinnen und Komponisten an, die, wenn sie Gehör finden, neue Klassiker werden könnten. Im Gegensatz zum Konzertabend, bei dem man meist noch an der Garderobe ansteht, während es im Foyer eine Werkeinführung gibt, kann man sich hier in Ruhe einlesen. Der Ton des Textes kommt freilich eher salopp daher und erfordert kein Nachschlagewerk. Dass es zum Buch bei Apple Music ein Abonnement mit der entsprechenden Playlist gibt, verwundert natürlich keinen halbwegs kaufmännisch Denkenden. Na dann, frohes (Hör-)Fest! Apropos, man kann das Buch auch überlisten und muss nicht bis zum Jahresanfang warten. Für den 1. Dezember wird keine „unadventliche Musik“ empfohlen, sondern Morten Lauridsens Vertonungen weihnachtlicher Verse, wie passend „O Magnum Mysterium“. Ralph Grüneberger

Clemency Burton-Hill, Ein Jahr voller Wunder
Klassische Musik für jeden Tag
Aus dem Englischen von Barbara Neeb, Ulrike Schimming und Katharina Schmidt
464 Seiten, Diogenes Verlag, Zürich 2019
ISBN 978-3-257-60972-1 
€ (D) 25,00 gebundenes  Buch, 21,99 Kindle / sFr 28,00* / € (A) 21,99
 

Von Ralf Burnicki

Die Prosagedichte von Knut Schaflinger spielen mit linearen Erwartungen, etliche Sätze sind Abbruchstellen, kein Satz geht so weiter, wie man es erwartet, jederzeit gibt es Überraschungen, Wendungen, einen Hang zu surrealistischer Gedankenbildung. Und dennoch ergibt sich ein Ganzes. Knut Schaflinger ist für mich einer der großen Poeten der Gegenwart, seine Texte sind bildhaft und unberechenbar zugleich. Jeder seiner Bände, z.B. „Die Ungewissheit der Quadrate“ lässt mich erfrischend beunruhigt zurück, schildert Vorgänge, die keine sind, und gerade deshalb hat man es womöglich mit einer Vision zu tun: dem Traum von einem poetischen Leben: „In einer fremden Sprache schreibt sich das schöne Wort Occasion mir ins Gedächtnis. Kann sein es schmilzt wenn es bei späterer Gelegenheit erst ausgeatmet ist“ (aus dem Gedicht: „Schriftzug in der Langen Reihe. Eine Häuserzeile“). Unbedingt empfehlenswert. Ralf Burnicki

Knut Schaflinger, Die Ungewissheit der Quadrate
Gedichte, Hardcover, 73 Seiten
Verlag Ralf Liebe, Weilerswist 2017, € 20,00


Von Franziska Röchter

„POESIE 21 präsentiert bemerkenswerte zeitgenössische Gedichtbände und lyrische Debüts in deutscher Sprache.“ So ist auf den Waschzetteln zu dieser mittlerweile 101 Ausgaben umfassenden Lyrikreihe zu lesen. Ein solches Debüt ist auch Guido Lufts Band mit seinem sprachwitzigen Titel. Das Ausloten von Beziehungen, von Nähe und Ferne, das Etablieren wichtiger Grenzen und das Überschreiten derselben inklusive anschließender Narbenbildung, alltägliche und besondere Katastrophen wie vollgelaufenen Keller oder Fallen im Internet, das getriebene, rastlose Ich, das sein „Kreuz schultern“ muss, das „Leben, einen Schritt vor dem Abgrund“:  Guido Lufts Parforceritt durch Schattenseiten und Lichtmomente menschlicher und alltäglicher Existenz gibt einen guten Einblick in diese längst etablierte Poesie 21-Reihe, die übrigens nicht selten auch mit fröhlich-monochromen Umschlägen ins Auge fällt. Franziska Röchter

Guido Luft, zum Tee ein Kataströpfchen
Gedichte
Poesie 21 im Verlag Steinmeier, Juli 2019
70 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-943599-66-4, € 12,80 (D)


Von Franziska Röchter

Allzu viele Anthologien mit Kindergedichten neuzeitlicher Dichter, die teilweise,  wie z. B. Paul Maar oder Franz Wittkamp, einen Namen als Kinderlyriker haben, dürfte es nicht geben. Wenn überhaupt. 100 frische, verrückte, unverbrauchte Gedichte für Kinder (und, wie Pressestimmen zu entnehmen ist, durchaus auch für Erwachsene), gereimt oder ungereimt, ausgewählt und herausgegeben von Uwe-Michael Gutzschhahn, sollen Kinder für Poesie begeistern oder auch zum Selberdichten anregen. Ein gutes Kindergedicht ist immer auch ein gutes Erwachsenengedicht, hat einmal Erich Jooß († 2017) gesagt. Bei dieser Fülle moderner Lyrik dürfte für jeden etwas dabei sein. Es gilt herauszufinden, auf welche Texte kleinere (ab 5) oder etwas ältere Kinder – je nach Deklamationsfähigkeit des Vortragenden – oder Selbstlesende anspringen und welche Gedichte wem den größten Spaß bereiten. Da Kinderbücher sehr wesentlich auch von Illustrationen leben, ist dieser Spaß durch die bunten und vielseitigen Illustrationen von Sabine Kranz schon gesichert. Franziska Röchter

Sabine Kranz/Uwe-Michael Gutzschhahn, Sieben Ziegen fliegen durch die Nacht
Hundert neue Kindergedichte
dtv Junior, Originalausgabe
176 Seiten, ab 5
9. März 2018
ISBN 978-3-423-76201-4
EUR 16,95 € [D],  EUR 17,50 € [A]


Von Michel Ackermann

Im Wallstein-Verlag erschien 2018 der achte Gedichtband der Amerikanerin Jo Mary Bang. Die beiläufige Wucht von Bangs Zeilen entspringt einer abgründig-innigen Tonalität, die von Tod und Trauer um den verstorbenen Sohn singt. Die diesbezüglich “gefährlich-typischen“ Floskeln oder Klischees bleiben (auf wundersame Weise …) aus. Vielmehr schreit das blühende Leben an sich, seine vielfarbige Dringlichkeit, in unsere allzu-menschliche Wahrnehmung hinein. Der Wundverband der Worte ist entfernt, denn die Worte und ihre unzugehörigen Umstände sind selbst die Wunden.
Michel Ackermann

Mary Jo Bang, Elegie
Gedichte
172 Seiten, Verlag: Wallstein; Auflage: 1 (5. März 2018)
ISBN 978-3835332423, € 20,00


Von Michel Ackermann

Vielleicht ist der 2006 verstorbene Jurist Christian Saalberg so etwas wie ein bekannter Unbekannter in der deutschen Lyriklandschaft. Die ausgewählten Gedichte (aufwendig und wertschätzend verlegt von Schöffling & Co) bieten eine Fundgrube voll prosaisch-tiefgründiger Poesie. Der Dichter Saalberg, deutscher “Transzendentalist“ und einzelgängerisch-verbundener Weltengänger, beschreitet lyrische Pfade zwischen Natur, Liebe und pantheistisch inspirierter Philosophie. Sie sind für Lyrik-Liebende ein unbedingt glaubwürdiges Abenteuer. Michel Ackermann

Christian Saalberg, In der dritten Minute der Morgenröte
392 Seiten, Schöffling; Auflage: 1 (27. August 2019)
ISBN978-3895610165, € 32,00


Von Wolfgang Braune-Steininger

Günter Kunert, der  2019 im Alter von 90 Jahren starb, gehört zu den großen alten Männern der deutschsprachigen Nachkriegslyrik. Auch in seinem letzten Gedichtband beeindruckt er durch souveräne Handhabung lyrischer Formen und Techniken. So gewinnt er dem Endreim immer wieder neue originelle Bedeutungsvarianten ab. Inhaltlich dominiert inmitten der Vielfalt an Themen die für Kunert typische Melancholie, die aufgrund ihrer stabilen und aussagekräftigen sprachlichen Umsetzung schon wieder ein – paradoxes – Moment der Sicherheit mit sich führt.                                                                   
Kunert erweist sich als Meister des Lyrischen, der in  seinen Gedichten auch Dichtergrößen anderer Epochen adressiert und porträtiert. Nicht zum ersten Mal in seinem Oeuvre steht Brecht im Mittelpunkt von Personengedichten. Bemerkenswert dagegen ist das Schlussgedicht J.W.V.G., das sich kritisch-ironisch mit Goethe auseinandersetzt.
Wolfgang Braune-Steininger

Günter Kunert, Zu Gast im Labyrinth
Neue Gedichte
Herausgegeben von Wolfram Benda, München, Carl Hanser Verlag 2019 ISBN 978-3-446-26463-2, €19,00











 

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