Veranstaltungen unserer Mitglieder – Ralph Grüneberger

  • Veröffentlicht: 31.10.2019 · Zuletzt aktualisiert: 22.10.2019

Di, 13. November 2019, 19:00 Uhr: Ralph Grüneberger liest aus seinem Roman „Herbstjahr“, Rudolf-Hildebrand-Schule, Mehringsstraße 8, 04416 Markkleeberg. Moderation: Hendrik Berth. Musik: N.N. Gezeigt wird der Poesiefilm „Leipzig. Keine Gewalt“ von Milton Kam (USA) nach 2 Gedichten von Ralph Grüneberger. Eintritt: 3 €

Veranstaltungen unserer Mitglieder – Ralph Grüneberger

  • Veröffentlicht: 22.10.2019 · Zuletzt aktualisiert: 22.10.2019

Di, 5. November 2019, 17:00 Uhr: Ralph Grüneberger liest aus seinem Roman „Herbstjahr“, Bibliothek der Westsächsischen Hochschule, Dr.-Friedrichs-Ring 2A, 08056 Zwickau. Moderation: Hendrik Berth. Musik: Annette Schneider. Gezeigt wird der Poesiefilm „Leipzig. Keine Gewalt“ von Milton Kam (USA) nach 2 Gedichten von Ralph Grüneberger. Eintritt: frei

Ringelnatz‘ Ameisen haben es nicht bis nach Australien geschafft, aber der Hauptpreis schafft es

  • Veröffentlicht: 01.10.2019 · Zuletzt aktualisiert: 02.10.2019

Die Ameisen

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee,
Da taten ihnen die Beine weh,
Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Teil der Reise.

So will man oft und kann doch nicht
Und leistet dann recht gern Verzicht.

Marie Craven aus Palm Beach in Australien ist die Gewinnerin des vierten von Ralph Grüneberger initiierten Gedichtfilmwettbewerbs, den die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik ausgelobt hat; er galt diesmal der Lyrik des als Hans Gustav Bötticher in Wurzen geborenen Schriftstellers Joachim Ringelnatz, der sich dieses Pseudonym vor genau 100 Jahren gab. Craven erhält den Preis für ihren Film „Die Ameisen“, den die Filmproduktionsfirma Saxonia Media gestiftet hat. Mit einer Einladung zur Leipziger Buchmesse 2020 werden Jo van Nelsen und Sylvia Nitzsche aus Frankfurt am Main für ihren Film „Kindergebetchen Nr. 3“ ausgezeichnet, die Hotel- und Reisekosten übernimmt die Leipziger Buchmesse. Der Sonderpreis für die beste Einsendung von unter 18-Jährigen geht an die Geschwister Laurie (11) und Liliy-Belle Mohaupt (14) aus North Berwick in Schottland für ihren Animationsfilm „Abzähl-Reime“. Das Preisgeld stellte das Kulturhistorischen Museums Wurzen bereit. Den Preis des Joachim-Ringelnatz-Vereins Wurzen, einen 2-tätigen Hotelaufenthalt in der Ringelnatz-Geburtstadt, erhielt Erik Lemke aus Berlin für seinen Kurzspielfilm „Das Rezept“. Ebenfalls auf einen 2-tägigen Aufenthalt kann sich für seinen Film „Zu dir“ der gleichfalls in Berlin lebende Fotograf Antonius freuen, er ist demnächst Gast des Ringelnatz-Hotels Rostock-Warnemünde. Den Sonderpreis der Waldmann KG, einen Edelfüllfederhalter in Sterlingsilber, erhält für „Die besondere Handschrift“ Claudia Edermayer aus Linz in Österreich für ihren Film „Übergewicht“.

Die hohe Beteiligung von Schülerinnen und Schülern an diesem Wettbewerb zeigt sich gerade anhand der vergebenen Geld- und Sachpreise. So erhalten die Teams zweier Grundschulen in Schwedt und Templin für ihre Filme „Die Briefmarke“ und „Heimatlose“, die unter der künstlerischen Leitung von Gabriele Zorn entstanden sind, zugleich einen Geldpreis der Ringelnatz-Gesellschaft Cuxhaven sowie Eintrittskarten für den Zoo Leipzig, die die Sparkasse Leipzig für die 46 Schülerinnen und Schüler und ihre Begleiter bereitstellt. Ebenfalls einen Gruppenpreis erhalten 28 ehemalige Schülerinnen und Schüler der 12. Klassen des Leibniz-Gymnasiums in Leipzig sowie acht Hamburger Jugendliche und ihre Begleiter. Sie alle werden den Belantis-Park besuchen. Die Vergabe dieses Zusatzpreises ermöglichte das SAEK-Förderwerk für Rundfunk und neue Medien. Insgesamt konnten dank der Unterstützung aller genannten Sponsoren Geld- und Sachpreise im Wert von über 2.800 € vergeben werden.

Am Welttag der Poesie 2020, am 21. bzw. 22. März, werden in 12 deutschen Städten in Ost und West die besten Ringelnatz-Gedichtfilme gezeigt. Geplant ist außerdem für das nächste Jahr die Herstellung einer DVD mit 20-25 der besten Einsendungen.

Leipzig, 1. Oktober 2019

Wassertropfen & Seifenblase. Filme zur Lyrik von Joachim Ringelnatz
Auswertung des Wettbewerbs im Einzelnen

Preis I / Geldpreis der Filmproduktionsgesellschaft Saxonia Media: 500 € erhält Marie Craven, Palm Beach, Australia, für den Film „Die Ameisen“

Marie Craven gelang eine kurze und pointierte Animation, die mit viel Witz und Charme auf das Gedicht antwortet. Der mit Hamburger Einschlag gesprochene Voice Over unterstreicht die Komik des Gedichts „Die Ameisen“ von Joachim Ringelnatz. Die Collagen aus Comic- und Magazinbilder sowie der Bilderfluss sind sehr gut auf den Text abgestimmt und spielen gekonnt mit ihm.

Preis II / Sachpreis der Leipziger Buchmesse: Gast der Leipziger Buchmesse 2020 (zwei Übernachtungen für 2 Personen, inkl. Reisekosten u. Eintrittskarten) geht an Jo van Nelsen und Sylvia Nitzsche, Frankfurt/M., für den Film „Kindergebetchen Nr. 3“

Das Diminutiv dieses Ringelnatz-Gedichts entmystifiziert Ringelnatz selbst durch seinen kontrastiven und provozierenden Text. Allein dieser zeigt philosophisch, wie verbrämend Sprache sein kann und dass sein „Kindergebetchen“ rein gar nichts, mit der Realität zu tun hat. Ein hochaktueller Text, der künstlerisch von Jo van Nelsen und Sylvia Nitzsche visuell und narrativ umgesetzt wurde. Denn ihr gelingt es, diesem Gedicht neben der auditiven und der visuellen noch eine ganz eigene narrative Erzählebene beizugeben. Ein Kompliment an die Filmemacherin und dieser Gedichtfilm gehört in jeden Deutsch- und Ethikunterricht!

Preis III / Geldpreis der Ringelnatz-Gesellschaft Cuxhaven: 300 € (je 150 € an beide Gruppen) erhalten die Teams der Grundschule am Egelpfuhl, Templin, und der Bertolt Brecht Grundschule in Schwedt für die Filme „Heimatlose“ und „Die Briefmarke“; Künstlerische Leiterin Gabriela Zorn

Der Gedichtfilm „Heimatlose“ der Klasse 4a der Grundschule „Am Egelpfuhl“ in Templin überzeugt durch Witz, Phantasie und filmisches Können. Ein Junge, der auf einer Toilette Radio hört, bildet die Rahmenhandlung, wobei das ringelnatzsche Gedicht originell und wie nebenbei in die Handlung einfließt. Neben den Spielfilmanteilen gibt es dokumentarische Passagen, in denen Kinder über ihr Verständnis von Heimat sprechen, und letztlich kommt sogar noch ein Trickfilmmeerschweinchen dazu. „Heimatlose“ ist eine im besten Sinne unberechenbare, kleine Filmwundertüte.

In dem Gedichtfilm „Die Briefmarke“ wird in einem raffiniert gemachten Gespräch zwischen Briefmarken auf das eigentliche Gedicht „Die Briefmarke“ von Joachim Ringelnatz hingeführt. Mit gekonntem Witz, schönen Ideen und viel Liebe zum Detail gelingt es den Schülerinnen und Schülern sowie dem Team von Gabriela Zorn, die fantasievolle Bilderwelt des Dichters einzufangen. 

Preis IV / Sachpreis des Joachim-Ringelnatz-Vereins Wurzen: Hotelaufenthalt in der Ringelnatz-Stadt Wurzen (zwei Übernachtungen für 2 Personen); ausgezeichnet wird Erik Lemke, Berlin, für „Rezept“

Der Spielfilm „Rezept“ von Erik Lemke macht überaus deutlich, mit wie viel Phantasie sich Joachim Ringelnatz ein sehr ungewöhnliches Rezept ausgedacht hat. Schnitt, Schauspiel, Musik und Gedicht ergänzen sich hervorragend und kreieren eine sehr schöne kurze Geschichte mit einem spannenden Ausgang.

Preis V / Sachpreis des Hotels Ringelnatz Rostock-Warnemünde: Hotelaufenthalt (zwei Übernachtungen für 2 Personen) geht an Antonius, Berlin, für „Zu dir“

Dieser Film zu dem Ringelnatz-Gedicht „Zu Dir“ ist eine gelungene visuelle Annäherung an das Leben und Wirken Ringelnatz‘. Visuell gelungen ist nicht nur die Komposition der Ringelnatz-Bilder, sondern ebenfalls eine Interpretation des Wirkens durch eine Veränderung einer schwarz-weißen zu einer bunten Welt. Auch auditiv überzeugt der Film durch die jeweiligen Geräuschkulissen und ermöglicht dadurch eine Authentizität zwischen Ringelnatz als Gedicht-Autor und Maler. Ganz nebenbei entdecken wir mit diesem Gedichtfilm eine ganz neue Seite von Ringelnatz, die noch nicht so bekannt ist. Eine wunderbare filmische Entdeckung!

Sonderpreis I / Sachpreis der Waldmann KG: Edelfüllfederhalter in Sterlingsilber für „Die besondere Handschrift“ erhält Claudia Edermayer, Linz, Österreich, für „Übergewicht“

Sehr kompakt, sehr strukturiert, stringent und überraschend gestaltet Claudia Edermayer eine ganz eigene Kurzgeschichte des „Übergewichts“, erzählt, wie ein Wal auf eine Waage „fällt“. In wenigen Minuten eine solche mit einem narrativen Spannungsbogen bis zum Ende versehene Geschichte zu erzählen und gelungen zu visualisieren, ist ein Glücksfall für diesen Wettbewerb. Kompliment zu diesem Film!

Sonderpreis II / Geldpreis des Kulturhistorischen Museums Wurzen: 200 € für eine/n Filmemacher/in unter 18 Jahre (es gilt der Zeitpunkt der Einsendung) erhalten die Kinder Laurie Mohaupt (11) und Liliy-Belle Mohaupt (14), North Berwick, Scotland. Der Film der Geschwister entstand unter der Regie des Vaters Dr. Holger Mohaupt.

Der Film „Abzähl-Reime“ erzeugt Spannung und Witz, indem sich ein Nichtmuttersprachler durch die verrückten Ringelnatzschen Verse mühsam, stockend und zum Teil auch mit falschen Betonungen hindurchschlingelt. Es entsteht ein charmanter sprachlicher Verfremdungseffekt, der auch filmisch originell umgesetzt wurde.

Gruppenpreis I / Sachpreis der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig: Eintrittskarten für den Leipziger Zoo geht an beide Teams aus Templin und Schwedt (Begründung siehe Preis III)

Gruppenpreis II: Eintrittskarten in den Belantispark geht an 8 Schülerteams der 12. Klasse Leibnizschule-Gymnasium Leipzig, Projektleitung Grit Kurth, für die acht Filmbeiträge des Leibniz-Gymnasiums in Leipzig. Hervorzuheben sind dabei die Filme „Nachtwanderung“, „Zeitversprengte Freunde“ und „Zwischen meinen Wänden“, die filmisch und schauspielerisch am meisten überzeugen konnten.

Gruppenpreis III:  Eintrittskarten in den Belantispark erhalten 8 Jugendliche aus Hamburg, die unter der künstlerischen Leitung von Bertolt Hering mit viel Spielfreude und Einfallsreichtum in einem Ferienkurs mehrere Gedichte von Joachim Ringelnatz unter dem Titel „Der Schatz von Ringelnatz“ entwickelt und gedreht haben.

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Jury: Dr. Uta Corsa, Carl-Christian Elze, Thomas Zandeciagomo Del Bel

Idee, Leitung und Organisation: Ralph Grüneberger

Mitarbeit: Klaus Nührig, Dr. Stefan Kabisch, Elke Zorn

Leipzig, im September 2019

„Aus Wollgewölk gewoben“ – Zu Rolf Birkholz neuem Lyrikband „Das Fell der Welt“

Rolf Birkholz, Das Fell der Welt. Gedichte, chiliverlag 2019

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 28.09.2019

Empfehlung des Monats · Oktober 2019
von Monika Littau

Ursprünglich brachte ich den Namen Rolf Birkholz ausschließlich mit Lyrikbesprechungen in Verbindung. Dann aber entdeckte ich fast im Jahrestakt die Lyrikbände des lebenslangen Ostwestfalen: „EIN SATZ MIT ROT“, „Ein leicht gekreuztes Nicken“ und nun „Das Fell der Welt“, soeben im chili-Verlag erschienen. Rolf Birkholz, der im Alltag journalistische Texte verfasst, schreibt und veröffentlicht in den letzten Jahren kontinuierlich Gedichte, ringt um Stoffe, ringt um Formen, sucht Zeichen und Wege. –

Und so heißen die Kapitel, in denen er seine Gedichte im neuen Band bündelt: Signale, Wege, Stoffe, Formen.

Gerade im ersten Kapitel (Signale) scheint er nah an seiner Biografie zu sein, wenn von einem Lyrischen Ich/einem Kind die Rede ist, das sich „niederschweigt“, wenn die Mutter an der Ampel steht: „Ihr Gesicht, mildehell, zeigt dir Grün“. Auch die Erinnerung an die Musik der jungen Jahre mit Gerry Rafferty, Manfred Mann, Les Paul, „verrückte Diamenten, sternenwärts“ scheint einer biografischen Spur zu folgen. Signale kommen auch von Frauen, so heißt es im Gedicht „Insalata“, sie „spricht mit den Füßen“.

Der Dichter ist ständig auf „Augenfang“ und findet nicht nur bunte Glasscherben auf seinem Weg. Er richtet vielmehr seine Aufmerksamkeit auf aktuelle Themen: auf die „Seelenwölfchen“, d.h. die triebverirrten Hirten, vor denen „die letzten Frommen schaudern wie Lämmer“;  auf das Massaker in Florida und die Debatte über frei zugängliche Schnellfeuerwaffen; auf die Windräder, die „Strom aus Stürmen“ machen, „wackre Ritter“, die, wenn sie stillstehen „von trauriger Gestalt“ sind.

Die Wege und westfälischen Pättchen im zweiten Kapitel führen „übers Grüne … und sei es ins Blaue“, führen nach Norden zur Insel Hiddensee und zum Hauptmannhaus, führen nach Wuppertal und nach Haus Nottbeck, dem Westfälischen Literaturmuseum, und werden gelegentlich zu schnell befahren. Diesem Ereignis widmet der Autor die augenzwinkernde „Blitzbubenballade“, die den Rahmen der übrigen oft 6-9-zeiligen Gedichte mit seinem 11 Strophen geradezu sprengt.

Kapitel drei will Stoffe versammeln, bspw. „Mohn“, „Lebertran“, „Botenstoffe“,  aber auch das „schwarzbraune Aroma aus Handverb und Rauch“. Damit führt Rolf Birkholz nahe an sein Kernthema: die Formen (letztes Kapitel).

Formfragen an der Ems

Der Dichter im Anzug,
Pulloverpoeten
ade, doch kein Tröpfchen
soll nässen die Verse
beim Fototermin
an der Ems, dann schon lieber
den anderen Stoff,
der nicht ganz so wie diese
im Maß, in der Form
angegossen, begossen
der Anzug ist dichter.

Rhythmik, Sprachspiel und Witz machen das Lesen zur Freude. 

Ernsthafter geht es dagegen im Text „Workshoppoeten“ zu:

Im Fenster die Stadt die Momente
zum Glück, dort erschließen sich Dichter
die inneren Räume, sie bremsen
die Zeit in den Zeilen, sie schmelzen
den Wortstein mit Salzgeist zu Versen,
festflüssig, Gedichte sind Fenster.

Auch hier bewegt sich der Text vom „Fenster zur Stadt“  in einer  Spiralbewegung auf eine neue Ebene, weist von außen nach innen und eröffnet von diesem Ort einen neuen Ausblick, denn „Gedichte sind Fenster“.

Neben diesen feinen semantischen Bearbeitungen und Verschiebungen in äußerster Verknappung, der bereits genannten Rhythmik, prägen Stab- und Endreime (vorwiegend Schweifreime), seine Texte, die Rolf Birkholz ganz gegen den gegenwärtigen Lyriktrend verwendet:

Verspottung des Herrn

Als süßes Seelenwölfchen heulte
In Herden triebverirrter Hirt:
Lasset die Kindlein zu mir kommen.

Nun schaudern selbst die letzten Frommen,
den Lämmern gleich, ein jeder spürt:
So läuft des Herrn Verspottung heute.

Rolf Birkholz, der studierte Philosoph und Theologe, hat sich für die Arbeit an der  Transzendenz des Wortes entschieden. Denn „auch das Wort hat ein Sein“. Die theologische Bilderwelt ist ihm jedoch in seiner „unheiligen Schrift“, seiner „nichttheologischen Gedichtpredigt“ geblieben. Und da ist es das Bild des Lamms, das immer wieder eine Rolle spielt:

„Das Lamm, das geschlachtet wurde“, ebenso wie die „Lämmer“, die dem Hirten folgen. „Das Fell der Welt“, so der Titel des Lyrikbandes, ist das Fell eines Lamms, festlich angezogen zur „Erbarmendämmerung“. Rolf Birkholz erinnert sowohl an die „Götter“- als auch an die „Menschheitsdämmerung“. Letztere scheint mit dem Aufruf zu „Sturz und Schrei“, zur „Erweckung des Herzens“, zu „Aufruhr und Empörung“ und „Liebe den Menschen“, so die Kapitelüberschriften in Kurth Pinthus Werk von 1919, dem Anliegen des Lyrikers nahe zu kommen.

Wieder hält sich der Autor an die Dichter, an die vergehende Welt, in der sich trotzdem Frieden finden lässt. Er hält sich an die Transzendenz des Wortes.  

Das Lamm

So festweiß angezogen
Erbarmendämmerung,
es trägt das dicke Fell
der Welt, Vergehen, großen
kleinen, deinen Frieden,
aus Wollgewölk gewoben.


Rolf Birkholz, Das Fell der Welt. Gedichte
76 Seiten, chiliverlag 2019
Softcover ISBN 978-3943292817, Euro 9,90
Hardcover ISBN 978-3943292800, Euro 16,90

Gedicht des Monats Oktober

  • Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: 30.09.2019

Andreas Reimann (*1946)
HYMNE ZU EINER LEIPZIGER
WAGNER-EHRUNG

Wo der bärlauch wächst, der zähe,
droben auf dem trümmerberg,
preisen wir in höchster höhe
wagner, das gesamtkunstwerk.

ja, wir loben’s, das versteht sich,
so wie er es selber tat.
Doch der grüne hügel bläht sich
gänzlich kahl in seiner stadt.

Noch steht nackt der grüne hügel,
streifte auch vor zeiten schon
der versöhnung milder flügel
diese stadt und ihren sohn.

Denn der wagner zog die lehre
aus dem mangelnden applaus,
strich das revolutionäre
seiner jugend einfach aus.

Kunst braucht gunst und nicht nur können.
Doch auch der, der gar nichts kann,
wird umsonst um bares flennen.
Also, künstler, streng dich an!

Du mußt singen silbertönig,
bist du wie die stadt verarmt,
dass eventuell ein könig
sich auch deiner einst erbarmt.


Quelle: Poesiealbum neu: „Größe spüren. Musikgedichte“, Leipzig 2019

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