Veranstaltungen unserer Mitglieder – Jörn Sack

  • Veröffentlicht: 15.08.2019 · Zuletzt aktualisiert: 26.07.2019

Jörn Sack, ‚Fontane als Kriegschronist‘ (Berliner Wissenschaftsverlag): Buchvorstellung. Ort: Sakristei der Sophienkirche in Berlin-Mitte, Große Hamburger Straße, 12. September 2019, 19 h

Gedicht des Monats August

  • Veröffentlicht: 01.08.2019 · Zuletzt aktualisiert: 24.07.2019

Franziska Röchter (*1959)

Hauptbahnhof

Ankommen in Leipzig
kann man auch nachts
allein als Frau
zu später Stunde
sind die Gänge verlassen
kein Kiosk mehr offen
für ne Dose Bier
grölt ne Horde Hardcore
Fans nach dem Fußball
auf der sicheren Seite

Während um Mitternacht
vorne im Eingang
wo schon Paul Potts
den Flashmob besang
orangene Männer
ein Sichtverhältnis
in Grauzonen schaffen
möcht ich am liebsten
im Kunstfrühlingsblumenbeet
n(acht) oc-turnen

ist nicht erlaubt
heißt sicher
zuhaus
                                    

Quelle: Poesiealbum neu, „Leipzig im Gedicht. Lyrik & Prosaminiaturen“,

Poesiealbum neu – O Freude. Leipzig im Gedicht. Lyrik & Prosaminiaturen, Ausgabe 1/2015 Doppelheft 120 S. / Preis 6,00 EUR Doppelheft mit CD „HörBildStadt – Sounds of Leipzig“ / Preis 9,95 EUR (limitierte Auflage) jeweils zzgl. 2 Euro Versand

Leipzig 2014          

Wir gratulieren unserem Vorstandsmitglied Franziska Röchter herzlich zum runden Geburtstag. Wer sie kennt, denkt bestimmt, die haben sich um 10 Jahre vertan.                

Von null auf hundert: Till Rodheudts Debüt

Till Rodheudt, zwischen den beats, Reihe Poesie 21

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 26.07.2019

Empfehlung des Monats · August 2019
von Franziska Röchter

Nicht zufällig, so der Herausgeber Anton G. Leitner, habe der Band zwischen den beats von Till Rodheudt den Jubiläumsplatz 100 in der seit 2006 existierenden und lange etablierten Gedicht-Reihe Poesie 21 erhalten – deren Anliegen es ist, „bemerkenswerte zeitgenössische Gedichtbände und lyrische Debüts in deutscher Sprache“ zu präsentieren.  

Diese höchst sorgfältig unter dem gründlichen Auge des Verlegers und Herausgebers persönlich entstehenden Bände  bestechen durch einen hohen Wiedererkennungswert und ein seriöses und einheitliches Erscheinungsbild; trotz des sich über die Jahre längst vom ursprünglich schwarzen und roten Umschlag in Richtung Farbenvielfalt weiterentwickelten Covers und diverser kreativer Umschlagsgestaltungen reihen sämtliche bisher erschienenen aktuell 101 Titel ihre Autorinnen und Autoren in die Gedichtfamilie ein und stellen auch Debütanten – wie hier Till Rodheudt – in einen über das rein Dichterische hinausgehenden Zusammenhang in einer immer unüberschaubarer werdenden und manchmal auch undurchdringbaren lyrischen Welt. Kurzum: Die Reihe hat etwas Einendes, ist im sogenannten „Betrieb“ integrationsstiftend. Wer bei Poesie 21 verlegt wurde – und das wird gewiss nicht jeder – wird verortet, darf sich glücklich schätzen und schätzt sicher viele der Mitangehörigen in diesem Kreis lyrischer Verwandtschaft.

Was macht Till Rodheuts Gedichte besonders? Wovon schreibt der studierte Germanist und Philosoph, der 17 Jahre lang hauptberuflich nicht in der schöngeistigen, sondern ökonomischen Welt der „businessgebiete“ und „vertikaler marktgespräche“ agierte?


Einige der 5 Kapitelüberschriften (z.B. Wir flirten mit Gewehrmündungen, System oder Die Krieger sind abbestellt) lassen einen Daseinskampf des Individuums vermuten oder – Muscheln & Muscheln haben wir gesucht – deuten auf existentielle Sinnsuche in einem verschlüsselten Universum (… sprachverwirrt die anschauung / meiner nicht verstandenen / umlaufbahn  aus: die früchte ess ich). Rodheuts Texte oszillieren zwischen Innen und Außen, zwischen „funkelndem ipadglas“ und „blutbuchenschicksal“, zwischen geschlossenen Räumen und den Weiten des Universums,  zwischen „extrasolaren planeten“  und „gegenwartsschienen“, sie „verweilen im zungengrund“ und „stranden an der flussfront“,  wandern vom „zellschnee des lebens“ in „die zukunft“.

Die Gedichte wirken sehr kompakt, formell in modernen Blocksatz gefasst, manche treten nahezu quadratisch auf, als sollten die stringente Form und die umklammernden Enjambements das persönliche und lyrische Ausufern im endlosen Kosmos verhindern:



Diese „andere galaxie“ des Till Rodheudt lädt zum Durchqueren und Erforschen ein, zum Verlassen bekannter Räume, um herauszufinden, was sich „zwischen den beats“ befindet, nicht nur wegen des vom Herausgeber beschworenen „psychedelischen Flows“, sondern auch, weil die Entdeckung unbekannter Galaxien so schön den eigenen Standpunkt verändern kann.  


Till Rodheudt, zwischen den beats
Gedichte
80 Seiten, Broschur, EUR 12,80
[D]Deiningen 2019, Verlag Steinmeier
ISBN 978-3-943599-67-1
www.Poesie21.de




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