Gedichte von Leben und Tod

  • Veröffentlicht: 02.04.2021 · Zuletzt aktualisiert: 31.03.2021

Manfred Molls lyrische Lebenshilfen

Empfehlung des Monats · April 2021
von Ernst Schneider

Es gibt den Begriff Dichterpfarrer und er zielt auf Diener Gottes und der Sprache wie Paul Gerhard, Johann Peter Hebel oder Eduard  Mörike. Der Lyriker Manfred Moll (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Theaterautoren!), Pfarrer im Ruhestand, gebürtiger Westfale, seit Jahrzehnten in Berlin zu Hause und dort familiär verzweigt, ist kein Vielschreiber. Gewiss hat ihm das Erarbeiten der regelmäßigen Predigten per se wenig Raum für den irdischen Ton gelassen und so wundert es nicht, dass Moll die Gott-Anrede auch in seinen Gedichten, sprich Psalmen pflegt. Und dennoch bleibt die literarische Ernte, die er als Summe aus drei Jahrzehnten einfährt, schmal und bietet gleichzeitig ein Sinnbild für Molls jahrzehntelanges lyrisches Mühen. Seine Gedichte geben Lebenshilfe. Denn dieser Poet ist einer, der zumeist den Extrakt einer Gegebenheit hervorbringt und das nicht selten auf anschauliche Weise. Ein Beispiel:

was zusammen hält (familienfoto)

der vater hält sich gerade noch
die mutter liegt schon im grab

der sohn hält sich im ausland auf
er hält sich immer bedeckt
der sohn hält sich eine geliebte
er hält den laden zusammen
der sohn sitzt

die tochter hält sich für was besseres
sie hält das alles nicht mehr aus

eine ganz normale familie eben

Dass Moll auch einer ist, der von anderen geschriebene deutsche Lyrik wahrnimmt (was keine Selbstverständlichkeit ist in den Zeiten der Ich-linge), macht sein Paul Celan gewidmetes Gedicht „totentanz“ deutlich und lässt gleich noch eine von Bertolt Brechts Buckower Elegien anklingen:

totentanz
(nach Paul Celan)

am anfang
ein bäckermeister
ein schuhmachermeister
ein schlachtermeister
ein baumeister

dann
ein wachtmeister
ein schulmeister
ein hausmeister
ein schatzmeister
ein jägermeister
ein rittmeister

am schluss
ein deutschmeister
ein tanzmeister
ein brandmeister

Neben dem vermeintlichen Wissen, nicht selten als Nicht-Wissen apostrophiert, und den Dialogen mit dem Tod, bildet den kräftigsten Grundton der Mollschen Gedichte die Vergänglichkeit. Dass aber viele von ihnen Bestand haben, wirkt deshalb fast schon subversiv.


Manfred Moll, Gedichte aus drei Jahrzehnten
Fromm Verlag / KNV Zeitfracht GmbH, Erfurt 2020
Broschur, 71 S., ISBN 9-786138-370840
€ 21,90

Von fliegenden Hunden und schuhlosen Vögeln: Gabriele Kromers Fantasiewelten

Manche Hunde fliegen - Gedichte und Bilder von Gabriele Kromer

  • Veröffentlicht: 01.02.2018 · Zuletzt aktualisiert: 01.02.2018

Empfehlung des Monats · Februar 2018
von Franziska Röchter

 

Ein bisschen gaga, ein bisschen dada, ein bisschen crazy – und sehr viel Esprit!

Von manchen schönen Dingen erfährt man erst, wenn man mit der Nase drauf gestoßen wird. So auch von diesem hochwertig aufgemachten und durchgängig mit Bildern versehenen Lyrikband von Gabriele Kromer aus 2017, der durch sehr charmante, in sehr verschiedenen Mischtechniken angefertigte Kunstgrafiken besticht, von denen viele etwas mit einem Hund zu tun haben – aber nicht alle.
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Peter Bornhöft: Auf Leben und Tod

Peter Bornhöft, Auf Leben und Tod

  • Veröffentlicht: 30.06.2017 · Zuletzt aktualisiert: 29.08.2017

Empfehlung des Monats · Juli 2017
von Urte Skaliks 

Ich komme überhaupt nicht aus dem Staunen heraus.

Das ist selten. Ich komme beim Lesen überhaupt nicht aus dem Staunen heraus. Und möchte am liebsten immer nur zitieren und das Büchlein sofort einem Freund schicken.

Aber ich versuche, zuerst etwas über die Gedichte zu sagen.
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